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	<title>Noltejournal &#124; Magazin &#124; Noltejournal | Magazin</title>
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		<title>&#8220;Mörderisches Programm&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Oct 2013 00:05:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Neue Saison, neues Glück? 2013 scheiterten die EWE Baskets knapp an Meister Bamberg; in der aktuellen Spielzeit versuchen sie es erneut - mit nahezu demselben Team.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Neue Saison, neues Glück? 2013 scheiterten die EWE Baskets knapp an Meister Bamberg; in der aktuellen Spielzeit versuchen sie es erneut &#8211; mit nahezu demselben Team.</span></p>
<div id="attachment_42837" class="wp-caption aligncenter" style="width: 586px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/10/EWE-Baskets-Machowski-www.jpg"><img class=" wp-image-42837 " alt="Bereits in der ersten Saison in Oldenburg in der Erfolgsspur: Headcoach Sebastian Machowski. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/10/EWE-Baskets-Machowski-www.jpg" width="576" height="320" /></a><p class="wp-caption-text">Bereits in der ersten Saison in Oldenburg in der Erfolgsspur: Headcoach Sebastian Machowski. FOTO: mno</p></div>
<p><strong>Herr Machowski, Sie hatten nun ja reichlich Gelegenheit, die vergangene Saison Revue passieren zu lassen. Jetzt, mit entsprechendem Abstand betrachtet: Überwiegt da die Freude darüber, so weit gekommen zu sein – oder der Frust, so knapp gescheitert zu sein?</strong></p>
<p>Ich habe sehr lange gebraucht, um die Enttäuschung darüber, dass wir es nicht geschafft haben, das Finale zu gewinnen und dreimal so knapp an Bamberg gescheitert sind, zu überwinden. Mittlerweile überwiegt aber die Freude und der Stolz darüber, was wir erreicht haben. Nicht nur wegen der Vizemeisterschaft – wir waren ja auch in der Hauptsaison lange Zweiter und haben das Final Four der EuroChallenge erreicht. Wenn man bedenkt, wo das Team hergekommen ist, nämlich vom zehnten Platz in der Vorsaison, dann sehe ich es rückblickend als sehr erfolgreiche Saison.</p>
<p><strong>Wohl auch deswegen sahen Sie keinen Anlass zu tiefgreifenden Veränderungen: Nur ein einziger Spieler verließ das Team, und es gab auch nur einen Neuzugang. Die Nachdrücklichkeit, mit der Sie offensichtlich auf Konstanz setzen, ist bemerkenswert …</strong></p>
<p>Es war schon in der vergangenen Saison ein großes Risiko, aus der Vorjahresmannschaft sieben Spieler zu halten. Nicht, weil die nicht erfolgreich gespielt hätten – es ist aber schwierig, da erstmal ein komplettes Umdenken einzuleiten, und die Mannschaft hat tatsächlich eine Weile gebraucht, die neue Philosophie umzusetzen. Kontinuität ist natürlich auch für die Fans wichtig, die manche Spieler ins Herz geschlossen haben – es ist im Basketball ja nicht häufig der Fall, dass man es schafft, Spieler über Jahre zu halten. Das zeichnet im Übrigen auch den Oldenburger Basketball und die Strukturen, die wir bei den Baskets über die letzten Jahre geschaffen wurden, aus – die Spieler bleiben gerne hier, auch wenn sie in Russland oder der Türkei mehr verdienen könnten. Darüber hinaus hat sich die Mannschaft in der vergangenen Saison durch eine hohe Homogenität ausgezeichnet, die man ihr auch angemerkt hat: Die treten als Mannschaft auf, die spielen als Mannschaft, und das auch noch mit Spaß. Da war es für uns nur logisch zu versuchen, das Gros dieses Teams zusammenzuhalten.</p>
<p><strong>Es war also keine große Überzeugungsarbeit nötig, die Spieler hier zu halten?</strong></p>
<p>Wir schaffen es natürlich nicht, wie südeuropäische Mannschaften oder mittlerweile auch Bayern München die Spieler mit Geld zuzuschütten. Da muss man andere Argumente finden, und ich denke, die haben wir im Verlauf der letzten Saison geliefert sportlich sowie im Umfeld. Außerdem sind Die Voraussetzungen sind hier für die ausländischen Profis, aber auch für die Talente im Nachwuchsbereich sehr gut – die Jugendarbeit, die als eine der besten in Deutschland ausgezeichnet wurde, das Trainingszentrum, die zahlreichen Festangestellten im Klub, die sich um die Mannschaft kümmern, damit wir uns auf den Sport konzentrieren können &#8230; die Spieler merken, dass hier alles für sie getan wird.</p>
<p><strong>Forward Ronnie Burrell ist der einzige Abgang des Teams. Hätten Sie auch ihn lieber gehalten?</strong></p>
<p>Wir wollen uns verbessern und sportlich weiterentwickeln – und auf dieser Position brauchten wir mehr Konstanz in unserem Spiel, daher haben wir ihm keine Verlängerung angeboten. Mit Nemanja Alexandrov haben wir einen sehr talentierten Spieler für diese Position gefunden, der uns hoffentlich das gibt, was wir von ihm erwarten.</p>
<p><strong>Alexandrov hat vor wenigen Jahren eine komplette Saison ausgesetzt und mit einem Individualtrainer gearbeitet. Sehen Sie darin einen Ausweis seiner Professionalität oder muss man nicht vielleicht auch ein Fragezeichen hinter die Erwartungen setzen?</strong></p>
<p>Er wurde, wenn man den Medien glauben darf, als der nächste Nowitzki aus Serbien gehandelt – und dann zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Dadurch wurde er zurückgeworfen und hat sich die Auszeit genommen, in der er richtig investiert hat. Im letzten Jahr hat er komplett gespielt, in Belgien und Spanien – er ist körperlich wieder hundertprozentig fit. Nur diesem Umstand hatten wir es zu verdanken, dass wir in der Lage waren, ihn hierher lotsen zu können – vergleichbare Spieler seiner Generation spielen bei ZSKA Moskau oder Real Madrid, die zahlen für einen Spieler so viel wie wir für unseren ganzen Kader zusammen.</p>
<p><strong>Ist es aus Sicht des Trainers einfacher, einem funktionierenden Team einen neuen Spieler hinzuzufügen oder fängt man lieber bei Null an?</strong></p>
<p>Fast alle Manager, mit denen ich in den vergangenen Wochen gesprochen habe, haben mich zu meinem „ruhigen Sommer“ beglückwünscht: Da die ganze Mannschaft zurückkomme, müsse ich ja nicht viel tun. Wir haben uns aber sehr schwergetan, dieses eine fehlende Puzzlestück zu finden – das war fast schwieriger und aufwendiger als im vergangenen Jahr, als nur ein Spieler einen laufenden Vertrag hatte und wir das Team gewissermaßen neu zusammenbauen mussten. Die Zukunft wird zeigen, ob wir – das Trainerteam und die Geschäftsführung – mit dieser Entscheidung richtig lagen.</p>
<p><strong>Zu ihrer Philosophie gehört, dass Sie den Spielern möglichst viele Freiräume und sie auf dem Feld weitgehend eigenverantwortlich agieren lassen. Das schien in der vergangenen Saison durchaus ein Erfolgsrezept zu sein – könnte es nicht aber auch die immer wieder mal zu beobachteten Chaosphasen in manchen Partien erklären?</strong></p>
<p>Ich denke nicht, dass uns grundsätzlich die Linie gefehlt hat. Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, dass es, wenn man viele Freiheiten einräumt, schwierig ist, in entscheidenden Situationen auf disziplinierte Umsetzung von taktischen Details zurückzufallen. Unser Ansatz ist, dass die Spieler Spaß am Spiel haben und sich frei entfalten können sollen. Wenn wir sie in ein taktisches Korsett zwängen und wie Roboter spielen lassen, wäre das Ergebnis fatal. Das betrifft ja vor allem die Offensive, und da haben wir in der vergangenen Saison gezeigt, dass wir Spiele gewinnen können. Noch schwerer wiegt die überzeugende Defensivleistung während der gesamten Saison – wir haben mit die wenigsten Körbe kassiert und offensivstarke Mannschaften wie Ulm und Bamberg in den Playoffs 20 Punkte unter ihrem Saisonschnitt gehalten. Da geht es dann nicht mehr um Freiräume, sondern um knallharte Teamdefense, die die Mannschaft umgesetzt und damit die Siege ermöglicht hat – wenn man hinten seinen Job erledigt, kann man sich vorne belohnen.</p>
<p><strong>Kaum jemand hat der Mannschaft nach zwei eher durchwachsenen Spielzeiten das durchweg hohe Niveau 2012/13 zugetraut. Sehen Sie die Gefahr, dass die Erwartungshaltung bei den Fans nun entsprechend hochgeschraubt wird?</strong></p>
<p>Ich denke, aufgrund der Tradition in Oldenburg und den wirtschaftlichen und strukturellen Möglichkeiten, die der Verein hat, gehören die EWE Baskets zu den Topteams in der Beko BBL. Da wollen wir auch in der kommenden Saison wieder hin. Ich denke aber auch, dass die Fans gut einschätzen können, was wir in der vergangenen Saison geleistet haben. Die Playoffs sind noch zehn Monate entfernt; zum Saisonstart geht es erstmal darum, die Euroleague-Qualifikation zu gewinnen. Wenn wir ein Ziel haben, dann ist es, das, dass wir in jedes Spiel zu gehen, um es zu gewinnen – egal, wer der Gegner ist. Wir bereiten uns immer akribisch auf den nächsten Gegner vor; welchen Platz wir am Ende belegen, wird sich dann zeigen. Das ist keine norddeutsche Zurückhaltung, sondern ein realistischer Ansatz.</p>
<p><strong>Wie schätzen Sie die Liga ein?</strong></p>
<p>Die Liga wird immer stärker: Bayern München rüstet unheimlich auf, die haben für zwei Mannschaften eingekauft. Bamberg wird sicher wieder stark sein, Berlin wird versuchen, nach dem Auswechseln der ganzen Mannschaft wieder an alte Erfolge anzuknüpfen … jedes Spiel wird wichtig, und keinen Gegner darf man unterschätzen. Und für die Fans ist es sicher spannend, dass man nun mit Artland, Bremerhaven und nun auch Vechta viele Nordderbys hat und die neue große Halle zum permanenten Zuhause wird. Das ist eigentlich wichtiger als irgendwelche Ziele vorzugeben.</p>
<p><strong>Sie erwähnten es eben bereits: Die Baskets haben die Chance, ins Oberhaus des europäischen Basketballs vorzustoßen – die Euroleague. Ist die Teilnahme und das Erreichen der Endrunden ein erklärtes Ziel oder eher ein „nice to have“?</strong></p>
<p>Wir wollen erstmal die Qualifikation schaffen. Wir fahren ja nicht dahin mit dem Gedanken, dass wir da nichts verloren hätten. Es ist natürlich schwierig, wenn man weiß: Wenn wir verlieren, spielen wir trotzdem im Eurocup. Aber die Euroleague ist auch ein Ziel, das die Spieler vor Augen haben – die wollen da hin, dafür haben sie letztes Jahr gekämpft, und diese Chance nun einfach abzutun, wäre falsch.</p>
<p><strong>Nervt denn eigentlich nicht, wenn man sich trotz des Kraftakts der Vizemeisterschaft dennoch erst qualifizieren muss – eine weiter hinten platzierte Mannschaft wie Bayern München aber eine Einladung bekommt?</strong></p>
<p>Die Euroleague hat das eben so entschieden: Der Meister ist dabei, der Vizemeister darf sich qualifizieren und die Wildcard ging an Bayern München. Das ist der Name, der zieht, aus bekannten Gründen.</p>
<p><strong>Sie hatten sich während der Playoffs kritisch zum engen Zeitplan im Profibasketball geäußert. Angenommen, die Saison verläuft sehr erfolgreich: Erreichen der Top 16, vielleicht sogar der Finalrunde in der Euroleague, Liga-Playoffs, Pokal – da kommen bis zu 70, 80 Spiele in nicht einmal neun Monaten zusammen. Ist diese Dichte eigentlich noch zu stemmen?</strong></p>
<p>Die Bamberger spielen von Anfang Oktober bis etwa Mitte März fast durchgehend drei Spiele pro Woche. Bei uns war es in der vergangenen Saison ab Februar so. Das ist ein mörderisches Programm. Wenn man sich das beim Fußball anhört mit den englischen Wochen, die alle paar Wochen mal anstehen – das ist für Basketballer Standard. Und da besteht die Gefahr, dass es zu einem mentalen und körperlichen Verschleiß kommt – dann treten Verletzungen auf, es kommt zu Unkonzentriertheiten, man bewegt sich im roten Bereich. Umso wichtiger ist es, eine kompakte Mannschaft zu haben, mit vielen Leistungsträgern, auf die man die Verantwortung verteilen kann. Wir wollen ja natürlich international spielen – die Spieler wollen es, der Verein will es, die Sponsoren; es ist dann ein Stück weit die Kehrseite, dass die Belastung sehr hoch ist.</p>
<p><strong>Die doppelte Anzahl an Zuschauern in der neuen Halle bedeutet ja auch eine verbesserte Einnahmensituation. Haben Sie dadurch als Trainer größeren Spielraum bei etwaigen Verpflichtungen?</strong></p>
<p>Unsere finanziellen Möglichkeiten sind gut, aber im Vergleich zu den großen Euroleague-Mannschaften nicht konkurrenzfähig. Die neuen Halle macht den Standort attraktiver und kann ist auch ein weiteres Argument, wenn wir Spieler hierher holen wollen. Aber das alles heißt nicht, dass wir automatisch mehr Geld für das Team haben. Zumal es immer kostspieliger ist, ein Team zu halten als ein neues zusammenzustellen.</p>
<p><strong>Eine Frage zum Abschluss: Julius Jenkins, einer der Schlüsselspieler der vergangenen Saison, ist aus dem Urlaub zurück, aber ohne seine Zöpfe. Ein schlechtes Omen? Oder neigen Basketballer nicht so sehr zu Aberglauben wie andere Sportler?</strong></p>
<p>Ich glaube nicht, dass Samson seine Kraft verloren hat. Im Gegenteil: Er wird nach dem Verlust von soundsoviel Kilo Haarmasse vielleicht noch leichtfüßiger aufspielen. Und er sieht nicht nur jünger aus, sondern spielt bestimmt auch so.</p>
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		<title>Hit &amp; Run</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Sep 2013 18:33:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal spielen Leute, die Baseballcaps tragen, tatsächlich auch Baseball. Etwa die Oldenburg Hornets. Allerdings stechen die Hornissen derzeit nicht allzu oft.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Manchmal spielen Leute, die Baseballcaps tragen, tatsächlich auch Baseball. Etwa die Oldenburg Hornets. Allerdings stechen die Hornissen derzeit nicht allzu oft.</span></p>
<div id="attachment_42796" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-hit.jpg"><img class=" wp-image-42796 " alt="Pock! Der saß. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-hit.jpg" width="672" height="379" /></a><p class="wp-caption-text">Pock! Der saß. FOTO: mno</p></div>
<p>Hat der Runner der Hornets nun die erste Base berührt oder nicht? Der Schiedsrichter glaubt: Nein. Und schickt ihn vom Feld. Ein Zuschauer klärt den Unparteiischen freundlich auf, dass das normalerweise ja anders gehandhabt würde. Später, als erneut eine unklare Situation eintritt, fragt der Umpire, wie der Schiri beim Baseball heißt, gleich jenen Zuschauer um Rat. Es ist eine entspannte Atmosphäre, hier, in der untersten Spielklasse des deutschen Baseballs – der Bezirksliga, Staffel Niedersachsen-West. Die Graswurzelebene eines Sports, dessen hervorstechendes Utensil, der Schläger, höhere Prominenz als Waffe denn als Sportinstrument genießt.</p>
<p>Nur eine Handvoll Fans findet sich an diesem Sonntag zu den beiden Begegnungen der <a href="http://www.baseball-oldenburg.de/" target="_blank">Oldenburg Hornets</a> und der Löningen Tigers ein; das Verhältnis von Spielern zu Zuschauern beträgt etwa vier zu eins und die meisten scheinen ohnehin zum Umfeld der Teams zu gehören. Dass man gleich zweimal am selben Tag gegeneinander antritt, ist nicht unüblich – es erspart Fahrerei und Spritgeld, und Baseball ist ohnehin schon ein recht teures Hobby. Während die Tigers in quietschgelben fußballkreisligatauglichen Standardvereinsleibchen auflaufen, sind die Hornets mit mehr Stil bei der Sache: Sie – oder vielmehr: die meisten von ihnen, auch bei der Kleiderordnung wird es nicht allzu eng gesehen – tragen eigens angefertigte Trikots im klassischen US-Outfit, inklusive verschnörkeltem „Hornets“-Schriftzug. „Wir gelten immerhin als bestangezogenes Team der Staffel“, sagt Matthias Paschke, der mal als Catcher, mal als Pitcher und mal als Baseman auf dem Feld steht und zugleich als Teamsprecher fungiert.</p>
<p>Als bestangezogenes vielleicht, nicht jedoch als erfolgreichstes. Die Hornets kämpfen im Wesentlichen um die Ehre &#8211; bislang haben sie jedes einzelne Spiel der Saison verloren. Nur eines wurde ihnen kampflos zugesprochen, da der Gegner zu kurzfristig abgesagt hatte, „aber das zählt nicht“, sagt Paschke. Seit Jahren belegt das Team verlässlich einen der letzten Plätze der momentan fünf Mannschaften umfassenden Staffel, hinter Mannschaften mit Namen wie den Barrien Greenbears oder den Osnabrück Basebusters. Ob er sich oft Charlie-Brown-Witze anhören muss, in Anlehnung an den bemitleidenswerten Kapitän, dessen Mannschaft nie gewinnt und der dauert vom brettharten Ball aus den Klamotten gehauen wird? Vor kurzem habe er tatsächlich ein paar Peanuts-Bände geschenkt bekommen, sagt Paschke; vorher habe er die kaum gekannt. Er fand’s lustig.</p>
<div id="attachment_42793" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-pitcher.jpg"><img class=" wp-image-42793 " alt="Schwungvoll. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-pitcher.jpg" width="672" height="379" /></a><p class="wp-caption-text">Schwungvoll. FOTO: mno</p></div>
<p>Auch an diesem Tag geht das erste Match gegen die Tigers knapp verloren, 14:15 heißt es am Ende, und das ist immer noch besser als 1:17 oder 2:22, wie in dieser Saison auch schon mal Spiele endeten. „Natürlich ist das frustrierend“, sagt Paschke, zumal es vor ein paar Jahren noch besser ausgesehen hatte – da hatte man ein eingespielteres Team und erfahrenere Spieler, man hätte sogar einmal aufsteigen können, aber irgendwas war bei den Meldefristen schiefgelaufen. Eine hohe Fluktuation innerhalb des Teams tut sein Übriges: Viele versuchen es nur mal spaßeshalber und steigen wieder aus, andere müssen arbeitsbedingt wegziehen oder haben ihr Studium irgendwann abgeschlossen und verschwinden. Dabei brauche man laut Paschke schon mindestens zwei bis drei Jahre, um sich in dieses Spiel hineinzufinden.</p>
