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	<title>Noltejournal &#124; Magazin &#187; Freizeit &#124; Noltejournal | Magazin</title>
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		<title>Nicht Klickern, sondern Dotzen</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Sep 2012 04:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Kein Hobby ist zu abwegig, als dass man nicht Meister- schaften darin abhalten könnte. Warum also nicht im Murmelspielen?]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Kein Hobby ist zu abwegig, als dass man nicht Meisterschaften darin abhalten könnte. Warum also nicht im Murmelspielen?</span></p>
<div id="attachment_42445" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln.jpg"><img class="size-full wp-image-42445" alt="Das Runde muss ins Runde. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln.jpg" width="610" height="389" /></a><p class="wp-caption-text">Das Runde muss ins Runde. FOTO: mno</p></div>
<p>Leicht ist sie nicht zu finden, die Murmel-Hochburg des Nordens. Zwischen Emden und Greetsiel, mitten im tiefsten Ostfriesland und nicht ausgeschildert, liegt das 500-Seelen-Dorf Uttum; und sobald man – mehr zufällig – an der Stelle vorbeikommt, an der die vielen Autos parken, hat man sie gefunden, die Uttumer Murmelarena. „Die einzige ihrer Art weltweit“, sagt Willy Schunke, Vorsitzender des SV Jennelt-Uttum 58, kurz „Ju 58“. Der Verein richtete am Wochenende die diesjährige Deutsche Meisterschaft im Murmeln aus – genauer gesagt im „Deutschen Lochspiel“, aber das klingt nicht so schön. Es ist bereits die 17. Meisterschaft, die Ostfriesen sind Titelverteidiger, ihre Gegner kommen aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen. Und aus Hatten.</p>
<p>Auf der Bahn steht ein stämmiger, schnauzbärtiger Mann um die 50 und konzentriert sich auf seinen nächsten Wurf. Der eingestickte Name auf seinem Shirt weist ihn als „Thomas“ aus, die Nachnamen interessieren hier niemanden, es geht familiär zu in der Murmelszene. Thomas geht in die Hocke, steht wieder auf, fixiert die Position der Kugeln, geht wieder in die Knie, verlagert das Gewicht, sammelt sich und – stupst die letzte Murmel souverän ins Loch. Punkt für den Klickerverein Södel, seine Teamkameraden jubeln – es geht immerhin um das Erreichen des Halbfinales, und die Partie gegen die Newcomerinnen vom „SV Murmel 011“ aus dem Oldenburger Vorort Hatten ist hart umkämpft. Zwar nehme man „das alles nicht so todernst“, sagt Bernd Schmidt, Chef der Murmeltruppe aus Friesenhagen im Westerwald – aber auch wiederum nicht so locker, dass man nicht doch gerne die Meisterschale mitnehmen möchte. „Silencium!“ herrscht ein Trainer die Umstehenden an, als sich einer seiner Schützlinge an einen besonders schwierigen Wurf auf dem Ascheplatz macht.</p>
<p>Er selbst sehe das Klickern vor allem als Hobby mit Spaßfaktor, sagt Schmidt, für andere ist es genauso sehr Sport wie Billard oder Dart. Manchmal klingt es auch wie Sport und sieht so aus. Wenn etwa Jennifer, wohl so etwas wie die Kapitänin ihrer Hattener Murmeltruppe, sagt, dass sie sich wahnsinnig darüber freue, das Viertelfinale erreicht zu haben, obwohl sie bestenfalls auf das Überstehen der Vorrunde gehofft hatte. Oder wenn eine kleine La-Ola-Welle durch das Stadiönchen schwappt. Es wird übrigens tatsächlich trainiert, wenn auch bei den meisten Vereinen nur einmal im Monat. Und auch optisch kommt das Murmelspiel sportlich daher: Die meisten Teams tragen einheitliche Leibchen, bedruckte T- oder Poloshirts, die Damen aus dem Oldenburgischen sogar richtige Trikots mit Nummern. Die Teamkameraden feuern sich gegenseitig an und haben eigene Schlachtrufe; sie jubeln, wenn ein entscheidender Wurf gelingt und ächzen, wenn ein einfacher danebengeht. Und fast alle tragen Turnschuhe, obwohl man diesen Sport problemlos auch mit Gummistiefeln ausüben könnte.</p>
<div id="attachment_42446" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln2.jpg"><img class="size-full wp-image-42446" alt="Fi-na-le! O-ho! Nun gut: Viertelfinale. Trotzdem Grund zur Freude bei den Oldenburgerinnen. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln2.jpg" width="610" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Fi-na-le! O-ho! Nun gut: Viertelfinale. Trotzdem Grund zur Freude bei den Oldenburgerinnen. FOTO: mno</p></div>
<p>Es werden, kaum verwunderlich, offizielle Wettkampfmurmeln mit genau bezifferten Maßen und Gewichten verwendet – so etwas hat hierzulande schließlich seine Ordnung, und festgelegt ist diese im Regelwerk des Deutschen Murmelrats. Das Spiel selbst ist eigentlich recht einfach: Zwei Spieler versuchen, sechs Murmeln durch Einlochen oder Aneinanderklickern – Fachbegriff: „Dotzen“ – aus dem Spiel zu nehmen; wer die letzte versenkt, bekommt den Punkt. Die Viererteams treffen nach dem Prinzip „Jeder gegen jeden“ aufeinander, das macht pro Partie bis zu 16 Einzelbegegnungen mit ebenso vielen zu vergebenen Punkten. Klingt zeitraubend, aber viele Matches dauern nicht allzu lange; mitunter wartet man länger auf sein Bier als auf den Ausgang eines Duells. Erst in der K.O.-Runde nehmen sich die Kontrahenten mehr Zeit, blicken stirnrunzelnd auf die Verteilung der Glaskügelchen, trampeln den Sand in der Schusslinie fest und sinnieren über die klügste taktische Vorgehensweise: Welche Murmel als nächste? Und: Einlochen oder Dotzen?</p>
