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	<title>Noltejournal &#124; Magazin &#187; Sport &#124; Noltejournal | Magazin</title>
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		<title>&#8220;Mörderisches Programm&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Oct 2013 00:05:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Neue Saison, neues Glück? 2013 scheiterten die EWE Baskets knapp an Meister Bamberg; in der aktuellen Spielzeit versuchen sie es erneut - mit nahezu demselben Team.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Neue Saison, neues Glück? 2013 scheiterten die EWE Baskets knapp an Meister Bamberg; in der aktuellen Spielzeit versuchen sie es erneut &#8211; mit nahezu demselben Team.</span></p>
<div id="attachment_42837" class="wp-caption aligncenter" style="width: 586px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/10/EWE-Baskets-Machowski-www.jpg"><img class=" wp-image-42837 " alt="Bereits in der ersten Saison in Oldenburg in der Erfolgsspur: Headcoach Sebastian Machowski. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/10/EWE-Baskets-Machowski-www.jpg" width="576" height="320" /></a><p class="wp-caption-text">Bereits in der ersten Saison in Oldenburg in der Erfolgsspur: Headcoach Sebastian Machowski. FOTO: mno</p></div>
<p><strong>Herr Machowski, Sie hatten nun ja reichlich Gelegenheit, die vergangene Saison Revue passieren zu lassen. Jetzt, mit entsprechendem Abstand betrachtet: Überwiegt da die Freude darüber, so weit gekommen zu sein – oder der Frust, so knapp gescheitert zu sein?</strong></p>
<p>Ich habe sehr lange gebraucht, um die Enttäuschung darüber, dass wir es nicht geschafft haben, das Finale zu gewinnen und dreimal so knapp an Bamberg gescheitert sind, zu überwinden. Mittlerweile überwiegt aber die Freude und der Stolz darüber, was wir erreicht haben. Nicht nur wegen der Vizemeisterschaft – wir waren ja auch in der Hauptsaison lange Zweiter und haben das Final Four der EuroChallenge erreicht. Wenn man bedenkt, wo das Team hergekommen ist, nämlich vom zehnten Platz in der Vorsaison, dann sehe ich es rückblickend als sehr erfolgreiche Saison.</p>
<p><strong>Wohl auch deswegen sahen Sie keinen Anlass zu tiefgreifenden Veränderungen: Nur ein einziger Spieler verließ das Team, und es gab auch nur einen Neuzugang. Die Nachdrücklichkeit, mit der Sie offensichtlich auf Konstanz setzen, ist bemerkenswert …</strong></p>
<p>Es war schon in der vergangenen Saison ein großes Risiko, aus der Vorjahresmannschaft sieben Spieler zu halten. Nicht, weil die nicht erfolgreich gespielt hätten – es ist aber schwierig, da erstmal ein komplettes Umdenken einzuleiten, und die Mannschaft hat tatsächlich eine Weile gebraucht, die neue Philosophie umzusetzen. Kontinuität ist natürlich auch für die Fans wichtig, die manche Spieler ins Herz geschlossen haben – es ist im Basketball ja nicht häufig der Fall, dass man es schafft, Spieler über Jahre zu halten. Das zeichnet im Übrigen auch den Oldenburger Basketball und die Strukturen, die wir bei den Baskets über die letzten Jahre geschaffen wurden, aus – die Spieler bleiben gerne hier, auch wenn sie in Russland oder der Türkei mehr verdienen könnten. Darüber hinaus hat sich die Mannschaft in der vergangenen Saison durch eine hohe Homogenität ausgezeichnet, die man ihr auch angemerkt hat: Die treten als Mannschaft auf, die spielen als Mannschaft, und das auch noch mit Spaß. Da war es für uns nur logisch zu versuchen, das Gros dieses Teams zusammenzuhalten.</p>
<p><strong>Es war also keine große Überzeugungsarbeit nötig, die Spieler hier zu halten?</strong></p>
<p>Wir schaffen es natürlich nicht, wie südeuropäische Mannschaften oder mittlerweile auch Bayern München die Spieler mit Geld zuzuschütten. Da muss man andere Argumente finden, und ich denke, die haben wir im Verlauf der letzten Saison geliefert sportlich sowie im Umfeld. Außerdem sind Die Voraussetzungen sind hier für die ausländischen Profis, aber auch für die Talente im Nachwuchsbereich sehr gut – die Jugendarbeit, die als eine der besten in Deutschland ausgezeichnet wurde, das Trainingszentrum, die zahlreichen Festangestellten im Klub, die sich um die Mannschaft kümmern, damit wir uns auf den Sport konzentrieren können &#8230; die Spieler merken, dass hier alles für sie getan wird.</p>
<p><strong>Forward Ronnie Burrell ist der einzige Abgang des Teams. Hätten Sie auch ihn lieber gehalten?</strong></p>
<p>Wir wollen uns verbessern und sportlich weiterentwickeln – und auf dieser Position brauchten wir mehr Konstanz in unserem Spiel, daher haben wir ihm keine Verlängerung angeboten. Mit Nemanja Alexandrov haben wir einen sehr talentierten Spieler für diese Position gefunden, der uns hoffentlich das gibt, was wir von ihm erwarten.</p>
<p><strong>Alexandrov hat vor wenigen Jahren eine komplette Saison ausgesetzt und mit einem Individualtrainer gearbeitet. Sehen Sie darin einen Ausweis seiner Professionalität oder muss man nicht vielleicht auch ein Fragezeichen hinter die Erwartungen setzen?</strong></p>
<p>Er wurde, wenn man den Medien glauben darf, als der nächste Nowitzki aus Serbien gehandelt – und dann zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Dadurch wurde er zurückgeworfen und hat sich die Auszeit genommen, in der er richtig investiert hat. Im letzten Jahr hat er komplett gespielt, in Belgien und Spanien – er ist körperlich wieder hundertprozentig fit. Nur diesem Umstand hatten wir es zu verdanken, dass wir in der Lage waren, ihn hierher lotsen zu können – vergleichbare Spieler seiner Generation spielen bei ZSKA Moskau oder Real Madrid, die zahlen für einen Spieler so viel wie wir für unseren ganzen Kader zusammen.</p>
<p><strong>Ist es aus Sicht des Trainers einfacher, einem funktionierenden Team einen neuen Spieler hinzuzufügen oder fängt man lieber bei Null an?</strong></p>
<p>Fast alle Manager, mit denen ich in den vergangenen Wochen gesprochen habe, haben mich zu meinem „ruhigen Sommer“ beglückwünscht: Da die ganze Mannschaft zurückkomme, müsse ich ja nicht viel tun. Wir haben uns aber sehr schwergetan, dieses eine fehlende Puzzlestück zu finden – das war fast schwieriger und aufwendiger als im vergangenen Jahr, als nur ein Spieler einen laufenden Vertrag hatte und wir das Team gewissermaßen neu zusammenbauen mussten. Die Zukunft wird zeigen, ob wir – das Trainerteam und die Geschäftsführung – mit dieser Entscheidung richtig lagen.</p>
<p><strong>Zu ihrer Philosophie gehört, dass Sie den Spielern möglichst viele Freiräume und sie auf dem Feld weitgehend eigenverantwortlich agieren lassen. Das schien in der vergangenen Saison durchaus ein Erfolgsrezept zu sein – könnte es nicht aber auch die immer wieder mal zu beobachteten Chaosphasen in manchen Partien erklären?</strong></p>
<p>Ich denke nicht, dass uns grundsätzlich die Linie gefehlt hat. Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, dass es, wenn man viele Freiheiten einräumt, schwierig ist, in entscheidenden Situationen auf disziplinierte Umsetzung von taktischen Details zurückzufallen. Unser Ansatz ist, dass die Spieler Spaß am Spiel haben und sich frei entfalten können sollen. Wenn wir sie in ein taktisches Korsett zwängen und wie Roboter spielen lassen, wäre das Ergebnis fatal. Das betrifft ja vor allem die Offensive, und da haben wir in der vergangenen Saison gezeigt, dass wir Spiele gewinnen können. Noch schwerer wiegt die überzeugende Defensivleistung während der gesamten Saison – wir haben mit die wenigsten Körbe kassiert und offensivstarke Mannschaften wie Ulm und Bamberg in den Playoffs 20 Punkte unter ihrem Saisonschnitt gehalten. Da geht es dann nicht mehr um Freiräume, sondern um knallharte Teamdefense, die die Mannschaft umgesetzt und damit die Siege ermöglicht hat – wenn man hinten seinen Job erledigt, kann man sich vorne belohnen.</p>