<p>Dennoch gibt es die Hornets nun schon seit immerhin 20 Jahren – damals, in den 90ern, hatte es so etwas wie einen kurzzeitigen, aber schnell versandeten Baseball-Boom gegeben, von dem indes schon damals nur Wenige Notiz nahmen. Die an einen hiesigen Sportverein angegliederten Hornets werden als Männerteam geführt, aber zur Mannschaft zählten auch Frauen. Es gebe keine Vorschrift in den Verbandsregeln, die das ausschließe, erklärt Paschke – zwar spielten die meisten Frauen eher Softball, diese etwas schubreduzierte Form des Sports, aber manche haben eben mehr Lust auf richtiges Baseball. Und wo wären gemischte Teams besser denkbar als hier, bei diesem vollkommen zweikampffreien Sport, dessen einziger Körperkontakt darin besteht, dass ein Baseman einen gegnerischen Runner mit dem Ball berührt. Manchmal rasseln beide auch unsanft zusammen, soll nicht so sein, passiert aber. Das liege zumeist an der mangelnden Erfahrung der Spieler, sagt Paschke – etwa wenn man als Baseman falsch steht. Man lernt es mit der Zeit und steigender Erfahrung, aber eben daran hapert es ja gerade.</p>
<div id="attachment_42797" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-safe.jpg"><img class=" wp-image-42797 " alt="Safe ... FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-safe.jpg" width="672" height="379" /></a><p class="wp-caption-text">Safe &#8230; FOTO: mno</p></div>
<p>Dabei gilt Baseball – auch wenn der Sprint zur nächsten Base Kraft, das Schlagen Geschicklichkeit und das Verinnerlichen des überaus komplizierten Regelwerks viel Zeit erfordern – als ein Sport der eher gemächlicheren Gangart, manchmal auch der langatmigen. So sehr, dass er selbst in der wohl amerikanischsten aller TV-Serien, den <em>Simpsons</em>, einmal als so unerträglich langweilig dargestellt wurde, dass die sabbernden Außerirdischen Kang und Kodos ihren Zeitrafferstrahl auf das Spielfeld richten und ihn so weit überdrehen, dass sie damit versehentlich die Existenz an sich auslöschen.</p>
<p>Tatsächlich bekommt die Formulierung „den Sonntag am Sportplatz verbringen“ beim Baseball mitunter eine buchstäbliche Note. Um 11 Uhr haben die Mannschaften auf dem Platz hinter einer Oldenburger Schule begonnen, und sechs Stunden später ist gerade die Hälfte des zweiten Matches herumgebracht, und das, obwohl nur je fünf Innings – Spielrunden – angesetzt waren statt der sonst üblichen sieben. Im Baseball wird solange gespielt, bis ein Sieger feststeht; vor ein paar Wochen wurde ein Spiel in der US-Profiliga erst im 19. Inning entschieden. „Dauert aber auch nicht immer so lange“, sagt Paschke. Manche Zuschauer sind zwischendurch wieder gegangen, andere später gekommen; eine Familie verbindet ihren Besuch mit einem kleinen Picknick.</p>
<p>Eine Imbissbude oder einen Getränkeausschank gibt es nicht, dafür haben die Hornets nicht genug Helfer. Und ohne solche Angebote sei es schwer, Zuschauer zu bekommen, und ohne Zuschauer bleibt die Bekanntheit gering, und ohne hohen Bekanntheitsgrad lassen sich nur schwer Spieler rekrutieren und Sponsoren gewinnen … ein Teufelskreis, der es erschwere, ein Team aufzubauen und zumindest einmal über ein paar Jahre zusammenzuhalten, sagt Paschke; und der ausbleibende Erfolg mache die Sache für Neulinge auch nicht eben attraktiver.</p>
<div id="attachment_42798" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-notsafe.jpg"><img class="size-full wp-image-42798" alt="... or not safe, das sind so die Fragen. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-notsafe.jpg" width="672" height="379" /></a><p class="wp-caption-text">&#8230; or not safe, das sind so die Fragen. FOTO: mno</p></div>
<p>Dennoch blickt er einigermaßen optimistisch in die Zukunft: Immerhin haben es die Hornets geschafft, ein eigenes Jugendteam auf die Beine zu stellen. Die spielen sogar im Winter, in der Halle dann; und vielleicht sorgt der Nachwuchs mittelfristig auch für ein bisschen mehr personelle Kontinuität beim Bezirksligateam. Wo und gegen wen auch immer diese dann wird spielen müssen &#8211; die Liga steht mal wieder vor einer Umstrukturierung, denn nicht nur Spieler, sondern mitunter auch ganze Teams ziehen sich aus dem Spielbetrieb zurück, wenn sie es personell nicht mehr hinbekommen. Vermutlich wird die Liga im kommenden Jahr auf nur zwei Staffeln reduziert. Das bedeutet dann noch mehr Fahrerei.</p>
<p>Irgendwann am späten Sonntagnachmittag ist auch die zweite Partie gegen die Tigers und damit auch die Saison 2012 vorbei – und die endet für die Oldenburger doch noch mit einem Erfolgserlebnis: Die Hornets gewinnen mit 17:12, inklusive zwei Homeruns. Ein Sieg, endlich, auch wenn der Gegner verletzungsbedingt nicht mehr vollzählig war und auch wenn das Ergebnis nichts an der Platzierung am Tabellenende ändert. Ein Nachholspiel gibt es noch, am Wahlsonntagnachmittag gegen die Cornau Buffaloes, allerdings geht das nicht mehr in die Wertung ein.</p>
<div id="attachment_42795" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-board.jpg"><img class="size-full wp-image-42795" alt="Auf dem Weg zum ersten - und leider einzigen - Saisonsieg. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-board.jpg" width="672" height="379" /></a><p class="wp-caption-text">Auf dem Weg zum ersten &#8211; und leider einzigen &#8211; Saisonsieg. FOTO: mno</p></div>
<p>Aber vielleicht, so die stille Hoffnung, läuft es in der kommenden Saison ja besser. Auch wenn schon jetzt klar ist, dass wieder einige das Team verlassen werden. Dass es wieder schwer werden und es wohl auch 2014 keine Würstchen am Spielfeldrand geben wird. Aber den Titel des bestangezogenen Teams, den nimmt den Hornets so schnell niemand.</p>
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		<title>&#8220;Auch mal bereit sein, dazuzulernen&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Sep 2013 19:01:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bundestagswahl 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer macht das Rennen im Wahlkreis 27? Der Lokalteil bittet die Direktkandidaten der Bundestagsparteien zum Gespräch - heute: Peter Meiwald (Grüne) über die Energiewende, Landwirtschaft und vegetarische Mittagessen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Wer macht das Rennen im Wahlkreis 27? Der Lokalteil bittet die Direktkandidaten der Bundestagsparteien zum Gespräch &#8211; heute: Peter Meiwald (Grüne) über die Energiewende, Landwirtschaft und vegetarische Mittagessen.</span></p>
<div id="attachment_42816" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/Meiwald.jpg"><img class=" wp-image-42816 " alt="Es grünt so grün, wenn Ammerlands Baumschulen blühen. Äh. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/Meiwald.jpg" width="672" height="373" /></a><p class="wp-caption-text">Es grünt so grün, wenn Ammerlands Baumschulen blühen. Äh. FOTO: mno</p></div>
<p><strong>Herr Meiwald, heute ist Donnerstag. Was haben Sie denn zu Mittag gegessen?</strong></p>
<p>Heute Mittag gab es eigentlich nur Spiegelei mit Brot. Das Ei vom eigenen Huhn.</p>
<p><strong>Also war es ein privater Veggie Day. Ich will jetzt gar nicht diese durchsichtige Springerkampagne weiter zelebrieren – aber als Grünen-Politiker muss man sich ja Gedanken darum machen, warum sie so verfängt. Welche Schlüsse ziehen Sie aus den teils sehr heftigen Reaktionen und der Debatte, die sich daran entzündet hat?</strong></p>
<p>Es erschreckt uns auch, dass es uns trotz des eigentlich guten Themas nicht gelungen ist, das dahinter Stehende zu zeigen. Nämlich dass es uns um Qualität in der Lebensmittelerzeugung geht, um Tierhaltung, um Gesundheit und Verbraucherschutz; auch um Gerechtigkeit im internationalen Maßstab, etwa im Hinblick auf Futtermittel aus Ländern, die die Nahrung auch selber gut brauchen könnten. Diese ganze Thematik wurde umgedreht in eine Verbotsdiskussion, um die es uns aber nie ging. Es gibt ja mittlerweile jede Menge Kantinen, die so was machen oder sogar jeden Tag auch vegetarische Gerichte anbieten. Es ging darum, Denkanstöße zu setzen und die Leute zum Nachdenken zu bringen: Warum muss es denn was Schlimmes sein, einmal die Woche kein Fleisch auf der Speisekarte zu sehen? Viele essen ohnehin nicht täglich Fleisch – aber fühlen sich dann gleich eingeengt. Das ist offenbar nicht so gut rübergekommen, und es fiel bei Vielen in die Schublade: Die wollen uns was wegnehmen. Darum geht es uns aber nicht. Wir sind eine Partei der Freiheit, die für die Zukunft Entwicklungschancen anbieten will – und dazu gehört auch, dass wir unsere Lebensgrundlagen vorher nicht zerstören.</p>
<p><strong>Der Vorwurf der regelungswütigen Grünen wurde ja auch in andere Positionen und Forderungen, etwa das berüchtigte Tempolimit, eingebettet … es ist nicht eben schwierig, daraus zu stricken: Die Grünen wollen alles Mögliche verbieten; und was sie nicht verbieten, das schreiben sie vor. Brauchen die Leute denn diese Art von Regelung, weil sie von sich aus nicht im Sinne der Gemeinschaft handeln?</strong></p>
<p>Ich bin viel in Dänemark und Holland unterwegs gewesen und habe es dort als ziemlich entspannend empfunden, dass dort nicht so gerast wurde. Deutschland ist eines der letzten Länder, das kein Tempolimit hat; selbst sehr konservative Regierungen in anderen Ländern sehen es anders – das scheint wirklich ein deutsches Phänomen zu sein. Ich glaube aber, das es sich so ähnlich verhält wie in der Sozialpolitik auch: Wir brauchen neben dem Freiheitsgedanken auch so etwas wie Leitplanken, die verhindern, dass sich einige Starke ihre Freiheit auf Kosten der Schwachen nehmen. Und nur darum geht es, wenn wir sagen, dass wir uns für Klimaschutz und Verkehrssicherheit einsetzen und dafür eben auch Tempolimits haben wollen</p>
<p><strong>Kommen wir noch mal auf das Bio-Ei von heute Mittag zurück. Ihr Parteikollege Christian Meyer befasst sich zurzeit recht intensiv mit der industriellen Landwirtschaft hier in Niedersachsen. Was schwebt Ihnen denn auf Bundesebene vor, was wollen – und können – die Grünen da durchsetzen?</strong></p>
<p>Es geht ja um die Rahmenbedingungen – vieles ist tatsächlich EU- oder Länderrecht. Aber auch auf Bundesebene lässt sich etwa im Baurecht einiges tun. So muss der §201 im Baugesetzbuch wieder dahin gebracht werden, dass die Futtergrundlage für die bäuerliche Landwirtschaft wieder zum entscheidenden Kriterium wird. Im Moment kann man auch ohne große Flächen Riesenställe bauen und es dennoch als bäuerliche Landwirtschaft darstellen, wenn man die Flächen auch nur theoretisch nachweisen kann. Wenn es aber nicht als bäuerlich gilt, ist es gewerblich, und dann könnten die Kommunen steuernd regeln, was sie heute in vielen Fällen nicht können. Der Bund ist außerdem gefordert bei der Kennzeichnungspflicht – wie schön das klappen kann, sehen wir bei den Eiern. „Kein Ei mit der Drei“ hat sich durchgesetzt, weil die Bürger Eier aus Käfighaltung nicht mehr kauften. Aber bei Shampoo, bei Backmischungen und ähnlichen Dingen, bei denen nicht draufsteht, wo die Eier herkommen, hat der Kunde keine Wahl, er ist dem Hersteller ausgeliefert. Und wir wollen dem Bürger durch eine Kennzeichnungspflicht die Möglichkeit geben, eine bewusste Kaufentscheidung zu treffen. Andere Dinge wie etwa die gezielte Förderung kleinerer bäuerliche Betriebe gehen nur im Zusammenspiel mit den Ländern und der EU, sind aber natürlich auch wichtig.</p>
<p><strong>Es wird ja oft argumentiert, dass letztlich der Verbraucher entscheide. Und da der demnach offenbar immer billigere Hähnchen haben wolle, mache er sich mitschuldig an den Haltungsbedingungen beziehungsweise nehme es in Kauf.</strong></p>
<p>Auch da fehlt es zum Teil an einer klaren Auszeichnung – es gibt zwar die Neuland- oder Bioland-zertifizierten Schlachter, aber insgesamt noch zu wenig und solche Alternativen sind auch noch nicht so recht ins Bewusstsein gedrungen. Was selbst konventionelle Landwirte erschreckt, ist der Trend zum Convenience Food, dass es viele Leute gar nicht mehr wirklich interessiert, wo das Hackfleisch herkommt. Wenn ein konventioneller Landwirt sagt, dass es ihm mittlerweile viel mehr Probleme macht, sein gutes Jungbullenfleisch zu vermarkten als das Hackfleisch aus alten Tieren, dann ist das erschreckend – da sollte, unabhängig von Bio oder Nichtbio, ein Nachdenken einsetzen, ob wir uns mit diesem immer-billiger-Trend einen Gefallen tun.</p>
<p><strong>Das Ammerland ist ja stark landwirtschaftlich geprägt. Kommt das in Zeiten wie diesen einem Grünen-Kandidaten eigentlich entgegen? Oder gibt es eher Vorbehalte?</strong></p>
<p>Wir haben im Ammerland das Glück, keine so starke Massentierhaltungslobby zu haben wie in Südoldenburg. Als Grüne haben wir in den letzten Jahren sehr gute Kontakte zu den Landwirten geknüpft – es gibt meiner Meinung nach noch zu wenig Biolandwirtschaft, aber viel Grünlandwirtschaft, die in einigen Fällen gar nicht so weit davon entfernt ist. Bei vielen Fragen kommen wir schnell auf einen gemeinsamen Nenner.</p>
<p><strong>Kommen wir mal vom Regionalen ins Grundsätzliche. Der Wunsch-Koalitionspartner der Grünen ist die SPD. Der letzte Versuch aber hängt den Grünen ja immer noch nach: In diese Zeit fielen Kosovokrieg, Afghanistankrieg, Agenda 2010 … haben die Grünen ihre Schröder-Vergangenheit denn mittlerweile aufgearbeitet?</strong></p>
<p>Das kann ich eindeutig bejahen. Wenn man sich unser Programm und dessen Entstehungsprozess ansieht – eben dass man den Mut hat zu sagen: Wir müssen Schranken setzen, wir müssen Steuererhöhungen ehrlich ankündigen und nicht sagen, der Markt wird schon alles regeln und es wird alles gut werden, wenn wir nur die Wirtschaft ankurbeln. Wir haben es nun geschafft, Elemente der Postwachstumsökonomie in unser Programm aufzunehmen, eben diese Wachstumsfixierung zu hinterfragen; es gibt viel Kritik zur Rentenfrage und zur Umsetzung der Agenda 2010 – und nach vielen Jahren ist es auch wieder möglich, innerhalb der Grünen das Wort „Umverteilung“ in den Mund zu nehmen. Da haben wir uns, glaube ich, gut von dieser Zeit emanzipiert und viel daraus gelernt.</p>
<p><strong>An dieser Stelle kommt klassischerweise die Frage: Warum wurde denn nicht schon damals der Mindestlohn eingeführt oder der Zeitarbeit engere Schranken gesetzt? Als flankierende Maßnahme wäre das doch möglich gewesen. Um die größten Auswüchse der Hartzgesetze zu vermeiden.</strong></p>
<p>Aus der Rückschau betrachtet hat man sich wohl so an der Hartz-IV-Reform abgearbeitet, dass man den Mindestlohn nicht so richtig auf dem Schirm hatte. Die Zeitarbeit ist tatsächlich etwas, das durch die Agenda 2010 verschlimmert wurde – so kann es nicht weitergehen, da muss man selbstkritisch und in der Politik auch mal bereit sein, dazuzulernen. Mittlerweile sagen wir: Zeitarbeit kann nur dann funktionieren, wenn vom ersten Tag an Equal Pay gilt, möglichst auf Dauer mit einem Flexibilitätsaufschlag, so dass der Leiharbeitnehmer für den Unternehmer teurer ist und nur noch da eingesetzt wird, wo er hingehört, nämlich um Auftragsspitzen abzufedern. Zum Mindestlohn haben wir mittlerweile ja auch eine klare Position, gemeinsam mit Gewerkschaften und SPD. Da haben wir uns zum Positiven weiterentwickelt.</p>
<p><strong>Ihr Ur-Thema dürfen die Grünen als erledigt abhaken: Der Atomausstieg ist unter Dach und Fach, auch wenn ein zweiter Anlauf und ein explodiertes AKW dafür nötig waren. Das neue Kernthema dürfte die Energiewende sein, aber deren Verlauf stößt nicht eben auf einhellige Begeisterung. Wie zufrieden sind Sie denn mit der Entwicklung?</strong></p>
<p>Es läuft bei der jetzigen Regierung sehr viel schief – sie führt das Wort „Energiewende“ im Mund, aber sabotiert sie zugleich auf verschiedensten Ebenen. Wenn ich mir Herrn Seehofer anschaue, der durch sein Land läuft und behauptet, man bräuchte die zehnfache Anlagenhöhe als Mindestabstand zwischen Windrädern und Wohnhäusern, dann bedeutet das nichts anderes als ein komplettes Ausbremsen der Windenergie in Bayern. Oder nehmen wir die Diskussion um Riffgat: Dass das Netzunternehmen Tennet zum einen überfordert war, zum anderen aber auch gar keine echte Motivationshilfe hatte, weil sie ihren Schaden ja auf die Kunden umlegen kann – dann geschieht das auf der Grundlage eines Gesetzes, das Philipp Rösler geschaffen hat, nämlich der Offshoreumlage. Man verlegt das unternehmerische Risiko zu den Kunden – das geht in eine ganz falsche Richtung. Wir müssen auch die Berechnung der EEG-Umlage neu justieren: In der Planung waren alle davon ausgegangen, dass die Energiepreise an der Börse nur eine Richtung kennen, nämlich nach oben. Daher war die EEG-Umlage so konzipiert, dass sie die Differenz zwischen Einspeisevergütung und Börsenpreis abbildet. Dass letzterer aufgrund des überwältigenden Erfolgs der erneuerbaren Energien sinkt, hat niemand vorhergesehen – da müssen wir jetzt ran. Die Bundesregierung hat eine Menge Ankündigungen gemacht, aber nichts getan. Es liegen mindestens fünf Millarden Euro herum, die dringend offshore investiert werden wollen, die aber auch nach Planungssicherheit verlangen – die Banken geben das Geld nicht, wenn nicht klar ist, ob es hinterher mit dem Anschluss und der projektierten Vergütung klappt.</p>
