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	<title>Noltejournal &#124; Magazin &#187; Museum &#124; Noltejournal | Magazin</title>
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		<title>Sie weiß, was du letzten Sommer getan hast</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jan 2013 04:00:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkunst]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>

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		<description><![CDATA[Totale Vernetzung, jederzeit und überall abrufbare Daten, gläserne Bürger - eine Horrorvorstellung für die meisten Menschen. In Estland ist man diesen Weg schon recht weit gegangen, und der Künstler Timo Toots zeigt zurzeit im Edith-Ruß-Haus, wo er hinführen könnte.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Totale Vernetzung, jederzeit und überall abrufbare Daten, gläserne Bürger &#8211; eine Horrorvorstellung für die meisten Menschen. In Estland ist man diesen Weg schon recht weit gegangen, und der Künstler Timo Toots zeigt zurzeit im Edith-Ruß-Haus, wo er hinführen könnte.</span></p>
<div id="attachment_42352" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/01/EDR-Memopolis.jpg"><img class="size-full wp-image-42352" alt="Wann, was, wieviel, wen? Memopol kennt seine Benutzer besser als die meisten anderen. FOTO: EDR" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/01/EDR-Memopolis.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Wann, was, wieviel, wen? Memopol kennt seine Benutzer besser als die meisten anderen. FOTO: EDR</p></div>
<p>„Memopol II“ ist eine Maschine, die ihren Betreiber gewissermaßen virtuell die Hosen herunterzieht – sobald sie den Personalausweis gescannt hat, gibt sie Auskunft darüber, wo er wohnt, wen er kennt, wieviel er verdient, welche Pillen er schluckt und wie es in seinem Oberstübchen aussieht. Das wirkt, zumindest in der Installation im Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, zunächst wie eine kurzweilige Spielerei, eine Mischung aus Zufallsgenerator und automatisiertem Googlen. Aber der Spaß ist nur vordergründig. Die Maschine kennt keinen Humor, nur Zahlen; und nach erfolgter Analyse aller Daten reduziert sie ihre Benutzer auf eben diese.</p>
<p>Für den Durchschnittsbesucher wirkt das Ganze ziemlich science-fiction-mäßig, für den Künstler Timo Toots ist es das nur bedingt. Toots lebt in Estland, einem Land, das die Idee der elektronisch vernetzten Gesellschaft weiter vorangetrieben hat als jedes andere: Nahezu jeder Este besitzt ein Handy, der Zugang zum Internet ist gesetzlich verankert und über zahllose öffentliche Hotspots und Terminals gewährleistet, sogar die Teilnahme an Wahlen ist längst online möglich. Die Digitalisierung geht aber noch viel weiter: Der estnische Personalausweis ist eine Chipkarte, mit der sich rechtsverbindliche Verträge digital abschließen lassen; man kann mit ihm bezahlen, Behördenkram erledigen und er funktioniert auch als Krankenversicherungskarte.</p>
<p>Der Ausweis weiß, kurz gesagt, eine ganze Menge über seinen Inhaber – und da alle denkbaren Interaktionen online ablaufen, drängt sich die Frage auf, wer das noch alles weiß. Oder zumindest in Erfahrung bringen kann. Die Antwort liegt nahe: Der estnische Staat hat auch in punkto Datensammlung alle anderen EU-Staaten hinter sich gelassen. „Memopol II“ tut im Prinzip nichts anderes, als dieses staatliche Portal zu simulieren; dass Besucher des Museums zunächst einen gefaketen Registrierungsvorgang absolvieren müssen, um die Installation zu betreten, ist da nur folgerichtig.</p>
<p>Die digitale Revolution werde in Estland eher gefeiert als gefürchtet, sagt Jan Blum, Mitarbeiter am Edith-Ruß-Haus: Viele Esten nähmen sie vor allem als Erleichterung im Umgang mit alltäglichen Dinge wahr. Das persönliche Profil eines Menschen definiere sich nicht mehr nur über dessen physikalische Existenz, so Toots – es gebe noch das andere, das digitale, über das er manchmal nur wenig Kontrolle habe und das stetig wächst, jedes Mal, wenn man elektronisch bezahlt oder sich in einem Sozialen Netzwerk bewegt.</p>
<p>Dass „Memopol II“ eher schräge Ergebnisse ausspuckt, liegt daran, dass der eingescannte deutsche Perso nicht allzu viele Daten hergibt – noch nicht. Aber die Installation umfasst weitere, in Oldenburg erstmals zu sehende Räume; und dort wird es langsam ernster, viel ernster. Im Untergeschoss werden die Marktwerte der Benutzer von „Memopol II“ im Stil der bekannten Laufbänder aus Nachrichtensendungen an die Wand geworfen, inklusive Kursschwankungen. Ihre Leistungsfähigkeit und Krankheitsanfälligkeit wird analysiert und zu einem durchschnittlichen Prozentsatz zusammengefasst, der letztlich den Grad der Funktionalität des Betreffenden beschreibt. Arbeitgeber würde das wohl sehr interessieren, und spätestens hier fadet die Zukunftsmusik langsam aus – letztlich ist die elektronische Gesundheitskarte der erste Schritt in diese Richtung.</p>
<p>Ihren Höhepunkt findet die Installation im letzten Raum, einem vollautomatisierten Gerichtssaal. Die Entwicklung wurde von Toots hier konsequent weitergedacht: Die Maschine geht eine Reihe von fiktiven Strafrechtsparagraphen durch und gleicht diese mit den Eingaben der bisherigen Ausstellungsbesucher ab. Die Ergebnisse lesen sich lustig: „§177a: It is forbidden to complain about Markus“, steht da, gefolgt vom Namen des Benutzers und dem Schuld- oder Freispruch, immer wieder, Punkt für Punkt. „Ein elektronisches Jüngstes Gericht“, sagt Blum, „ohne Möglichkeit, sich zu verteidigen“. Wozu auch – schließlich ist eine Maschine nüchtern, unbestechlich und richtet sich nach den Fakten; sie ist die effizienteste Methode zur Industrialisierung der Rechtsprechung.</p>