<p>Eigentlich war Uttum, das bereits 2009 Gastgeber der Deutschen Meisterschaft war, noch gar nicht wieder an der Reihe mit deren Ausrichtung – der Verein sei aber von den Mitmurmlern darum gebeten worden, weil es sich so schön mit einem Urlaub an der Nordseeküste verbinden ließe, sagt Schunke. Tatsächlich weist die Teilnehmerschaft eine ähnliche Zusammensetzung auf wie die durchschnittliche Belegschaft eines ostfriesischen Dauercampingplatzes; trotz einiger jugendlicher Teilnehmer ist das Durchschnittsalter eher bei Mitte 40 anzusetzen. Alters- oder Geschlechterabgrenzungen gibt es nicht, sie wären beim Murmeln wohl auch ein bisschen albern. Ab sieben Jahren kann mitgespielt werden, Uttums älteste Aktive ist gerade 80 geworden, sagt Schunke.</p>
<p>Zum Murmeln kamen die Spieler auf eher zufälligen Wegen – die einen fühlten sich allmählich zu alt für Fußball, wollten aber trotzdem etwas zusammen machen. Das Oldenburger Frauenteam, nach Uttum und dessen Lokalrivalen Hinte mittlerweile der dritte norddeutsche Verein, hatte sich aus einem Scherz heraus während eines Türkeiurlaubs gebildet. Die Frauentruppe sei von Miturlaubern immer für einen Sportverein gehalten worden, irgendwann habe jemand gefragt, ob sie der &#8220;SV Murmel&#8221; seien, berichtet Jennifer. Noch während dieses Urlaubs wurden sie es. Und Schunke hatte einen Fernsehbericht übers Wettkampfmurmeln gesehen und dies im „Ju 58“ vorgeschlagen: „Da bin ich erst ausgelacht worden“, sagt der Vorsitzende, der auch das Uttumer Badewannenrennen eingeführt hat, „aber trotzdem wurde im Ort darüber gesprochen“. Erst an den Stamm- und Abendbrottischen, dann auch wieder im Verein.</p>
<div id="attachment_42444" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln3.jpg"><img class="size-full wp-image-42444" title="Blick aus der Südkurve ins weite Stadionrund. FOTO: mno" alt="murmeln3" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln3.jpg" width="610" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Blick aus der Südkurve ins weite Stadionrund. FOTO: mno</p></div>
<p style="text-align: center;">Am Anfang seien es fünf, sechs Murmelspieler gewesen, sagt Schunke, dann irgendwann 20, eine zweite Bahn wurde gebaut, dann eine dritte, später ein paar Holzkästen, damit die zahlreicher werdenden Zuschauer auch aus der zweiten Reihe etwas sehen können. Heute hat die Murmelabteilung 55 Mitglieder, ein eigenes kleines Stadion und wurde 2011, fünf Jahre nach ihrer Gründung, erstmals Deutscher Meister – was macht es da, dass sie sich am Samstag im Finale den Södelern mit 7:9 geschlagen geben musste. Der Klickersport verbinde die Dörfler, meint Schunke; und auch die Gemeinde Krummhörn freut’s, nicht zuletzt wegen des touristischen Effekts. Die Murmelarena ist so etwas wie eine regionale Berühmtheit; Firmen und sogar Abschlussklassen buchen sich die drei Bahnen Wochen im Voraus. Klickern statt Kegeln.</p>
<p>Rund 120 Freunde des runden Glaskörpers tummeln sich am Tag der Meisterschaft an der Arena, die sogar über eigenes Flutlicht verfügt. Die meisten sind Spieler der 18 angetretenen Mannschaften aus sieben Vereinen, aber auch ein paar Zuschauer aus dem Dorf und Familienangehörige sind dabei. Es gibt Bratwurst und Bier, aus der Musikanlage tönt in Dauerschleife ein Partysampler, am Vereinsheim hängen Deutschlandfahnen, farblich passend zum Logo des „Ju 58“. Im Pavillonzelt verstreut sitzen einige Murmelspieler, die bereits dabei sind, zum eher lässigeren Teil des Turniers überzugehen. Die Friesenhagener aus dem Westerwald zum Beispiel, auch schon zweimal Meister, das ist aber schon zehn Jahre her. Diesmal kam für das Team das Aus im Achtelfinale – „War geplant“, sagt Teamchef Bernd: „Dann können wir uns früher an die Vorbereitung des nächsten Turniers machen.“ Friesenhagen richtet die Meisterschaft im kommenden Jahr aus.</p>
<p>Die Uttumer denken bereits weiter: Schunke möchte gerne eine EM auf die Beine stellen, eine richtige, nicht so etwas wie vor ein paar Jahren in Ludwigshafen, als dort lebende Migranten für ihr Heimatland antraten und das Ganze „WM“ genannt wurde. „Wir werden oft belächelt, aber damit macht man sich dann endgültig zum Horst“, sagt Schunke. Statt dessen wollen sie Kontakt zu anderen Murmeltruppen in Skandinavien, England, den Niederlanden aufnehmen: „Da wird überall geklickert.“ Natürlich fielen dann weitaus üppigere Reisekosten an, räumt er ein – aber Urlaub lässt sich ja schließlich auch in Dänemark machen.</p>
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		<title>Der Weltraum, endliche Weiten</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 04:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Regelmäßig beobachten die Hobbyastronomen des Vereins "Oldenburger Sternfreunde" den Nachthimmel. Wenn die Oldenburger Witterung es erlaubt, heißt das. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Regelmäßig beobachten die &#8220;Oldenburger Sternfreunde&#8221; den Nachthimmel. Wenn die norddeutsche Witterung es erlaubt, heißt das.</span></p>