<p><strong>Einige plädieren für eine Dezentralisierung der Energieversorgung, also die klassische PV-Anlage auf dem Hausdach. Andere sehen die Zukunft in immer größeren Wind- und Solarparks. Was ist denn nun der bessere Weg?</strong></p>
<p>Das mit den Dachanlagen hat sich ja ganz gut entwickelt. Was ich gerne in die Diskussion einbringen würde, ist: Man muss meiner Meinung nach die EEG-Vergütung für neue Dachanlagen an die Einführung dezentraler Speicher koppeln. Im Moment kann man diese Speicher zwar bekommen, sie sind aber noch zu teuer und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Wir haben aber auf der anderen Seite volkswirtschaftlich das Problem, dass wir viel Geld in den Netzausbau stecken müssen, damit es diese vielen Anlagen verkraften kann. Da könnte man mit relativ einfachen Mitteln über die EEG-Förderung eine Netzentlastung herbeiführen und zugleich dafür sorgen, dass die Bürger noch mehr von der dezentralen Energiewende profitieren können. Auch da sind der Bundesregierung Versäumnisse vorzuwerfen: Sie hat in den vergangenen zwei Jahren ständig an der Vergütung herumgeschraubt, ohne zu sagen, was sie stattdessen will. Da bleiben am Ende nur die großen Betreiber – wobei die, wie gesagt, im Moment auch keinen Spaß daran haben.</p>
<p><strong>Was die Regierung hingegen ganz gut hinbekommt, sind Rüstungsexporte. Im Grünen-Programm findet sich die Forderung: „Der Export von Waffen und Software zur Überwachung von Kommunikation und Internet an Diktaturen muss ganz gestoppt werden.“ Muss man daraus lesen: Der Export von Waffen Überwachungstechnik an Nichtdiktaturen ist in Ordnung? Und: Wer entscheidet eigentlich, was eine Diktatur ist und was nicht?</strong></p>
<p>Wir diskutieren das gerade auf verschiedenen Ebenen. Wir müssen im ersten Schritt zumindest alle Rüstungsexporte in Nicht-Natoländer stoppen. Sie haben recht: Die Unterscheidung, was ein Krisengebiet ist und was nicht, ist kaum mehr darzustellen. Es gab ja in Deutschland über viele Jahrzehnte den Konsens, nicht in Spannungsregionen zu liefern; das war aber auch schon immer eine schwierige Geschichte und ist auch unter Rot/Grün nicht besonders gut abgearbeitet worden. Aber heute zu sagen, Saudi-Arabien, Katar, Bahrein oder Indonesien seien keine Spannungsgebiete – das geht gar nicht. Da gibt aus meiner Sicht nur die Möglichkeit, einen klaren Schnitt zu setzen: Alles außerhalb der Nato darf keine Waffen und Sicherheitstechnologie mehr bekommen. Der weitergehende Schritt, für den die Gesellschaft aber vermutlich noch nicht reif ist, wäre, grundsätzlich zu hinterfragen, ob es sinnvoll ist, Waffen zu produzieren und zu exportieren. Aber ich glaube, wenn es uns gelingt, in den kommenden vier Jahren diesen ersten Schritt zu unternehmen, dann haben wir schon ein bisschen für die Humanisierung der Welt erreicht.</p>
<p><strong>Im Falle der U-Boote an Griechenland klappt es ja auch schon ganz gut. Ein anderer Punkt: „Wir schlagen ein modernes und faires Urheberrecht vor und wollen die Abmahngeschäfte der großen Anwaltskanzleien beenden.“ Inwieweit das mit dem „modernen Urheberrecht“ eine Gegenoffensive zur Piratenpartei ist, sei dahingestellt; reden wir über den Abmahnwahn. Eigentlich ein Thema, bei dem sich sehr leicht einiges erreichen ließe, es gibt ja Vorschläge genug. Warum passiert da eigentlich nie etwas?</strong></p>
<p>Ich glaube, dass sich die jetzige Regierung stark hinter der Internationalität dieses Geschäfts versteckt hat, nach dem Motto: Wenn die Server irgendwo im Ausland stehen, können wir sowieso nichts machen. Dieser Punkt muss aber dringend angegangen werden, sowohl im nationalen als auch internationalen Recht. Wenn auf europäischer Ebene ein Freihandelsabkommen mit den USA verhandelt wird, müssten genau solche Dinge da geregelt werden.</p>
<p><strong>Auch wenn es mit der Direktwahl schwierig werden könnte, stehen die Chancen recht gut, dass Sie über die Landesliste in den Bundestag einziehen. Ich würde gerne fragen, was Sie als allererstes anpacken, wenn Sie nach Berlin gehen – aber da es angesichts der Umfragen ziemlich utopisch ist, dass die Grünen an der Regierungsverantwortung beteiligt werden …</strong></p>
<p>Naja, so negativ würde ich das nicht sehen. Wir kämpfen schon noch darum, und wir haben in vergangenen Jahren ja gesehen, dass Umfragen mitunter mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Und wir haben in Niedersachsen erlebt, dass man eine Wahl im letzten Moment noch gewinnen kann.</p>
<p><strong>Ist es angesichts des großen zahlenmäßigen Abstands zwischen den beiden Lagern denn noch zeitgemäß, die Linke aus dem rot-grünen Lager herauszuhalten?</strong></p>
<p>Das wird sich zeigen. Es ist ja letztlich eine Frage des Bürgerwillens, der sich im Wahlergebnis niederschlägt. Es gibt zurzeit in allen drei Parteien große Widerstände dagegen, über eine Zusammenarbeit überhaupt zu reden. Andererseits habe ich jetzt viele Podiumsdiskussionen miterlebt und festgestellt: Es gibt mit CDU und FDP so gut wie keine inhaltlichen Überschneidungen – insofern wird man sich dem Thema noch mal stellen müssen.</p>
<p><strong>Sie sind gegen die A20 – natürlich, als Grüner kann man wohl nur schwer für Autobahnen sein. Hand aufs Herz: Wäre diese Ablehnung im Falle einer rot-grünen Mehrheit, die dann über den Bundesverkehrswegeplan zu befinden hätte, nicht eine der ersten Positionen, die auf dem Altar der Koalitionsverhandlungen geopfert werden würde?</strong></p>
<p>Nein. Wir haben sie ja auch auf Landesebene nicht geopfert, auch wenn es an manchen Stellen so aussieht und Olaf Lies immer wieder betont, dass die Planungen weitergehen. Es wird eher darum gehen, ob es uns gelingt, möglichst viele Sozialdemokraten davon zu überzeugen – es gibt nämlich viele, die die A20 ebenfalls kritisch sehen. Und allein, dass auf absehbare Zeit kein Geld für solche Neubauprojekte da ist, wird dazu führen, dass schließlich alles, was überhaupt an Investitionsmitteln im Verkehrsbereich vorhanden ist, in den Erhalt von Bestandsstecken, in Brücken und Tunnel gesteckt werden wird. Es gibt zudem auch noch andere Gründe, die dagegen sprechen, etwa der demografische Wandel: Wieso brauchen wir denn immer größere Verkehrsnetze, wenn doch gar nicht mehr Menschen im Land leben? Und auch der Zuwachs beim Warentransport bleibt schon jetzt hinter den Erwartungen zurück. Das ist auch gut so – wie im Programm gesagt: Man muss Grenzen des Wachstums auch mal akzeptieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>&#8220;Gift im System&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Sep 2013 19:06:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bundestagswahl 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer macht das Rennen im Wahlkreis 27? Der Lokalteil bittet die Direktkandidaten der Bundestagsparteien zum Gespräch - heute: Stephan Albani (CDU) über die Gesundheit, Haussanierungen und die Eignung von Schiebedächern als Türen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Wer macht das Rennen im Wahlkreis 27? Der Lokalteil bittet die Direktkandidaten der Bundestagsparteien zum Gespräch &#8211; heute: Stephan Albani (CDU) über die Gesundheit, Haussanierungen und die Eignung von Schiebedächern als Türen.</span></p>
<div id="attachment_42820" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/Stephan-Albani-2.jpg"><img class=" wp-image-42820 " alt="Ganz Ohr: Stephan Albani im Hörgarten am Haus des Hörens. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/Stephan-Albani-2.jpg" width="672" height="408" /></a><p class="wp-caption-text">Ganz Ohr: Stephan Albani im Hörgarten am Haus des Hörens. FOTO: mno</p></div>
<p><strong>Herr Albani, Sie erben die Direktkandidatur der CDU in diesem Wahlkreis von einem Parteikollegen, der in der Region recht prominent und populär ist, nämlich Thomas Kossendey. Macht das Ihre Kandidatur zu einem Selbstläufer oder eher schwieriger?</strong></p>
<p>Es hat ein wenig von beidem. Auf der einen Seite ist es gut, dass Herr Kossendey und ich während meiner Kandidatur vieles gemeinsam gemacht haben und er mich auch sehr unterstützt hat und ich ja auch gerne lerne und an 27 Jahren Politerfahrung teilhaben möchte – es wäre ja Wahnsinn zu meinen, dass man so etwas nicht nötig hätte. Andererseits stellen sich die Leute dann auch schnell die Frage: Wo hört Kossendey auf und wo fängt Albani an? Ich denke aber, dass ich mir in den 16 Jahren, in denen ich das Haus des Hörens aufgebaut habe und vor allem in den letzten zehn Jahren, in denen ich vermehrt in Berlin tätig war, mir auch das eine oder andere habe aneignen können. Zumal ich ja keine typische Parteipflanze bin: Ich bin seit vier Jahren in der Partei tätig und bringe auch viele Anregungen von außen ein – und wir haben zusammen festgestellt, dass das auch seine Reize hat.</p>
<p><strong>Sie sind Physiker – das haben Sie schon mal mit der Kanzlerin gemein – und als solcher an Wissenschafts- und Hochschulpolitik interessiert, die Sie auch zu Ihren Schwerpunkten zählen. Hätten Sie da nicht in Hannover mehr bewegen können als in Berlin?</strong></p>
<p>Ich bin ja nicht in die Politik gegangen, um das zu tun, was ich hier schon mache. Die Überlegung entstand durch die vielen Jahre, in denen ich in Berlin in verschiedenen Gremien tätig bin – das ist im Laufe der Zeit immer breiter geworden: Am Anfang war es Hörforschung, dann Forschung und Bildung, dann Wirtschaftsleistung in der Region … Irgendwann ergab es sich dann in Gesprächen mit Parteifunktionären, dass sie sagten: Kommen Sie doch hierher und machen Sie Politik! Und nachdem die Entscheidung getroffen war, stellte sich die Frage, wo ich mich am sinnvollsten einsetzen kann. Das eine ist natürlich der Wissenschaftsbereich, in den ich einiges einbringen kann, das zweite ist der Unternehmerbereich – immerhin haben wir drei Unternehmen hier aufgebaut, auch wenn es eher kleine sind – und last but not least sind wir ja im medizinischen Bereich tätig.</p>
<p><strong>Gesundheit, gutes Stichwort. Alle paar Jahre wird die große Reform angekündigt, heraus kommen allerdings eher Reförmchen. Und für die Patienten ändert sich zumeist nur, dass die Kosten steigen, die Leistungen aber zurückgefahren werden. Ein ziemlich dickes Brett, bei dem Sie da zum Bohrer greifen wollen.</strong></p>
<p>Vor 30 Jahren haben wir festgestellt, dass wir im Gesundheitssystem Schwierigkeiten bekommen werden. Damals waren auf der einen Seite die Einnahmen der Kassen rückläufig, auf der anderen Seite wurde die medizinische Versorgung immer teurer. Ich sage dann immer: Freuen wir uns doch erstmal, dass wir alle soviel länger gesund bleiben. Es wird immer gesagt: Ohgottohgott, demografischer Wandel, Riesenproblem – aber daran haben wir doch Jahrzehnte gearbeitet. Also, erstmal kräftig freuen, dann an die Probleme rangehen. Da haben wir zwei Stellschrauben: Die eine ist die Verbesserung der Einnahmenseite. Das lief in den letzten Jahren aufgrund der Arbeitsmarktentwicklung ganz gut. Andererseits haben wir jetzt viele Jahre der Therapie des Gesundheitssystems hinter uns, in denen wir versucht haben, mit immer weniger Kosten immer mehr Leistung aus dem System herauszuholen – was dazu geführt hat, dass die Krankenhäuser, die Ärzte und die Therapieeinrichtungen an einem ganz gefährlichen Punkt stehen. All diejenigen, die ineffizient arbeiteten, sind in den letzten Jahren kaputtgegangen – jetzt müssen wir schauen, wie wir die Medizin in den nächsten Jahren betreiben wollen, was wir dafür ausgeben wollen und die nötigen Strukturen schaffen.<br />
Ich sehe das als eine Art Chemotherapie: Weil es vor 30 Jahren schlicht undenkbar war, ein Krankenhaus zu schließen oder einen Fachbereich zu schleifen, hat man versucht, mit immer weniger Geld zu arbeiten. Damit bringt man Gift in das System; die ineffizient Arbeitenden gehen als erste drauf, die Gesunden halten länger durch. Aber wenn Sie nicht irgendwann die Chemo absetzen und anfangen, den Körper wieder aufzubauen, gehen irgendwann auch die Gesunden kaputt. Deswegen haben wir eigentlich keine Zeit mehr für viele „Reförmchen“. Und dass es teurer wird, ist eine Entscheidung der Gesellschaft: Wollen wir uns die Gesundheit etwas kosten lassen oder nicht? Wir können nicht per Verordnung entscheiden, dass eine medizinische Innovation nicht teurer sein darf als X. Wir können aber Wettbewerb zulassen, wie es bei den Pharmafirmen mittlerweile ja auch der Fall ist, wenn nach dem Auslaufen von Patenten Generika auf dem Markt Preisdruck erzeugen.</p>
<p><strong>Ihr persönlicher Wahlkampfslogan lautet, passend zu Ihrer Profession: „Hören, zuhören – handeln“. Welcher Gruppe würden Sie denn im Falle Ihrer Wahl zuallererst einmal zuhören wollen?</strong></p>
<p>Der Gruppe, der ich heute auch schon zuhöre: den Bürgern.</p>
<p><strong>Hm. Geht das auch etwas spezifischer?</strong></p>
<p>Ich führe mit den Leuten am Stand ja Gespräche über alles Mögliche, von der richtigen Einstellung medizinischer Geräte bis hin zur richtigen Einstellung ihrer Fritzbox. Ich höre gerne zu, wenn irgendwo der Schuh drückt, gerne auch in Bereichen, in denen ich nicht so viel Erfahrung habe wie bei meinen Kernthemen. Ich gehe in Unternehmen und Einrichtungen, spreche mit den Leuten höre mir die Probleme an und auch die Lösungsvorschläge – natürlich sind die oftmals sehr nischenbezogen. Aber darin sehe ich meine Aufgabe: Wie kann man aus diesen Partikularlösungen generelle Lösungen entwickeln? Es gibt also keine Gruppe, bei der ich sage: Denen höre ich jetzt mal als allererstes zu. Als Unternehmer weiß ich, dass es Auftraggeber und Auftragnehmer gibt. Und als gewählter Abgeordneter wäre ich Auftragnehmer für die Menschen in der Region.</p>
<p><strong>Ich zitiere Sie einmal aus einem Wahlkampfvideo: „Wir müssen Deutschland modernisieren. Wir müssen viele Dinge umbauen, erneuern, verändern“ – als Metapher diente Ihnen die Sanierung eines Hauses. Nun wird der Regierung Merkel in den sieben Jahren ihrer Regierungsverantwortung ja eher das Gegenteil nachgesagt, nämlich eine gewisse Scheu vor allzu großen Veränderungen. Möchten Sie auch deswegen nach Berlin, um Ihren Parteigenossen in den Allerwertesten zu treten?</strong></p>
<p>Ich bin ja kein Freund davon, irgendjemanden zu treten, egal ob Freund oder Gegner …</p>
<p><strong>… na, dann sagen wir: Wollen Sie frischen Wind nach Berlin bringen?</strong></p>
<p>Ich gehe – ohne naiv zu sein, dazu bin ich schon zu lange dabei – mit dem Wunsch und der Hoffnung in die Wahl, etwas bewegen und verändern zu können. Es ist ja nicht so, dass ich dahin will, weil ich hier nichts zu tun oder weil ich in meinen Unternehmen keine erfüllende Tätigkeit gefunden hätte. Ein Hinterbänkler möchte ich nun ganz bestimmt nicht sein. Man muss ja auch die Größe der Schritte, die die Regierungen in den letzten Jahrzehnten unternommen haben, differenziert betrachten – es gab große und kleine. Mir geht es darum, den Menschen vor den großen Schritten Mut zu machen; so ist auch das Bild mit dem Haus entstanden. Ich habe mal während eines Vortrags die Leute gefragt, wer denn in einem Haus aus den 50er-, 60-er Jahren wohnt, das waren die meisten. Und ich führte aus, dass man zwar immer hier etwas dran macht und dort etwas umbaut, aber irgendwann an den Punkt kommt, an dem ein großer Schritt nötig ist: Dann muss eine neue Heizung her, die Verkabelung muss neu verlegt werden oder ein neues Dach aufgesetzt. Und wenn dann die Handwerker kommen, bekommt man ein komisches Gefühl und fragt sich, ob man die Bude nicht lieber gleich verkaufen sollte, aber zieht es dennoch durch – es ist ja schließlich das Zuhause. Und genau an dem Punkt, an dem nur noch große Schritte helfen, sind wir jetzt: Die neue Verkabelung &#8211; das ist gewissermaßen dasselbe wie die neuen Stromtrassen, die gebaut werden müssen. Die neue Heizung – das ist die Energiewende im eigenen Haus. Der Umbau von Zimmern, etwa weil die Kinder aus dem Haus sind: die Reaktion auf den demografischen Wandel. Und ich fragte die Leute: Haben Sie das in Ihrem Haus denn hinbekommen? Die Antwort: Ja. Na, dann lassen Sie uns doch mit demselben Mut an die Herausforderungen der nächsten Jahre gehen, und uns nicht darüber ärgern, dass der neue Brenner zwar schon eingebaut ist, aber der Elektriker noch nicht da war, um ihn anzuschließen …</p>
<p><strong>… ich habe gerade einen bestimmten Offshore-Windpark vor Augen.</strong></p>