<p>Bis es soweit kommt, werden noch viele Datenmengen durch die Glasfaserkabel fließen. Toots’ Installation wirft aber schon jetzt die Frage auf, wie weit dieser Weg wohl sein wird – an der Technik würde es ja schon heute nicht mehr scheitern.</p>
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		<title>Von Übersee nach Weser-Ems</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 05:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leute]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Landesmuseum Natur und Mensch hat einen neuen Leiter: Peter-René Becker ist in der Zoologie genauso zuhause wie in der Ethnologie. Im Lokalteil-Interview äußert er sich zu seinen Ideen und Plänen und zur Zukunft des Hauses.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Das Landesmuseum Natur und Mensch hat einen neuen Leiter: Peter-René Becker ist in der Zoologie genauso zuhause wie in der Ethnologie. Im Lokalteil-Interview äußert er sich zu seinen Ideen und Plänen und zur Zukunft des Hauses.</span></p>
<div id="attachment_42599" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/10/becker.jpg"><img class="size-full wp-image-42599" alt="Ist noch am Auspacken: Peter-René Becker, neuer Leiter im Natur und Mensch. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/10/becker.jpg" width="600" height="381" /></a><p class="wp-caption-text">Ist noch am Auspacken: Peter-René Becker, neuer Leiter im Natur und Mensch. FOTO: mno</p></div>
<p><strong>Herr Becker, Sie haben sich Oldenburg schrittweise genähert: Erst Göttingen, dann Osnabrück, zwischendurch Bielefeld, zuletzt Bremen. Wann waren Sie eigentlich zum ersten Mal hier im Landesmuseum Natur und Mensch?</strong></p>
<p>Dieses Museum habe ich recht früh kennen gelernt, weil wir schon in Bielefeld eine Zusammenarbeit mit den Kollegen in Oldenburg hatten. Von Bremen aus war das natürlich noch dichter. Wenn Sie mich jetzt so fragen… das erste Mal hier im Museum war ich 1989.</p>
<p><strong>Dann haben Sie den Vorher-Nachher-Effekt ja selbst mitbekommen – 1989 sah das Museum ja noch ganz anders aus. Wie ist diese Neuorientierung, wie ist das Haus selbst außerhalb von Oldenburg eigentlich wahrgenommen worden?</strong></p>
<p>Sehr rege; gerade die Errichtung der drei neuen Dauerausstellungsbereiche wurde sehr offensiv wahrgenommen – ich denke, auch über Niedersachsen hinaus – und ihre Fertigstellung sehr begrüßt. Das Museum war zuvor ja tatsächlich so, dass man eine neue Dauerausstellung brauchte; die Entscheidung für die drei Themen, plus Aquarium und Mineralienkeller, die man auch nicht vergessen darf, war eine glückliche Entscheidung. Ich denke, so, wie es geworden ist, wird man es auf längere Sicht ruhig lassen können.</p>
<p><strong>Sie promovierten in Zoologie, Anthropologie und Ethnologie. Sind sie eines davon mehr als die anderen?</strong></p>
<p>Sicherlich bin ich mehr Biologe als Völkerkundler, aber ich habe Völkerkunde komplett studiert und in der Promotion als Nebenfach übernommen. Ich fand die Verbindung sehr spannend. Wenn man ein naturwissenschaftliches Fach studiert hat und mit dessen Methoden vertraut ist, also mit Experimenten und Laborarbeit, und dann bei einem philosophischen Fach wie Völkerkunde auf ganz andere Bedingungen stößt – dort gibt es ja eine ganz andere Form der Beweisführung, da ersetzt die Empirie das Experiment, und beide Methoden sind hochvalide und nicht gegeneinander ausspielbar – das fand ich für mich sehr bereichernd und es hat mir auch in meinem ganzen Berufsleben sehr geholfen, dass ich nie mit scheelem Blick auf die andere Fakultät geguckt habe. Ich habe beides erfahren, beides schätzen gelernt und im Beruf sehr gerne verbunden.</p>
<p><strong>Da kommt es Ihnen sicher entgegen, dass der Ansatz dieses Museums ebenfalls ein interdisziplinärer ist. Hat das für Ihre Bewerbung eine große Rolle gespielt?</strong></p>
<p>In den Gesprächen wurde das immerhin positiv aufgenommen. Es ist ja so, dass ich von den drei Departements hier immerhin zwei abdecke – Archäologie ist nicht mein Schwerpunkt, man muss ja auch mal ehrlich sagen, was man nicht leisten kann. Ich kenne das aus dem Übersee-Museum Bremen, wo ich vorher tätig war, dass die Verbindung zwischen den naturkundlichen und den völkerkundlichen Prozessen ja auch auf eine Wirklichkeit stößt. Wenn ich als Tourist irgendwo anders bin, gucke ich mir ja auch nicht am Montag die Bäume an, am Dienstag die Tiere und Mittwoch die Häuser oder die Menschen, sondern ich erlebe das in toto. Daraus entstehen Fragen, die ich dann für mich lösen will und dafür zum Beispiel ins Museum gehe. Wir müssen das nicht künstlich aufspalten.</p>
<p><strong>Sie waren jahrelang im Übersee-Museum beschäftigt – konnten Sie das dort auch umsetzen?</strong></p>
<p>Ja. Das war auch einer der Punkte, die damals dazu geführt hatten, dass ich diese Stelle bekam. Wir haben ja im Übersee-Museum diese Kontinentalausstellungen – Ozeanien, Asien, jetzt geht gerade Afrika los – immer interdisziplinär bearbeitet und die Fragen aus den jeweiligen Arbeitsgruppen zusammengefasst. Meine war immer: Welche Fragen haben die jeweiligen Ethnien an die Natur gestellt und wie bewerten sie die Antworten, die sie aus der Natur bekommen? Das geht dann auch oft in die Richtung von Mythen oder Traditionen. Also, das ging dort sehr gut, und ich werde in den Sonderausstellungen, die ja hauptsächlich mein Geschäft sein werden, hier auch so umfassende Themen bringen, dass diese Fragestellungen der außereuropäischen Kulturen, die wir ja auch als Sammlungsgebiet haben, beantwortet werden können.</p>
<p><strong>Ein neuer Direktor bringt auch neue Ideen mit. Haben Sie da schon konkrete Vorstellungen, etwa in Bezug auf erste Sonderausstellungen?</strong></p>