<div id="attachment_42520" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/04/sternengucker.jpg"><img class="size-full wp-image-42520" alt="Wo denn nur? FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/04/sternengucker.jpg" width="610" height="304" /></a><p class="wp-caption-text">Wo denn nur? FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>&#8220;Abnehmende Venus&#8221;, sagt Bernward Große: &#8220;Das heißt, sie entfernt sich.&#8221; Im Teleskop-Okular ist eine helle Sichel zu erkennen, für einen Laien sieht sie auf den ersten Blick aus wie der Mond. Der zweite Blick &#8211; der mit bloßem Auge &#8211; bestätigt: Es handelt sich tatsächlich um den Nachbarplaneten, der tief über dem westlichen Horizont hängt, der Mond ist noch gar nicht aufgegangen. An diesem Aprilabend, an dem die <a href="http://www.avos.org/index.php" target="_blank">Oldenburger Sternfreunde</a> zur öffentlichen Beobachtung laden, ist die Venus ohnehin der einzige Himmelskörper, der zu sehen ist; der Rest des Nachthimmels verschwindet unter einer durchgehenden Wolkendecke. Passiert oft in Oldenburg, sagt Große. Mit guten Teleskopen könne man zwar trotz Wolkenschleier manchmal noch etwas sehen, aber wenn es sich richtig zuzieht, ist nichts mehr zu machen.</p>
<p>Die Vereinsmitglieder fahren zum Sterngucken daher gerne raus aus der Stadt, nicht nur in der Hoffnung auf einen klareren Himmel, sondern vor allem, um der Beleuchtung durch Straßenlaternen zu entgehen. In Friesoythe bauen sie gerade ihr eigenes Observatorium. Früher hätten sie ihre öffentlichen Beobachtungsabende am Bornhorster See gemacht, sagt Große. Bessere Bedingungen, aber &#8220;zu weit draußen &#8211; da kamen immer weniger Leute&#8221;. Daher packen sie ihre Teleskope seit einiger Zeit auf den Dobbenwiesen aus, viel dunkler und unverbauter geht es im Innenstadtbereich nicht. Wenigstens hat die EWE die Leuchtreklame an ihrem Gebäude in der angrenzenden Tirpitzstraße mittlerweile abgeschaltet &#8211; wohl nicht der Sterngucker zuliebe, aber die freuen sich trotzdem, denn das blaue Licht &#8220;hat sehr gestört&#8221;.</p>
<p>Trotz Wolken und Kälte kommen einige Interessenten vorbei. Drei Personen haben ein eigenes Teleskop mitgebracht, ein handelsübliches Gerät. &#8220;Ein Erbstück&#8221;, sagen sie. Die Sternfreunde beraten Besucher gerne, was den Umgang und die richtige Bedienung angeht, in diesem Fall aber können sie nicht helfen: Das kleine Suchfernrohr ist nicht parallel zum eigentlichen Teleskop ausgerichtet, und das lässt sich nur tagsüber machen &#8211; und ohne Suchfernrohr ist es nahezu aussichtslos, etwas am Himmel finden zu wollen. Stattdessen gucken die Leute durch die Geräte der Sternfreunde. Die Venus, immerhin.</p>
<p>Das für den Nichtfachmann erstaunlich kurze Teleskop von Große ist mit einem kleinen Steuerungscomputer verbunden; wenn es sich eigenständig mit hörbarem Surren auf einen bestimmten Punkt einstellt, sieht es ein kleines bisschen gruselig aus. Die Elektronik mit eingebauter Nachführung sei praktisch, um Objekte zu finden und im Blick zu behalten, erklärt er. Für so ein Gerät muss man um die 800 Euro anlegen, es geht auch darunter, aber dann muss sich der Hobbyastronom &#8220;in Geduld üben&#8221; &#8211; die Suche nach dem zu beobachtenden Himmelskörper kann, wenn man sie per Hand durchführen muss, recht knifflig sein. Er selbst besitzt auch noch ein größeres, das er sonst auch auf die Dobbenwiese mitbringt und mit dem sich auch schwächer leuchtende Galaxien und Nebel sehen lassen. An diesem Tag hat er es zu Hause gelassen &#8211; der Aufbau dauert eine halbe Stunde, und nach einem Blick aus dem Fenster war ihm klar, das sich das bei dieser Witterung kaum lohnen würde.</p>
<p>Das Gerät, das Sternfreund Martin Tanfal daneben aufgebaut hat, ist deutlich größer und weist Ähnlichkeit mit einer langgezogenen Trommel auf; es hat einen Durchmesser von acht Zoll und thront auf einer Art Pivot, das Okular sitzt am vorderen Ende. &#8220;Ein Dobson-System&#8221;, sagt Große. Es gibt eine ganze Palette an verschiedenen Bauarten, er erklärt detailliert die technischen Unterschiede und resümiert, dass letztlich &#8220;jedes Teleskop seinen eigenen Himmel&#8221; habe. So ein Dobson-Gerät sei heute schon fast ein Einsteigermodell, mit etwas Geduld lasse es sich auch selbst bauen, sagt Tanfal: &#8220;Das ist dann natürlich schon ein besonderes Gefühl.&#8221; Eine computerunterstützte Steuerung ist an das Gerät nicht angeschlossen, er richtet sich nach Sternkarten. &#8220;Das ist wie beim Straßenatlas&#8221;, sagt er, man navigiert von einem zentralen Orientierungspunkt zum nächstkleineren, bis man am Ziel ist; besser gesagt, es im Blick hat.</p>
<p>Bei all den Galaxienhaufen, farbenfrohen Nebeln und manchmal auch Kometen, die an klaren Tagen zu sehen sind, klingt Großes prägnantestes Beobachtungserlebnis ganz unspektakulär: Er habe gemeinsam mit einem Kollegen eine Abweichung eines Asteroiden bemerkt, &#8220;um zehn Bogensekunden&#8221; &#8211; das hätte gereicht, dass er &#8220;beim nächsten Umlauf nicht mehr wiedergefunden worden wäre&#8221;. Eine Ungenauigkeit aus der Zeit, als die Aufnahmen der Beobachtungsobjekte noch analog gemacht wurden: &#8220;Damals sind uns fünf Kleinplaneten verlorengegangen&#8221;, die aber inzwischen wiederaufgefunden worden sind. Heute lassen sich Digitalkameras einfach an das Teleskop anschließen &#8211; das Hubble für den Hausgebrauch.</p>