<p><strong>Kaum jemand hat der Mannschaft nach zwei eher durchwachsenen Spielzeiten das durchweg hohe Niveau 2012/13 zugetraut. Sehen Sie die Gefahr, dass die Erwartungshaltung bei den Fans nun entsprechend hochgeschraubt wird?</strong></p>
<p>Ich denke, aufgrund der Tradition in Oldenburg und den wirtschaftlichen und strukturellen Möglichkeiten, die der Verein hat, gehören die EWE Baskets zu den Topteams in der Beko BBL. Da wollen wir auch in der kommenden Saison wieder hin. Ich denke aber auch, dass die Fans gut einschätzen können, was wir in der vergangenen Saison geleistet haben. Die Playoffs sind noch zehn Monate entfernt; zum Saisonstart geht es erstmal darum, die Euroleague-Qualifikation zu gewinnen. Wenn wir ein Ziel haben, dann ist es, das, dass wir in jedes Spiel zu gehen, um es zu gewinnen – egal, wer der Gegner ist. Wir bereiten uns immer akribisch auf den nächsten Gegner vor; welchen Platz wir am Ende belegen, wird sich dann zeigen. Das ist keine norddeutsche Zurückhaltung, sondern ein realistischer Ansatz.</p>
<p><strong>Wie schätzen Sie die Liga ein?</strong></p>
<p>Die Liga wird immer stärker: Bayern München rüstet unheimlich auf, die haben für zwei Mannschaften eingekauft. Bamberg wird sicher wieder stark sein, Berlin wird versuchen, nach dem Auswechseln der ganzen Mannschaft wieder an alte Erfolge anzuknüpfen … jedes Spiel wird wichtig, und keinen Gegner darf man unterschätzen. Und für die Fans ist es sicher spannend, dass man nun mit Artland, Bremerhaven und nun auch Vechta viele Nordderbys hat und die neue große Halle zum permanenten Zuhause wird. Das ist eigentlich wichtiger als irgendwelche Ziele vorzugeben.</p>
<p><strong>Sie erwähnten es eben bereits: Die Baskets haben die Chance, ins Oberhaus des europäischen Basketballs vorzustoßen – die Euroleague. Ist die Teilnahme und das Erreichen der Endrunden ein erklärtes Ziel oder eher ein „nice to have“?</strong></p>
<p>Wir wollen erstmal die Qualifikation schaffen. Wir fahren ja nicht dahin mit dem Gedanken, dass wir da nichts verloren hätten. Es ist natürlich schwierig, wenn man weiß: Wenn wir verlieren, spielen wir trotzdem im Eurocup. Aber die Euroleague ist auch ein Ziel, das die Spieler vor Augen haben – die wollen da hin, dafür haben sie letztes Jahr gekämpft, und diese Chance nun einfach abzutun, wäre falsch.</p>
<p><strong>Nervt denn eigentlich nicht, wenn man sich trotz des Kraftakts der Vizemeisterschaft dennoch erst qualifizieren muss – eine weiter hinten platzierte Mannschaft wie Bayern München aber eine Einladung bekommt?</strong></p>
<p>Die Euroleague hat das eben so entschieden: Der Meister ist dabei, der Vizemeister darf sich qualifizieren und die Wildcard ging an Bayern München. Das ist der Name, der zieht, aus bekannten Gründen.</p>
<p><strong>Sie hatten sich während der Playoffs kritisch zum engen Zeitplan im Profibasketball geäußert. Angenommen, die Saison verläuft sehr erfolgreich: Erreichen der Top 16, vielleicht sogar der Finalrunde in der Euroleague, Liga-Playoffs, Pokal – da kommen bis zu 70, 80 Spiele in nicht einmal neun Monaten zusammen. Ist diese Dichte eigentlich noch zu stemmen?</strong></p>
<p>Die Bamberger spielen von Anfang Oktober bis etwa Mitte März fast durchgehend drei Spiele pro Woche. Bei uns war es in der vergangenen Saison ab Februar so. Das ist ein mörderisches Programm. Wenn man sich das beim Fußball anhört mit den englischen Wochen, die alle paar Wochen mal anstehen – das ist für Basketballer Standard. Und da besteht die Gefahr, dass es zu einem mentalen und körperlichen Verschleiß kommt – dann treten Verletzungen auf, es kommt zu Unkonzentriertheiten, man bewegt sich im roten Bereich. Umso wichtiger ist es, eine kompakte Mannschaft zu haben, mit vielen Leistungsträgern, auf die man die Verantwortung verteilen kann. Wir wollen ja natürlich international spielen – die Spieler wollen es, der Verein will es, die Sponsoren; es ist dann ein Stück weit die Kehrseite, dass die Belastung sehr hoch ist.</p>
<p><strong>Die doppelte Anzahl an Zuschauern in der neuen Halle bedeutet ja auch eine verbesserte Einnahmensituation. Haben Sie dadurch als Trainer größeren Spielraum bei etwaigen Verpflichtungen?</strong></p>
<p>Unsere finanziellen Möglichkeiten sind gut, aber im Vergleich zu den großen Euroleague-Mannschaften nicht konkurrenzfähig. Die neuen Halle macht den Standort attraktiver und kann ist auch ein weiteres Argument, wenn wir Spieler hierher holen wollen. Aber das alles heißt nicht, dass wir automatisch mehr Geld für das Team haben. Zumal es immer kostspieliger ist, ein Team zu halten als ein neues zusammenzustellen.</p>
<p><strong>Eine Frage zum Abschluss: Julius Jenkins, einer der Schlüsselspieler der vergangenen Saison, ist aus dem Urlaub zurück, aber ohne seine Zöpfe. Ein schlechtes Omen? Oder neigen Basketballer nicht so sehr zu Aberglauben wie andere Sportler?</strong></p>
<p>Ich glaube nicht, dass Samson seine Kraft verloren hat. Im Gegenteil: Er wird nach dem Verlust von soundsoviel Kilo Haarmasse vielleicht noch leichtfüßiger aufspielen. Und er sieht nicht nur jünger aus, sondern spielt bestimmt auch so.</p>
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		<title>Liveticker: EWE Baskets &#8211; Ratiopharm Ulm</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Jun 2013 17:59:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Liveticker]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus der Abteilung "Dinge, die ein Journalist irgendwann einmal gemacht haben muss": Liveticker zu einer Sportbegegnung schreiben. Check!]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Aus der Abteilung &#8220;Dinge, die ein Journalist irgendwann einmal gemacht haben muss&#8221;: Liveticker zu einer Sportbegegnung schreiben. Check!</span></p>
<div id="attachment_42287" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/baskets-ulm.jpg"><img class="size-full wp-image-42287" alt="Zwei Sekunden nach Spielende: Oldenburg im Finale. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/baskets-ulm.jpg" width="600" height="386" /></a><p class="wp-caption-text">Zwei Sekunden nach Spielende: Oldenburg im Finale. FOTO: mno</p></div>
<p><strong>[Eigentlich zu spät]</strong> Mittlerweile steht fest: Der Gegner heißt Bamberg &#8211; die Brose Baskets haben die Münchner letztlich deutlich mit 85:66 nach Hause geschickt. Also findet das erste Finalspiel am Sonntag im Fränkischen statt. Damit verabschieden wir uns aus der mittlerweile leergefegten Arena &#8211; und halten fest, dass diese Sportart eigentlich ein bisschen zu schnell ist, um vernünftig tickern zu können. Wie dem auch sei: Gut&#8217;s Nächtle!</p>
<p><strong>[So richtig viel später] </strong>Der sichtlich zerknirschte Gästetrainer Thorsten Leibenath macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Vielleicht sind diese Pressekonferenzen nach dem Spiel doch keine so gute Idee. Immerhin kann Machowski ihm ein Lächeln abringen, als er sagt, er könne ihn &#8220;ganz gut leiden&#8221;. Den Unterschied habe letztlich Jenkins gemacht, sagt Leibenath und wünscht Oldenburg viel Glück. Machowski teilt unterdessen mit, dass sich Kramer doch verletzt hat, als er stürzte. Es handele sich aber wohl um nichts allzu Ernstes &#8211; Kramer werde am Sonntag voraussichtlich zur Verfügung stehen.</p>
<p>Beide sind sich im Übrigen einig, dass der Spielplan im Profibasketball halbwegs wahnsinnig ist. Man habe seit ungefähr zehn Wochen alle drei, vier Tage ein Spiel, sagte Machowski; Leibenath beklagt, dass es auch psychisch belastend sei, zehn Monate am Stück kein freies Wochenende zu haben &#8211; &#8220;auch wenn man dafür gut bezahlt wird wie die Jungs&#8221;.</p>