<p>Ja, sicherlich. Zunächst sind vor allem Ausstellungen gerechtfertigt, die die eigene Sammlung berücksichtigen, denn hier sind auch Schätze, die in den letzten Jahren wenig oder gar nicht gezeigt wurden. Einer dieser Schätze ist ein Meteorit, der größte Steinmeteorit, der je in Deutschland heruntergekommen ist und über den man zum Glück sehr viel weiß – zwar nicht das genaue Jahr, wann er in Benthullen eingeschlagen ist, es ist maximal 120 Jahre her –, aber man weiß, wo er entstanden und wie er zusammengesetzt ist. Es wäre eine Idee, das zum Anlass zu nehmen, eine Ausstellung über Meteoriten zu machen. Das können wir nicht allein stemmen, wir sind da angewiesen auf die Kollegen in Hamburg und Wien – dort ist die größte Meteoritensammlung der Welt, da wird es sicher möglich sein, Leihgaben zu erhalten.<br />
Dann würde ich auch gerne Themen spielen, die nicht nur auf der Sammlung beruhen, sondern Relevanz in der Region haben – ich denke da an das Thema „Fisch“, wir sind ja immerhin in Norddeutschland. Oldenburg ist nun keine Fischanlandestelle, aber hier wird Fisch gegessen, hier werden die Thematiken wahrgenommen. Das ist ein sehr breites Spektrum. Man kann den Fisch als Organismus vorstellen, dann gibt es Fangquoten, die Rolle von Aqua- und Marikulturen bis zu dem Umstand, dass wir längst vor Küsten fischen, wo Indigene leben, denen wir die Fische wegfangen. Die Sammlung des Hauses spielt da eine untergeordnete Rolle, aber es ist ein Thema, das gesellschaftlich relevant ist.</p>
<p><strong>Ihr Vorgänger hat viel Aufmerksamkeit mit großen kulturhistorischen Ausstellungen bekommen, die thematisch weit über die Region hinausgingen. Wird es, wenn man den Orient-Aspekt mal außen vor lässt, solche Sonderschauen auch künftig geben oder wird der Schwerpunkt doch eher in der Region liegen?</strong></p>
<p>Weder noch. Ich werde diese großen kulturhistorischen Ausstellungen nicht fortführen können, weil ich dazu zuviel Know-how einkaufen müsste. Ich werde aber auch nicht nur in der Region bleiben. Wenn wir zum Beispiel die erwähnte Meteoritenausstellung machen, dann ist es auch ein ganz wichtiger Bestandteil, welche Bedeutung der Meteoritenfall für indigene Völker hat. Es kommen weltweit ja jeden Tag Meteoriten herunter, die meisten sehr klein, aber eben auch immer wieder mal größere. Dort haben sie sicherlich Mythen beeinflusst, auch Erklärungen zur Entstehung der Welt. Denn das muss man sich klarmachen: Jede Ethnie, und sei sie auch noch so klein, hat ein geschlossenes Weltbild, und darauf haben Meteoriten Einfluss genommen.</p>
<p><strong>Sie hatten es bereits erwähnt – Archäologie haben Sie nicht auch noch studiert, das wird wohl auch niemand verlangen. Bislang hatte der Direktor das Feld mit abgedeckt – Mamoun Fansa ist Archäologe –, aktuell steht dieser Bereich, der zu den Grundpfeilern des Museums gehört, personell also nicht besonders gut da. Wie wird es da weitergehen?</strong></p>
<p>Da hoffe ich, dass wir auf eine gute Zusammenarbeit mit der Landesarchäologie zurückgreifen können. Das wird auch einer meiner ersten Besuchstermine sein. Natürlich werden wir dieses Gebiet im Hause weiter pflegen, wir haben ja auch die Museumspädagogik im Bereich Archäologie und die Restauratorinnen. Wir wollen und können diesen Bereich also gar nicht aufgeben, aber wir werden ihn inhaltlich und wissenschaftlich stärker an die Landesarchäologie anbinden und ich denke und hoffe, dass ich da auf offene Türen stoße.</p>
<p><strong>Sie haben eine Sonderausstellung geerbt: „O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehen…“ ist gezielt als Open-end-Schau gestartet worden, weil man seinerzeit noch gar nicht wusste, wie es weitergeht. Wie lange wird die noch zu sehen sein, und was kommt dann? Schon die Meteoriten?</strong></p>
<p>Im Moment bin ich dabei, einen Zeitplan zu stricken. Wir werden auch, das ist Konsens im Haus, von einem Halbjahres- auf ein Quartalsprogramm umsteigen, weil man dann flexibler ist und schneller Änderungen vornehmen kann. Für das erste Quartal 2012 sehen wir vor, dass die Moor-Ausstellung enden wird, ein Datum kann ich noch nicht nennen. Wir planen dann, noch vor Ostern die neue Sonderausstellung zu präsentieren – und das kann dann die zum Thema Meteoriten sein, wenn die Zusammenarbeit mit den erwähnten Häusern wie erhofft klappt.</p>
<p><strong>Sie werden noch in diesem Jahr 62 Jahre alt, ein Alter, in dem man sonst eher nicht noch neue Herausforderungen sucht. Was war für Sie der Reiz an dieser Aufgabe?</strong></p>
<p>Das bin ich auch von Kollegen und im privaten Kreis gefragt worden: Warum denn jetzt noch? Nur für drei Jahre hätte ich es sicher nicht gemacht – die hätte ich auch glücklich in Bremen zubringen können. Aber in meinem Beruf muss man nicht unbedingt das normale Rentenalter beachten, finde ich – und der Vertrag läuft schließlich bis 2017. In sechs Jahren aber kann man noch eine Menge bewegen und Akzente setzen, das hat mich gereizt. Und danach – wer weiß, vielleicht kommt dann ja wieder ein Archäologe.</p>
<p><strong>Noch eine Frage, die nichts mit Ihrer Profession zu tun hat: Wie sind Sie denn in Oldenburg angekommen?</strong></p>
<p>(Lacht) Nett, dass Sie fragen. Also, angekommen bin ich ja in eine mir schon vertraute Stadt. Ich hatte mit meinem Kollegen Ulf Beichle, der ja hier die Naturkunde betreut, immer schon ein sehr gutes Verhältnis; wir hatten nie geahnt, dass wir mal in demselben Haus arbeiten würden. Was mich sehr freut, ist, dass ich auch von den Oldenburgern sehr höflich und nett aufgenommen worden bin. Natürlich ist man gespannt: Was macht der Neue? Das ist auch völlig in Ordnung, es ist ja eine fruchtbare Spannung, die einen beflügelt. Aber vom Tenor her sehr positiv, das freut mich.</p>
<p><strong>Da möchte ich noch einmal nachhaken: Eine fruchtbare Spannung – oder vielleicht sogar eine gewisse Erwartungshaltung, was spektakuläre, überregional antizipierte Ausstellungen angeht?</strong></p>
