“Unregierbar, das ist mir sympathisch”

Der Comiczeichner Gerhard Seyfried hat einst der Spontiszene ein Gesicht gegeben – eines mit Zottelbart, breitem Grinsen und auf einem Körper sitzend, der gerne auch mal eine Bombe in den Händen hielt. Heute schreibt er historische Romane – im Lokalteil-Interview berichtet er über den Cartoonisten Seyfried, den Schriftsteller Seyfried – und wie sich die beiden so vertragen.

Es ist bereits der vierte Roman, den Seyfried im Rahmen der LiteraTour Nord im Wilhelm 13 vorstellte; und der dritte, der zu Kaisers Zeiten spielt: In “Verdammte Deutsche!” geht es um die mitunter skurill anmutenden Anfänge des modernen Geheimdienstwesens am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die Vorliebe für die Pickelhaubenzeit, in die sich Seyfried schon mit seinen Kolonialromanen “Herero” und “Gelber Wind” begeben hatte, mutet nicht eben als naheliegendstes Steckenpferd für den Künstler an, der mit Comicbänden wie “Invasion aus dem Alltag” oder “Flucht aus Berlin” zuvor vor allem die späte Bundesrepublik wie kein zweiter in Szene gesetzt hatte. Mindestens ein Seyfried-Cartoon war und ist auch heute noch in jeder WG-Küche – sofern deren Bewohner etwas auf sich halten – zu sehen; seine Helden waren sesselpupsige Anarchos, seine Lieblingsfeinde Nazis und Polizisten, seine Geschichten herrlich abgedreht. 1990 brachte ihm das auf dem Erlanger Comicsalon die Auszeichnung als “bester deutschsprachiger Comickünstler” ein.

Zuletzt erschien 2010 nach zehnjähriger Pause mit “Kraft durch Freunde” wieder ein Comicalbum in Zusammenarbeit mit Ziska Riemann.

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Kamera und Schnitt: Amon Thein