<p><strong>[Viel später]</strong> Auf der anderen Seite war Per Günther zeitweise zwar so quicklebendig, dass er entweder nach diesem Spiel für ein halbes Jahr in die Reha muss oder die Verletzungsmeldungen vom vergangenen Wochenende vielleicht doch ein wenig übertrieben waren. Aber reißen konnte der Nationalspieler auch nichts, zumal Topscorer Bryant überhaupt nicht ins Spiel kam. Es war vor allem die Treffsicherheit eines Esterkamp, die die Ulmer im Spiel gehalten hat, als sie die Oldenburger Führung langsam, aber sicher aufholten.</p>
<p><strong>[Noch später]</strong> Machowski badet in der Menge, nachdem das Sport1-Team ihn hat gehen lassen. Hubird liegt wie erschossen auf dem Feld. Wollen wir jetzt noch das Spiel zusammenfassen, so richtig sportreporterhaft? Ist eigentlich müßig. Garant des Sieges war eindeutig Julius Jenkins, nicht nur, weil er mit 27 Punkten mit weitem Abstand bester Werfer war &#8211; er hat das Spiel der Oldenburger sichtlich vorangetrieben und die Schwächephase im dritten Viertel quasi im Alleingang abgewürgt. Bleibt die Frage, ob er im Finale seinem Ex-Clubkameraden gegenüberstehen wird. Gewisse Anzeichen sprechen dafür: In Bamberg führen die Brose Baskets nach dem dritten Viertel 64:53.</p>
<div id="attachment_42289" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/baskets-ulm-hubird.jpg"><img class="size-full wp-image-42289" alt="Wer hat den irren Vogel umgelegt? FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/baskets-ulm-hubird.jpg" width="600" height="321" /></a><p class="wp-caption-text">Wer hat den irren Vogel umgelegt? FOTO: mno</p></div>
<p><strong>[Später]</strong> Auf den Rängen werden vereinzelt Zuschauer wiederbelebt, freundliche Baskets-Mitarbeiter verteilen Herzmedikamente. Die Fankurve testet die Belastbarkeit der Behelfstribüne, auf der sie ihren Platz haben. Was für ein nervenaufreibendes fünftes Spiel &#8211; sogar einige der Cheerleader haben keine Kraft mehr zum Dauerlächeln.</p>
<p>[40:00] Und dabei bleibt es auch &#8211; Oldenburg steht im Finale der Basketball-Playoffs 2013!</p>
<p>[39:53] Nochmal eine Auszeit, auf den Rängen wird schon gefeiert. 80:75.</p>
<p>[39:52] Nankivil trifft noch einmal von hinter dem Korb &#8211; wie auch immer er das geschafft hat. Im Gegenzug vergibt Jenkins einen von zwei Freiwürfen &#8211; macht nichts, darf er.</p>
<p>[39:45] 15 Sekunden, um sechs Punkte aufzuholen &#8211; ein Ding der Unmöglichkeit. Die gelbe Fankurve übt sich im &#8220;Finale, ohoo&#8221;-Singen.</p>
<p>[39:44] Burrell nimmt Bryant den Ball ab, Joyce wird gefoult, zwei Freiwürfe &#8211; das muss es jetzt gewesen sein!</p>
<p>[39:24] Noch 36 Sekunden. Joyce wirft einen Freiwurf, und der Ball muss sich erst mehrere Sekunden lang überlegen, ob er in den Korb rollt. Der zweite ging schneller. 77:73, noch 23 Sekunden.</p>
<p>[39:14] Bryant foult Jenkins. Todesurteil. Das heißt, es wäre eines, sollte sich irgendein Oldenburger an diesen Koloss heranwagen.</p>
<p>[38:23] Die Oldenburger greifen jetzt früh an. Paulding mit einem Dreier zum 75:71. Eine weitere Betonsäule muss dran glauben, während die Baskets interessiert zuschauen, wie Esterkamp unter den Korb spaziert und auf 75:73 verkürzt. Sind sie vorübergehend in ein Zeitloch oder sowas gefallen? Hubird schwenkt eine überdimensionale Basketsfahne, lässt sie fallen und hat Schwierigkeiten, sie mit seinen Plüschhänden wieder aufzuheben.</p>
<p>[38:00] Esterkamp verwandelt nur einen von zwei Freiwürfen, im Gegenzug trifft Jenkins zum 72:69. Der Lärm ist ohrenbetäubend &#8211; eine abgegriffene Vokabel, aber eine treffendere gibt es einfach nicht.</p>
<p>[37:50] Jenkins gleicht seinerseits mit einem Dreier aus und bringt die Baskets gleich darauf in Führung &#8211; 70:68. Die ersten Zuschauer greifen zu Hammer und Meißel, um eine der Betonsäulen der Arena in eine Jenkins-Statue zu verwandeln.</p>
<p>[36:08] Alles steht, klatscht, brüllt. Und es wirkt: Esterkamp trifft seinen Dreier-Versuch nicht &#8211; vermutlich zum ersten Mal an diesem Abend.</p>
<p>[35:58] Jenkins kommt für Bahiense de Mello, bei den Baskets sollen es jetzt die Amerikaner richten. Jenkins verkürzt auf 65:66, Auszeit Ulm.</p>
<p>[34:30] Die Baskets finden kein rechtes Mittel, bei den Ulmern dreht Günther auf. Ein Dreier von ihm, einer von Esterkamp, und Ulm führt mit sechs Punkten.</p>
<p>[33:25] Burrell und Chubb gleichen zum 60:60 aus. Für Nervenschwache ist das hier ein Horrortrip.</p>
<p>[32:12] Jenkins verkürzt, Esterkamp wirft wieder mal einen Dreier, die es bei ihm heute anscheinend im Dutzend billiger gibt. Beim Stand von 56:60 nimmt Baskets-Trainer Machowski eine Auszeit. Kurzer Blick nach Bayern: 40:40 zur Halbzeit.</p>
<p><strong>[Viertes Viertel, 31:00]</strong> Mit dieser knappen Ulmer Führung geht es ins Schlussviertel. Der bislang eher blasse Bryant erhöht auf 54:57.</p>
<p>[29:55] Erst besannen sich die Ulmer auf den Körpereinsatz, jetzt zaubern sie auch in der Offensive &#8211; Lance Jeter wühlt sich durch, trifft zum 54:55 für die Gäste.</p>
<p>[28:41] Und wieder Samhan beim Freiwurf. Was würden die Ulmer bloß ohne ihn machen? Und er bringt sein Team tatsächlich wieder in Führung: 52:53.</p>
<p>[27:55] Nachdem Ulm zum 47:47 ausgeglichen hat, wird der anschließende Dreier von Smit frenetisch bejubelt. Die Zuschauer setzen sich gar nicht erst wieder. Jetzt gibt es die Chemical Brothers auf die Ohren. Obwohl es wieder Samhan mit dem Iro ist, der einen weiteren Freiwurf verwandelt. 52:50.</p>
<p>[26:37] Jetzt versucht&#8217;s der Hallensprecher mit The Clash. Schön. Ob er mit dem Punkstück auf die Frisur von Omar Samhan anspielt, der soeben zwei Freiwürfe verwandelt?</p>
<p>[26:03] Die Ulmer agieren mittlerweile weitaus sicherer unter ihrem Korb als in der ersten Hälfte. Wysocki trifft zum 46:43, der Jubel klingt, als stünden auf der Uhr nur noch 1,5 Sekunden. Sind aber noch ein paar mehr.</p>
<p>[25:46] Kurz darauf gerät Joyce mit Günther aneinander &#8211; sein viertes Foul. Smit kommt für ihn.</p>
<p>[25:28] Der Ball rollt Richtung Ulmer Korb, Joce läuft bei dessen Verfolgung auf Nankivil auf, der sofort gelyncht wird, weil er es gewagt hat, dem kleinen Dru im Weg zu stehen. Während einer kurzen Unterbrechung wummert Eminem aus den Lautsprechern. Passt das zum Basketball?</p>
<p>[23:44] Im dritten Viertel gelingt den Baskets bislang eher wenig, sie kommen kaum zum Wurf. Und wenn, gehen die nicht rein. Die Zuschauer stehen mittlerweile.</p>
<p>[22:23] Ray schlägt Chubb, der nach einem Schiedsrichterpfiff fragend herumschaut, den Ball aus der Hand. Die Zuschauer greifen zu mitgebrachten Zaunlatten. Als Ulm dann auch noch zwei Freiwürfe bekommt, befinden sich zumindest die Zuschauer in der Reihe hinter den Pressetischen in offenem Aufruhr. Nur noch 42:39.</p>
<p><strong>[Drittes Viertel, 20:30]</strong> Auch schön: Chubb gelingt das, was man im Handball wohl &#8220;Kemper-Trick&#8221; nennt. 42:33.</p>
<p><strong>[Pause]</strong> Kurzer Blick auf den Akkuladestand: Verlängerung sollte es nicht geben. Oh, es geht weiter!</p>
<p><strong>[Pause]</strong> Schmeißen wir unsere Leser ein wenig mit Zahlen zu: Bester Werfer auf Oldenburger Seite bislang Jenkins (9), bei Ulm Esterkamp (13). Bei den Baskets sind bis auf Kevin Smit und Jannik Freese alle schon mal eingesetzt worden, am längsten &#8211; in absteigender Reihenfolge der Minuten &#8211; Chubb (15:37), Joyce, Paulding und Jenkins (12:14). Von der gefühlten Präsenz her lautet die Reihenfolge hingegen: Jenkins &#8211; und dann lange nichts. Mag allerdings auch nur gefühlt sein, schließlich war der Blick die Hälfte der Zeit eher auf das Netbook gerichtet als auf das Feld.</p>
