Verzweifelte Situationen erfordern verzweifelte Maßnahmen

Grün, so grün: Dieser Pilz soll gut schmecken. Mitunter allerdings nur einmal. Foto: M. Renner/Wikimedia

Jaja, ich weiß: Den Krankenkassen fehlt es an Geld, jedes Jahr wieder und immer ein bisschen mehr.  Längst macht das hübsche Wort des “sozialverträglichen Frühablebens” die Runde, mit dem allein – da bei den Medikamentenpreisen sowieso nie etwas geschehen wird – die Gesundheitskosten reduziert werden könnten.  Meine Krankenkasse will da offenbar nichts dem Zufall überlassen und rät mir schon mal vorsorglich zum Verzehr von giftigen Pilzen.

In der Herbstausgabe ihres Mitgliedermagazins “aktiv+gesund” macht die ikk richtig Lust aufs Pilzesammeln, empfiehlt ein Buch dazu und stellt, damit man sofort loslegen kann, auch gleich drei schmackhafte Pilzarten vor: Den Steinpilz (kennt man, ist im Laden teuer), die  Espenrotkappe (nie gehört, sicher was für Märchenfreunde) und den Grünling. Moment mal – Grünling?

Jawoll, Grünling; ein Gewächs, dem ich als Laie schon vom bloßen Anblick her nicht über den Weg trauen würde.  Und schon die niederste und unmotivierteste Form der Recherche – bei Wikipedia nachgucken – gibt mir recht: Der fragwürdige Fungus könne eine in manchen Fällen tödlich verlaufende Muskelschwäche auslösen. Da hilft dann wohl auch das Abziehen der Huthaut nicht.

Nun bin ich kein Pilzsammler, nie einer gewesen und auch durch das “aktiv+gesund”-Heft keiner geworden. Nicht nur, weil ich es eh nicht gelesen habe, sondern weil ich mir Besseres vorstellen kann, als bei diesem Wetter durchs Unterholz zu kriechen; außerdem findet man da dauernd Mordopfer (“Pilzsammler hatten den Leichnam am Sonntagmorgen in einem Waldstück entdeckt und …“). Das kann einem das ganze Wochenende versauen.

Aber es hätte so kommen können: Ich hätte urplötzlich zum Naturburschen und Pilzfreak avancieren, kiloweise Grünlinge ins Haus schleppen, alle meine fünfhundert Freunde zu einer unfreiwilligen Henkersmahlzeit einladen und damit der Oldenburger Medienlandschaft einen vernichtenden Schlag versetzen können. Immerhin hatte ich drei Wochen Zeit dazu.

Ich muss sagen: Ich bin schon ein bisschen enttäuscht, dass meine Kasse mich auf so durchtriebene Art loswerden will. Zumal ich bislang wesentlich mehr Geld eingezahlt als gekostet haben dürfte. Warum soll dann gerade ich in den Pilz – und damit auch ins Gras – beißen? Ach so, soll ich ja gar nicht, wie die ikk in dieser Woche eilig hinterherschob:

Verstehe ich auch wieder nicht – warum jetzt doch nicht? Ach so, weil der Pilz nur bei manchen Menschen tödlich wirkt. Bei den anderen verursacht er wohl nur Schmerzen und Übelkeit und so.

Mit anderen Worten: Unkosten.

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