<p>Genau. Ich habe das Problem übrigens auch gerade zu Hause. Im Ernst: Wenn Probleme auftreten, muss man die auch klar ansprechen. Aber dieses selbstzerfleischende „Die Welt geht unter“-Lied, das Politiker so gerne singen und bei dem die Bürger das Gefühl bekommen, dass alles nur schlecht sei – dem möchte ich entgegenwirken. Ich möchte um Gotteswillen auch nichts banalisieren – wir stehen vor einem Mehrgenerationenprojekt, aber einem, bei dem wir den Luxus haben, es im Gegensatz zur Nachkriegsgeneration auf relativ hohem Niveau angehen zu können. Was aber zugleich das Problem nach sich zieht, dass man bei jedem Teil, das man verändert, schnell denkt: „Ach, so schlecht war das doch eigentlich alles gar nicht &#8211; können wir nicht lieber doch noch ein paar Kohlekraftwerke bauen und fertig?“ Oder diese unglückliche Diskussion über das Fracking: Wir haben doch längst die Entscheidung gefällt, dass fossile Brennstoffe nicht sinnvoll sind. Jetzt darauf zu setzen wäre etwa so, als würde man Weihnachten verschieben, um mehr Zeit zum Geschenke kaufen zu haben – das klappt nicht. Und wenn wir entschieden haben, auf Kreislaufprozesse zu setzen, dann müssen wir diesen Schritt auch konsequent gehen. Wenn man einen Zahn zieht, kann man das schnell oder langsam machen. Ich glaube, schnell ist besser.</p>
<p><strong>Wo Sie gerade Energie ansprechen: Dieser Sektor ist neben der Landwirtschaft einer der großen Wirtschaftszweige in dieser Region. Nun findet sich auf Ihrer Website der Satz: „Nahrungsmittelproduktion muss immer Vorrang vor der Energieproduktion haben.“ Könnten Sie das etwas näher erläutern?</strong></p>
<p>Ich meine damit die Konkurrenz um Flächen, wenn es um die Gewinnung von Bioenergie geht; Flächen, die dann nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehen. Die Technologie der Biogasproduktion ist ja aus der Idee entstanden, dass man aus Bioabfall, der ohnehin entsteht, auch noch Energie gewinnen kann. Daraufhin hat man von Seiten der Politik angefangen zu wirken, Subventionen beschlossen und Wirtschaftsmodelle gefördert – was letztlich dazu geführt hat, dass der Bauer als Betriebswirt zu dem Schluss kommt, mit dieser und jener Pflanze könne er mehr Geld verdienen. Aber das ist ein künstlich erzeugtes Modell, und man muss sich fragen: Ist das eigentlich richtig? Hier bei uns im Haus kennen wir das Wort der Zweckgebundenheit von Technologie. Wie sagt unser Auditor immer so schön: „Ja, das Schiebedach Ihres Autos ist eine Möglichkeit, das Auto zu verlassen. Aber dazu ist es nicht gedacht. Es ist insofern eine schlechte Tür.“ Wenn wir jetzt den Menschen dafür Geld zahlen, dass sie ihre Autos durch das Dach verlassen, dann machen sie das, bekommen das Geld und äußern sich darüber, dass das doch eigentlich blöd ist. Also lassen Sie uns das Auto doch lieber wieder durch die Tür verlassen.</p>
<p><strong>Die CDU kennt natürlich, wie alle anderen auch, innerparteiliche Auseinandersetzungen – im Moment aber scheint es so, als ob es erstmals regelrechte Flügelkämpfe gebe: Den einen wird die Partei zu sozialdemokratisch, die anderen fordern eben mehr soziale Politik ein, manche begannen sogar das Wort „Mindestlohn“ in den Mund zu nehmen. Wo innerhalb des Richtungsspektrums der Partei verorten Sie sich?</strong></p>
<p>Ich bin von meiner Herkunft her Pragmatiker, und was ich überhaupt nicht mag, ist Ideologie. Ich möchte mich keinem Flügel zuordnen, weil ich dadurch die Flexibilität meines Denkens verlöre. Ich möchte die einzelnen Fragen lieber sachbezogen angehen. Als Naturwissenschaftler kann ich mir das erlauben, und ich halte es auch für die Politik für sinnvoll. Sie werden mich, je nach Fragestellung, auf beiden Flügeln wieder finden.</p>
<p><strong>Die CDU wirbt – relativ ideologiefrei – mit Sprüchen wie „Mehr für Familien“, „Deutschland ist stark“ oder „Sichere Arbeit“. Hand aufs Herz: Das sind ja doch Worthülsen, in die man alles Mögliche hineininterpretieren kann. Meinen Sie nicht, dass der eine oder andere Aufstocker, prekär Beschäftigte oder Arbeitnehmer mit befristetem Vertrag – und hier bewegen wir uns bereits im Millionbereich – den Slogan „Sichere Arbeit“ eher als Hohn empfinden könnte?</strong></p>
<p>Es ist ja die Frage, ob die Plakate das in der Vergangenheit erreichte beschreiben oder das, was man für die Zukunft in den Fokus rückt. Ich bin da ganz bei Ihnen: Ich finde es fürchterlich, auf Parolen reduziert zu werden; und wenn ich irgendwo spreche, gehe ich mit Freuden daran, sie mit Inhalten zu füllen. Wenn wir über „sichere Arbeit“ sprechen, dann geht es darum, gegen den Missbrauch sinnvoller Instrumente des Arbeitsmarkts vorzugehen – Stichwort Zeitarbeit. Dass diese feste Arbeitsverhältnisse ersetzt, war ja nicht intendiert; diese Schlupflöcher müssen sehr zügig geschlossen werden. Wir müssen Arbeit in zweierlei Hinsicht sicher machen: Zum einen in genereller Hinsicht, also den eingeschlagenen wirtschaftlichen Kurs weiterführen mit dem Ziel der Vollbeschäftigung. Das ist die Grundlage für die Rente, die Gesundheit, für Vieles. Zum anderen in individueller Hinsicht: Wir müssen sicherstellen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben und in vernünftigen Verhältnissen arbeiten können. Das eine bringt nicht viel ohne das andere: Es hilft nichts, wenn Menschen individuell sicherer gestellt sind, dafür aber weniger Menschen überhaupt Arbeit haben. Deshalb ist der Spruch „Sichere Arbeit“ vielleicht plakativ, aber dennoch nicht inhaltslos. Und daher plädiere ich auch für einen tariflichen, nicht gesetzlichen Mindestlohn: Den Sachverstand, den zu ermitteln, haben die Tarifparteien. Und wo es keine gibt, müssen wir dafür sorgen, dass beide Seiten an einen Tisch kommen. Ich halte starke Gewerkschaften daher für wichtig.</p>
<p><strong>Die Arbeitgeber der Fleischbranche schienen ja lange Zeit kein gesteigertes Interesse an starken Gewerkschaften oder Tarifgesprächen zu haben, erst nach massiven Negativschlagzeilen scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Was kann die Politik da tun?</strong></p>
<p>Die Politik kann dafür sorgen, dass von Arbeitgebern und Arbeitnehmern Personen ausgewählt werden, die für ihre jeweilige Seite sprechen und sie an einen Tisch setzen. Es gibt diese Leute ja. Das Ergebnis kann die Politik dann für allgemeinverbindlich erklären. Ich möchte aber nicht, dass Volksvertreter dirigistisch eingreifen. Deswegen: Die Regeln vorgeben und dafür sorgen, dass die Hausaufgaben gemacht werden – aber nicht die Hausaufgaben für andere erledigen.</p>
<p><strong>Zum Abschluss noch ein unmoralisches Angebot: Der Wahlkampf ist bislang sterbenslangweilig – das beklagen Leitartikler und Kabarettisten gleichermaßen. Daran wollen wir jetzt mal gemeinsam etwas ändern: Sie dürfen nun einem politischen Gegner Ihrer Wahl einen Vorwurf nach Ihrem Ermessen machen, und ich drucke das ab.</strong></p>
<p>So nett dieses Angebot ist: Das tue ich nicht. Ich bin ganz am Anfang auf meine Mitbewerber zugegangen und habe ihnen gesagt, dass ich überhaupt keine Lust darauf habe, selbst besser anzukommen, indem ich sie schlecht mache. Man wird nicht deshalb gut, weil man sich als besser darstellt als andere. Und das finde ich an diesem Wahlkampf eigentlich ganz gut, dass das gar nicht so stattfindet, zumindest nicht von Seiten der CDU. Was wir den Menschen anbieten müssen, sind Lösungen, Ansätze, Visionen. Das mag dem einen oder anderen langweilig erscheinen, aber ich frage ganz ehrlich: Weshalb muss ein Wahlkampf denn Unterhaltungswert haben? Das ist die Arbeit der Kabarettisten.</p>
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		<title>Die Herren der Heizthermen</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Sep 2013 18:46:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die EWE rudert zurück: Auf die Gaslieferung an 25.000 Privathaushalte, die der Konzern als Eigenverbrauch deklariert hatte, will er nun doch die Konzessionsabgaben nachzahlen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Die EWE rudert zurück: Auf die Gaslieferung an 25.000 Privathaushalte, die der Konzern als Eigenverbrauch deklariert hatte, will er nun doch die Konzessionsabgaben nachzahlen.</span></p>
<div id="attachment_42812" class="wp-caption aligncenter" style="width: 624px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/461141_original_R_by_Maren-Beßler_pixelio.de_.jpg"><img class=" wp-image-42812 " alt="Wärme, nicht zu verwechseln mit der Gasheizung. BILD: Maren Beßler / pixelio.de" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/461141_original_R_by_Maren-Beßler_pixelio.de_.jpg" width="614" height="410" /></a><p class="wp-caption-text">Wärme, nicht zu verwechseln mit der Gasheizung. BILD: Maren Beßler / <a href="http://www.pixelio.de/" target="_blank">pixelio.de</a></p></div>
<p>Nicht ab 2010, wie es zunächst geheißen hatte; auch nicht ab 2006, wie der Konzern noch Anfang der Woche anheim gestellt hat &#8211; nein, ab dem Jahr 1999 sollen nunmehr die Konzessionsabgaben rückwirkend geleistet werden, die die EWE bislang durch die Anwendung einer etwas bizarr wirkenden Sonderregelung nicht an die Kommunen abgeführt hatte. Das Thema sei „sehr komplex“ und lasse „unterschiedliche Interpretationsspielräume“ zu, erklärte Unternehmenssprecher Christian Blömer am Donnerstag. Gleichwohl wolle man „nicht durch eine Diskussion darüber das gute Verhältnis zu unseren Partnern, den Kommunen, trüben“.</p>
<p>So komplex ist es indes eigentlich auch wieder nicht, das Prinzip scheint ebenso simpel wie stichhaltig: Ein Energieversorger kauft über Jahre in großem Maßstab Heizthermen in Wohnhäusern. Das an diese &#8211; somit im Firmenbesitz befindlichen &#8211; Heizanlagen gelieferte Erdgas weist er als &#8220;Eigenverbrauch&#8221; aus. Der Vorteil: Die Konzessionsabgabe, die der Versorger an die Kommune für das Exklusivrecht zur Nutzung der Energienetze normalerweise zahlen muss und die sich nach der Menge des durchgeleiteten Erdgases berechnet, wird für diese Lieferungen nicht erhoben &#8211; die Konzessionsabgabenverordnung (KAV) nimmt sogenannte Verteilerunternehmen, und zu diesen zählt die EWE Netz, explizit von der Abgabepflicht auf Eigenverbrauch aus. Ein Modell, das sich für die Versorger rechnet und daher auch schon einen eigenen Namen hat: &#8220;Contracting-Modell&#8221; heißt es, und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bestätigt, dass es sich um einen Trend handelt, dem viele Energieunternehmen folgen.</p>
<p>[kommentar]Kommentar<br />
<strong>Heimlich &amp; Co</strong><br />
Regelrecht illegal ist es wohl nicht, dieses Contracting-Modell &#8211; vielleicht wird es irgendwann mal von einem Gericht gekippt, aber darum geht es nicht. Es geht um den Geist, der innerhalb der EWE zu herrschen scheint, um eine Firmenphilosophie, die den Anteilseignern nicht nur Schaden zufügt, sondern sie ganz bewusst benachteiligt.<br />
Die EWE gab sich wirklich viel Mühe, um den Kommunen, denen &#8211; man kann es gar nicht oft genug sagen &#8211; der Konzern schließlich gehört, auf verwickelten Wegen Geld vorzuenthalten. Die Belieferung von 25.000 Haushalten als &#8220;Eigenverbrauch&#8221; eines Unternehmens mit 1.600 Mitarbeitern zu bezeichnen &#8211; darauf muss man erstmal kommen, dazu gehört schon mehr als ein bisschen Chuzpe.<br />
Und die Kommunen erfuhren davon offenbar nicht einmal etwas; sie mussten die Zahlen, die die EWE ihnen Jahr für Jahr vorlegt, einfach hinnehmen. In jedem anderen Unternehmen müsste sich der Vorstand warm anziehen, sollten die Anteilseigner Kenntnis von solchen Tricksereien zu ihren Ungunsten erlangen &#8211; die EWE scheint sich angesichts der zahlreichen Skandale offenbar daran gewöhnt zu haben, dass so etwas bei ihr kaum Folgen hat; und gedanklich hat sie sich weit, sehr weit von ihrem eigentlichen Auftrag entfernt. Vielleicht müsste sie mal daran erinnert werden. <em><a href="mailto:maik.nolte@oldenburger-lokalteil.de" target="_blank">Maik Nolte</a></em>[/kommentar]Contracting heißt es bei den einen, &#8220;Betrug&#8221; nennen es die anderen. Linke-Ratsherr Hans-Henning Adler sprach von einem &#8220;Skandal&#8221;, der um so schwerer wiege, als die EWE zum Großteil im Besitz eben jener Kommunen ist, denen sie die Konzessionsabgabe vorenthalten hat: „Das ist so, als wenn ein Kind seine Eltern bestiehlt.“ Rund 25.000 Privathaushalte fielen zuletzt unter diesen Posten des &#8220;Eigenverbrauchs&#8221; der EWE Netz, ein Großteil davon in der Stadt Oldenburg, wo die EWE mit der Wohnungsbaugesellschaft GSG kooperierte. Den betreffenden Mietern sei dabei die Möglichkeit eines Energieanbieterwechsels genommen worden, womit zugleich auch die Zielsetzung des Energiewirtschaftsgesetzes, das für Konkurrenzdruck auf dem Energiemarkt sorgen sollte, unterlaufen worden sei, kritisiert Adler. Die EWE, so der Politiker, agiere mittlerweile nur noch wie ein ganz normaler kapitalistischer Konzern und nicht mehr wie ein regionaler Energieversorger, der der Öffentlichkeit verpflichtet ist.</p>
<p>Die EWE berief sich auf Anfrage stets auf den KAV, räumte aber auch ein, dass dessen Ausgestaltung durchaus „interpretationsfähig“ sei und auch der Konzern sich „mehr Klarheit wünschen“ würde, sagte Sprecher Dietmar Bücker. Grundsätzlich aber habe man &#8220;im Interesse der Wärmekunden gehandelt&#8221;, bei denen die Konzessionsabgabe nicht auf den Gaspreis aufgeschlagen werden musste, heißt es. Der monetäre Vorteil hält sich für diese Kunden allerdings in Grenzen: Statt der Abgabe werden in diesen Fällen eben Servicekosten für die Wartung der EWE-eigenen Heizanlage umgelegt, wodurch die betreffenden &#8220;Wärmekunden&#8221; unterm Strich mehr zahlen als &#8220;Gaskunden&#8221;, womit alle anderen gemeint sind. Zudem bleiben diese Servicekosten im Unternehmen, während die Konzessionsabgabe laut Bücker ein &#8220;durchlaufender Posten&#8221; sei, an dem die EWE nichts verdiene.</p>
<p>&#8220;Wärme&#8221;, das sei an dieser Stelle bemerkt, ist der Name des Produkts, das die EWE den betreffenden Verbrauchern verkauft. Sie verkauft ihnen kein Erdgas &#8211; das geht ja bloß bis zur Heiztherme, bleibt also bei der EWE; in der Wohnung kommt dann &#8220;Wärme&#8221; an. Dass die EWE bei ein und derselben Gaslieferung einmal von &#8220;Kunden&#8221; und einmal von &#8220;Eigenverbrauch&#8221; spricht, sieht Bücker nicht als Widerspruch.</p>
<p>Diese Differenzierung zwischen „Wärmekunden“ und „Gaskunden“ ist für Adler eher Wortklauberei: „Es handelt sich um Erdgas, das durch das Netz geleitet wird, und um nichts anderes.“ Und für diese Durchleitung würden Konzessionsabgaben fällig, „die Eigentumsverhältnisse an den Gasthermen haben damit nichts zu tun“. Das hatte der BDEW im Jahre 2010 wohl ähnlich gesehen und den Versorgern angesichts der unklaren Rechtslage empfohlen, auch auf diesen &#8220;Eigenverbrauch&#8221; Abgaben zu zahlen. Die EWE sei dieser Empfehlung gefolgt und habe mit der Abrechnung für das Jahr 2012 auch gleich die Nachzahlung für 2010 erledigt, berichtet der Sprecher. Die Stadtverwaltung will das nicht ausschließen, konnte es auf Anhieb aber nicht verifizieren: An der Höhe der Gesamtzahlung lässt sich der Zusatzbetrag nicht ablesen, da sie verbrauchsabhängig starken Schwankungen unterworfen sei. Einen extra ausgewiesenen Abrechnungsposten habe man jedenfalls nicht entdecken können, sagte Stadtsprecher Andreas van Hooven auf Anfrage.</p>
<p>Adler wiederum forderte mehr: Die EWE solle für den gesamten Zeitraum des Konzessionsvertrages nachzahlen, also bis zurück ins Jahr 1993. Nachdem es am Mittwoch von Seiten des Unternehmens noch geheißen hatte, man wolle eine Nachzahlung ab 2006 prüfen &#8211; dem Jahr, in dem die EWE Netz als Netzbetreiber aus dem Mutterkonzern ausgegliedert wurde -, entschloss sich der Vorstand am Donnerstagnachmittag für eine große Lösung. Ab 1999, als die EWE mit dem Erwerb der Heizthermen begann, soll die Konzessionsabgabe nun nachgezahlt werden. Der Konzern geht von einer Gesamtsumme im &#8220;mittleren sechsstelligen Bereich&#8221; aus, von der der Großteil auf die Stadt Oldenburg entfalle. Zuletzt hatten sich die den Kommunen im EWE-Gebiet auf diese Weise entgangenen Abgaben auf 190.000 Euro pro Jahr belaufen. Ein Testat eines Wirtschaftsprüfers solle der Stadt in den nächsten Wochen zugehen und für Klarheit sorgen.</p>
<p>Ob diese Geschichte Auswirkungen auf die anstehende Neuvergabe der Konzession haben wird, wird sich zeigen. Für das Entscheidungsverfahren haben Verwaltung und Politik in den vergangenen Monaten mit viel Mühe einen umfangreichen Kriterienkatalog erstellt – einen Punkt hätte man vielleicht hinzufügen sollen, sagt Adler: „Ehrlichkeit“.</p>
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		<title>&#8220;Es geht um die oberen Zehntausend&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Aug 2013 18:41:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bundestagswahl 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer macht das Rennen im Wahlkreis 27? Der Lokalteil bittet die Direktkandidaten der Bundestagsparteien zum Gespräch - heute: Martin A. Michels (Die Linke) über Steuerpläne, die Ökobranche und Helmut Kohl.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Wer macht das Rennen im Wahlkreis 27? Der Lokalteil bittet die Direktkandidaten der Bundestagsparteien zum Gespräch &#8211; heute: Martin A. Michels (Die Linke) über Steuerpläne, die Ökobranche und Helmut Kohl.</span></p>