<p><strong>[Pause]</strong> Im anderen Halbfinale spielt übrigens zeitgleich Bayern München gegen Bayern München. Also Bamberg, in den vergangenen drei Jahren das Bayern München der Basketball-Bundesliga, gegen die echten Münchner, die mit den Lederhosen. Stand nach dem ersten Viertel dort: 21:19 für München. Wir erinnern uns: Gewinnen die Bayern, hätte Oldenburg aufgrund der besseren Saisonplatzierung in der Finalserie Heimrecht und das erste Spiel am Sonntag fände in der EWE Arena statt. Heißt der Gegner Bamberg, sieht es anders aus.</p>
<p>[19:42] Chubb gehören auch die letzten beiden Oldenburger (Freiwurf-)Punkte der ersten Halbzeit. Nach einem weiteren Ulmer Dreier geht es mit 40:33 in die Pause.</p>
<p>[19:23] Jetzt sieht&#8217;s kämperischer aus: de Mello erkämpft sich auf dem Boden liegend den Ball, verliert ihn an Günther, der auch sogleich zu Boden geht und beinahe Chubb, der ihm den Ball abnehmen will, zu sich runterzieht. Aber eben nur beinahe.</p>
<p>[18:30] Aber wohl nicht doll, er steht (und läuft) wieder. Auf Ulmer Seite sorgt vor allem Esterkamp mit seinen Dreiern dafür, dass der Abstand nicht allzu groß wird. Eine gute Minute vor der Halbzeit steht es 38:31.</p>
<p>[18:15] Kramer wälzt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden, und da wir hier ja nicht beim Fußball sind, besteht eventuell die Möglichkeit, dass er sich tatsächlich wehgetan haben könnte.</p>
<p>[16:07] Ulm läuft dauerhaft einem So-um-die-zehn-Punkte-Rückstand hinterher, der seit dem Oldenburger 13:0-Lauf aus dem ersten Viertel Bestand hat, plusminus ein oder zwei Punkte. Der Luftraum unter dem Oldenburger Korb gehört weiterhin den Gelben (auch diese Floskel wollte der Tickerer schon immer mal verwenden).</p>
<p>[14:03] Es wirkt fast, als hätten die Ulmer Jenkins zwei persönliche Leibwächter zugeteilt. Aber auch die können ihn nicht halten &#8211; 31:20. Von Bryant, dem wertvollsten Spieler der regulären Saison, sieht man so gut wie nichts. Und das will was heißen. Die Baskets bestimmen mittlerweile das Spiel, treffen sicherer, sind abwehr- und reboundstärker.</p>
<p>[13:01] Kein Sportbericht ohne Sportfloskel: Jenkins lässt die Ulmer stehen wie Slalomstangen, gibt an Wysocki ab, der locker einen Dreier wirft, als wäre das nix.</p>
<p>[12:30] Ulm schließt nach zwei Dreiern auf, die Führung beträgt jetzt nur noch sechs Punkte (26:20). Auszeit Oldenburg, die die &#8220;Bright Delights&#8221; zum Pyramidenbau nutzen.</p>
<p><strong>[2. Viertel, 10:30]</strong> Mit Bahiense de Mello, Joyce, Jenkins, Wysocki und Smeulders geht es ins zweite Viertel.</p>
<p>[10:00] Pause. Heißt bekanntlich: Die Cheerleader cheerleaden und Hubird, der wahnsinnig dreinblickende Donnervogel, marschiert im Stechschritt an der Bande entlang. Kurzer Maskottchencheck: Oldenburg 1, Ulm (offenbar) 0. Der Stand nach Punkten: 22:14.</p>
<p>[9:04] Smeulders wird unterm Ulmer Korb gefoult, es wird aber nicht abgepfiffen. Wütende Proteste von den Rängen. Wir haben nicht so schnell gesehen, wer der Delinquent war, vermuten aber, dass seine Überreste noch heute Abend am Stau angetrieben werden.</p>
<p>[8:11] Die Baskets zeigen sich enorm defensivstark. Die Ulmer hingegen leicht nervös. Die beiden Freiwurfpunkte, die Steven Esterkamp erzielt, sind die ersten Punkte der Süddeutschen seit einer gefühlten Ewigkeit.</p>
<p>[7:20] Konrad Wysocki und Robin Smeulders laufen auf, Chubb und Burrell gehen runter. Wysocki trifft zum 20:10, die Halle tobt. Ulm nimmt eine Auszeit.</p>
<p>[6:38] Die Baskets entwickeln eine erstaunliche Souveränität bei den Rebounds. Jenkins trifft zum 14:10.</p>
<p>[5:38] Das Spiel ist bislang recht ausgeglichen, nicht nur nach dem Punktestand. Jenkins kommt für Joyce, Ulm schickt den offenbar wieder genesenen Per Günther aufs Feld.</p>
<p>[4:25] Der kleine Kramer hat es tatsächlich geschafft, John Bryant zu foulen, den Mann mit der Größe eines Basketballspielers und der Statur eines Gewichthebers. Man darf sich dieses Foul auch nicht so vorstellen, dass Kramer Bryant irgendwie zu Fall gebracht hat oder so. Das schafft eventuell nur ein Erdbeben.</p>
<p>[4:10] Erste Freiwürfe für Ulm, die Allan Ray beide verwandelt. Dafür trägt er aufgrund des Pfeifkonzerts sicher einen Tinnitus davon.</p>
<p>[2:30] Oldenburg ist im Finale! Ach nein, Paulding hat Punkte erzielt &#8211; das klingt in dieser Arena beinahe genauso. Mit seinem Dreier gleicht Paulding zum 5:5 aus, Burrell bringt die Baskets kurz darauf erstmals in Führung &#8211; 7:5. Aber nicht lange.</p>
<p><strong>[1. Viertel, 0:30] </strong>Und los! Der erste Ball geht an Ulm, die ersten Punkte auch: Keaton Nankivil wirft einen Dreier. Burrell trifft im direkten Gegenangriff &#8211; 2:3 nach einer Minute.</p>
<p>[Noch zwei Minuten] Na, dann hoffen wir mal, dass das WLAN durchhält. Es sind so viele Pressevertreter hier, dass das eng werden könnte. Die Starting Five am heutigen Abend: Rickey Paulding, Ronnie Burrell, Dru Joyce, Adam Chubb und Chris Kramer.</p>
<p>[Noch vier Minuten] Falls bei Ihnen zuhause die Bierflasche vom Fliesentisch zappelt: Das sind die Schallwellen vom Spielereinlauf. Den größten Applaus &#8211; freilich nach Kapitän Rickey Paulding &#8211; bekommt der Mann der bisherigen Halbfinalserie, Julius Jenkins. Reminder für&#8217;s nächste Mal: Besseres Wort als &#8220;Spielereinlauf&#8221; ausdenken.</p>
<p>[Noch sechs Minuten] Heute besteht wohl kein Zweifel, dass die Halle komplett gefüllt ist.</p>
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		<title>Das Eckige, das Runde und das Orange</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jun 2012 21:36:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der gesellschaftliche Druck war zu groß: Ein Teil der mäßig EM-begeisterten Lokalteilredaktion hat sich, allen reizvoller erscheinenden Möglichkeiten der Abendgestaltung eine Absage erteilend, aufgemacht zum öffentlichen Fußballgucken; nicht beim Public Viewing, sondern in der Kneipe. Ein Selbstversuch mit konsequent-boulevardesker Anwendung der ersten Person Plural.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Der gesellschaftliche Druck war zu groß: Ein Teil der mäßig EM-begeisterten Lokalteilredaktion hat sich, allen reizvoller erscheinenden Möglichkeiten der Abendgestaltung eine Absage erteilend, aufgemacht zum öffentlichen Fußballgucken; nicht beim Public Viewing, sondern in der Kneipe. Ein Selbstversuch mit konsequent-boulevardesker Anwendung der ersten Person Plural.</span></p>
<div id="attachment_42372" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland.jpg"><img class="size-full wp-image-42372" alt="Kriegsbemalung. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Kriegsbemalung. FOTO: bl</p></div>
<p><strong>22:55</strong> Ein rot angelaufener Mann aus einem am Korso teilnehmenden und überbordend beflaggten Streitwagen bölkt einen Radfahrer mit längeren als streichholzlangen Haaren an, er solle &#8220;schön aufpassen&#8221;, der &#8220;Bombenleger&#8221;. Derart rückversichert, was die ach so tolle Leichtigkeit und Unschuld des neuen deutschen Fuba-Patriotismus angeht, beenden wir diesen Abend mit der gesummten Weise: &#8220;Wir können nach Hause fahren.&#8221;</p>
<p><strong>22:50</strong> Außerhalb der Kneipe: Ein für Oldenburger Verhältnisse erklecklicher Autokorso hat sich gebildet, und wir fragen uns nicht zum ersten Mal, worin genau eigentlich der Reiz besteht, sich unmittelbar nach dem Abpfiff in ein Kraftfahrzeug zu begeben, um anschließend Rohstoffe für nichts zu verplempern und einem nicht unerheblichen Teil der Mitbürgerschaft auf die Nerven zu gehen. Vielleicht arbeitet ein Wissenschaftlerteam daran, das wäre dann unter Umständen ig-nobeltauglich.</p>
<p><strong>22:45</strong> KMH begrüßt die Zuschauer auf ihrer merkwürdigen Seebühne, aber darauf gehen wir jetzt nicht weiter ein, da wir versprochen haben, keine weiteren KMH-Witze zu machen. Und weil wir keine Lust haben, auch nur zwei Minuten lang den Ausführungen eines Oliver Kahn zu lauschen.</p>