<p>Vor 20 Jahren wurde der Verein gegründet, knapp 50 Mitglieder hat er derzeit. &#8220;Es waren auch schon mal 75&#8243;, sagt Große &#8211; wie die meisten Vereine haben die Sternfreunde Nachwuchssorgen. Das Internet bietet wohl einen einfacheren Zugang zur Astronomie &#8211; und außerdem: &#8220;Wer friert schon gerne?&#8221; Denn die öffentlichen Beobachtungstermine finden ausschließlich im Winterhalbjahr statt, im Sommer wird es zu spät und zu wenig dunkel, erklärt Große. Erst im Oktober ist der nächste öffentliche Sterngucken angesetzt. Hoffentlich bei besserem Wetter, denn nun, eine gute halbe Stunde nach Beginn der Beobachtung, hat sich auch die Venus endgültig hinter die Wolken verzogen. Die Sternfreunde packen ein, bis zur nächsten Saison. Kleines Trostpflaster: In der <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2012/04/03/ein-paar-stucke-himmel-auf-erden/">Ausstellung &#8220;Meteoriten&#8221;</a> im Landesmuseum Natur und Mensch geben Vereinsmitglieder Einblicke in die Hobbyastronomie &#8211; und in den kommenden eineinhalb Wochen sorgt der <a href="http://www.noz.de/deutschland-und-welt/gut-zu-wissen/63132976/lyriden-sternschnuppen-funkeln-am-himmel" target="_blank">Lyriden-Strom für ein vermehrtes Aufkommen von Sternschnuppen</a>. Und die sieht man auch ohne Teleskop.</p>
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		<title>Im Dutzend närrischer</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Feb 2012 04:00:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt Dinge, die sollte man als Oldenburger mal mitgemacht haben. Eine Kohlfahrt etwa. Das Stadtfest natürlich. Den Kultursommer – und den Rosenmontag. Ein Selbstversuch.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Es gibt Dinge, die sollte man als Oldenburger mal mitgemacht haben. Eine Kohlfahrt etwa. Das Stadtfest natürlich. Den Kultursommer – und den Rosenmontag. Ein Selbstversuch.</span></p>
<div id="attachment_42531" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval1.jpg"><img class="size-full wp-image-42531" alt="Tätäää. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval1.jpg" width="610" height="396" /></a><p class="wp-caption-text">Tätäää. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Es gibt so ein ganz bestimmtes Lächeln, das die Oldenburger draufhaben. Ein spezielles, das man nur an einem einzigen Tag im Jahr zu sehen bekommt, eine Mischung aus mitleidiger Amüsiertheit, verblüfftem Unverständnis und einer Prise Fremdschämerei. Als ich an diesem Montag mein Fahrrad abschließe und zum Rathaus hechte, kommt mir ein Pärchen mit genau diesem Lächeln entgegen, der Mann sagt gerade so etwas wie „… und das in Oldenburg!“ – und ich weiß in diesem Moment, dass ich zu spät gekommen bin: Die beiden haben ganz offensichtlich den Karnevalsumzug passiert, den vermutlich kleinsten und sonderbarsten im ganzen Land. Die Narren müssen bereits im Rathaus eingetroffen sein, Verzeihung: es gestürmt haben. Lautes Rumtata, das aus der schweren Eingangstür quillt, bestätigt diese Vermutung, ansonsten deutet wie üblich nichts in der Fußgängerzone darauf hin, dass Rosenmontag ist. Rosenmontag in Oldenburg.</p>
<p>Der Umzug wird ähnlich spektakulär gewesen sein wie stets. Verkehrsumleitungen sind hier nicht nötig &#8211; die Handvoll Oldenburger Karnevalisten kann auch an der Ampel warten, es sind selten mehr als ein Dutzend, von geschmückten Festwagen können sie nur träumen – und tun es vermutlich auch. Oben im Rathaus – ich hetze an zwei schwer gelangweilt aussehenden Polizisten vorbei – ist der Großteil der Rede, einer jener Art, die traditionell mit dem Attribut „launig“ bedacht wird, bereits vorbei. Ich bekomme nur noch einen müden Witz über die Wohnungsnot in Oldenburg mit: Das Schwesternwohnheim in Kreyenbrück, sagt jemand, den ich aufgrund der Größe seiner Narrenkappe als Oberkarnevalist identifiziere, könne doch von Studenten bezogen werden: „Wer da nicht wohnen will, soll auch nicht in Oldenburg studieren!“ Kein Tusch, niemand lacht, vielleicht war es auch gar kein Witz.</p>
<div id="attachment_42532" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval2.jpg"><img class="size-full wp-image-42532" alt="Puschelige Hüte. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval2.jpg" width="610" height="342" /></a><p class="wp-caption-text">Puschelige Hüte. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Grüne und SPD hatten die Karnevalisten des Blau-Rot Oldenburg eingeladen, nachdem Oberbürgermeister Gerd Schwandner, ebenfalls schon traditionell, nicht in Jeckenstimmung war und sich verdünnisiert, vielleicht auch in seinem Büro verbarrikadiert hatte. Bereits in den letzten Jahren hatten seine politischen Gegner diese Gelegenheit genutzt, um bei dem Häuflein Hardcorenarren Bürgernähe zu demonstrieren und vielleicht eine oder zwei Wählerstimmen zu gewinnen, kann in Oldenburg ja entscheidend sein. Die Fraktionschefs Bernd Bischoff und Sebastian Beer schütteln Hände, lächeln – es sah anders aus als das oben beschriebene Lächeln der Passanten – und nehmen den Narren den am 11.11. überreichten Schlüssel wieder ab. Kurzes Aufhorchen, als Beer gesteht, dass er doch etwas mit Schwandner gemein habe – nämlich die karnevalistische Vorschädigung –, dann wird schnell zum gleichsam traditionellen gemeinsamen Schwandnerbashing ausgeholt. „Noch zwei Jahre, dann sind wir ihn los und dann begrüßt Sie ein grüner Bürgermeister“, sagt Beer, „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, meint einer der aufgrund der oberbürgermeisterlichen Verweigerungshaltung dauereingeschnappten Karnevalisten; und damit ist dieser Teil auch erledigt.</p>