<div id="attachment_42806" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/Martin-Michels.jpg"><img class=" wp-image-42806 " alt="Die Sahra, der Oskar und der Martin. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/Martin-Michels.jpg" width="672" height="437" /></a><p class="wp-caption-text">Die Sahra, der Oskar und der Martin. FOTO: mno</p></div>
<p><strong>Herr Michels, die erste Frage, die ich Linken-Politikern stelle, ist eigentlich immer die gleiche: Reallöhne sinken, prekäre Beschäftigungsmodelle sind auf dem Vormarsch, vielen Arbeitnehmern droht Altersarmut. Warum steht die Linke nicht dauerhaft auf, sagen wir, 15 Prozent? Sind doch alles Steilvorlagen, mit denen sich Wähler gewinnen lassen.</strong></p>
<p>Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, aber natürlich stellen wir sie uns selbst auch. Ich kann das nur darauf zurückführen, dass die Linke seit jeher Opfer von Kampagnen ist, die die DDR-Vergangenheit herbeibemühen, um sämtliche Vertreter der Partei ins Zwielicht zu rücken. Gerade im Westen ist es ein Malus, immer wieder erklären zu müssen, dass wir diese Vergangenheit aufgearbeitet haben. Auch das klassische Wirtschaftswunderdenken sitzt noch sehr tief: Wer fleißig ist, bekommt genug zum Leben und kann sich was leisten – und wer keine Arbeit hat, ist faul. Diese einfache Gleichung gilt heute zwar nicht mehr, aber die Linke wird trotzdem häufig als Partei dargestellt, die sich für die Faulen einsetzt. Dieser Zusammenhang wird oft missverständlich und verkürzt dargestellt, und die etablierten Medien und Parteien sorgen dafür, dass wir da sehr schwer herauskommen. Obwohl sich in unserem ganzen Programm Forderungen finden, die gar nicht so weit von dem entfernt sind, was es schon mal gab: Zum Beispiel bewegen wir uns beim Spitzensteuersatz auf einem Level, den wir unter Helmut Kohl hatten, und nicht auf dem einer radikalen Splitterpartei.</p>
<p><strong>Huch. Fühlt man sich als Linker nicht ein wenig seltsam, wenn man sich bei seinen Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit auf Helmut Kohl beziehen muss?</strong></p>
<p>Naja, wir spielen natürlich auch ein bisschen mit diesem Bezug. Mit Kohl verbinden die Menschen so eine Art konservativen Übervater, der das Land lange im Griff hatte. Wir machen das mit einem Augenzwinkern, aber auch, um den Menschen die Angst zu nehmen – unter Kohl ist zwar auch viel Schlimmes passiert, aber viele werden ihn irgendwie als „Fels in der Brandung“ in Erinnerung haben. Und diese „Solidität“ ein bisschen in unsere Außenwirkung hereinzubringen, ist ja auch nicht das Schlechteste.</p>
<p><strong>Halten wir also fest: Es war nicht alles schlecht damals …</strong></p>
<p>… Das haben jetzt Sie gesagt.</p>
<p><strong>Kehren wir ins Jahr 2013 zurück: Mindestlohn, Mindestrente, Grundeinkommen – die Linke verspricht Vielen Vieles und sieht sich oft dem Vorwurf ausgesetzt, nicht dazu zu sagen, wer das eigentlich alles bezahlen soll. Sie haben jetzt die Gelegenheit …</strong></p>
<p>Die Forderungen, die wir stellen, kommen ja nicht von ungefähr. Die Mindestrente von 1.050 Euro ist nicht vermessen, wenn man sich vor Augen führt, dass ein Mensch am Ende seines Lebens eine gewisse Menge Geld braucht, um in Würde zu leben. Ähnlich ist es beim Mindestlohn von 10 Euro. Bei der Gegenfinanzierung setzen wir auf Umverteilung von oben nach unten – wir haben dabei diejenigen im Blick, die wirklich viel haben. Mit unserem Steuerkonzept würden alle, die weniger als 6.000 Euro brutto verdienen – ich denke, das trifft auf die ganz überwiegende Mehrheit zu –, besser dastehen als zuvor. Es geht also um die oberen Zehntausend, und wir wollen Jahreseinkommen von über einer Million Euro mit 75 Prozent besteuern sowie eine einmalige Vermögensabgabe von zehn Prozent oberhalb von einer Million durchsetzen. Da kommt einiges zusammen, wenn man bedenkt, dass wir in Deutschland ja eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Einkommensmillionären haben. Außerdem wollen wir beispielsweise Vergünstigungen für die Industrie abschaffen, etwa in punkto EEG-Umlage, bei der ja viel Lobbyarbeit geleistet wurde. Die Rückabwicklung solcher Sonderregelungen würde die Staatskasse massiv entlasten. Wir machen uns also schon Gedanken, wie wir das alles finanzieren wollen.</p>
<p><strong>Sie haben die Soziale Gerechtigkeit als „Kerngeschäft“ der Linken bezeichnet. Ein Kerngeschäft, in dem die Konkurrenz nicht schläft – Mindestlohn etwa wird auch von SPD und Grünen gefordert und schwirrt sogar schon bei der CDU zumindest als Gedanke durch den Raum. Ähnliches gilt für Aussagen zur Rente oder zu bezahlbaren Mieten – warum also die Linke wählen?</strong></p>
<p>Die Linke hat ein langfristiges Ziel, das über die Forderungen der anderen hinausgeht: Sie hat eine solidarische Gesellschaft im Blick. Die Forderungen selbst mögen sich nur in Nuancen unterscheiden, etwa beim Mindestlohn &#8211; aber der Grundgedanke ist bei den Linken ausgeprägter. Außerdem haben wir weniger Denkverbote. Die Lösungsvorschläge der anderen Parteien sehe ich eher als symptomatische Korrekturen am status quo. Und wir sind beharrlicher und würden etwa unser Steuerkonzept nie so zur Disposition stellen, wie es etwa die SPD gerade tut, bei der Sigmar Gabriel gerade von den Steuererhöhungen wieder abweicht, um die CDU-Strategie zu kopieren, nämlich einzelne Positionen zu übernehmen, um Wählerstimmen abzugraben. Dieses machtpolitische Kalkül, ist bei uns nicht vorhanden; wir taktieren nicht, um Koalitionen zu erwirken.</p>
<p><strong>Nun ja, welche Koalition denn auch? In Frage käme nur Rot-Rot-Grün – allerdings hat sich die SPD auch zu dieser Wahl dagegen ausgesprochen. Wann, glauben Sie, wird diese epische Feindschaft – lassen wir die paar Versuche in den neuen Bundesländern mal beiseite – enden? Wird sie das überhaupt?</strong></p>
<p>Viele Leute sagen ja, es stünde und fiele mit der Person Oskar Lafontaines. Der aber tritt ja gar nicht mehr an, trotzdem hat die SPD eine Koalition ausgeschlossen. An uns soll’s nicht scheitern; ich glaube aber, die SPD hat immer noch das Ziel, die Linke soweit zurückzudrängen, dass nur noch ein paar traurige Reste übrig bleiben, die dann zur SPD überlaufen und das linke politische Lager wieder vereint wäre. Dabei muss man aber die Frage stellen, ob die SPD überhaupt noch eine linke Partei ist oder nicht doch schon eine mittige – das schwankt ja sehr stark, je nachdem, mit wem man da spricht. Ich glaube, das wird noch ein paar Jahre dauern mit der Annäherung; ich glaube aber auch, dass dafür eine Notwendigkeit besteht, denn alles andere führt zu politischer Stagnation. Auch wenn es rechnerisch zu einer rot-rot-grünen Koalition reichen würde, käme es eher zu einer Großen Koalition. Die Linke war übrigens nie stärker als zu Zeiten der letzten Großen Koalition – von daher wäre das für uns ein gar nicht so schlechtes Szenario, aber den Menschen im Land wünschen wir das nicht.</p>
<p><strong>Sie sind &#8211; das entnehme ich verschiedenen Quellen &#8211; recht netzaffin. Der ganze Komplex aus NSA und BND, aus Prism und Tempora liefert ordentlich Munition im Wahlkampf – allerdings scheint das Thema außerhalb der Redaktionen kaum jemanden so richtig zu interessieren …</strong></p>
<p>Ich habe mich darüber unlängst mit einem Freund von den Grünen unterhalten – die Menschen scheinen sich mehr über den Veggie Day aufzuregen als darüber, ausspioniert zu werden. Den meisten scheint noch gar nicht bewusst zu sein, was das bedeutet; viele glauben offenbar, das wäre so wie beim großen Lauschangriff damals – dass also ein Verdacht besteht und dann irgendjemand aktiv wird, der E-mails und Chatprotokolle des Verdächtigen abzweigt. Dass aber völlig unsystematisch ein riesiger Pool geschaffen wird, auf den man mit Suchtools jederzeit zugreifen kann – das ist eine neue Qualität der Geheimdienstarbeit, und wie brisant die ist, zeigen die Vorfälle beim Guardian. Das Thema ist sehr viel größer als das, was wir in Deutschland daraus machen; und die Reaktionen der Regierung wirken eher ausweichend. Das Thema wird nicht so aufgebauscht wie andere Dinge; es ist auch schwer, die Menschen dafür zu sensibilisieren. Die Sprache bestimmt das Bewusstsein, und solange den Leuten eingeredet wird, wer nichts zu verbergen habe, müsse sich auch nicht fürchten, wird es nur eine Minderheit sein, die diese Dinge kritisch hinterfragt. Gerade deshalb ist es mir wichtig, sie im Wahlkampf zu thematisieren.</p>
<p><strong>Themen, die den Menschen in diesem Wahlkreis sicher näher stehen, sind die regionalen Verkehrsprojekte wie die Küstenautobahn oder eine mögliche Bahnumgehung. Kann man darüber punkten?</strong></p>
<p>Bisher war es bei den Infrastrukturprojekten so, dass die Linke den Protest der Menschen ernst- und für sich angenommen hat. Im Falle der Küstenautobahn gibt es auch eine Studie, die zeigt, dass derartige Infrastrukturmaßnahmen in strukturschwachen Regionen kaum etwas bewirken, und der Preis der Landschaftszerstörung ist dann ein ziemlich hoher – zumal die A1 weiterhin die Hauptverkehrsachse bleiben wird. Wir wollen Güter eher auf die Schiene verlegen; und gerade wenn es dann heißt, die Autobahn solle den Jade-Weser-Port unterstützen, muss man sich fragen, ob das angesichts des schleppenden Anlaufs des Hafens überhaupt Sinn ergibt. Derzeit würde ich allein auf der Vernunftebene sagen, dass sich der Bau nicht lohnt. Vielleicht muss man das irgendwann einmal neu bewerten. Bei der Bahnumgehung haben wir uns klar positioniert, dass wir sie unbedingt wollen, aber das ist ja eine Sache, die nicht vor Ort entschieden wird. Wenn ich in Berlin wäre und auch in der Situation, dem Bau der Trasse Vorschub leisten zu können &#8211; was ich bezweifele, da man selbst als Mitglied des Verkehrsausschusses allenfalls ein gewisses Mitspracherecht gegenüber den Planern und Experten hat -, dann würde ich mich natürlich dafür einsetzen. Aber ich fände es unseriös, mit einem solchen Versprechen in den Wahlkampf zu ziehen.</p>
<p><strong>Ein anderes klassisch linkes Thema: Rekommunalisierung. „Strom- und Wärmenetze gehören konsequent in öffentliche Hand oder in die Hand unter demokratischen Gesichtspunkten geführter Unternehmen“, steht im Programm – halten Sie die EWE, die wie ein normaler Konzern geführt wird, deren Anteile ja aber von den Kommunen gehalten werden, für ein gutes oder eher nicht so gutes Modell?</strong></p>
<p>Die EWE ist von ihrer Organisationsform – also dass sie sich größtenteils in kommunaler Hand befindet – zunächst ja kein negatives Beispiel. Das Problem ist eher die gelebte Geschäftspolitik – dass sie sich konsequent über den Willen der Kommunen hinwegsetzt und am Markt agiert wie ein Global Player. Die ganzen Zukäufe an Unternehmen sind Dinge, die ich von einem kommunalen Energieversorger erstmal nicht erwarten würde. Ich glaube, dass sich die EWE von ihrem Kerngeschäft sehr weit entfernt hat; und das ist der Unterschied zu Stadtwerken, die lediglich das Ziel verfolgen, kostendeckend zu arbeiten. Die EWE ist ein Wirtschaftsunternehmen, das nur noch begrenzt der Kontrolle der Kommunen unterliegt – das halte ich für problematisch.</p>
<p><strong>Apropos Energie. Sie haben in einer Selbstbeschreibung beim Landesverband nicht eben nur rosige Worte für die Ökobranche gefunden. Sind das denn nicht die Guten?</strong></p>
<p>Ich werbe für einen aufgeklärten Umgang mit der Erneuerbare-Energien-Branche, in der ich jahrelang gearbeitet habe. Man sieht sehr unterschiedliche Dinge dort. Natürlich gibt es auch wirklich idealistisch geführte Unternehmen – nehmen wir etwa das Oldenburger Gründerzentrum. Aber momentan wird die Energiewende so organisiert, dass die Anreize monetärer Art sind. Beispiel Offshore-Windparks: Da geht es den Investoren und Betreibern meist darum, maximal abzukassieren – das geht soweit, dass sie es als Teil ihres Geschäftsmodells betrachten, die fehlende Landanbindung in Form von Schadenersatzansprüchen geltend zu machen. Der Energiewende bringt das nichts. Ich glaube, wir brauchen eine andere Herangehensweise – nicht nur finanzielle Anreize, sondern auch ein ethisch-moralisches Commitment. Das Ziel, Nachhaltigkeit bei der Energieversorgung zu erreichen, muss wieder in den Vordergrund rücken. Es gibt mittlerweile etliche schwarze Schafe in der Branche, die mit Energie regelrecht zocken – an der European Energy Exchange (EEX) etwa, an der man Strom verkauft oder eben bewusst zurückhält. Das dient zwar auch der Netzlaststabilität, ist aber dehnbar und kann missbraucht werden. Das bunte Bouquet an Vergütungen, das dort gezahlt wird, wird letztlich auf die Verbraucher umgelegt. Ich glaube, dass wir zu lange durch die rosarote Brille geschaut haben, auch bei der Linken – jedes Mal, wenn jemand ein Windrad oder eine PV-Anlage bauen wollte, wurde das erstmal als gut betrachtet, ohne kritischen Blick darauf, ob sich jemand nicht eher in die eigene Tasche wirtschaften will. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen in der Ökobranche oft schlecht. Es gibt Biomarktketten und Windenergieunternehmen, die keinen Betriebsrat haben, unterdurchschnittliche Löhne zahlen und stark auf Leiharbeit setzen.</p>
<p><strong>Viele Forderungen der Linken erfordern für ihre Umsetzung eine Stärkung des staatlichen Einflusses. Besteht da nicht die Gefahr, dass mancher Wähler, der sich das wahnsinnig umfangreiche Programm tatsächlich durchliest, viele Punkte als schlichte Gängelei empfindet?</strong></p>
<p>„Staatlich“ ist ja erstmal kein Qualitätsmerkmal, staatliche Organisation kann genauso danebengehen wie private, man muss sich nur die DDR anschauen. Das steht bei uns auch nicht unbedingt im Vordergrund – uns geht es um demokratische Legitimation. Wenn die Deutsche Bank Mist baut, kann ich als Mensch, auch wenn ich direkt geschädigt bin – Stichwort Immobilienblase –, den Vorstand ja nicht einfach abwählen. Wenn aber Stadtwerke oder öffentliche Einrichtungen Mist bauen, landet das letztlich immer auf dem Tisch eines demokratisch gewählten Vertreters. Und dadurch gibt es zumindest eine gewisse Einflussmöglichkeit der Öffentlichkeit. Das heißt: In einer staatlichen Einrichtung gibt es demokratische Kontrolle, in einer privaten nicht.</p>
<p><strong>Das wäre auch ein Argument für mehr direkte Demokratie – aber auch diesen Punkt haben sich ja fast alle Parteien auf die Fahnen geschrieben, ohne dass sich da viel zu bewegen scheint.</strong></p>
<p>Wir wollen auch mehr Bürgerbeteiligung, vor allem sollen Volksentscheide auf Bundesebene aus der Bevölkerung heraus initiiert werden können. Ich glaube, man muss das gar nicht dahingehend beurteilen, ob auf dieser Basis sinnvolle Entscheidungen getroffen werden – allein die Tatsache, dass es bislang nicht möglich ist, stößt vielen Menschen vor den Kopf. Wenn die Menschen die Möglichkeit haben, solche Entscheidungen selbst initiieren zu können, werden sie ernstgenommen und fühlen sich gehört. Wenn sie sie nicht haben, setzt bei den einen Politikverdrossenheit ein und bei den anderen das Gefühl: „Wir können ja eh nichts dran ändern.“ Allein deswegen ist direkte Demokratie wichtig, weil offenere Partizipationsmöglichkeiten auch ein offeneres Bewusstsein hervorrufen.</p>
<p><strong>Die Linke räumt in ihrem Programm dem Antifaschismus viel Platz ein, bis hin zu der Forderung, er solle Verfassungsrang erhalten. Was muss denn Ihrer Meinung nach die Konsequenz aus dem NSU-Skandal sein?</strong></p>
<p>Das ist ja nicht nur ein Problem des Faschismus, sondern auch der Geheimdienste. Die Linke tritt für deren Abschaffung ein; sie haben ja die ganze Sache nur immer weiter verschleiert – und damit verschlimmert –, anstatt zur Aufklärung beizutragen. Wenn man den Faschismus insgesamt nimmt, so fordern wir natürlich auch den sofortigen Abzug aller V-Leute aus der NPD. Wer da Geheimdienstler und wer Nazi ist, ist nicht zu überblicken; die meisten sind ja ohnehin irgendwo beides. Das macht es juristisch schwer, die Partei verbieten zu lassen. Der NSU-Skandal zeigt, dass der Faschismus ein sehr viel größeres Problem in der Gesellschaft ist, als wir das bislang geglaubt hatten, und ich frage mich, warum das eigentlich so kleingeredet wird. Die Nazis werden als kleines, verirrtes Grüppchen dargestellt, aber wer einmal in den Nazi-Hochburgen im Osten war, wird das anders wahrgenommen haben. Der NSU hat uns allen schlagartig vor Augen geführt, dass es organisierte faschistische Untergrundbewegungen in Deutschland gibt, die eine echte Gefahr darstellen. Für die Linke ist Antifaschismus ein Hygienefaktor: Faschismus ist das genaue Gegenteil von allem, wofür wir als Partei stehen. Es ist unsere Pflicht, konsequent dagegen zu arbeiten; und wir würden uns wünschen, dass Antifaschismus nicht länger kriminalisiert und auf eine Stufe mit dem Faschismus gestellt wird, wie es so häufig getan wird. Das ist ungerecht und einseitig.</p>
<p><strong>Eine Frage zum Abschluss: Auf der Landesliste stehen Sie auf Platz 6. Sie als Mathematiker gefragt: Schon mal ausgerechnet, auf wie viele Stimmen die Linke kommen müsste, damit es für Sie reicht?</strong></p>