<p>Es wird sicher erwartet, dass Ausstellungen laufen, die überregional wahrgenommen werden. Das ist natürlich auch mein eigener Anspruch. Ich möchte zwar vor allem die Leute in der Region erreichen und Themen bringen, die sie originär interessieren, aber eben auch Menschen, die zum Beispiel in München oder Stuttgart wohnen – diese Relevanz sollten die Ausstellungen schon haben. Ich mache mir da gar keinen Druck, wir werden Ausstellungen von Anfang an so konzipieren, dass sie eine gewisse Strahlkraft haben. Welche Besucher wir dann letztlich erreichen, werden wir dann sehen. Aber ich schaue auch ganz gezielt auf die Besucher aus der Region, die darf man bei allem Nach-Außen-Gucken nicht vernachlässigen – das ist nun mal das Museum der Weser-Ems-Region, und ich fände es fantastisch, wenn die Leute aus der Region auch wirklich kommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Peter-René Becker, Jahrgang 1949, studierte Biologie und Ethnologie in Göttingen und promovierte in den Fächern Zoologie, Anthropologie und Ethnologie. Zuletzt leitete er den Bereich Naturkunde im Überseemuseum Bremen. Am 1. Oktober übernahm er die Leitung des Landesmuseums Natur und Mensch in Oldenburg.</em></p>
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		<title>Kick it like 1990</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 04:00:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>
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		<description><![CDATA[Fußball als reine Handarbeit: Computerkicker spielen in Oldenburg die Deutsche Meisterschaft aus - in einem Spiel, das aus der Frühgeschichte der Branche stammt.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Fußball als reine Handarbeit: Computerkicker spielen in Oldenburg die Deutsche Meisterschaft aus &#8211; in einem Spiel, das aus der Frühgeschichte der Branche stammt.</span></p>
<div id="attachment_42605" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/10/kickoff1.jpg"><img class="size-full wp-image-42605" alt="Ein Computer, zwei Joysticks, zwei Bier. Kann losgehen. BILD: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/10/kickoff1.jpg" width="600" height="398" /></a><p class="wp-caption-text">Ein Computer, zwei Joysticks, zwei Bier. Kann losgehen. BILD: M. Nolte</p></div>
<p>Mit einem langgezogenen „Jaaaaaahh!“, das das Rumtata des vorbeiziehenden Kramermarktumzugs locker übertönt, sinkt Thorsten vom Klappstuhl aus auf die Knie, reißt die Arme hoch und reckt den Joystick gen Zimmerdecke. Soeben hat der virtuelle Schiedsrichter abgepfiffen, seine namenlose Mannschaft hat ein weiteres Vorrundenspiel gewonnen, und kaum ein realer Fußballspieler könnte sich leidenschaftlicher freuen. Willkommen bei der Deutschen Meisterschaft im „Kick Off 2“.</p>
<p>Kick Off, das ist ein Relikt aus einer Zeit, als Computerspiele noch Pfui-bah waren, noch viel mehr als heute; als man sich unter Gamern noch dicke, pickelige Nerds vorstellte, mit denen je nach Alter niemand spielen und von denen die Mädchen schon mal gar nichts wissen wollten. 20 Jahre ist es her, dass das Spiel auf den Markt kam, und die zur Meisterschaft im Oldenburger Computermuseum angetretenen 16 Spieler – Spielerinnen sind nicht dabei – sind im entsprechenden Alter von Mitte bis Ende 30. Jüngere gibt es kaum: „Man muss eigentlich schon von Anfang an gespielt haben, um alle Kniffe zu kennen“, sagt Frank aus Mannheim, 37 Jahre alt und amtierender Deutscher Meister. Heißt: Man kommt nachträglich kaum mehr rein. Und heißt wohl auch, ohne dass es jemand laut ausspricht: Welcher heutige junge Computerspieler soll sich für dieses grafisch antiquierte Gebolze schon noch begeistern?</p>
<p>In jener Zeit, als sich niemand 3D-Fußballsimulationen auch nur im Traum ausmalen konnte, setzte Kick Off 2 Maßstäbe – die sich dem außen stehenden Betrachter allerdings kaum erschließen. Das Spiel wirkt unglaublich hektisch, die hässlichen gelben und blauen Pixelhaufen, die Spieler aus der Vogelperspektive darstellen sollen, wuseln in einer aberwitzigen Geschwindigkeit über den Platz, den Ball von einer Seite des Felds zur anderen zu bringen, dauert nur ein paar Sekunden. Trotzdem: Die technischen Möglichkeiten seien unerreicht, schwärmt Thorsten; man erlebe auch bei einer fünfstelligen Zahl an absolvierten Partien noch Situationen, die man so noch nie gesehen habe, sagt Oliver aus Düsseldorf. Wenn Fans über das Spiel reden, fallen Sätze wie „Man kann nicht gewinnen, wenn man nicht im Mittelfeld die Zweikämpfe gewinnt“, und dann klingt es beinahe wie beim echten Fußball.</p>
<p>Viele sind es allerdings nicht mehr, die das betagte Spiel am Leben halten. 70 Aktive gebe es weltweit, etwa 25 in Deutschland, sagt Thorsten – zahlenmäßig die stärkste Gruppe, international aber nur drittklassig, das Feld beherrschen die Griechen und Italiener. Ob letztere auch ihre Kick-Off-Spiele hauptsächlich durch Elfmeterschinden gewinnen, versuche ich mich in einem Fußballwitz-unter-Männern, aber die Antwort ist ganz nüchtern: Nein, Elfmeterschinden gehe bei Kick Off zwar auch, wenn man eine bestimmte Bewegung mache, aber das sei verpönt. Die Deutschen seien immerhin die lautesten, und wie zum Beweis brüllt Jan in Richtung Monitor: „Mach den doch rein, du Depp!“ Ob er tatsächlich gerade seine virtuellen Pixelspieler angeschrieen habe, frage ich; wohl eher sich selbst, meint Thorsten. Am Ende machen es die beiden Favoriten Oliver und Frank, die Nummern sieben und acht der Weltrangliste – natürlich gibt es auch eine Weltrangliste –, wie erwartet unter sich aus; mit einem für eine Kick-Off-Partie erstaunlich realistischen Ergebnis von 4:3 verteidigt Frank seinen Titel.</p>