<p>Es sind sieben, acht, vielleicht auch zehn Jecken an der Zahl, die normale Kopfstärke, die der Verein hier in der Stadt jedes Jahr an diesem Höhepunkt der Session erreicht und die zahlenmäßig von der aus Brake eingeflogenen Marchingband locker in die Tasche gesteckt wird. Unterstützt werden sie, zumindest im Rathaus, von einem Tross von vielleicht noch einmal zwei Dutzend Leuten, allesamt unkostümiert, vielleicht waren sie wie ich auch bloß neugierig. Es ist das Schicksal dieses allgemein als einer der wohl unbedeutendsten Karnevalsvereine überhaupt eingeschätzten Trupps, eher als Kuriosum denn als folkloristisch angesehen zu werden und in einer Stadt beheimatet zu sein, die mit der Narretei so ganz und gar überhaupt nichts am Hut hat. Und dann auch noch wehmütig ins keine 30 Kilometer entfernte Ganderkesee blicken zu müssen, in dem tagelang der Bär steppt und die Zahl der Teilnehmer das 3.000fache beträgt.</p>
<div id="attachment_42533" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval3.jpg"><img class="size-full wp-image-42533" alt="Aufwärmübungen. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval3.jpg" width="610" height="346" /></a><p class="wp-caption-text">Aufwärmübungen. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Auch die Tanzmariechen Sabrina und Regina sind bei mehreren Vereinen aktiv; wären sie allein auf das Oldenburger Publikum angewiesen, würde das Hobby an Masochismus grenzen. Es reicht ja schon, dass sie zu einem Medley aus Marianne Rosenberg, irischen Steptanzweisen und einer verpoppten Version des Schlümpfelieds tanzen und hüpfen müssen. Immerhin gibt’s dafür Applaus, sogar einen noch größeren für die Mitteilung, dass sie Schwestern sind, als ob das die beeindruckendere Leistung wäre – und ein dreifaches „Oldenburg – Helau!“ Der fällige Tusch kommt aus dem Ghettoblaster.</p>
<p>Neben dem halben Dutzend Narrenkappen und den puscheligen Hüten der Band fällt in der größtenteils zivil gewandeten Gesellschaft ansonsten nur noch ein quietschroter Kunstfaser-Cowboyhut auf; darunter befindet sich SPD-Ratsherr Christoph Sahm. Der wirft nicht nur zwei Handvoll Kamelle, sondern auch ein paar Worte in die Runde, in rheinischer Mundart und – als das niemand versteht – noch einmal auf Hochdeutsch. Er eröffnet die grün-rote Getränkebar – die Grünen erwähne er deshalb zuerst, weil sie das Ganze bezahlt hätten, sagt er – und verweist darauf, dass die Getränkebatterie streng alkoholfrei ist. Auch das muss, wie der trostlose Tusch aus der Konserve, typisch für den hiesigen Karneval sein: Der mutmaßlich einzige Rosenmontagsumzug, der ohne Alkohol auskommt. Oldenburg bleibt Oldenburg, egal ob jemand singt und lacht.</p>
<div id="attachment_42534" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval4.jpg"><img class="size-full wp-image-42534" alt="Rangabzeichen. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval4.jpg" width="610" height="232" /></a><p class="wp-caption-text">Rangabzeichen. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Mir ist ohnehin eher nach Kaffee zumute, daher verlasse ich vorübergehend die Gesellschaft im trüb beleuchteten Ratssaal – finde sie aber eine halbe Stunde später problemlos wieder: Das Trüppchen marschiert, geduldig winkend, „Helau“ rufend und Bonbons schleudernd, durch die Stadt und wird vom Volk bestenfalls zur Kenntnis genommen. Wieder begegnet man dem Oldenburger Rosenmontagslächeln, zumeist unter einer gerunzelten Stirn oder in schneller Bewegung, wenn der dazugehörige Kopf gerade leicht ungläubig geschüttelt wird. Eine Abteilung außerirdischer Invasoren könnte nicht fremdartiger wirken, würde aber mehr Beachtung finden. Trommelnd und trompetend geht es zurück Richtung Pferdemarkt, über den Fußgängerüberweg am Heiligengeistdamm, an dessen Ampel just in diesem Moment lustigerweise das Schwandnermobil hält, die schwarze Limousine mit dem Kennzeichen OL-OB 1. Ob er selbst drinsitzt, ist schwer zu sagen, sehen kann ich ihn nicht, aber vielleicht hat er sich hinter den Rückenlehnen der Vordersitze versteckt.</p>
<p>Die Narren bemerken es nicht, sie bewegen sich durch die beinahe menschenleere Heiligengeiststraße und freuen sich über jeden, der zumindest für ein paar Sekunden stehen bleibt – viele sind’s nicht, und von denen, die es tun, sind die meisten jünger als acht Jahre. Das Publikum aus dem Rathaus ist nicht mehr dabei, begleitet wird der Trupp lediglich noch von den beiden hierfür abkommandierten Polizisten, in etwa zweihundert Metern Abstand. Und dann ist der Spuk für dieses Jahr auch schon wieder vorbei, die Oldenburger Narren widmen sich wieder dem, was sie die restlichen etwa 360 Tage des Jahres machen. Wieder haben sie tapfer Flagge gezeigt, ihr hier so deplatziert wirkendes Ding durchgezogen und dem Durchschnittsoldenburger etwas gegeben, womit er seine Freunde in anderen Städten erheitern kann.</p>