<p><strong>22:38</strong> Aus, aus, das Spiel ist aus. &#8220;Wir&#8221; gegen &#8220;sie&#8221;: Zwei zu eins, ein beliebtes Ergebnis in den bisherigen deutsch-niederländischen Duellen. So wie Anno &#8217;74, um mal ein Pfund Salz in die Wunden eventuell mitlesender niederländischer Nachbarn zu streuen. Man möge uns diesen Anflug von Gehässigkeit verzeihen, das liegt an den herumfliegenden Fußballpatriotismuserregern, gegen die wir nicht genug Abwehrzellen gebildet haben.</p>
<p><strong>22:35</strong> In den letzten Sekunden nochmal sowas wie Stimmung in der Bude, während sich die Spieler müde den Ball zuschieben. Stimmung heißt: Rhythmisches Klatschen, begleitet von der einzigen Ratsche im Haus.</p>
<p><strong>22:29</strong> „Jogi Löw ist erschöpft“, sagt der Kommentator, „von den vielen Anweisungen“. Dafür haben die Spieler, die ja bloß ein paar Kilometer gelaufen sind, sicher Verständnis. „Sie sitzen da wie eine geschlagene Armee“, sagt er zu einer Aufnahme der ausgewechselten Robben und van Bommel, und das ist nicht nur aufgrund des Mangels an Blut ein untaugliches Bild, sondern auch so historisch betrachtet vielleicht ein kleines bisschen unglücklich. Es reicht doch, dass wir ihnen die Fahrräder geklaut haben.</p>
<p><strong>22:26</strong> Es ist ruhig im nach wie vor knüppelvollen Havanna. Es ist indes keine atemberaubende Spannung, die sich über das Publikum gelegt hat, eher ein bisschen Langeweile und „Wann isses endlich vorbei“-Gefühl. Dabei ist in diesem Spiel das letzte Wort noch nicht gesprochen (10,- €).<br />
<strong><br />
22:22</strong> Gelb für de Jong. Kann man geben (Phrasenschwein: 8,- €). Özil geht. Robben auch. Glücklich sieht er nicht aus. Wir lernen, dass auch die Unterhemden der Holländer orange sind.</p>
<p><strong>22:20</strong> Die Klapperpappe eignet sich auch als Fächer. Obwohl hier, im Gegensatz zur Ukraine, keine 30 Grad herrschen.</p>
<p><strong>22:18</strong> Özil erleidet einen akuten Schwächeanfall in der Nähe des Elfmeterpunktes. Kein Pfiff – der bewaffnete Aufstand bleibt trotzdem aus.</p>
<p><strong>22:15</strong> Anschlusstreffer für die Niederlande durch van Persie. Mitbekommen hat man es nicht: Kein Geschrei, kein Haareraufen, kein Zähneklappern. „Wieder &#8216;n bisschen Spannung“, kommentiert ein Zuschauer trocken, und wir finden, dass man im Norden ganz gut Fußball gucken kann.</p>
<p><strong>22:13</strong> Boateng wirft sich todesmutig in einen Schuss. Hat sicher wehgetan. Er verzichtet aber dankenswerterweise auf das übliche theatralische Gehabe. Gomez wird ausgewechselt und vom Havanna-Publikum mit Jubel verabschiedet.</p>
<p><strong>22:12</strong> Der Kommentator erwähnt zum gefühlt zwölften Mal, dass am Spielort 30 Grad herrschen. Und wir dachten, dass da ewiger Winter herrscht. Ist doch alles Osten da.</p>
<div id="attachment_42371" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Public.jpg"><img class="size-full wp-image-42371" alt="Zeit für einen kleinen Ausflug auf den Pferdemarkt. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Public.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Zeit für einen kleinen Ausflug auf den Pferdemarkt. FOTO: bl</p></div>
<p><strong>22:07</strong> Trockene Feststellung eines Zuschauers: „Die Spannung ist weg. Eigentlich könnten wir auch ins Bett gehen.“ Recht hat der Mann, auffem Platz passiert nicht viel. Zeit für eine kurze Lektion in politischer Rhetorik, die er gleich nachliefert: Es gibt nun nicht mehr nur „sich etwas wulffen“, sondern auch „sich etwas niebeln“. Recht gesprochen, aber derartige Themen sprechen nicht für die Qualität des Spiels.</p>
<p><strong>22:04</strong> Ein Mann namens van Persie schießt knapp am Tor vorbei. Nur damit es nicht heißt, wir würden <del>niederl</del> holländische Chancen verschweigen. Darüber, ob das Orange der Trikots wirklich hübsch ist, kann man ja streiten &#8211; aber die Nummern sehen aus, als wären sie mit Gaffertape angeklebt.</p>
<p><strong>22:02</strong> Nach der ermüdenden Überbetonung der angeblichen deutsch-niederländischen Todfeindschaft, mit der uns alle möglichen Medien in den vergangenen Tagen zugedonnert haben, müssten in den Niederlanden mittlerweile die ersten Plünderungen begonnen haben. Mit einem stabileren Internetzugang würden wir ja online nachschauen, aber vermutlich würden die meisten Medien es vor lauter Fußballgetickere eh nicht mitbekommen. Eine Pest, dieses Getickere.</p>
<p><strong>21:56</strong> Nun ja, „sie wollen die Holländer jetzt nicht gleich deklassieren“, kommentiert ein Zuschauer das Gebolze. Irgendwo klappert eine, Sie ahnen es, Klapperpappe. Direkt neben uns ratscht eine Ratsche. Und am Tresen säuft ein&#8230; lassen wir das.</p>
<p><strong>21:54</strong> „Arrgh!“ „Ouuhh!“ „Neiiiin!“ Der Sechser hat soeben eine Torchance verpasst. Wir überlegen kurz, ob wir mit unserem Wissen über das Vorhandensein einer &#8220;Doppel-Sechs&#8221; prahlen sollen, das uns vor zwei Jahren unfreiwillig eingebläut worden ist, lassen es aber bleiben.</p>
<p><strong>21:50</strong> So, zweite Halbzeit, und Gomez liegt am Boden. Er hält sich die Hände vor das Gesicht, aber das will nichts heißen: Fußballer halten sich <em>immer</em> die Hände vors Gesicht, auch nach einem satten Tritt an den Knöchel (und dem kurzen, hektischen Blick Richtung Schiedsrichter, ob er die folgende schauspielerische Einlage auch mitbekommt).</p>
<p><strong>21:45</strong> Eingedenk unseres Wunschergebnisses muss Holland – wir bleiben in unserem Zustand der Fußballbesoffenheit einfach mal bei dieser boulevardesken Vereinfachung des Staatssystems des Königreichs der Niederlande – jetzt mal abliefern (Phrasenschwein: 6,- €). Drei Tore müssen her, dann verzichten wir auch auf die weitere Verwendung des Wortes „Eingedenk“.<br />
<strong><br />
21:30</strong> Auch der unerfahrene Fußballgucker weiß, dass der beste Moment, aufs Klo zu gehen, die Minute vor dem Halbzeitpfiff ist. <em>Vor</em> der Spontanbildung der ewig langen Schlange. Gelegenheit für ein kurzes Trikotzählen: Zwei Müllers, ein Götze, ein Klose und zahlreiche namenlose. In den kommenden Tagen wird der Absatz an Gomez-Leibchen wohl zulegen.</p>
<p><strong>21:27</strong> Und jetzt alle: „Ohne Holland komm&#8217; wir durch die W&#8230; äh, EM!“ Nein, war doch nur einer, der diese Weise intonierte. Wir sitzen übrigens im Epizentrum der Stimmungskanonen: An unserem Tisch befindet sich die Ratsche, offenbar die einzige im ganzen Lokal.</p>
<div id="attachment_42375" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Kölner.jpg"><img class="size-full wp-image-42375" alt="Hatten wir schon den einsamen Kölner Fan erwähnt? FOTO: Beate Lama" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Kölner.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Hatten wir schon den einsamen Kölner Fan erwähnt? FOTO: Beate Lama</p></div>
<p><strong>21:23</strong> Gerade salbedert der Kommentator, dass Holland „viel öfter den Ball“ habe, und wir fragten uns, ob die das eigentlich dürfen, da drischt Gomez, der Wundgelegene, den Ball mal eben ins Tor. Diesmal springen mehr Leute auf. Die Klapperpappen klappern pappig.</p>
<p><strong>21:21</strong> Das Zufallkommen eines schwarz-weiß uniformierten Spielers führt zu sofortigem &#8220;EY!!!&#8221;-Gerufe. Oder, bei unpatriotischeren Zuschauern, zum gemurmelten &#8220;Eine Schwalbe sondergleichen&#8221;.</p>
<p><strong>21:17</strong> ZDF-Kommentator: „Abseits mit Gomez“. Klingt wie ein komischer B-Movie. Gomez habe sich ja wundgelegen, werden wir von unserem Nachbarn informiert, aber Jogi habe ihn öfters mal umgebettet.</p>
<p><strong>21:13</strong>Nach 28 Minuten fühlt sich der Kommentator zu der Analyse berufen: „Holland ist noch nicht hundertprozentig ausgeschieden&#8230;“ Äh, nein.</p>