<p>Eine Meisterschaft, eine Deutsche gar, ist ohne festgelegtes Reglement nicht denkbar; und so sind die Version des Spiels, die Spieldauer und die Plattform – der längst in die ewigen Schrottplätze eingegangene Commodore Amiga – festgelegt. Jeder hat allerdings sein eigenes Handwerkszeug dabei: Einer der Spieler zieht sich zu jeder Partie Sporthandschuhe an, ein anderer bringt seinen selbstgebauten Joystick mit – groß wie ein Schuhkarton und so robust aussehend, als könnte man damit Spundwände in die Erde hämmern. Das Steuergerät eines Spielers ist so etwas wie sein Heiligtum, sagt Thiemo Eddiks, der Betreiber des Museums, das sich auch sonst dem Nostalgiedaddeln verschrieben hat.</p>
<p>Die Fans nehmen ihr Spiel ernst genug, um weite Wege in Kauf zu nehmen; Thorsten ist vom Bodensee nach Oldenburg angereist, andere kommen aus Hamburg, dem Rheinland oder Hessen. Sie nehmen sich selbst und die Meisterschaft aber auch wiederum nicht so ernst, dass es in Verbissenheit ausartet; man merkt es unter anderem bei Zwischenrufen wie „Mist, ich bin ja die anderen“ (nach einem Eigentor) oder „Du bist Gelb!“ (als Antwort des Gegners) und vor allem an der Vielzahl der zwischen den altertümlichen Monitoren drapierten Bierflaschen und Chipstüten, als gelte es, jedes gängige Nerdklischee zu erfüllen. Und zugleich auch ein Fußballfanklischee – um Fußball geht es letztlich ja auch, irgendwie jedenfalls, nur dass an diesem Samstag in Oldenburg die Fans auch vor dem Bildschirm ins Schwitzen geraten.</p>
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		<title>Zwischen Mythos und Markenkult</title>
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		<pubDate>Thu, 19 May 2011 04:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>

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		<description><![CDATA[35 Jahre - in der noch jungen Geschichte der Computertechnik ist das eine Zeitspanne, die ansonsten in etwa dem Abstand zwischen der frühen Bronzezeit und der Raumfahrtära entsprechen dürfte. Und da klassische Jubiläen im gerade erst durchstartenden Informationszeitalter noch eher selten sind, muss es eben auch mal eine krumme Zahl tun: In diesem Jahr feiert Apple seinen 35. Geburtstag, und das Oldenburger Computer Museum (OCM) widmet der hippen Computerschmiede aus Kalifornien eine eigene Ausstellung.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">35 Jahre &#8211; in der noch jungen Geschichte der Computertechnik ist das eine Zeitspanne, die ansonsten in etwa dem Abstand zwischen der frühen Bronzezeit und der Raumfahrtära entsprechen dürfte. Und da klassische Jubiläen im gerade erst durchstartenden Informationszeitalter noch eher selten sind, muss es eben auch mal eine krumme Zahl tun: In diesem Jahr feiert Apple seinen 35. Geburtstag, und das Oldenburger Computer Museum (OCM) widmet der hippen Computerschmiede aus Kalifornien eine eigene Ausstellung.</span></p>
<div id="attachment_42620" class="wp-caption aligncenter" style="width: 604px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/05/ocm-apple.jpg"><img class="size-full wp-image-42620" alt="Apple II, in Szene gesetzt vom technischen Ururenkel. BILD: S. Winter" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/05/ocm-apple.jpg" width="594" height="357" /></a><p class="wp-caption-text">Apple II, in Szene gesetzt vom technischen Ururenkel. BILD: S. Winter</p></div>
<p>Zu Gast bei der Eröffnung: Charlotte Erdmann, Chefredakteurin des M-Magazins, das sich mit allen möglichen Themen rund um Apple-Produkte befasst und mit seiner Selbstbezeichnung &#8220;Lifestyle und Technik Magazin&#8221; schon andeutet, woran der Erfolg des Konzerns im Wesentlichen festzumachen ist &#8211; Apple verkauft nicht nur Computer, Telefone und anderes Gerät; Apple verkauft ein Lebensgefühl und macht damit vermutlich auch sein Hauptgeschäft. Wer sich in bestimmten Kreisen ohne Mac blicken lässt, steht mitunter auf einer Stufe mit einem Aussätzigen: &#8220;Ich komme ja aus dem Designerbereich, da wird es schon regelrecht erwartet, dass man einen angebissenen Apfel auf dem Notebook hat&#8221;, sagt Thiemo Eddiks, Gründer des OCM und selbst in beiden Welten &#8211; Apple <em>und </em>Microsoft &#8211; groß geworden.</p>
<p>Auch wenn die Entscheidung zwischen Apple und Windows-PCs eine Glaubenssache bleibt: Die Bedeutung der Firma für die Entwicklung der gesamten Branche ist nicht kleinzureden. Mit dem Namen Apple ist nicht zuletzt die Etablierung der grafischen Benutzeroberfläche als Standard-Bedienungselement heutiger Computer verbunden. Der Apple II wurde nicht nur 16 Jahre lang gebaut, sondern aufgrund seiner Eigenschaft weltweit auch gerne kopiert; der 1984 erschienene Macintosh war seiner Zeit in mehrerer Hinsicht voraus. Und nicht nur in der IT-Welt hat der Konzern einen Stellenwert, der in bemerkenswerter Weise über seinen nach wie vor eigentlich eher geringen Marktanteil hinausgeht: Vor kurzem hat <a href="http://www.ftd.de/it-medien/computer-technik/:markenranking-apple-kickt-google-vom-thron/60049392.html" target="_blank">Apple Google als wertvollste Marke der Welt</a> abgelöst.</p>
<p><strong>Ein kleiner Schritt für den Besucher, ein großer Sprung für das Museum</strong></p>
<p>Für das Computermuseum bedeutet die Ausstellung den Schritt auf eine neue Stufe: Es handelt sich um die erste Sonderausstellung des nicht gerade großen Hauses. Um sie zeigen zu können, musste die Dauerausstellung &#8211; betriebsbereite Rechner aus vier Jahrzehnten &#8211; komplett abgebaut und verstaut werden. Zwar waren die Oldenburger nicht die Ersten, die zum Konzernjubiläum eine Ausstellung auf die Beine gestellt haben &#8211; das Museum für angewandte Kunst in Frankfurt zeigt seit März eine Apple-Schau. Dort nähert man sich dem Thema aber eher vom Standpunkt der Markenwahrnehmung, des künstlerischen Aspekts und der Psychologie. Im OCM dagegen darf der User &#8211; wie auch in der Dauerausstellung &#8211; in die Tastatur greifen: Alle ausgestellten Geräte sind funktionstüchtig.</p>