<p>Letztes Mal kam die Linke auf 11,8 Prozent, damit haben wir sechs Kandidaten reinbekommen. So um 11,x Prozent müssten es wohl werden &#8230; letztlich kämpfen wir um ein möglichst gutes Ergebnis. Gregor Gysi hat gesagt: „Zweistellig ist möglich“, zuletzt lagen wir sogar in den ZDF-Umfragen bei acht Prozent, bei Forsa jetzt sogar bei zehn – ob die Dynamik reicht, um uns am 22. September über die elf Prozent zu hieven, wird sich zeigen. Ich bin optimistisch.</p>
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		<title>Liveticker: Ratssitzung vom 26. August 2013</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Aug 2013 16:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Willkommen zur Ratssitzung - der ersten nach der Sommerpause und zugleich letzten vor der Bundestagswahl. Es werden noch Wetten angenommen, welches Schlagwort zuerst fällt: NSA? Griechenland? Oder doch der Veggie Day? Wir sind gespannt.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Willkommen zur Ratssitzung &#8211; der ersten nach der Sommerpause und zugleich letzten vor der Bundestagswahl. Es werden noch Wetten angenommen, welches Schlagwort zuerst fällt: NSA? Griechenland? Oder doch der Veggie Day? Wir sind gespannt.</span></p>
<div id="attachment_42824" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/PFL-September-2013.jpg"><img class=" wp-image-42824 " alt="Ihr, die ihr hier eintretet ... FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/PFL-September-2013.jpg" width="672" height="504" /></a><p class="wp-caption-text">Ihr, die ihr hier eintretet &#8230; FOTO: mno</p></div>
<p><strong>20:50</strong> Und, nebenbei bemerkt, endet hiermit wohl auch der Lokalteil-Liveticker an sich, den es in dieser Form aller Voraussicht nach zum letzten Mal gegeben hat. Von Beileidsbekundungen am Notebook bitten wir abzusehen; Geldspenden für die Beerdigung des Formats sind jedoch willkommen. Gut&#8217;s Nächtle allerseits!</p>
<p><strong>20:43</strong> Schwartz findet am Grünen-Vorschlag &#8220;immerhin sympathisch, dass er nichts kostet&#8221;, möchte ihn aber dennoch ebenfalls im Bahnausschuss behandelt wissen. Adler auch und kündigt jetzt schon die Unterstützung der Linken an. Baudezernentin Gabriele Nießen rückt noch schnell den Zeitplan zurecht &#8211; die nächste Sitzung des Bahnausschusses findet am 25. September statt, und es steht bereits fest, dass es sich um eine Mammutsitzung handeln wird &#8211; und damit endet auch schon der öffentliche Teil einer erstaunlich inhaltsarmen und vorhersehbaren Ratssitzung.</p>
<p><strong>20:33</strong> Bischoff versteht &#8220;die Welt nicht mehr&#8221;: Warum sowas nicht in den funkelnagelneuen, nach viel Streiterei eigens für solche Zwecke gegründeten Bahnausschuss gelandet sei? Was er damit sagen wollte, und das in weitaus mehr Worten: Er beantragt den Verweis dieses Antrags in eben dieses Gremium. Beer merkt an, dass zwischen der konstituierenden und der nächsten Sitzung des Ausschusses fast zwei Monate liegen &#8211; da dürfe man so einen Antrag &#8220;doch auch mal in den Rat bringen, ohne gleich Häme einzustecken&#8221;. Klaukien wiederum pocht darauf, dass entgegen Bischoffs Ausführungen die CDU &#8220;das Monopol auf den Bahnausschuss&#8221; habe &#8211; gemeint ist dessen Gründung. Worum ging&#8217;s doch gleich? Ach ja, um die Idee, eine Kostenschätzung durch den Bund einzuholen.</p>
<p><strong>20:28</strong> Haben Sie&#8217;s gemerkt? Eine Ratssitzung, die sich dem Ende zuneigt, ohne dass ein einziges Mal das Wort &#8220;Bahn&#8221; gefallen ist, zumindest nicht in einem Redebeitrag? Das holt Frühauf nun im letzten Tagesordnungspunkt nach. In Anbetracht der Kostenexplosionen bei der Elbphilharmonie oder dem Flughafen BER solle im Hinblick auf die Oldenburger Bahnumfahrung eine neue Kostenschätzung eingeholt werden, und zwar durch die Bundesregierung beziehungsweise den Bundesrechnungshof höchstselbst.</p>
<p><strong>20:22</strong> Nach einer umfassenden Erläuterung des Antrags durch Ilse beantragt die SPD kurzerhand dessen Überweisung in den Fachausschuss. Also des Antrags, nicht Ilses. Dietz, der seinen Geburtstag wohl mit wenigstens einem Redebeitrag krönen möchte &#8211; sonst hätte er die Ratssitzung ja gleich schwänzen können -, unterstützt für die Grünen-Fraktion die Verweisung, die auch ohne Probleme durchgeht.</p>
<p><strong>20:16</strong> Gegen die Stimmen von CDU und FW/BfO, die in Person von Esther Niewerth-Baumann lieber abwarten würde, bis eine landeseinheitliche Regelung vorliege, wird der Linke-Antrag angenommen. Die bleiben gleich am Ball und legen den nächsten Antrag vor: Die Gründung eines &#8220;Oldenburger Bündnisses zur Förderung des Wohnungsbaus&#8221;. Und nein &#8211; es ist nicht der Wohnungsbau im neuen Quartier Alter Stadthafen gemeint. Sondern sozialer.</p>
<p><strong>20:10</strong> Unterstützung gibt&#8217;s von den Grünen; Brüggemann bemüht dazu Willy Brandt: &#8220;Wir wollen mehr Demokratie wagen.&#8221; &#8220;Machen wir schon&#8221;, murmeln seine Fraktionskollegen. Beer als nächster Redner zitiert auch, allerdings bloß seinen Parteigenossen Frühauf: &#8220;Nur mal kurz&#8221;. Noch kürzer macht es Schwartz für die FDP: &#8220;Wir unterstützen das ganz vehement.&#8221;</p>
<p><strong>20:07</strong> Na endlich: Die Worte &#8220;Prism&#8221; und &#8220;Tempora&#8221; fallen &#8211; das lassen wir als Erwähnung der NSA gelten. Geäußert wurden sie &#8211; kaum überraschend &#8211; vom einzigen Piraten-Ratsherr Jan-Martin Meyer. Die Gruppe Linke/Piraten möchte eine <a href="http://buergerinfo.oldenburg.de/vo0050.php?__kvonr=11756&amp;voselect=1985" target="_blank">Informationsfreiheitssatzung</a> einführen, die den Bürgern &#8220;Einsicht in alle Verwaltungsvorgänge&#8221; &#8211; Linke-Ratsherr Jens Ilse spricht von &#8220;Herrschaftswissen&#8221; &#8211; ermöglichen soll. Mit den jüngsten EWE-Schlagzeilen hat er auch gleich ein aktuelles Beispiel parat.</p>
<p><strong>20:00</strong> Nanu, was ist das? Ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum? Oder ein unbemerkt entstandener Time Tunnel? Würdemann spricht zum Thema Altpapier. Das hatten wir doch gerade erst &#8230; aber es geht um den Antrag der CDU, Akteneinsicht in Sachen Neuregelung der Altpapiereinsicht zu erhalten. Wird einstimmig angenommen.</p>
<p><strong>19:58</strong> Adler erinnert daran, dass die Verkürzung der Amtszeit ja auch die Möglichkeit eröffne, &#8220;inkompetente Amtsinhaber nach fünf Jahren loszuwerden&#8221;; Beer merkt an, dass, wer gute Arbeit abliefere, sich um seine Wiederwahl keine Sorgen machen müsse. Mit den üblichen Mehrheitsverhältnissen, also der rot-rot-grünen Mehrheit wird der CDU-Antrag abgeschmettert.</p>
<p><strong>19:52</strong> Nächster Antrag: Die CDU findet die Verkürzung der Amtszeiten der Hauptverwaltungsbeamten doof (<a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2013/08/19/cdu-macht-gegen-kuerzere-amtszeit-mobil/">der Lokalteil berichtete</a>). Der SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Krogmann weist Klaukien darauf hin, dass dieses Thema eigentlich in den Landtag gehöre &#8211; &#8220;aber dahin haben Sie es nicht geschafft&#8221;. Die von Klaukien ins Spiel gebrachte Kritik seitens der kommunalen Spitzenverbände findet er nicht weiter erstaunlich &#8211; da säßen hauptsächlich eben solche Verwaltungsbeamte. &#8220;Alle fünf Jahre muss man zum TÜV&#8221; &#8211; und wer das nicht aushalte, solle sich eine andere Beschäftigung suchen.</p>
<p><strong>19:43</strong> Eigenfeld meldet sich &#8211; zum Thema Mindestlohn haben die Protestler allerdings wohl keine eigenen Sprüche wie zum Thema Müll entwickelt, daher müssen es die altbewährten &#8220;Nazis raus!&#8221;-Rufe tun. Der Ratsvorsitzende bittet die Zuschauer, die Proteste &#8220;etwas dezenter&#8221; zu gestalten. Aus Eigenfelds Redebeitrag waren die Worte &#8220;Polen&#8221; und &#8220;Rumänien&#8221; herauszuhören &#8211; vielleicht beantragt er den sofortigen Einmarsch? Der SPD-Antrag wird übrigens einstimmig beschlossen.</p>
<p><strong>19:40</strong> &#8230; nutzt auch Sascha Brüggemann (Grüne) die Gelegenheit zu einem Plädoyer für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. Was Höpken wiederum die Gelegenheit eröffnet, dem zuzustimmen, aber zugleich in Richtung der SPD und der Grünen die Hartz-IV-Keule zu schwingen. Manfred Drieling (FW-BfO) schlägt sich vehement auf die Seite Bischoffs und fordert für die Stadt Oldenburg eine &#8220;Vorreiterrolle&#8221; in Sachen Mindestlohn ein.</p>
<p><strong>19:32</strong> Nachdem also zumindest einer der verwaltungsmäßigen TOPs diskutiert wurde, geht es jetzt zu den Anträgen der Fraktionen. Die SPD möchte gerne wissen, wie &#8220;der Mindestlohn bei beauftragten Firmen der Stadt Oldenburg umgesetzt bzw. auf Tariftreue geachtet&#8221; wird, wobei sich sowohl Bischoff als auch Adler darüber im Klaren sind, dass der Kern der Frage &#8211; nämlich ein gesetzlicher Mindestlohn &#8211; einer ist, über den nicht in Oldenburg entschieden wird. Aber da in nicht einmal vier Wochen gewählt wird &#8230;</p>
<p><strong>19:30</strong> Die Satzung, mit der die Stadt die Altpapiersammlung ab dem kommenden Jahr wieder in Eigenregie durchführt, wird erwartungsgemäß mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linke/Piraten angenommen. Das heißt: Ab Januar haben die Bürger die Wahl, in welche der dann zwei Tonnen sie ihr Altpapier werfen. War doch schon vorher klar, meinen Sie? Ja, war es. Aber schön, nochmal drüber reden zu können &#8211; und es hat doch auch was, wenn das Entsorgen der voluminösen Werbebeilagen zu einem ideologischen Statement wird.</p>
<p><strong>19:26</strong> Man habe mit den Altpapierabnehmern im Übrigen ganz gute Preise aushandeln können, sagt Finanzdezernentin Silke Meyn. Und von den bislang ergangenen Urteilen findet sie einige &#8220;ganz gut&#8221;, und: &#8220;Dass die Stadt sammeln darf, bestreitet niemand.&#8221; Es gehe nur darum, ob die Arge es zugleich auch dürfe.</p>
<p><strong>19:18</strong> Michael Rosenkranz (CDU) kehrt nochmal zurück zum Punkt &#8220;Tonnen richtig hinstellen&#8221; und macht sich damit keine Freunde. Bischoff bietet ihm Nachhilfe an, Rosenkranz lehnt dankend ab. Aber er wäre nicht der, der er ist, wenn er es nicht schaffen würde, die Schlagworte &#8220;Bettensteuer&#8221; und &#8220;Wagenburg&#8221; in seine Argumentation einzuflechten und schließt mit einer Variation des Altpapierslogans: &#8220;Vertrau schwarz-gelb, nicht rot-grün&#8221;. Endlich, Wahlkampf! Wir haben uns schon Sorgen gemacht.</p>
<p><strong>19:12</strong> Hans-Henning Adler (Linke) greift Klaukiens Argument auf, nach dem der Papierpreis gerade wieder im Fallen begriffen sei: &#8220;Warum kämpft die Arge denn dann mit solcher Vehemenz dafür, diesen Auftrag zu behalten?&#8221; Die von Norrenbrock erwähnten Fußballfans, tschuldigung, Arge-Beschäftigten könnten doch von der Stadt übernommen werden &#8211; und zwar zu entsprechenden Tarifbedingungen, und das sei doch auch nicht schlecht. Armin Frühauf (Grüne) regt an, kreativ zu werden und der Arge-Werbekampagne (&#8220;Vertrau blau!&#8221;) eine eigene entgegenzusetzen: &#8220;Bürger, sei schlau &#8211; tausch blau gegen grau!&#8221;</p>
<p><strong>19:08</strong> CDU-Fraktionschef Olaf Klaukien verweist ein weiteres Mal auf die durch diverse Gerichtsurteile nicht eben restlos geklärte Rechtslage und nennt die bislang getätigten Aufträge des Abfallwirtschaftsbetriebs &#8211; neue Seitenlader und so &#8211; als &#8220;grob fahrlässig&#8221;. Kurt Bernhard versucht&#8217;s mit einem weiteren Hinweis auf die positiven Auswirkungen auf die Stadtkasse und die Gebühren &#8211; und wenn Sie so langsam das Gefühl bekommen, dass sich die Diskussion im Kreis dreht und Sie alle Argumente schon mehrfach gehört haben: Ja, da haben Sie recht.</p>
<p><strong>19:01</strong> Franz Norrenbrock, die zweite Hälfte der FDP/WfO-Gruppe weist auf die Investitionen hin, die das bisher für die Altpapiersammlung zuständige Unternehmen getätigt hat, etwa die Anschaffung der 50.000 Mülltonnen. Ein Zwischenruf erinnert ihn daran, dass die Stadt diese Tonnen habe übernehmen wollen, was das Unternehmen allerdings abgelehnt hatte. Das bringt Norrenbrock zum Thema Fußball: Er kenne einige der Arge-Beschäftigten, deren Job durch die Neuregelung gefährdet sind, persönlich und treffe sie oft am Spielfeldrand. Seine Befürchtung: Freundliche Gespräche wären dann wohl nicht mehr möglich, weshalb er die Satzung ablehne.</p>
<p><strong>18:57</strong> Mit dem Hinweis, dass &#8220;manches aus der deutschen Geschichte tatsächlich auf den Müll gehört&#8221;, leitet Bernd Bischoff zurück zum Thema. Der SPD-Fraktionschef erinnert vielmehr an die Privatisierungswellen der jüngeren Vergangenheit und an die grausige Altpapiersituation in Oldenburg bis vor zehn Jahren zu erinnern. Dennoch dürfe man Vertragswerke auch mal auf den Prüfstand stellen. Im Ausschuss habe man fast immer einmütige Beschlüsse gefasst &#8211; bis jetzt &#8220;der CDU das Herz aufbrach und sie sich erinnerte, auf welcher Seite sie steht&#8221;: Nämlich auf der Seite der Unternehmer. Im Übrigen solle man die Bürger nicht für zu doof halten, um ihre Tonne richtig hinzustellen.</p>
<p><strong>18:51 </strong>Ulrich Eigenfeld (NPD) spricht. Das heißt, er versucht es. Weit kommt er nicht &#8211; jedesmal, wenn er ansetzt, kommen von der Tribüne Rufe &#8220;Heute oder morgen, Nazi-Müll entsorgen&#8221;, während sich die Hälfte der Ratsmitglieder woandershin begibt. Vermutlich schlägt er gerade vor, das Altpapier im Rahmen eines Kriegswinterhilfswerks zu sammeln und die Einnahmen an die Front zu schicken.</p>
<p><strong>18:45</strong> Sebastian Beer (Grüne) wundert sich &#8220;doch sehr, dass die CDU dieses Fass nochmal aufmacht&#8221; &#8211; dass eine Kommune wirtschaftlich tätig werde, sei doch auch für eine Marktwirtschaft ganz normal. Mit den vorgebrachten Bedenken &#8211; sinkende Rohstoffpreise, schwierige Wirtschaftslage &#8211; hätten schließlich auch private Anbieter zu kämpfen. Dass ab Janaur vermutlich zwei Papiertonnen vor jeder Haustür stehen werden &#8211; eine von der Stadt und eine von der Arge -, scheint kaum mehr in Frage zu stehen, daher schließt Beer mit einem Aufruf, das Papier in die städtische zu werfen. Kurzer Service-Hinweis: Das ist dann die grau-blaue.</p>
<p><strong>18:39</strong> Maike Würdemann CDU begründet die Ablehnung der CDU/FW-Gruppe mit dem Verweis auf ungeklärte Rechtsfragen und geht in die Vollen: &#8220;Es gibt immer noch die freie Marktwirtschaft, auch wenn das manche nicht verstehen.&#8221; Hans-Richard Schwartz (FDP) frotzelt, man könne ja als nächstes auch die Altkleidersammlung übernehmen, damit lasse sich schließlich auch Geld verdienen. Die zur Abstimmung stehende Satzung sei &#8220;ungerecht&#8221; und diene &#8220;nicht dem Bürger&#8221;.</p>
<p><strong>18:30</strong> Jonas Christopher Höpken (Linke) mit dem ersten Redebeitrag: Die Übernahme der Altpapiersammlung durch die Stadt ab 2014. &#8220;Das Altpapier gehört den Bürgerinnen und Bürgern, niemandem sonst&#8221;, sagt der Ratsherr und Vorsitzende des Abfall-Betriebsausschusses. Mit den Einnahmen sollen Gebührenerhöhungen vermieden werden &#8211; im Prinzip vertreten Linke und Stadtverwaltung in diesem Punkt haargenau dieselbe Position, und das hat ja auch ziemlichen Seltenheitswert. Die CDU, die sich mehrfach kritisch zu diesem Vorhaben geäußert hat, solle &#8220;nicht so tun, als würde sie die Interessen der Bürger vertreten&#8221;, meint Höpken.</p>
<p><strong>18:27</strong> Einen Speichervorgang später befinden wir uns bereits beim TOP 12. Was ist denn eigentlich heute los? Steht ein Fußball-Länderspiel an? Geht das Stadtfest neuerdings schon Montags los? Irgendeinen Grund muss es für dieses Tempo ja geben. Vielleicht ja auch bloß die Unsicherheit darüber, wie viele Sonnentage noch zu erwarten sind.</p>
<p><strong>18:24</strong> Kaum zu glauben: Wir sind schon bei Tagesordnungspunkt 7, und die drei zugehörigen Unterpunkte werden ebenso durchgewunken wie der TOP 8, der sich mit der Auflösung des Projektbeirats Bahn und der Benennung der beratenden Mitgliederfür den neugegründeten Bahnausschuss befasst &#8211; alles, während diese Zeilen in die Tastatur gehackt werden. Noch nie ist im Oldenburger Rat ein TOP, der sich mit dem Thema Bahn befasst, in diesem Tempo abgehandelt worden.</p>
<p><strong>18:20</strong> Niehuis wird offiziell vereidigt, nein, ernannt. Und bekommt im Gegensatz zu Dietz Blumen. Das heißt: Sie hat sie bereits im Vorfeld bekommen. Wie üblich gibt es von OB Gerd Schwandner Schoki und einen Cartoonband; Sie dürfen raten, von welchem Cartoonisten.</p>
<p><strong>18:17</strong> Es geht los, und zwar mit einem herzlichen Glückwunsch des Ratsvorsitzenden Bernhard Ellberg nebst allgemeinem Applaus an Grüne-Ratsherr Markus Dietz, der seinen 50. Geburtstag feiert. Da wäre eigentlich ein Orden für besonderen Einsatz fällig, aber es gibt nach Auskunft der Verwaltung nicht einmal Sondersitzungsgeld. Tja, im Rat sitzt man eben für Ruhm und Ehre.</p>