<div id="attachment_42530" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval5.jpg"><img class="size-full wp-image-42530" alt="Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung durchquert der Umzug die Stadt. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval5.jpg" width="610" height="373" /></a><p class="wp-caption-text">Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung durchquert der Umzug die Stadt. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Denn trotz ihrer geringen Zahl und ihres höchst sporadischen Auftauchens kennt sie jeder in der Stadt, und ohne sie – seien wir ehrlich – würde hier etwas fehlen. Man muss sie eigentlich gern haben, die Oldenburger Jecken.</p>
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		<title>Kick it like 1990</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 04:00:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
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		<description><![CDATA[Fußball als reine Handarbeit: Computerkicker spielen in Oldenburg die Deutsche Meisterschaft aus - in einem Spiel, das aus der Frühgeschichte der Branche stammt.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Fußball als reine Handarbeit: Computerkicker spielen in Oldenburg die Deutsche Meisterschaft aus &#8211; in einem Spiel, das aus der Frühgeschichte der Branche stammt.</span></p>
<div id="attachment_42605" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/10/kickoff1.jpg"><img class="size-full wp-image-42605" alt="Ein Computer, zwei Joysticks, zwei Bier. Kann losgehen. BILD: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/10/kickoff1.jpg" width="600" height="398" /></a><p class="wp-caption-text">Ein Computer, zwei Joysticks, zwei Bier. Kann losgehen. BILD: M. Nolte</p></div>
<p>Mit einem langgezogenen „Jaaaaaahh!“, das das Rumtata des vorbeiziehenden Kramermarktumzugs locker übertönt, sinkt Thorsten vom Klappstuhl aus auf die Knie, reißt die Arme hoch und reckt den Joystick gen Zimmerdecke. Soeben hat der virtuelle Schiedsrichter abgepfiffen, seine namenlose Mannschaft hat ein weiteres Vorrundenspiel gewonnen, und kaum ein realer Fußballspieler könnte sich leidenschaftlicher freuen. Willkommen bei der Deutschen Meisterschaft im „Kick Off 2“.</p>
<p>Kick Off, das ist ein Relikt aus einer Zeit, als Computerspiele noch Pfui-bah waren, noch viel mehr als heute; als man sich unter Gamern noch dicke, pickelige Nerds vorstellte, mit denen je nach Alter niemand spielen und von denen die Mädchen schon mal gar nichts wissen wollten. 20 Jahre ist es her, dass das Spiel auf den Markt kam, und die zur Meisterschaft im Oldenburger Computermuseum angetretenen 16 Spieler – Spielerinnen sind nicht dabei – sind im entsprechenden Alter von Mitte bis Ende 30. Jüngere gibt es kaum: „Man muss eigentlich schon von Anfang an gespielt haben, um alle Kniffe zu kennen“, sagt Frank aus Mannheim, 37 Jahre alt und amtierender Deutscher Meister. Heißt: Man kommt nachträglich kaum mehr rein. Und heißt wohl auch, ohne dass es jemand laut ausspricht: Welcher heutige junge Computerspieler soll sich für dieses grafisch antiquierte Gebolze schon noch begeistern?</p>
<p>In jener Zeit, als sich niemand 3D-Fußballsimulationen auch nur im Traum ausmalen konnte, setzte Kick Off 2 Maßstäbe – die sich dem außen stehenden Betrachter allerdings kaum erschließen. Das Spiel wirkt unglaublich hektisch, die hässlichen gelben und blauen Pixelhaufen, die Spieler aus der Vogelperspektive darstellen sollen, wuseln in einer aberwitzigen Geschwindigkeit über den Platz, den Ball von einer Seite des Felds zur anderen zu bringen, dauert nur ein paar Sekunden. Trotzdem: Die technischen Möglichkeiten seien unerreicht, schwärmt Thorsten; man erlebe auch bei einer fünfstelligen Zahl an absolvierten Partien noch Situationen, die man so noch nie gesehen habe, sagt Oliver aus Düsseldorf. Wenn Fans über das Spiel reden, fallen Sätze wie „Man kann nicht gewinnen, wenn man nicht im Mittelfeld die Zweikämpfe gewinnt“, und dann klingt es beinahe wie beim echten Fußball.</p>
<p>Viele sind es allerdings nicht mehr, die das betagte Spiel am Leben halten. 70 Aktive gebe es weltweit, etwa 25 in Deutschland, sagt Thorsten – zahlenmäßig die stärkste Gruppe, international aber nur drittklassig, das Feld beherrschen die Griechen und Italiener. Ob letztere auch ihre Kick-Off-Spiele hauptsächlich durch Elfmeterschinden gewinnen, versuche ich mich in einem Fußballwitz-unter-Männern, aber die Antwort ist ganz nüchtern: Nein, Elfmeterschinden gehe bei Kick Off zwar auch, wenn man eine bestimmte Bewegung mache, aber das sei verpönt. Die Deutschen seien immerhin die lautesten, und wie zum Beweis brüllt Jan in Richtung Monitor: „Mach den doch rein, du Depp!“ Ob er tatsächlich gerade seine virtuellen Pixelspieler angeschrieen habe, frage ich; wohl eher sich selbst, meint Thorsten. Am Ende machen es die beiden Favoriten Oliver und Frank, die Nummern sieben und acht der Weltrangliste – natürlich gibt es auch eine Weltrangliste –, wie erwartet unter sich aus; mit einem für eine Kick-Off-Partie erstaunlich realistischen Ergebnis von 4:3 verteidigt Frank seinen Titel.</p>