<div id="attachment_42619" class="wp-caption alignright" style="width: 178px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/05/ocm-onyx.jpg"><img class="size-full wp-image-42619" title="Mannshohe Neuerwerbung: Ein Onyx2 FOTO: M. Nolte" alt="Mannshohe Neuerwerbung: Ein Onyx2 FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/05/ocm-onyx.jpg" width="168" height="375" /></a><p class="wp-caption-text">Mannshohe Neuerwerbung: Ein Onyx2 FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Überhaupt hat das OCM zweieinhalb Jahre nach seiner Gründung Einiges erreicht. Ein Verein hat sich gegründet, ehrenamtliche Mitarbeiter halten den Betrieb aufrecht &#8211; und auch der Bekanntheitsgrad ist offenbar auch über die Stadtgrenzen hinaus deutlich gestiegen. So ist das Museum jüngst an einen Onyx-2-Rechner gekommen: Das kühlschrankgroße Grafikmonstrum ist bei einer Hamburger Werbeagentur ausgemustert worden, die Besitzer selbst haben beim OCM angefragt, ob Interesse daran bestünde. Es bestand durchaus: &#8220;Das Ding war in den 90er-Jahren das Maß aller Dinge, was Grafik betrifft&#8221;, sagt der zweite Vereinsvorsitzende Jörg Walter: &#8220;Auf so einem Gerät sind die Spezialeffekte von &#8216;Matrix&#8217; entstanden.&#8221; Der sperrige Klotz stellte das Museumsteam allerdings vor neue Herausforderungen: Auf dem halben Quadratmeter Grundfläche lasten fast 400 Kilo Gewicht. Das trägt nicht jeder Boden, und so muss der Onyx sein Dasein zunächst im Ausstellungsbereich fristen und damit leben, dass der eine oder andere Besucher versuchen wird, an ihm einen Kaffee zu ziehen.</p>
<p><strong>Warnung: Nicht genügend Abstellfläche auf c:</strong></p>
<p>Ein Grund mehr, nach neuen Räumlichkeiten Ausschau zu halten. Auch wenn die heutige Form des Museums schon eine dramatische Verbesserung zu den Anfängen der Sammlung darstellt &#8211; vor drei Jahren hatte Eddiks seine Geräte in einem Lagerraum gestapelt und konnte sie höchstens zu bestimmten Anlässen aufbauen -, so stösst das OCM bereits wieder an seine Grenzen. Daher wird ein neuer Standort gesucht, &#8220;vielleicht sogar groß genug, dass wir dauerhaft einen Extraraum für Sonderschauen zur Verfügung haben&#8221;, sagt Eddiks. Am Interesse des Publikums soll es nicht scheitern, das Museum spricht viele Menschen an &#8211; vom Kind, das sich dem Gameboy widmet über den Mittdreißiger, der verklärt auf den C64-Brotkasten blickt, bis hin zum Rentner, der erzählt, wie er seinerzeit mit Lochkarten hantieren musste. Und vielleicht wird ja auch mal ein solches Gerät an das Museum herangetragen.</p>
<p>Die kommenden Wochen aber werden ausschließlich im Zeichen des Apfels stehen, vom Holzkasten der 70er bis zum iPad. Und nicht nur in der Frankfurter Ausstellung, sondern auch hier ist spürbar, was am allerbesten bei Apple funktioniert: der Mythos. Zur Feier des Tages erzählt M-Chefin Erdmann im OCM die geradezu klischeehaft klingende Gründungsgeschichte des Weltkonzerns: Steve Jobs und Steve Wozniak als junge, unterernährte Studenten, die in der Garage ihre ersten Computer zusammenschraubten und dafür ihren geliebten VW-Bulli (Jobs) beziehungsweise ihren vergötterten Taschenrechner (Wozniak) verkaufen mussten. Das ist der Stoff, aus dem die IT-Legenden sind; man erwartet jeden Moment zu hören, dass Jobs in einer einsamen Blockhütte das Licht der Welt erblickte, und zwar in einer Krippe.</p>
<p>All das gehört untrennbar zur Marke Apple dazu. Apple-Rechner laufen stabiler, können mehr und heilen Krankheiten, sind eingeschworene Fans überzeugt &#8211; und sobald der Konzern ein neues Spielzeug auf den Markt wirft, ist nicht nur die Nerdfraktion, sondern auch die Medienwelt stets aus dem Häuschen und erzeugt regelmäßig flächendeckend das Gefühl, man brauche das neue iDings unbedingt; auch wenn man gar nicht unbedingt weiß, wofür eigentlich. Es spricht für die Ausstellung im OCM, dass es gelungen ist, diesen Zauber spürbar zu machen, ohne dem Hype zu verfallen.</p>
<p><em>Die Sonderausstellung &#8220;35 Jahre Apple-Computer&#8221;  läuft bis zum 30. Juni 2011 im <a href="http://www.computermuseum-oldenburg.de/" target="_blank">Oldenburger Computer-Museum</a>, Neue Straße 2. Geöffnet Di. und Do. von 17 bis 21 Uhr und jeden 2. und 4. Samstag im Monat von 12 bis 16 Uhr.</em></p>
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		<title>Der Nahe Osten im Nordwesten</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 19:49:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Leute]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Direktor des Landesmuseums Natur und Mensch, Mamoun Fansa, geht in diesem Jahr in den Ruhestand. Mit seiner Tätigkeit im Museum endet auch die Ausstellungsreihe der Orient-Okzident-Dialoge, die das Haus bundesweit bekannt gemacht hat]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Der in Syrien geborene Archäologe Mamoun Fansa hat das von ihm geleitete Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch vor allem durch seine Ausstellungsreihe der „Orient-Okzident-Dialoge“ überregional bekannt gemacht. Und mitten in diesem Dialog: Er selbst</span></p>