<div id="attachment_42374" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Jubel.jpg"><img class="size-full wp-image-42374" alt="EM Holland Jubel" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Jubel.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Beweisfoto: Es gab auch Torjubel. FOTO: Beate Lama</p></div>
<p style="text-align: center;"><strong>21:08</strong> Die norddeutsche Stimmung wird etwas süddeutscher, als Gomez nach einem tödlichen Pass von Schweini (Phrasenschwein: 4,- €) zum 1:0 trifft. Nach zwanzig Sekunden tritt aber auch schon wieder eine weitestgehende Beruhigung ein.</p>
<p><strong>21:05</strong> Badstuber und Robben knallen zusammen. „Bei den Haaren ist das bei Robben ja eher eine Glatzwunde“, sagt ein Tischkamerad. Hihihi. Es macht doch mehr Spaß als befürchtet.</p>
<p><strong>21:03</strong> Jungejunge, das geht ja rund da auf dem Platz. Tschuldigung: Es heißt „Auffem Platz“. Es geht hin und her, aber vielleicht täuscht das auch; so richtig schön ist das Spiel nicht.</p>
<p><strong>21:00</strong> Robben, der Egozentriker, wirft ein. Zumindest sind sich alle Medien heute einig, dass der Bayern-Spieler so einer ist, der immer nur an sich denkt. Immerhin: Den Einwurf wirft er zu einem Mitspieler.</p>
<p><strong>20:57</strong> Eigentlich dachten wir, dass man irgendwann beim Namen „Lahm“ für einen Fußballspieler nicht mehr giggeln müsste. Müssen wir trotzdem. Bier ist schuld.</p>
<p><strong>20:53</strong> Özil sieht für einen Moment aus wie eine Tipp-Kick-Figur, als er einen verirrten Ball aufs Tor drischt.</p>
<p><strong>20:51</strong> Erster Blick auf die Leinwand, und gleich sowas wie eine Chance. Aber nicht für uns. Bei den Niederländern spielt ein Jetro Willems mit, der allein von seinem Namen her auch eine Karriere als Musiker anpeilen könnte, wenn&#8217;s mit dem Fußball nichts wird.</p>
<p><strong>20:50</strong> Unsere Tischkameraden kommen aus Tschechien. Wir werden uns also auf keinen Trinkwettbewerb einlassen. Sie sind aber schwarz-rot-gold bemalt und behutet.</p>
<p><strong>20:48</strong> Drei Minuten gespielt, immer noch kein Tor. Dabei würde ein solches dem Spiel gut tun. (Inhalt des Phrasenschweins: 2,&#8211;€).</p>
<p><strong>20:42</strong> Die Aufstellungen wabern über die Leinwand. Irgendjemand hat es offenbar für ein duftes Stilmittel gehalten, wenn die Oberkörper der Spieler, testosterongeschwängert die muskulösen Oberarme verschränkend, ins Bild geschoben werden. Und irgendwer muss sich dann darum gekümmert haben, dass alle rund 350 Spieler da filmtechnisch mitmachen. Was für ein Job.</p>
<p><strong>20:40</strong> Kein Netz, nirgends: Die UMTS-Sticks fliegen in die Rabatten. Nein, fliegen sie nicht, waren teuer genug. Aber sie wandern wieder in die Tasche. Wir nehmen Abstand vom „Live“ im Wort „Liveticker“ und erfinden zwischen Tür und Angel den Hinterherticker. Grimme-Preis, wir kommen.</p>
<p><strong>20:32</strong> Zum Beispiel hier: Klapperpappe.</p>
<p><strong>20:31</strong> Wir finden das Wort „Klapperpappe“ so schön, das wir es sicher noch ein paarmal bringen werden.</p>
<p><strong>20:30</strong> Die NWZ macht sich um einen ordentlichen Nationalstolz verdient und hat zusammenfaltbare Klapperpappen verteilt, auf denen die dritte Strophe der Nationalhymne aufgedruckt ist. Doof: Wenn man die Klapperpappe zusammengeklappert, äh, -gefaltet hat, kann man die Hymne nicht mehr lesen. Man müsste sie auswendig lernen. Aber hier singt eh niemand mit.</p>
<p><strong>20:22</strong> Ein Fußballfan aus Köln sitzt traurig in der norddeutsch geprägten Meute. Er ist frustriert, sagt er, dass die Stimmung hier so mau ist. Wir nehmen ihn aber nicht so ganz ernst, denn wir wissen, dass Kölner Fußballfans ja sowieso <em>immer</em> gefrustet sein müssen.</p>
<div id="attachment_42373" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Baum.jpg"><img class="size-full wp-image-42373" alt="EM Holland Baum" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Baum.jpg" width="610" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Ein Baum, ein Baum, es ist ein Baum. FOTO: bl</p></div>
<p style="text-align: center;"><strong>20:15</strong> Wir befinden uns mittlerweile im rappelvollen Havanna und haben den letzten freien Tisch belegt. Der Baum im Hof verdeckt dankenswerterweise auch nur die halbe Leinwand. Die mit dem niederländischen Tor, in der ersten Halbzeit. Da passiert eh nicht viel.</p>
<p><strong>20:05</strong> Tüdeldüt, der Verkehrsfunk: Nicht-Fußballfans werden gebeten &#8211; oder besser: ihnen wird geraten -, den Bereich Wallstraße / Lappan / Heiligengeiststraße / Pferdemarkt weiträumig zu meiden. Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.</p>
<p><strong>19:52</strong> Abpfiff: Portugal schlägt Dänemark 3:2. Damit steht auch unser Wunschergebnis für das Deutschlandspiel fest: 3:2 für die Niederlande, oder, wie viele gerne abkürzend sagen, &#8220;Holland&#8221;. Weil: Irgendwann kommen bei so einem Turnier unausweichlich die Teilnehmer des Hauptseminars &#8220;Angewandte Statistik&#8221; aufgelaufen und rechnen einem ungefragt sämtliche Eventualitäten für den letzten Vorrundenspieltag vor. Und wir möchten, dass die es diesmal so schwer wie möglich haben. Oder es gleich ganz bleiben lassen, danke im Voraus.</p>
<p><strong>19:40</strong> Dänemark gleicht zum 2:2 gegen Portugal aus. Jubel im Swutsch, ein Unentschieden wäre gut für uns. Auf der anderen Straßenseite jubelt man satte sechs Sekunden früher &#8211; der Fluch des Internet-Datenübertragungs-contra-TV-Unterschiedsdings. Wenige Minuten später erzielt Portugal das 3:2, und der ZDF-Kommentator ruft &#8220;Toooooooooooor!&#8221; mit zwölf &#8220;o&#8221;s, wir haben mitgezählt. Das müsste er bei einem etwaigen Tor von uns gegen die Niederlande erstmal toppen.</p>
<p><strong>19:33</strong> Es lohnt sich, an dieser Stelle nochmal Leon de Winter zu zitieren, der dem Spiegel-Interviewer folgende unsterbliche  Worte in den Block diktierte: &#8220;Fußball ist angewandter Wahnsinn. [...] Du identifizierst dich mit elf Top-Athleten wie mit Kriegern. Wir wollen alle Krieger sein und das andere Team töten. Den Ball ins Tor zu schießen ist ritualisierte Vergewaltigung, da kommen unsere archaischen Triebe durch.&#8221;</p>
<p><strong>19:30</strong> Ein Blick in die Presse scheint die &#8220;Spiel der Spiele&#8221;-These indes zu untermauern. Eine ganze Reihe von Blättern macht die Titelseite mit dem heutigen Spiel auf; die taz präsentiert sich gar mit Titelbalken in oranje. Der ehemalige niederländische Nationaltorwart Hans van Breukelen wird durchgereicht, nachdem er sowas gesagt hat wie &#8220;Ich bin in Deutschland verliebt.&#8221; Oder zumindest in den deutschen Fußball. Die Süddeutsche bringt ein großformatiges Foto aus dem Jahr 1988, auf dem van Breukelen seine Liebe Rudi Völler in die Löckchen brüllt.</p>
<div id="attachment_29344" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="Alles bereit. FOTO: Beate Lama"><img class="size-full wp-image-29344" title="Alles bereit. FOTO: Beate Lama" alt="Alles bereit. FOTO: Beate Lama" src="http://www.oldenburger-lokalteil.de/wp-content/uploads/2012/06/Alles-bereit.-FOTO-Beate-Lama.jpg" width="610" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Alles bereit. FOTO: Beate Lama</p></div>
<p><strong>19:02</strong> Und noch einmal KMH, wie sie in der Sportwelt aufgrund des hohen Tippfehlerpotenzials gerne genannt wird: Als sie einen Satz mit &#8220;Um zwanzig Uhr fünfunvierzig&#8230;&#8221; begann und anschließend ein paar Sekunden lang der Ton weg war, haben mehrere Personen unabhängig voneinander den Satz mit &#8220;&#8230; wird zurückgeschossen&#8221; beendet, hehehe. So, und hiermit erklären wir die Ära der Müller-Hohenstein-Naziwitze nunmehr offiziell für beendet. Es war uns <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=2&amp;ved=0CF8QFjAB&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fkultur%2Ftv%2Finnerer-reichsparteitag-fuer-klose-spruch-von-zdf-moderatorin-loest-protest-aus-a-700458.html&amp;ei=DMvYT6u9BYnJsgbQ77yqDw&amp;usg=AFQjCNFubiTJOoWCDadt4-hSKbJ0Wufpbw&amp;sig2=RKcPYKSowOGQJLyF2RUYcQ" target="_blank">ein innerer Reichsparteitag</a>.</p>