<p><strong>18:13</strong> Öfter mal was Neues: Frage eines Ratsmitglieds, wie man denn eigentlich in den Ticker reinkomme. Also erwähnungstechnisch. Antwort: Was Schräges bringen. Oder die Frage nach der ersten Wahlkampffloskel &#8211; NSA/Griechenland/Veggie Day &#8211; beantworten, damit die Presseleute ihre Wette abschließen können.</p>
<p><strong>18:10</strong> Und während die Ratsmitglieder nach und nach eintrudeln, nutzen wir die Gelegenheit, uns von einer Ratsfrau zu verabschieden: Hannah Dasecke verlässt aus beruflichen Gründen die Grünen-Fraktion (und auch Oldenburg); für sie rückt Maren Niehuis nach.</p>
<p><strong>18:00</strong> Während der üblichen verwaltungsausschussbedingten Verzögerung werfen wir schon mal einen Blick auf die heutige <a href="http://buergerinfo.oldenburg.de/to0040.php?__ksinr=1985" target="_blank">Tagesordnung</a>. Die weist keine einzige Einwohnerfrage auf &#8211; eine Premiere, seit es den Lokalteilticker gibt und eine Zeitersparnis von, na, lass mich nicht lügen, mindestens einer halben Stunde.</p>
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		<title>Grüne Zeiten, schwarze Zeiten</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Aug 2013 19:40:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>

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		<description><![CDATA[Kann man ein Thema wie den drohenden Klimakollaps spielerisch und mit Spaß angehen - und dem Ernst der Sache trotzdem gerecht werden? Man kann: mit dem Brettspiel "Keep Cool".]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Kann man ein Thema wie den drohenden Klimakollaps spielerisch und mit Spaß angehen &#8211; und dem Ernst der Sache trotzdem gerecht werden? Man kann: mit dem Brettspiel &#8220;Keep Cool&#8221;.</span></p>
<div id="attachment_42829" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/KeepCool-003.jpg"><img class="size-large wp-image-42829" alt="Einfach mal die Zukunft des Planeten aufs Spiel setzen: &quot;Keep Cool&quot;-Erfinder Klaus Eisenack (l.) und Gerhard Petschel-Held. BILD: privat" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/KeepCool-003-1024x768.jpg" width="700" height="525" /></a><p class="wp-caption-text">Einfach mal die Zukunft des Planeten aufs Spiel setzen: &#8220;Keep Cool&#8221;-Erfinder Klaus Eisenack (l.) und Gerhard Petschel-Held. BILD: privat</p></div>
<p>„Wir müssen dringend ein paar schmutzige Fabriken abreißen, sonst können wir den Klimakollaps nicht mehr abwenden!“ Ein Satz, den man – hoffentlich – auf Klimakonferenzen hört, wenn auch vielleicht anders formuliert. Und auch die mögliche Antwort „Gute Idee. Aber nicht bei mir!“ kommt einem aus der Berichterstattung aus Kyoto, Rio oder Bali bekannt vor – in diesem Fall aber geht es um <a href="http://www.spiel-keep-cool.de/" target="_blank">das Brettspiel „Keep Cool“</a>, bei dem es um dasselbe, große, entscheidende Thema geht: die Rettung des Planeten vor der Klimakatastrophe. Ein gewisser Hang zum Sarkasmus mag vielleicht hilfreich sein, wenn man sich an den Tisch setzt, um spielerisch die globale Erwärmung – nun, abwenden lässt sie ohnehin nicht, aber wenigstens kleinhalten.</p>
<p>„Keep cool“ simuliert den Klimawandel und seine Folgen; auf Ereigniskarten drohen Erdrutsche, Dürren oder Hochwasser, mit deren Auswirkungen die Spieler fertig werden müssen. Vor allem aber simuliert es die mal mehr, mal weniger ernsthaften Versuche, die globale Erwärmung zu bändigen; im Vordergrund steht die Klimapolitik, in der die Spieler verschiedene Ländergruppen vertreten – Entwicklungs- und Schwellenländer etwa, die Opec-Staaten, Europa oder die USA. Jede Partei hat eigene Zielsetzungen, eigene Interessen – und eigene Lobbyverbände, die dem Spieler mitunter im Nacken sitzen.</p>
<p>„Es ist kein Spiel, bei dem man automatisch gewinnt, weil man grün ist oder automatisch verliert, wenn man schwarz ist“, sagt Entwickler Klaus Eisenack: „Das wäre ja langweilig.“ Die beiden Farben symbolisieren im Spiel weniger die politische Gesinnung als vielmehr die Wirtschaftsleistung in Form von Klötzchen, die Fabriken darstellen: grüne sind umweltfreundlich und verzögern die Erderwärmung, schwarze sind Dreckschleudern und, zumindest am Anfang, billiger als die grünen. Und manche Spielparteien profitieren von schwarzen mehr als von grünen. Man ahnt bereits, wo das hinführt.</p>
<p>Vor neun Jahren kam „Keep Cool“ erstmals auf den Markt, drei Auflagen sind mittlerweile vergriffen. Zurzeit ist eine vierte in Vorbereitung, finanziert werden soll sie durch Crowd Funding. Denn reich geworden ist Eisenack, Umweltökonom an der Uni Oldenburg, mit dem Spiel nicht gerade, es ist nach wie vor etwas, um das er sich nebenher kümmert. Entwickelt hatte er es mit seinem mittlerweile verstorbenen Doktorvater, dem Physiker Gerhard Petschel-Held – beide wissenschaftlich mit dem Klimawandel beschäftigt, beide Spielefreaks. Als sie sich eines Tages am Rande einer Tagung im Hotel langweilten, entwarfen sie die Grundzüge für „Keep Cool“.</p>
<p>Spaß sollte es machen, sagt Eisenack, das sei ihnen wichtig gewesen – „kein erhobener Zeigefinger und kein didaktisches Lehrerding“. Der naturwissenschaftliche Kontext sollte dennoch nicht zu kurz kommen, die beiden haben Rückmeldungen von Kollegen eingeholt und ein der Schachtel beigefügtes Heftchen erläutert in Grundzügen den Mechanismus des Treibhauseffekts und wie er im Spiel abgebildet wird.</p>
<p>Etwa in Form der „Währung“, in der die Spieler untereinander schachern, ihre Wirtschaft in Schwung bringen oder sich bestechen. Bezahlt wird mit Kohlenstoff in Form von kleinen Ringen, die sich zu Spielbeginn auf einem Holzständer befinden; im übertragenen Sinne noch unter der Erde. Solange sie dort bleiben, ist alles halbwegs gut; sobald aber immer mehr von ihnen ins Spiel – sprich: die Atmosphäre – gelangen, heizt sich der Planet unweigerlich auf; und wenn der letzte Ring vom Ständer genommen wird, ist er da, der Klimakollaps. Und alle haben verloren.</p>
<p>„Passiert unerfahrenen Spielen häufig“, sagt Eisenack: „Nach einigen Partien kann man es dann besser abschätzen, wann es ernst wird.“ Das ist der Vorteil eines Spiels: Ist die erste Chance, die Erde zu retten, vertan, bekommt man beliebig viele neue. Man fängt einfach von vorn an.</p>
<p>Eisenack spielt auch mit seinen Studierenden „Keep Cool“, und es waren auch Studierende, die ihn auf das Crowd Funding gebracht hatten. „Eine spannende Sache“, findet Eisenack, weil damit nicht nur Geld reinkommt, sondern auch ein Austausch mit interessierten Leuten stattfindet. Überhaupt bekommt er bis heute Rückmeldungen von Brettspielfans, die auch immer wieder mit Vorschlägen kommen, welche Elemente man dem Spiel hinzufügen könnte, etwa Formen des Geo-Engineerings oder Kriegführung. Letzteres aber wolle er nicht, sagt Eisenack.</p>
<p>Besser, wenn sich die Spieler untereinander verständigen: Schließlich hat jeder seine eigenen Fabriken und seine eigene Strategie, aber alle ziehen ihre Kohlenstoffscheibchen vom selben Ständer. Um die Erwärmung zu verzögern, müssen sie Wege finden, mit dem Komplex aus Partikularinteressen, Industrieentwicklung und Unwetterkatastrophen umzugehen – das Spiel gibt für Verhandlungen untereinander kaum Regeln vor. Letztlich, sagt Eisenack, sei der Kern des Spiels auch der Kern des Problems in der realen Welt – nämlich „das Dilemma: Wer trägt die Kosten des Klimaschutzes?“</p>
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		<title>Hinter Gittern</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Jun 2013 10:37:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leute]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Jugendabteilung der JVA für Frauen in Vechta ist die einzige ihrer Art im Norden. Es gibt dort eine halboffene Wohngruppe - klingt nach WG, bleibt aber dennoch Strafvollzug.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Jugendabteilung der JVA für Frauen in Vechta ist die einzige ihrer Art im Norden. Es gibt dort eine halboffene Wohngruppe &#8211; klingt nach WG, bleibt aber dennoch Strafvollzug.</p>
<div id="attachment_42779" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-außen.jpg"><img class="size-full wp-image-42779" alt="Die ihr hier eintretet ... FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-außen.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Die ihr hier eintretet &#8230; FOTO: mno</p></div>
<p>„Trautes Heim“, sagt Nicole (<em>Name geändert</em>), während sie auf die leuchtend blaue Tür zugeht. Ein wenig Bitterkeit hat sich in ihre Stimme geschlichen, allerdings nur eine Spur, keine zur Schau getragene Wehmut. Denn ein trautes Heim sieht normalerweise anders aus: Die Pforte befindet sich in einer stacheldrahtgekrönten Mauer, dahinter ragt ein trister Backsteinbau mit vergitterten Fenstern auf, eine Kamera beäugt den Eingangsbereich. Hinter der blauen Tür wartet kein Wohnzimmer, kein Balkon, auf den man sich an diesem lauen Tag setzen könnte. Sondern ihre Zelle. Die 20-jährige Nicole sitzt im Knast. Und für heute ist ihre Zeit in der Außenwelt, in der sie und eine Mitgefangene eine Schule im Nachbarort besuchen, abgelaufen.</p>
<p>Es geht durch die schwere Stahltür und einen tristen, von fensterlosen Mauern umfassten Innenhof in die Wachstube, über deren Türsturz jemand ein paar kleinformatige Handschellen genagelt hat. Es wirkt wie eine latente Drohgebärde, vielleicht ist es auch nur eine Art Gag, der sich Außenstehenden nicht erschließt. Mit einem lockeren „Na, ihr Studenten“ begrüßen die Vollzugsbeamten, von denen keiner uniformiert ist, die beiden jungen Frauen und händigen ihnen ihre Zellenschlüssel aus. Ganz recht, Schlüssel: In dieser Abteilung der Justizvollzugsanstalt schließen die Inhaftierten ihre Zellen selbst auf. Manchmal geben Mitgefangene gar ihre Schlüssel vorübergehend in Nicoles Obhut, sie häufen sich dann auf dem kleinen Tisch in ihrer Zelle.</p>
<p>Ein ungewöhnlicher Anblick, aber es ist auch kein gewöhnlicher Gefängnistrakt, in dem die junge Frau ihre Strafe absitzt. Er ist Teil der Jugendabteilung der JVA für Frauen im niedersächsischen Vechta, der einzigen im Norden; und hier werden die Akzente anders gesetzt als im Erwachsenenvollzug, angefangen bei den Beamten in Zivilkleidung. „Das macht schon einen großen Unterschied“, sagt Nicole, „die Distanz ist nicht so groß“. Auf dem Weg zu Nicoles Zelle begegnen uns ein paar der anderen Insassinnen, die über den Flur schlendern. Begrüßungen werden ausgetauscht, mal mehr, mal weniger herzlich; je nachdem, wie man miteinander so klarkommt. Vor einer Zellentür liegt eine Fußmatte mit der Aufschrift „Willkommen“. Trautes Heim.</p>
<p>„Halboffene Wohngruppe“ ist die offizielle Bezeichnung für diese Form des Strafvollzugs, und was entfernt nach einer Art WG klingt, wirkt in manchen Details auch beinahe wie eine solche. Auf der Hälfte des Flurs, von dem zu beiden Seiten die Einzelzellen abgehen, liegt die Küche, möbliert mit einer handelsüblichen Einbauzeile, einem Tassenregal, einer Sitzgruppe. Die Küche steht den Häftlingen zur Verfügung; aber bis auf den Umstand, dass jemand einen leeren Joghurtbecher auf dem Tisch stehengelassen hat, wirkt es nicht gerade, als würde sie besonders häufig genutzt werden. Tatsächlich bekommen die Häftlinge ihre üblichen Mahlzeiten per Essenswagen angeliefert. Und im Kühlschrank stelle ohnehin niemand etwas ab, sagt Nicole: „Das verschwindet sowieso.“ Wie in einer WG eben.</p>
<div id="attachment_42778" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Innenhof.jpg"><img class="size-full wp-image-42778" alt="Blick von der Küche in den ... nun, Garten. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Innenhof.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Blick von der Küche in den &#8230; nun, Garten. FOTO: mno</p></div>
<p>Wenn sie ab und zu mit anderen dort kocht, zählt das zu den wenigen Abwechslungen des Knastalltags, und auch die ist durchreglementiert: Zweimal im Monat können die Frauen eine Besorgungsliste ausfüllen, ein paar Tage später bekommen sie die Sachen ausgehändigt, das Geld wird ihnen abgezogen. Selber einkaufen ist nicht drin: Der tägliche Weg zur Schule ist, abgesehen von Urlaubstagen, die einzige Möglichkeit für Nicole, das Gefängnis zu verlassen.</p>
<p>Die zehn Kilometer in den Nachbarort legt sie mit dem Zug zurück, den letzten Kilometer vom Bahnhof zur Volkshochschule, in der sie ihren Realschulabschluss nachholt, geht sie zu Fuß. Immerhin ein kleines Stückchen Freiheit, wenn auch natürlich ein begrenztes. Das Wachpersonal kennt ihren Stundenplan und weiß, wann sie zurückkommen müsste – nach der Schule ein Eis essen zu gehen ist nicht drin. In ihrer Klasse kennt jeder Nicoles Hintergrund, sie macht auch kein Geheimnis daraus. Probleme mit Lehrern oder Mitschülern gebe es keine, sagt sie; das habe sie zuerst gewundert. Es sei nur „schon ein bisschen doof, wenn man montags hört, was die anderen am Wochenende gemacht haben, ins Kino oder auf Partys gegangen sind“, sagt Nicole. Wenigstens werde sie nicht gefragt, ob sie mitkommen wolle – die Mitschüler wüssten ja, was los ist.</p>
<p>Seit eineinhalb Jahren sitzt Nicole in Haft. Sie büßt für jenen Abend, an dem ihr bis dahin ohnehin schon nicht eben geradlinig verlaufenes Leben plötzlich vollends aus der Kurve geflogen ist. Ein Abend, an dem sie mit ihrem Ex-Verlobten und anderen zusammengesessen hat, mit reichlich Alkohol, auch Drogen. An dem es erst zu Streit, dann zu Handgreiflichkeiten, dann zu roher Gewalt kam und an dessen Ende einer der Bekannten des Paares schwer verletzt am Boden lag. Sie könne sich nicht daran erinnern, ob sie auch zugeschlagen hat, aber sie zieht sich auch nicht auf Unschuldsbeteuerungen zurück. „Ich weiß, dass ich falsch gehandelt habe“, sagt sie. „Ich hätte die Polizei rufen können.“ Hat sie aber nicht. Ihre damalige Beziehung sei ohnehin schon „ziemlich schwierig“ gewesen.</p>
<p>An diesem Abend begann für sie ein anderes Leben, eines, an das sie trotz früherer Delikte – hier eine Schwarzfahrt, da ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz – kaum einen Gedanken verschwendet hatte. Nicole erzählt, wie ihre Mutter sie früher ermahnt hatte, dass sie ihr vielleicht mal ein Gefängnis zeigen solle, damit sie sich benehme. „Ich komme nie in den Knast“, habe sie dann immer geantwortet:„Und hier sitze ich nun.“ Drei Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung.</p>
<div id="attachment_42781" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Gefangene.jpg"><img class="size-full wp-image-42781" title="Ein winziges Stückchen Zuhause. FOTO: mno" alt="JVA Vechta Gefangene" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Gefangene.jpg" width="600" height="419" /></a><p class="wp-caption-text">Ein winziges Stückchen Zuhause. FOTO: mno</p></div>
<p>Nicole bittet in ihre winzige Zelle, die mit dem Bett, zwei kleinen Regalen an Kopf- und Fußende sowie dem Tisch, an dem man sich vermutlich ständig das Bein zu stoßen droht, zugestellt ist. Obwohl die Sonne scheint, hat sie die Vorhänge zugezogen – vielleicht möchte sie die Gitterstäbe nicht öfter sehen als unbedingt nötig. Ansonsten sind die paar Quadratmeter so wohnlich wie eben möglich gestaltet – an die Wände hat sie Fotos ihrer Familie, ihres Hundes und, vor allem, ihres Ehemanns gehängt. Der sitzt eine Haftstrafe in einer anderen JVA ab, dort haben sie auch geheiratet. Nicole hatte dafür Sonderurlaub bekommen. „Hatte ich mir auch mal anders vorgestellt, meine Hochzeit.“</p>
<p>Und ihren Knastalltag, hatte sie sich den so vorgestellt? Nicole überlegt. Nein, sagt sie schließlich. Eigentlich eher wie den Polizeigewahrsam nach der Verhaftung, eine Zelle mit einer Matratze, sonst nichts. „Als ich hier reinkam und den Fernseher gesehen habe, habe ich mir erstmal dessen Rückseite angeschaut, ob da überhaupt Kabel rauskommen“, erzählt sie. „Mein erster Gedanke war: Das ist doch eine Attrappe.“ Und nachdem sie in die Wohngruppe verlegt worden war, sei sie mitten in der Nacht aufgestanden und auf den Flur gegangen. Weil sie es nicht richtig fassen konnte, dass das möglich war. Zuvor hatte sie einige Zeit im geschlossenen Vollzug verbracht, in der Etage darüber, wo es feste Schließzeiten gibt. Nur wer nach der Einschätzung der Beamten gemeinschaftsfähig ist, bekommt die Chance, in den halboffenen Vollzug zu wechseln.</p>
<div id="attachment_42780" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Flur.jpg"><img class="size-full wp-image-42780" alt="Den Flur betreten, einfach, weil es geht. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Flur.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Den Flur betreten, einfach, weil es geht. FOTO: mno</p></div>
<p>Allzu harmonisch fällt diese Zwangsgemeinschaft allerdings auch nicht immer aus. Ein Dutzend Frauen sind zurzeit in der Abteilung inhaftiert, zwölf Menschen, die sich ihr Zusammenleben nicht ausgesucht haben. Es komme „schon mal zu Zickereien“, sagt Nicole, manchmal auch zu Handgreiflichkeiten, aber selten. „Jede von uns hat mal einen Scheißtag“, sagt sie, „und wir sitzen ja auch alle nicht ohne Grund da“. Manchmal reichen Kleinigkeiten, dann geht’s los – aber „zwei Tage später sitzen dieselben auch wieder bei einem Kaffee zusammen“. Natürlich werde zwischendurch auch mal gelacht, und mit zwei Mitgefangenen hat Nicole engeren Kontakt – obwohl es „immer heißt, dass im Knast keine Freundschaften entstehen könnten.“</p>