<p>Eine Meisterschaft, eine Deutsche gar, ist ohne festgelegtes Reglement nicht denkbar; und so sind die Version des Spiels, die Spieldauer und die Plattform – der längst in die ewigen Schrottplätze eingegangene Commodore Amiga – festgelegt. Jeder hat allerdings sein eigenes Handwerkszeug dabei: Einer der Spieler zieht sich zu jeder Partie Sporthandschuhe an, ein anderer bringt seinen selbstgebauten Joystick mit – groß wie ein Schuhkarton und so robust aussehend, als könnte man damit Spundwände in die Erde hämmern. Das Steuergerät eines Spielers ist so etwas wie sein Heiligtum, sagt Thiemo Eddiks, der Betreiber des Museums, das sich auch sonst dem Nostalgiedaddeln verschrieben hat.</p>
<p>Die Fans nehmen ihr Spiel ernst genug, um weite Wege in Kauf zu nehmen; Thorsten ist vom Bodensee nach Oldenburg angereist, andere kommen aus Hamburg, dem Rheinland oder Hessen. Sie nehmen sich selbst und die Meisterschaft aber auch wiederum nicht so ernst, dass es in Verbissenheit ausartet; man merkt es unter anderem bei Zwischenrufen wie „Mist, ich bin ja die anderen“ (nach einem Eigentor) oder „Du bist Gelb!“ (als Antwort des Gegners) und vor allem an der Vielzahl der zwischen den altertümlichen Monitoren drapierten Bierflaschen und Chipstüten, als gelte es, jedes gängige Nerdklischee zu erfüllen. Und zugleich auch ein Fußballfanklischee – um Fußball geht es letztlich ja auch, irgendwie jedenfalls, nur dass an diesem Samstag in Oldenburg die Fans auch vor dem Bildschirm ins Schwitzen geraten.</p>
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		<title>Die Jungresolutionäre</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jun 2011 04:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>

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		<description><![CDATA[Jährlich treffen sich in Oldenburg Hunderte Schüler zur Olmun, einer selbstorganisierten Simulation der Vereinten Nationen, und befassen sich mit den verschlungenen Wegen multilateraler Diplomatie. Eine Stippvisite beim Sicherheitsrat.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Jährlich treffen sich in Oldenburg Hunderte Schüler zur Olmun, einer selbstorganisierten Simulation der Vereinten Nationen, und befassen sich mit den verschlungenen Wegen multilateraler Diplomatie. Eine Stippvisite beim Weltsicherheitsrat.</span></p>
<div id="attachment_42623" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/06/olmun.jpg"><img class="size-full wp-image-42623" alt="Einmal USA sein. Bild: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/06/olmun.jpg" width="600" height="213" /></a><p class="wp-caption-text">Einmal USA sein. Bild: M. Nolte</p></div>
<p>Die Delegierten von Israel und Iran verstehen sich offensichtlich gar nicht so schlecht, Hilke Hochheiden und Julius Henckel lachen und scherzen, während sie sich abseits des Sitzungssaals im Alten Rathaus mit mir unterhalten. Es ist „Lobby Time“, die Sitzung unterbrochen; die Delegierten schlendern durch den Raum, reden abseits des Protokolls informell miteinander, bringen vielleicht den einen oder anderen Kuhhandel unter Dach und Fach oder drohen sich gegenseitig Luftschläge an: Willkommen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – in der Variante der Oldenburg Model United Nations, kurz Olmun.</p>
<p><strong>Politikstunden in Schlips und Kragen</strong></p>
<p>Es ist für Außenstehende nicht schwer zu erkennen, dass die jährliche Olmun-Zeit angebrochen ist: Eine Woche lang bietet sich den rund 700 teilnehmenden Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, auch mal zwischen Konfirmation und Abifeier Anzug, Schlips oder Kostüm zu tragen und so die Innenstadt zu bevölkern. Ein… nun ja, gewöhnungsbedürftiger Anblick; in Kombination mit englischsprachigen Pressemitteilungen, unterzeichnet vom „Secretary General“ oder „Chief of Public Relations“ beschleicht einen mitunter das Gefühl, hier die nächsten Christian Lindners oder Philipp Mißfelders vor sich zu sehen. Ein Gefühl, das dankenswerterweise schnell wieder verfliegt: Die Teilnehmer nehmen ihr Projekt ernst, aber auch nicht zu ernst.</p>
<p>Dabei ist es nicht gerade der einfachste Themenkomplex, den sich die jungen Leute für ihre Version einer Sitzung des Weltsicherheitsrats ausgesucht haben: „Situation in the Middle East“. Vormittags ging es um den Zugang zum Gazastreifen, nachmittags sollte die Eindämmung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen auf dem Programm stehen. Debattiert wird ausschließlich auf Englisch, die Geschäftsordnung des realen Rats weitestgehend eingehalten. Die Zusammensetzung des Gremiums entspricht dem aktuellen Stand; Israel und der Iran gehören zwar nicht dazu, sind aber eingeladen worden, weil sie vom Thema in besonderem Maße betroffen seien.</p>
<p><strong>Auch mal Schurke sein</strong></p>
<p>Sie wollte unbedingt einen sogenannten „Schurkenstaat“ repräsentieren, sagt Hochheiden und lacht: „Mal gegen alles sein, und alle anderen hassen einen.“ Das bekomme sie im Rat durchaus zu spüren, etwa wenn sie sich dauernd den Vorwurf des Terrorismus ausgesetzt sieht. Es gebe immer mehrere Sichtweisen, so ihr Fazit, und die der islamischen Welt komme wohl tatsächlich oft zu kurz. Henckel als Vertreter Israels wiederum muss sich unzufrieden mit der gerade verabschiedeten Resolution, in der die Öffnung der Grenzen zum Gazastreifen gefordert wird, und dem Verhalten der westlichen Verbündeten zeigen, die diese Resolution unterstützt haben. „In Wirklichkeit“, sagt Henckel, „wäre die Abstimmung wohl ohnehin anders verlaufen.“</p>