<p><strong>19:01</strong> Gibt man bei Google &#8220;katr&#8221; ein, liegt Müller-Hohenstein trotzdem nur auf den zweiten Platz der Auto-Vervollständigungsfunktion. Vor ihr liegt Katrin Bauerfeind. Gibt es einen handfesteren Beweis der allgemein eher durchwachsenen Fußballbegeisterung im Land? Wir meinen: Nein.</p>
<p><strong>19:00</strong> Das Vorglühen läuft auf vollen Touren. In der Halbzeitpause des anderen Gruppenspiels zeigt das ZDF eine Luftaufnahme des deutschen Mannschaftsbusses, auf dem Weg zum &#8220;Spiel der Spiele&#8221;, wie Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein in kaum gezügelter Vorfreude losschnattert. &#8220;Spiel der Spiele&#8221;? Haben wir zwei Wochen im Koma verbracht und es ist schon Finale? Ein kurzer Blick auf den Kalender zeigt uns, dass das nicht der Fall ist; es handelt sich nach wie vor bloß um das zweite Vorrundenspiel, das bestenfalls vor-, aber nichts endgültig entscheidet. Vielleicht handelt es sich um eine Absicherung für den Fall des Falles: Wenn wir schon nicht Europameister werden, haben wir wenigstens das Spiel der Spiele gewonnen. Oder verloren.</p>
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		<title>Kick it like 1990</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 04:00:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fußball als reine Handarbeit: Computerkicker spielen in Oldenburg die Deutsche Meisterschaft aus - in einem Spiel, das aus der Frühgeschichte der Branche stammt.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Fußball als reine Handarbeit: Computerkicker spielen in Oldenburg die Deutsche Meisterschaft aus &#8211; in einem Spiel, das aus der Frühgeschichte der Branche stammt.</span></p>
<div id="attachment_42605" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/10/kickoff1.jpg"><img class="size-full wp-image-42605" alt="Ein Computer, zwei Joysticks, zwei Bier. Kann losgehen. BILD: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/10/kickoff1.jpg" width="600" height="398" /></a><p class="wp-caption-text">Ein Computer, zwei Joysticks, zwei Bier. Kann losgehen. BILD: M. Nolte</p></div>
<p>Mit einem langgezogenen „Jaaaaaahh!“, das das Rumtata des vorbeiziehenden Kramermarktumzugs locker übertönt, sinkt Thorsten vom Klappstuhl aus auf die Knie, reißt die Arme hoch und reckt den Joystick gen Zimmerdecke. Soeben hat der virtuelle Schiedsrichter abgepfiffen, seine namenlose Mannschaft hat ein weiteres Vorrundenspiel gewonnen, und kaum ein realer Fußballspieler könnte sich leidenschaftlicher freuen. Willkommen bei der Deutschen Meisterschaft im „Kick Off 2“.</p>
<p>Kick Off, das ist ein Relikt aus einer Zeit, als Computerspiele noch Pfui-bah waren, noch viel mehr als heute; als man sich unter Gamern noch dicke, pickelige Nerds vorstellte, mit denen je nach Alter niemand spielen und von denen die Mädchen schon mal gar nichts wissen wollten. 20 Jahre ist es her, dass das Spiel auf den Markt kam, und die zur Meisterschaft im Oldenburger Computermuseum angetretenen 16 Spieler – Spielerinnen sind nicht dabei – sind im entsprechenden Alter von Mitte bis Ende 30. Jüngere gibt es kaum: „Man muss eigentlich schon von Anfang an gespielt haben, um alle Kniffe zu kennen“, sagt Frank aus Mannheim, 37 Jahre alt und amtierender Deutscher Meister. Heißt: Man kommt nachträglich kaum mehr rein. Und heißt wohl auch, ohne dass es jemand laut ausspricht: Welcher heutige junge Computerspieler soll sich für dieses grafisch antiquierte Gebolze schon noch begeistern?</p>
<p>In jener Zeit, als sich niemand 3D-Fußballsimulationen auch nur im Traum ausmalen konnte, setzte Kick Off 2 Maßstäbe – die sich dem außen stehenden Betrachter allerdings kaum erschließen. Das Spiel wirkt unglaublich hektisch, die hässlichen gelben und blauen Pixelhaufen, die Spieler aus der Vogelperspektive darstellen sollen, wuseln in einer aberwitzigen Geschwindigkeit über den Platz, den Ball von einer Seite des Felds zur anderen zu bringen, dauert nur ein paar Sekunden. Trotzdem: Die technischen Möglichkeiten seien unerreicht, schwärmt Thorsten; man erlebe auch bei einer fünfstelligen Zahl an absolvierten Partien noch Situationen, die man so noch nie gesehen habe, sagt Oliver aus Düsseldorf. Wenn Fans über das Spiel reden, fallen Sätze wie „Man kann nicht gewinnen, wenn man nicht im Mittelfeld die Zweikämpfe gewinnt“, und dann klingt es beinahe wie beim echten Fußball.</p>
<p>Viele sind es allerdings nicht mehr, die das betagte Spiel am Leben halten. 70 Aktive gebe es weltweit, etwa 25 in Deutschland, sagt Thorsten – zahlenmäßig die stärkste Gruppe, international aber nur drittklassig, das Feld beherrschen die Griechen und Italiener. Ob letztere auch ihre Kick-Off-Spiele hauptsächlich durch Elfmeterschinden gewinnen, versuche ich mich in einem Fußballwitz-unter-Männern, aber die Antwort ist ganz nüchtern: Nein, Elfmeterschinden gehe bei Kick Off zwar auch, wenn man eine bestimmte Bewegung mache, aber das sei verpönt. Die Deutschen seien immerhin die lautesten, und wie zum Beweis brüllt Jan in Richtung Monitor: „Mach den doch rein, du Depp!“ Ob er tatsächlich gerade seine virtuellen Pixelspieler angeschrieen habe, frage ich; wohl eher sich selbst, meint Thorsten. Am Ende machen es die beiden Favoriten Oliver und Frank, die Nummern sieben und acht der Weltrangliste – natürlich gibt es auch eine Weltrangliste –, wie erwartet unter sich aus; mit einem für eine Kick-Off-Partie erstaunlich realistischen Ergebnis von 4:3 verteidigt Frank seinen Titel.</p>
<p>Eine Meisterschaft, eine Deutsche gar, ist ohne festgelegtes Reglement nicht denkbar; und so sind die Version des Spiels, die Spieldauer und die Plattform – der längst in die ewigen Schrottplätze eingegangene Commodore Amiga – festgelegt. Jeder hat allerdings sein eigenes Handwerkszeug dabei: Einer der Spieler zieht sich zu jeder Partie Sporthandschuhe an, ein anderer bringt seinen selbstgebauten Joystick mit – groß wie ein Schuhkarton und so robust aussehend, als könnte man damit Spundwände in die Erde hämmern. Das Steuergerät eines Spielers ist so etwas wie sein Heiligtum, sagt Thiemo Eddiks, der Betreiber des Museums, das sich auch sonst dem Nostalgiedaddeln verschrieben hat.</p>
<p>Die Fans nehmen ihr Spiel ernst genug, um weite Wege in Kauf zu nehmen; Thorsten ist vom Bodensee nach Oldenburg angereist, andere kommen aus Hamburg, dem Rheinland oder Hessen. Sie nehmen sich selbst und die Meisterschaft aber auch wiederum nicht so ernst, dass es in Verbissenheit ausartet; man merkt es unter anderem bei Zwischenrufen wie „Mist, ich bin ja die anderen“ (nach einem Eigentor) oder „Du bist Gelb!“ (als Antwort des Gegners) und vor allem an der Vielzahl der zwischen den altertümlichen Monitoren drapierten Bierflaschen und Chipstüten, als gelte es, jedes gängige Nerdklischee zu erfüllen. Und zugleich auch ein Fußballfanklischee – um Fußball geht es letztlich ja auch, irgendwie jedenfalls, nur dass an diesem Samstag in Oldenburg die Fans auch vor dem Bildschirm ins Schwitzen geraten.</p>
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		<title>Feiertag in der B-Hölle</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jul 2011 12:52:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