<div id="attachment_42402" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/03/mamoun-fansa-landesmuseum.jpg"><img class="size-full wp-image-42402" alt="Mehr Licht: Unter der Leitung Mamoun Fansas erfuhr das Naturkundemuseum eine grundlegende Neukonzeption. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/03/mamoun-fansa-landesmuseum.jpg" width="600" height="309" /></a><p class="wp-caption-text">Mehr Licht: Unter der Leitung Mamoun Fansas erfuhr das Naturkundemuseum eine grundlegende Neukonzeption. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p><span style="font-size: small;">Eine Ausstellung über Lawrence von Arabien &#8211; ja, so etwas würde er wirklich gerne einmal machen, antwortete Mamoun Fansa 2006 am Rande seiner ersten großen Orientausstellung auf die Frage, ob er denn weitere Projekte zu ähnlichen Themen plane. Viereinhalb Jahre später verwirklicht der Direktor des Landesmuseums Natur und Mensch diese Idee mit einer Sonderschau über den legendären Abenteurer, Aufrührer und Agenten – und verabschiedet sich damit vorab von dem Haus, das wie kaum ein anderes die Handschrift seines Leiters trägt und das er weit über den Nordwesten hinaus bekannt gemacht hat. Im Herbst, nach einer weiteren und eher naturwissenschaftlich geprägten Ausstellung, geht der gebürtige Syrer in den Ruhestand – und hinterlässt nicht nur in der regionalen Museumslandschaft eine nicht geringe Lücke.</span></p>
<p><span id="more-1498"></span>Denn „Lawrence von Arabien – Genese eines Mythos“ (noch bis 27. März) ist mehr als nur eine Sonderausstellung. Sie bildet den Höhe- und Schlusspunkt der deutschlandweit auf große Aufmerksamkeit gestoßenen Ausstellungsreihe der „Orient-Okzident-Dialoge“, die im Frühjahr 2006 mit einer spektakulären, in Kooperation mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle und den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim entstandenen Mittelalterschau über Sultan Saladin begann. Es folgten Ausstellungen über den orientaffinen Stauferkaiser Friedrich II., über das kulturenübergreifende literarische Genre der Fabel, frühchristliche Kunst in Syrien oder auch die wissenschaftsgeschichtliche Schau „Ex Oriente Lux“.</p>
<p><strong>Kulturelle Einbahnstraße</strong></p>
<p>Die Figur des T.E. Lawrence als Abgesandten westlicher Großmächte bilde nicht nur chronologisch, sondern auch thematisch einen geeigneten Abschluss, sagt Fansa und stellt klar: „Ich rede immer vom Dialog, dabei war es eher ein Kontradialog.“ In den vorangegangenen Ausstellungen war es um den Kultur- und Wissenstransfer von Ost nach West gegangen: „Über 600 Jahre ein ziemlich einseitiger Dialog“, resümiert Fansa. Und was habe der Orient im Gegenzug zurückbekommen? „Kolonialismus, Wirtschaftsimperialismus, Unterdrückung“. Er sagt es ohne Bitterkeit oder Vorwürfe, sondern als simple Feststellung.</p>
<p>Lange vor den Integrationsdebatten sarrazinscher Prägung, die ihm heute schon mal anfeindende E-mails zu seinen Ausstellungsvorhaben einbringen, habe er einen „erheblichen Nachholbedarf“ im Bewusstsein über die Kulturbeziehungen zwischen islamischem Morgen- und christlichem Abendland ausgemacht. Trotz des erwähnten frühzeitigen Liebäugelns mit der Lawrence-Schau gab es für die Reihe aber keinen Masterplan; manche Ausstellungsthemen hätten sich erst durch andere ergeben – Friedrich II. etwa bot sich als Exponent auf europäischer Seite für die Fortsetzung zu Saladin an, und die Fabel-Ausstellung hatte ihren Ursprung in einem Handschriftenfund in der Bayerischen Staatsbibliothek, wo Fansa zur Friedrich-Ausstellung recherchierte. Mit jeder Sonderschau empfahl sich das Haus stärker als Top-Adresse für kulturhistorische Ausstellungen aus dem vorderasiatischen Raum – dass ausgerechnet in Oldenburg als erster und bislang einziger deutscher Stadt 2009 die vom Genfer Musée d’Art et d’Histoire erstellte und von der Unesco unterstützte Ausstellung archäologischer Schätze aus Gaza präsentiert werden konnte, war kein Zufall.</p>
<p><strong>Versehentlich Archäologie</strong></p>
<p>Im Gegensatz zum Werdegang des Museumsleiters, bei dem der Zufall keine unbedeutende Rolle gespielt habe, wie Fansa freimütig anmerkt. Archäologie sei jedenfalls kein Jugendtraum gewesen: Nach seinem Kunststudium in Hannover wollte der Sohn einer Aleppiner Händlerfamilie doch lieber, wie er sich ausdrückt, „etwas machen, womit man Geld verdienen kann“, aber mit Kunstgeschichte sollte es schon zu tun haben. Dann müsse er Architektur studieren, wurde ihm nahegelegt. „Wollte ich aber nicht. Und da habe ich mir gedacht, Archäologie ist ja so was wie ein Mittelding“, erzählt Fansa lächelnd: „Das war vielleicht etwas naiv.“ 1972 begann er sein Zweitstudium.</p>
<p>Die Kreuzfahrerburgen der Johanniter, die es schon Lawrence angetan hatten, die Ruinen von Palmyra oder das Weltkulturerbe seiner Geburtsstadt blieben dem angehenden Archäologen damals indes verwehrt: Nachdem er Syrien 1967, kurz nach dem Sechstagekrieg, mit gefälschten Papieren in Richtung Deutschland verlassen hatte – „Ich wollte nicht Soldat werden“ –, unterlag er einem Heimatverbot. Statt in den Wüstensand führte ihn eine Studienexkursion im zweiten Semester in die Moorlandschaft Nordwestniedersachsens, wo er seine spätere Oldenburger Wirkungsstätte, die damals noch „Staatliches Museum für Naturkunde und Vorgechichte“ hieß, kennenlernte und wo er sich in die örtlichen Großsteingräber verliebte.</p>
<p>Aber auch dann brachte erst ein weiterer Zufall Jahre später den promovierten Archäologen zurück nach Oldenburg, als ihm 1987, während seiner Tätigkeit im Institut für Denkmalpflege in Hannover, die Leitung der vorgeschichtlichen Abteilung in eben diesem Museum angeboten wurde. „Nach 10 Jahren praktischer Archäologie wollte ich sehen, wie es mit der musealen Vermittlung aussieht“, sagt Fansa in dem ihm eigenen lapidaren Tonfall. Weitere sieben Jahre später übernahm er die Leitung des Museums – und begann es gründlich umzukrempeln.</p>
<p><strong>Altes Haus, neuer Besen</strong></p>