<p>Und ein Knast ist es nun mal, Wohngruppe hin, Einbauküche her. Die eher spröde Gemütlichkeit der Küche endet beim Blick aus dem Fenster, aus dem man nur schauen kann, wenn man sich auf einen Stuhl stellt: Hinter den Gitterstäben öffnet sich das triste Panorama einer lieblosen Außenanlage, deren Teich leergepumpt ist und sein nacktes Betonbett zeigt. Einmal pro Tag dürfen die Inhaftierten für eine Stunde da hinaus. Es gibt kein Internet, Handys sind verboten, Telefonate dürfen nur mit Personen geführt werden, die die Vollzugsbeamten als unbedenklich einstufen.</p>
<p>Die Hälfte ihrer Haftstrafe hat Nicole hinter sich, und jeden Tag denkt sie über ihr Leben nach, über den Abend, an dem alles schiefgelaufen ist, über das Opfer, falsche Freunde, über sich selbst. Die Vergangenheit will sie hinter sich lassen und die Zukunft anpacken. Sobald sie demnächst ihren Abschluss in der Tasche hat, will sie sich um eine Lehrstelle bemühen – erste Bewerbungen hat sie schon geschrieben. Wenn’s klappt, darf sie sich Hoffnungen auf vorzeitige Entlassung machen.</p>
<p>Zwar hätte sie sich schönere Umstände als eine Haftstrafe gewünscht, um ihr Leben umzukrempeln, sagt sie heute &#8211; aber „vielleicht war das einfach mal nötig.“</p>
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		<title>Liveticker: EWE Baskets &#8211; Ratiopharm Ulm</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Jun 2013 17:59:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Liveticker]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus der Abteilung "Dinge, die ein Journalist irgendwann einmal gemacht haben muss": Liveticker zu einer Sportbegegnung schreiben. Check!]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Aus der Abteilung &#8220;Dinge, die ein Journalist irgendwann einmal gemacht haben muss&#8221;: Liveticker zu einer Sportbegegnung schreiben. Check!</span></p>
<div id="attachment_42287" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/baskets-ulm.jpg"><img class="size-full wp-image-42287" alt="Zwei Sekunden nach Spielende: Oldenburg im Finale. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/baskets-ulm.jpg" width="600" height="386" /></a><p class="wp-caption-text">Zwei Sekunden nach Spielende: Oldenburg im Finale. FOTO: mno</p></div>
<p><strong>[Eigentlich zu spät]</strong> Mittlerweile steht fest: Der Gegner heißt Bamberg &#8211; die Brose Baskets haben die Münchner letztlich deutlich mit 85:66 nach Hause geschickt. Also findet das erste Finalspiel am Sonntag im Fränkischen statt. Damit verabschieden wir uns aus der mittlerweile leergefegten Arena &#8211; und halten fest, dass diese Sportart eigentlich ein bisschen zu schnell ist, um vernünftig tickern zu können. Wie dem auch sei: Gut&#8217;s Nächtle!</p>
<p><strong>[So richtig viel später] </strong>Der sichtlich zerknirschte Gästetrainer Thorsten Leibenath macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Vielleicht sind diese Pressekonferenzen nach dem Spiel doch keine so gute Idee. Immerhin kann Machowski ihm ein Lächeln abringen, als er sagt, er könne ihn &#8220;ganz gut leiden&#8221;. Den Unterschied habe letztlich Jenkins gemacht, sagt Leibenath und wünscht Oldenburg viel Glück. Machowski teilt unterdessen mit, dass sich Kramer doch verletzt hat, als er stürzte. Es handele sich aber wohl um nichts allzu Ernstes &#8211; Kramer werde am Sonntag voraussichtlich zur Verfügung stehen.</p>
<p>Beide sind sich im Übrigen einig, dass der Spielplan im Profibasketball halbwegs wahnsinnig ist. Man habe seit ungefähr zehn Wochen alle drei, vier Tage ein Spiel, sagte Machowski; Leibenath beklagt, dass es auch psychisch belastend sei, zehn Monate am Stück kein freies Wochenende zu haben &#8211; &#8220;auch wenn man dafür gut bezahlt wird wie die Jungs&#8221;.</p>
<p><strong>[Viel später]</strong> Auf der anderen Seite war Per Günther zeitweise zwar so quicklebendig, dass er entweder nach diesem Spiel für ein halbes Jahr in die Reha muss oder die Verletzungsmeldungen vom vergangenen Wochenende vielleicht doch ein wenig übertrieben waren. Aber reißen konnte der Nationalspieler auch nichts, zumal Topscorer Bryant überhaupt nicht ins Spiel kam. Es war vor allem die Treffsicherheit eines Esterkamp, die die Ulmer im Spiel gehalten hat, als sie die Oldenburger Führung langsam, aber sicher aufholten.</p>
<p><strong>[Noch später]</strong> Machowski badet in der Menge, nachdem das Sport1-Team ihn hat gehen lassen. Hubird liegt wie erschossen auf dem Feld. Wollen wir jetzt noch das Spiel zusammenfassen, so richtig sportreporterhaft? Ist eigentlich müßig. Garant des Sieges war eindeutig Julius Jenkins, nicht nur, weil er mit 27 Punkten mit weitem Abstand bester Werfer war &#8211; er hat das Spiel der Oldenburger sichtlich vorangetrieben und die Schwächephase im dritten Viertel quasi im Alleingang abgewürgt. Bleibt die Frage, ob er im Finale seinem Ex-Clubkameraden gegenüberstehen wird. Gewisse Anzeichen sprechen dafür: In Bamberg führen die Brose Baskets nach dem dritten Viertel 64:53.</p>
<div id="attachment_42289" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/baskets-ulm-hubird.jpg"><img class="size-full wp-image-42289" alt="Wer hat den irren Vogel umgelegt? FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/baskets-ulm-hubird.jpg" width="600" height="321" /></a><p class="wp-caption-text">Wer hat den irren Vogel umgelegt? FOTO: mno</p></div>
<p><strong>[Später]</strong> Auf den Rängen werden vereinzelt Zuschauer wiederbelebt, freundliche Baskets-Mitarbeiter verteilen Herzmedikamente. Die Fankurve testet die Belastbarkeit der Behelfstribüne, auf der sie ihren Platz haben. Was für ein nervenaufreibendes fünftes Spiel &#8211; sogar einige der Cheerleader haben keine Kraft mehr zum Dauerlächeln.</p>
<p>[40:00] Und dabei bleibt es auch &#8211; Oldenburg steht im Finale der Basketball-Playoffs 2013!</p>
<p>[39:53] Nochmal eine Auszeit, auf den Rängen wird schon gefeiert. 80:75.</p>
<p>[39:52] Nankivil trifft noch einmal von hinter dem Korb &#8211; wie auch immer er das geschafft hat. Im Gegenzug vergibt Jenkins einen von zwei Freiwürfen &#8211; macht nichts, darf er.</p>
<p>[39:45] 15 Sekunden, um sechs Punkte aufzuholen &#8211; ein Ding der Unmöglichkeit. Die gelbe Fankurve übt sich im &#8220;Finale, ohoo&#8221;-Singen.</p>
<p>[39:44] Burrell nimmt Bryant den Ball ab, Joyce wird gefoult, zwei Freiwürfe &#8211; das muss es jetzt gewesen sein!</p>
<p>[39:24] Noch 36 Sekunden. Joyce wirft einen Freiwurf, und der Ball muss sich erst mehrere Sekunden lang überlegen, ob er in den Korb rollt. Der zweite ging schneller. 77:73, noch 23 Sekunden.</p>
<p>[39:14] Bryant foult Jenkins. Todesurteil. Das heißt, es wäre eines, sollte sich irgendein Oldenburger an diesen Koloss heranwagen.</p>
<p>[38:23] Die Oldenburger greifen jetzt früh an. Paulding mit einem Dreier zum 75:71. Eine weitere Betonsäule muss dran glauben, während die Baskets interessiert zuschauen, wie Esterkamp unter den Korb spaziert und auf 75:73 verkürzt. Sind sie vorübergehend in ein Zeitloch oder sowas gefallen? Hubird schwenkt eine überdimensionale Basketsfahne, lässt sie fallen und hat Schwierigkeiten, sie mit seinen Plüschhänden wieder aufzuheben.</p>
<p>[38:00] Esterkamp verwandelt nur einen von zwei Freiwürfen, im Gegenzug trifft Jenkins zum 72:69. Der Lärm ist ohrenbetäubend &#8211; eine abgegriffene Vokabel, aber eine treffendere gibt es einfach nicht.</p>
<p>[37:50] Jenkins gleicht seinerseits mit einem Dreier aus und bringt die Baskets gleich darauf in Führung &#8211; 70:68. Die ersten Zuschauer greifen zu Hammer und Meißel, um eine der Betonsäulen der Arena in eine Jenkins-Statue zu verwandeln.</p>
<p>[36:08] Alles steht, klatscht, brüllt. Und es wirkt: Esterkamp trifft seinen Dreier-Versuch nicht &#8211; vermutlich zum ersten Mal an diesem Abend.</p>
<p>[35:58] Jenkins kommt für Bahiense de Mello, bei den Baskets sollen es jetzt die Amerikaner richten. Jenkins verkürzt auf 65:66, Auszeit Ulm.</p>
<p>[34:30] Die Baskets finden kein rechtes Mittel, bei den Ulmern dreht Günther auf. Ein Dreier von ihm, einer von Esterkamp, und Ulm führt mit sechs Punkten.</p>
<p>[33:25] Burrell und Chubb gleichen zum 60:60 aus. Für Nervenschwache ist das hier ein Horrortrip.</p>
<p>[32:12] Jenkins verkürzt, Esterkamp wirft wieder mal einen Dreier, die es bei ihm heute anscheinend im Dutzend billiger gibt. Beim Stand von 56:60 nimmt Baskets-Trainer Machowski eine Auszeit. Kurzer Blick nach Bayern: 40:40 zur Halbzeit.</p>
<p><strong>[Viertes Viertel, 31:00]</strong> Mit dieser knappen Ulmer Führung geht es ins Schlussviertel. Der bislang eher blasse Bryant erhöht auf 54:57.</p>
<p>[29:55] Erst besannen sich die Ulmer auf den Körpereinsatz, jetzt zaubern sie auch in der Offensive &#8211; Lance Jeter wühlt sich durch, trifft zum 54:55 für die Gäste.</p>
<p>[28:41] Und wieder Samhan beim Freiwurf. Was würden die Ulmer bloß ohne ihn machen? Und er bringt sein Team tatsächlich wieder in Führung: 52:53.</p>
<p>[27:55] Nachdem Ulm zum 47:47 ausgeglichen hat, wird der anschließende Dreier von Smit frenetisch bejubelt. Die Zuschauer setzen sich gar nicht erst wieder. Jetzt gibt es die Chemical Brothers auf die Ohren. Obwohl es wieder Samhan mit dem Iro ist, der einen weiteren Freiwurf verwandelt. 52:50.</p>
<p>[26:37] Jetzt versucht&#8217;s der Hallensprecher mit The Clash. Schön. Ob er mit dem Punkstück auf die Frisur von Omar Samhan anspielt, der soeben zwei Freiwürfe verwandelt?</p>
<p>[26:03] Die Ulmer agieren mittlerweile weitaus sicherer unter ihrem Korb als in der ersten Hälfte. Wysocki trifft zum 46:43, der Jubel klingt, als stünden auf der Uhr nur noch 1,5 Sekunden. Sind aber noch ein paar mehr.</p>
<p>[25:46] Kurz darauf gerät Joyce mit Günther aneinander &#8211; sein viertes Foul. Smit kommt für ihn.</p>
<p>[25:28] Der Ball rollt Richtung Ulmer Korb, Joce läuft bei dessen Verfolgung auf Nankivil auf, der sofort gelyncht wird, weil er es gewagt hat, dem kleinen Dru im Weg zu stehen. Während einer kurzen Unterbrechung wummert Eminem aus den Lautsprechern. Passt das zum Basketball?</p>
<p>[23:44] Im dritten Viertel gelingt den Baskets bislang eher wenig, sie kommen kaum zum Wurf. Und wenn, gehen die nicht rein. Die Zuschauer stehen mittlerweile.</p>
<p>[22:23] Ray schlägt Chubb, der nach einem Schiedsrichterpfiff fragend herumschaut, den Ball aus der Hand. Die Zuschauer greifen zu mitgebrachten Zaunlatten. Als Ulm dann auch noch zwei Freiwürfe bekommt, befinden sich zumindest die Zuschauer in der Reihe hinter den Pressetischen in offenem Aufruhr. Nur noch 42:39.</p>
<p><strong>[Drittes Viertel, 20:30]</strong> Auch schön: Chubb gelingt das, was man im Handball wohl &#8220;Kemper-Trick&#8221; nennt. 42:33.</p>
<p><strong>[Pause]</strong> Kurzer Blick auf den Akkuladestand: Verlängerung sollte es nicht geben. Oh, es geht weiter!</p>
<p><strong>[Pause]</strong> Schmeißen wir unsere Leser ein wenig mit Zahlen zu: Bester Werfer auf Oldenburger Seite bislang Jenkins (9), bei Ulm Esterkamp (13). Bei den Baskets sind bis auf Kevin Smit und Jannik Freese alle schon mal eingesetzt worden, am längsten &#8211; in absteigender Reihenfolge der Minuten &#8211; Chubb (15:37), Joyce, Paulding und Jenkins (12:14). Von der gefühlten Präsenz her lautet die Reihenfolge hingegen: Jenkins &#8211; und dann lange nichts. Mag allerdings auch nur gefühlt sein, schließlich war der Blick die Hälfte der Zeit eher auf das Netbook gerichtet als auf das Feld.</p>
<p><strong>[Pause]</strong> Im anderen Halbfinale spielt übrigens zeitgleich Bayern München gegen Bayern München. Also Bamberg, in den vergangenen drei Jahren das Bayern München der Basketball-Bundesliga, gegen die echten Münchner, die mit den Lederhosen. Stand nach dem ersten Viertel dort: 21:19 für München. Wir erinnern uns: Gewinnen die Bayern, hätte Oldenburg aufgrund der besseren Saisonplatzierung in der Finalserie Heimrecht und das erste Spiel am Sonntag fände in der EWE Arena statt. Heißt der Gegner Bamberg, sieht es anders aus.</p>
<p>[19:42] Chubb gehören auch die letzten beiden Oldenburger (Freiwurf-)Punkte der ersten Halbzeit. Nach einem weiteren Ulmer Dreier geht es mit 40:33 in die Pause.</p>
<p>[19:23] Jetzt sieht&#8217;s kämperischer aus: de Mello erkämpft sich auf dem Boden liegend den Ball, verliert ihn an Günther, der auch sogleich zu Boden geht und beinahe Chubb, der ihm den Ball abnehmen will, zu sich runterzieht. Aber eben nur beinahe.</p>
<p>[18:30] Aber wohl nicht doll, er steht (und läuft) wieder. Auf Ulmer Seite sorgt vor allem Esterkamp mit seinen Dreiern dafür, dass der Abstand nicht allzu groß wird. Eine gute Minute vor der Halbzeit steht es 38:31.</p>
<p>[18:15] Kramer wälzt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden, und da wir hier ja nicht beim Fußball sind, besteht eventuell die Möglichkeit, dass er sich tatsächlich wehgetan haben könnte.</p>
<p>[16:07] Ulm läuft dauerhaft einem So-um-die-zehn-Punkte-Rückstand hinterher, der seit dem Oldenburger 13:0-Lauf aus dem ersten Viertel Bestand hat, plusminus ein oder zwei Punkte. Der Luftraum unter dem Oldenburger Korb gehört weiterhin den Gelben (auch diese Floskel wollte der Tickerer schon immer mal verwenden).</p>
<p>[14:03] Es wirkt fast, als hätten die Ulmer Jenkins zwei persönliche Leibwächter zugeteilt. Aber auch die können ihn nicht halten &#8211; 31:20. Von Bryant, dem wertvollsten Spieler der regulären Saison, sieht man so gut wie nichts. Und das will was heißen. Die Baskets bestimmen mittlerweile das Spiel, treffen sicherer, sind abwehr- und reboundstärker.</p>
<p>[13:01] Kein Sportbericht ohne Sportfloskel: Jenkins lässt die Ulmer stehen wie Slalomstangen, gibt an Wysocki ab, der locker einen Dreier wirft, als wäre das nix.</p>
<p>[12:30] Ulm schließt nach zwei Dreiern auf, die Führung beträgt jetzt nur noch sechs Punkte (26:20). Auszeit Oldenburg, die die &#8220;Bright Delights&#8221; zum Pyramidenbau nutzen.</p>
<p><strong>[2. Viertel, 10:30]</strong> Mit Bahiense de Mello, Joyce, Jenkins, Wysocki und Smeulders geht es ins zweite Viertel.</p>
<p>[10:00] Pause. Heißt bekanntlich: Die Cheerleader cheerleaden und Hubird, der wahnsinnig dreinblickende Donnervogel, marschiert im Stechschritt an der Bande entlang. Kurzer Maskottchencheck: Oldenburg 1, Ulm (offenbar) 0. Der Stand nach Punkten: 22:14.</p>
<p>[9:04] Smeulders wird unterm Ulmer Korb gefoult, es wird aber nicht abgepfiffen. Wütende Proteste von den Rängen. Wir haben nicht so schnell gesehen, wer der Delinquent war, vermuten aber, dass seine Überreste noch heute Abend am Stau angetrieben werden.</p>
<p>[8:11] Die Baskets zeigen sich enorm defensivstark. Die Ulmer hingegen leicht nervös. Die beiden Freiwurfpunkte, die Steven Esterkamp erzielt, sind die ersten Punkte der Süddeutschen seit einer gefühlten Ewigkeit.</p>
<p>[7:20] Konrad Wysocki und Robin Smeulders laufen auf, Chubb und Burrell gehen runter. Wysocki trifft zum 20:10, die Halle tobt. Ulm nimmt eine Auszeit.</p>
<p>[6:38] Die Baskets entwickeln eine erstaunliche Souveränität bei den Rebounds. Jenkins trifft zum 14:10.</p>
<p>[5:38] Das Spiel ist bislang recht ausgeglichen, nicht nur nach dem Punktestand. Jenkins kommt für Joyce, Ulm schickt den offenbar wieder genesenen Per Günther aufs Feld.</p>
<p>[4:25] Der kleine Kramer hat es tatsächlich geschafft, John Bryant zu foulen, den Mann mit der Größe eines Basketballspielers und der Statur eines Gewichthebers. Man darf sich dieses Foul auch nicht so vorstellen, dass Kramer Bryant irgendwie zu Fall gebracht hat oder so. Das schafft eventuell nur ein Erdbeben.</p>
<p>[4:10] Erste Freiwürfe für Ulm, die Allan Ray beide verwandelt. Dafür trägt er aufgrund des Pfeifkonzerts sicher einen Tinnitus davon.</p>
<p>[2:30] Oldenburg ist im Finale! Ach nein, Paulding hat Punkte erzielt &#8211; das klingt in dieser Arena beinahe genauso. Mit seinem Dreier gleicht Paulding zum 5:5 aus, Burrell bringt die Baskets kurz darauf erstmals in Führung &#8211; 7:5. Aber nicht lange.</p>
<p><strong>[1. Viertel, 0:30] </strong>Und los! Der erste Ball geht an Ulm, die ersten Punkte auch: Keaton Nankivil wirft einen Dreier. Burrell trifft im direkten Gegenangriff &#8211; 2:3 nach einer Minute.</p>
<p>[Noch zwei Minuten] Na, dann hoffen wir mal, dass das WLAN durchhält. Es sind so viele Pressevertreter hier, dass das eng werden könnte. Die Starting Five am heutigen Abend: Rickey Paulding, Ronnie Burrell, Dru Joyce, Adam Chubb und Chris Kramer.</p>
<p>[Noch vier Minuten] Falls bei Ihnen zuhause die Bierflasche vom Fliesentisch zappelt: Das sind die Schallwellen vom Spielereinlauf. Den größten Applaus &#8211; freilich nach Kapitän Rickey Paulding &#8211; bekommt der Mann der bisherigen Halbfinalserie, Julius Jenkins. Reminder für&#8217;s nächste Mal: Besseres Wort als &#8220;Spielereinlauf&#8221; ausdenken.</p>
<p>[Noch sechs Minuten] Heute besteht wohl kein Zweifel, dass die Halle komplett gefüllt ist.</p>
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