<p>Die Lobby Time ist um, die Delegierten nehmen hinter ihren Fähnchen Platz, der nächste Tagesordnungspunkt steht auf dem Programm: Der französische Vertreter stellt einen Entwurf für eine Resolution zur Rüstungskontrolle im Nahen und Mittleren Osten vor, kommt aber nicht besonders weit: Mitten in seine Rede platzt die Meldung, dass ein israelisches U-Boot vor der iranischen Küste gesichtet worden sei. Helle Aufregung, Fragen werden an die leicht überrumpelt wirkenden diplomatischen Vertreter beider Länder gestellt, das übliche und aus der realen Welt bekannte Gerangel mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, militärischen Drohungen und dem Widerwillen, als erster zurückzustecken, beginnt.</p>
<p><strong>Kameraden &#8211; das erfordert eine sofortige Resolution!</strong></p>
<p>Als wäre die Verwirrung nicht schon groß genug – Wer hat den Einsatzbefehl gegeben? Wie ist das Boot bewaffnet? – taucht ein weiterer Olmun-Teilnehmer auf, stellt sich als israelischer Abgesandter (mit dem für Heiterkeit sorgenden Vornamen Achmed) vor und droht angesichts des iranischen Nuklearprogramms mit Militäreinsatz. Nun geht es erst richtig rund, und obwohl der Vorfall weit hergeholt ist und die ausgetauschten Argumente bestenfalls an der Oberfläche des komplexen Themas kratzen, zeigt sich in Grundzügen die Funktionsweise und auch die Schwerfälligkeit des Gremiums. Eine neue Resolution muss her, egal, ob sie etwas bewirkt oder nicht, etwas anderes lässt sich ad hoc ja ohnehin nicht machen. Die Debatte um die Formulierung zieht sich enorm in die Länge, nahezu jeder Unterpunkt wird von irgendwem kritisiert und die Schülerinnen und Schüler ziehen es durch; ungeachtet der Tatsache, dass sie schon seit neun Stunden da sitzen und konferieren.</p>
<p>Das Geschacher um gewünschte und unerwünschte Formulierungen bekommen die Teilnehmer also zur Genüge mit, ebenso die strengen Regeln der Institution, was die Redebeiträge angeht. Und Geheimabsprachen, Hintertürtreffen, Kurzzeitbündnisse? Die klassische Veto-Diplomatie der fünf offiziellen Atommächte, die oft genug von nackter Erpressung nicht zu unterscheiden ist? Lässt sich das alles überhaupt auch nur ansatzweise nachvollziehen?</p>
<p>Ja, sagt Keno Franke, Chairman des Sicherheitsrats, wenngleich auch nicht „ganz so krass wie in der Realität“. Schon vormittags habe etwa der britische Delegierte mehrfach mit einem Veto gedroht, um bestimmte Passagen aus der Resolution zu werfen. Und auch die „Lobby Time“ zwischen den Sitzungen gebe den Teilnehmern eine zumindest grundlegende Vorstellung davon, wie Absprachen getroffen werden und wie man verhandeln muss, um es den „Big Five“ – den Vetomächten USA, Vereinigtes Königreich, Frankreich, China und die Russische Föderation – recht zu machen.</p>
<p><strong>Erste unter nicht Gleichen</strong></p>
<p>Überhaupt, die Großmächte. In der U-Boot-Debatte haben deren Delegierte den weitaus größten Redeanteil. Es mag vielleicht sein, dass diese Olmun-Teilnehmer ohnehin zu jenen Schülern gehören, die auch im normalen Unterricht öfter etwas beitragen als andere; in ihrer Simulation des Sicherheitsrats zeigt sich dadurch dennoch recht deutlich, wer – man verzeihe das Wortspiel – dort das Sagen hat, nämlich die mit den Atomraketen und dem Geld. Ohne die Großmächte fällt keine Entscheidung, da mögen die Vertreter Indiens, Portugals oder Bosniens mit noch so gutem Willen ihre Vorschläge einbringen. Und zumindest da ist die Olmun vermutlich nicht weit von der Realität entfernt. „Es geht ja auch darum, etwas über die Schwächen der UN zu lernen“, sagt Franke, und Julius Henckel ergänzt: „Man merkt, dass unter diesen Umständen eine konstruktive Lösung oftmals nicht möglich ist.“</p>
<p>Während der Autor dieses Artikels seinen Besuch nach drei Stunden beendet, sind die höchst engagierten Schüler immer noch dabei, erbittert um die Formulierung einer Resolution zu diesem Vorfall zu debattieren. Eine Verurteilung Israels für die militärische Provokation scheitert am Veto einer Großmacht – das ist durchaus realistisch. Dass es sich dabei um Frankreich handelt, wohl weniger; aber es geht ja auch nicht darum, einfach nur den wirklichen Sicherheitsrat nachzuspielen, sondern einen – wenn auch kleinen – Einblick in dessen Entscheidungswege zu bekommen.</p>
<p>Und das allerwichtigste, sagen Henckel und Hochheider, sei auch gar nicht das Debattieren, sondern der Kontakt zu den Teilnehmern aus anderen Ländern. Die kommen aus 15 Nationen, sagt Generalsekretärin Carla Henckel, „die meisten aus Europa, aber zum Beispiel auch einige aus den USA“. Auch dies dürfte dazu beitragen, den eigenen Horizont zu erweitern und mehr Verständnis für andere Standpunkte zu erlangen. Und wenn man, nachdem man sich soeben noch atomare Vernichtung angedroht hat, die Krise anschließend bei einem Bierchen in der Innenstadtkneipe beilegen kann, ist das ja auch etwas Schönes. Wenn es doch nur in der Realität so einfach wäre.</p>
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