<div id="attachment_42401" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/03/mamoun-fansa-landesmuseum2.jpg"><img class="size-medium wp-image-42401" alt="Der Staub von hundert Jahren: Museum alter Schule FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/03/mamoun-fansa-landesmuseum2-300x209.jpg" width="300" height="209" /></a><p class="wp-caption-text">Der Staub von hundert Jahren: Museum alter Schule FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Das allgemein als „Naturkundemuseum“ bezeichnete und in einem klassizistischen Bau untergebrachte Museum war eine Bildungseinrichtung alter Schule, das mit wuchtigen Vitrinen, schwergewichtigen Schaukästen und Unmengen ausgestopfter Tiere bestückt war und im Wesentlichen die üblichen Bildungsbürger anzog, die regelmäßig „prüfen wollten, ob sie auch alles wissen“, sagt Fansa: „Ich wollte dem Haus einen anderen Sinn geben und neue Besuchergruppen ansprechen.“ Die Idee war, die Genese der Natur und die Einwirkung des Menschen auf sie als Symbiose darzustellen – „und zwar interdisziplinär zwischen Naturwissenschaft, Kulturgeschichte und Archäologie“.</p>
<p>Insgesamt neun Jahre dauerte die Neuausrichtung samt Umbaumaßnahmen. Seither präsentiert sich das Museum von Grund auf verändert: Der Besucher durchschreitet helle, offen gestaltete Räume und sieht – neben dem „weltweit vermutlich einzigen Schrank, der auf allen vier Seiten Schubladen hat“ – eine Dauerausstellung, die die Exponate in einem übergeordneten Kontext präsentiert. Die wohl bekanntesten Exponate etwa, die Moorleichen, liegen nicht mehr nur in Glassarkophagen – auf die früher, wie der Direktor erzählt, nicht selten sonntagvormittags Väter mit ihren Söhnen zielstrebig zugesteuert seien, um nach dreiminütiger Betrachtung wieder in Richtung häuslichen Mittagessens zu verschwinden – sondern eingebettet in einem Landschaftsschnitt. Nur ein Raum wurde mitsamt dem massiven Schaumobiliar inklusive abgedämpften Tageslicht im ursprünglichen Zustand belassen, um den Vorher-Nachher-Effekt zu verdeutlichen. „Ein Museum im Museum“, sagt Fansa. Er hofft, dass die auch künstlerisch von ihm mitentwickelte Neupräsentation der Dauerausstellung auch nach seinem Abschied noch ein paar Jährchen beibehalten wird: „Man ist ja doch ein bisschen eitel.“</p>
<p><strong>Ende und Anfang</strong></p>
<p>Sein noch nicht benannter Nachfolger wird in dieser Hinsicht kein leichtes Erbe antreten. Denn neben der aufwendigen Modernisierung haben nicht zuletzt die Orient-Okzident-Ausstellungen dazu beigetragen, die Besucherzahlen des in „Landesmuseum Natur und Mensch“ umbenannten Hauses in den vergangenen Jahren in die Höhe schnellen zu lassen – allein „Friedrich II.“ zog 42.000 Menschen an. Fansa ist es immer wieder gelungen, für diese Ausstellungen Exponate zu bekommen, die noch nie in Deutschland zu sehen waren. Wobei ihm seine syrische Herkunft anfangs allerdings nicht unbedingt geholfen habe, erinnert er sich – schließlich galt er ja als fahnenflüchtig. Mittlerweile stösst sein Einsatz jedoch auch im Nahen Osten auf Anerkennung: Fansa beriet ägyptische Ausstellungsmacher bei einer eigenen Saladin-Schau, hielt Seminare im Goethe-Institut in Damaskus und wurde in die Vereinigten Arabischen Emirate zum arabisch-deutschen Kulturdialog eingeladen – gewissermaßen die Fortsetzung des Themas der Ausstellungsreihe auf diplomatischem Parkett.</p>
<p>Immerhin wird die neue Leitung nicht befürchten müssen, dass der scheidende Direktor sich von „seinem“ Haus nur schwer wird lösen können. Seinen Ruhestand wird Fansa nicht in Oldenburg, sondern in Berlin verbringen. „Ich war gerne hier, aber muss hier nicht alt werden“, sagt der 64-Jährige – er sei eben ein Großstadtkind geblieben. Die Frage, ob eine Rückkehr nach Syrien je in Frage gekommen sei, beantwortet er mit einem entschiedenen „Nein“: Mit dem Land verbinde ihn nach mehr als vier Jahrzehnten nichts mehr, seine Geschwister lebten auch nicht mehr dort und außerdem, das habe er bei seinen diversen Reisen in den Orient gemerkt, sei sein Arabisch nicht so besonders.</p>
<p><strong>Nach der Orientreihe: Das europäische Mittelalter</strong></p>
<p>In der Hauptstadt hingegen erwarten ihn nicht nur seine dort lebenden Kinder, sondern auch seine neue – ehrenamtliche – Aufgabe: Fansa ist Mitbegründer der „Europäischen Vereinigung zur Förderung Experimenteller Archäologie“ (exar), die auf die erste europaweite Ausstellung zu dieser Teildisziplin zurückgeht, welche – kaum verwunderlich – im Landesmuseum Oldenburg konzipiert wurde und seitdem in mehr als 30 Städten zu sehen war. Er sehe sich selbst zwar nicht als Experimentalarchäologe – „Ich habe nur Leute zusammengebracht und Aufträge erteilt“ – und warnt vor den Auswüchsen medial aufbereiteter „Living History“ à la „Schwarzwaldhaus“. Zugleich lässt er aber keinen Zweifel an ihrem grundsätzlichen Wert als Interpretationsinstrument der klassischen Archäologie. In Berlin wird er sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen können: Im Museumsdorf Düppel, wo seit 1975 das dort nachgewiesene hochmittelalterliche Dorf rekonstruiert wird, ist Fansa jüngst zum Vorsitzenden des Trägervereins geworden. Auch eher zufällig, wie er sagt.</p>
<p>Aber niemals geht man so ganz, wusste schon Trude Herr – und ein bisschen Fansa wird wohl auch in Oldenburg bleiben: Im Museum wird seit Jahren Aleppo-Seife verkauft, Marke „Fansa“. Tatsächlich entstammt der Mann einer traditionellen Seifendynastie, was bei einem Aleppiner schon ein wenig klischeehaft wirkt. Gleichwohl sei auch diese Seifengeschichte zufällig entstanden – ein Zufall, bei dem die Unesco, der deutsche Botschafter in Syrien, ein Oldenburger Stadtplaner, ein Großhändler aus Marseille und ein entfernter Cousin in Aleppo eine Rolle spielten und dessen Erläuterung wohl den Rahmen dieses Artikels sprengen würde.</p>
<p>Man darf gespannt sein, was der Zufall noch für ihn bereithält.</p>
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