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		<description><![CDATA[Dem VfB Oldenburg gelang die Beinahe-Sensation: Gegen den Hamburger SV unterlag der Fünftligist im DFB-Pokal denkbar knapp mit 1:2. Gewonnen hat er trotzdem, irgendwie.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Dem VfB Oldenburg gelang die Beinahe-Sensation: Gegen den Hamburger SV unterlag der Fünftligist im DFB-Pokal denkbar knapp mit 1:2. Gewonnen hat er trotzdem, irgendwie.</span></p>
<div id="attachment_42608" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/07/vfb-hsv.jpg"><img class="size-full wp-image-42608" alt="Hamburger Sturm und Drang: Mladen Petric beim Freistoß. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/07/vfb-hsv.jpg" width="600" height="324" /></a><p class="wp-caption-text">Hamburger Sturm und Drang: Mladen Petric beim Freistoß. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Da war er, der Duft der großen weiten Fußballwelt, und er waberte durchs Marschwegstadion, das Marschwegviertel, ach was: die ganze Stadt. Mit dem HSV kam erstmals nach 15 Jahren wieder ein Bundesligist zu einem Pflichtspiel nach Oldenburg – damals war es Werder Bremen, dem der VfB, ebenfalls im Pokal, mit 1:2 unterlag, noch mit Hans-Jörg Butt im Tor, wem muss man das eigentlich erzählen. Das war zugleich auch das letzte Mal, dass das Stadion ausverkauft war. Bis gestern.</p>
<p>Diesem Duft, der allerdings die üblichen Spuren von Bier und Schweiß enthielt, wabert der Geist der Geschichte gleich hinterher. Fast fühlt man sich in glorreichere Zweitligazeiten zurückversetzt, die ansonsten größtenteils leeren Ränge voll besetzt, die Zusatztribüne erweckt zumindest, bei leicht zugekniffenen Augen, den Eindruck, sich in einem geschlossenen Stadionoval zu befinden. Es ist nicht die „Hölle von Donnerschwee“, aber wohl das Nächstbeste, was man in dieser Stadt an Fußballatmosphäre kriegen kann.</p>
<p>Und dann auch noch das: Fast hätte es geklappt, fast hätte der kleine VfB (der mit dem Stadion auf der Müllkippe) dem großen HSV (dem mit dem Stadion neben der Müllverbrennungsanlage) nach Hause geleuchtet, fast wäre die Sensation gelungen. Fast – wie 1996 gegen Bremen. Wenn Fidan zum 2:1 getroffen hätte. Oder Tschalumjan. Wenn, wenn, wenn. Ach, es hat etwas Tragisches, der VfB und das knappe Scheitern.</p>
<p>Dabei waren die im Vorfeld gebackenen Verbalbrötchen um so kleiner geworden, je näher der Spieltag rückte. „Wir hoffen den Favoriten ein bisschen ärgern zu können&#8221;, sagte VfB-Kapitän Robert Littmann; „Wir hoffen, das Ergebnis im Rahmen zu halten“, formulierte es Trainer Timo Ehle; „Für den VfB wäre es meiner Meinung nach ein Erfolg, wenn er mit weniger als fünf Toren Differenz verliert“, sagte Ex-VfB-Torjäger Christian Claassen der <em>NWZ</em>. Die üblichen Underdog-Floskeln eben, man erwartet sie vor einem Spiel wie diesem; dennoch fielen sie selbst für diese Umstände reichlich zurückhaltend aus.</p>
<p>Egal, 15:30 Uhr, es geht los. Vor uns auf der Tribüne irgendeine HSV-Prominenz, hinter uns Journalisten, deren Herz offenbar am HSV hängt, und neben uns eine Gruppe Damen, deren Mitfieberverhalten auf Spielerfrauen schließen lässt, aber wer weiß das schon. Schräg links Jörg Pilawa, bekennder HSV-Fan, allerdings vom VfB-Kurzzeit-Sponsor „Rügenwalder Mühle“, der Wurstfabrik, für die er Werbeträger ist, offenbar dazu verdonnert, einen VfB-Schal zu tragen. Man möchte sagen: Zwei Seelen wohnten, ach, in seiner Wurst. Äh, Brust.</p>
<p>Das Spiel läuft in der Anfangsphase erwartungsgemäß: Der HSV macht Druck, der VfB lauert auf Konterchancen. Wobei sich sehr schnell zeigt, dass die Blauen gedenken mitzuspielen. Bei den Hamburgern geht vieles über außen, links über Eljero Elia, rechts über Gökhan Töre, der die Statur eines Türstehers hat und, wenn man es genau nimmt, auch die Frisur. Endstation der meisten Hereingaben ist die solide stehende VfB-Abwehr.</p>
<p>Die 2.500 Gästefans machen weitaus mehr Krach als die restlichen 13.000 Zuschauer, was an der zurückhaltenden Oldenburger Art liegen mag oder daran, dass man sich nicht mehr so richtig daran erinnert, wie man eine Mannschaft nach vorne peitscht. Die Spieler lassen sich davon nicht irritieren, das Konzept „HSV ärgern“ geht auf, mit hohen, langen Bällen werden die Offensivkräfte Sebastian Ferrulli und Mehmet Ali Fidan mehrfach nach vorne geschickt.</p>
<p>Trotzdem ist es nicht wirklich überraschend, dass Hamburg in der 26. Minute in Führung geht: Freistoßflanke Dennis Aogo, Kapitän Heiko Westermann köpft zum 0:1 ein. Dass er dabei im Abseits steht, spricht sich erst später herum, nachdem die Zuschauer vor den Kneipenfernsehern die Wiederholung zu sehen bekommen und ihre Kumpels im Stadion anrufen. Dort werden die Zuschauer nach dem Gegentor noch ruhiger; nur das kollektive „EY!“, das tausende Zuschauer ausrufen, als Ferrulli nach einer recht kleinlichen Schiedsrichterentscheidung Gelb sieht, wird man bis in die Innenstadt gehört haben. Das Kichern ein paar Minuten später eher nicht, als der zu Boden gegangene Ferrulli seine Idee, „versehentlich“ mit der Hand an den Ball zu kommen, um so eine Unterbrechung zu erzwingen, mit dem offensichtlichen Gedanken „Upps, ich habe ja schon gelb“ in allerletzter Sekunde verwirft. Dennoch: Der Spruch „Jetzt geht’s los“ erfährt, trotz der weiterhin großen kämpferischen Leistung der Blauen, nach der HSV-Führung eine beunruhigende Neudefinition.</p>
<p>Allerdings nur acht Minuten lang. Dann schnappt sich Ferrulli den Ball, legt ihn sich vor, erscheint allein vor Torwart Jaroslav Drobny, nimmt sich alle Zeit, die er braucht, und schießt flach ein – 1:1. Die Zuschauer reiben sich nach dem Torjubel die Augen: Geht da vielleicht noch was? In diesem Spiel, dass alle schon im Vorfeld verloren gegeben haben? Sollte man vielleicht mehr Radau machen als Befreiungsschläge artig zu beklatschen? Die VfBler spielen nach vorne, wenn sich die Gelegenheit ergibt, und bereinigen hinten sämtliche Gefahrensituationen, die die Offensivabteilung des HSV produziert; manchmal hilft ihnen das Glück, viel öfter jedoch die Konzentration.</p>
<p>Es entwickelt sich ein spannendes Spiel, nicht der prognostizierte Kampf David gegen Goliath, obwohl der Klassenunterschied stets sichtbar bleibt. Es geht hin und her, vielleicht nach wie vor ein bisschen mehr hin als her, aber was soll’s; der VfB bleibt im Spiel und hat in der 61. und 66. Minute, als Fidan und der eingewechselte Tschalumjan knapp am Tor vorbeiköpfen, zwei hochkarätige Chancen zur Führung. Zwischendurch rettete Torwart Christian Meyer in höchster Not an der Strafraumgrenze vor dem allein heranstürmenden Petric (63.), der allerdings neun Minuten später nach Zuspiel von David Jarolim mit einem Flachschuss das 2:1 erzielt.</p>
<p>Erst jetzt geraten die Oldenburger ins Strudeln, das Spiel wird hektischer, die letzte Viertelstunde gehört den Hamburgern, die dem 3:1 weitaus näher sind als der VfB dem Ausgleich. Eine unglückliche Niederlage des Fünftligisten, aber kein unverdienter Sieg für die Hamburger. Und die VfB-Elf konnte ja, wie Ehle es vorher formuliert hatte, ohnehin nur gewinnen: An Erfahrung, an Sympathie, an Anerkennung. Das ist zweifelsohne mehr als gelungen. Es bleibt abzuwarten, wie lange dieser Schub in die demnächst beginnende Saison hinein reicht.</p>
<p>Bereits am Dienstag geht es weiter: Die erste Runde im Verbandspokal steht auf dem Programm, Rivale Meppen ist der Gegner und das Erreichen des Finales würde die Teilnahme am kommenden DFB-Pokal bedeuten. Kein einfacher Weg, aber vielleicht dauert es ja nicht noch einmal 14 Jahre, bis sich das ohnehin sehr junge Team für die nationale Bühne qualifizieren kann. Der Verein würde sich jedenfalls freuen, wenn gegen Meppen schon mal ähnlich viele Zuschauer kämen, sagte Vorstand Jörg Rosenbohm. Man wird ja wohl noch träumen dürfen, ob nun sportlich oder wirtschaftlich.</p>
<p><em>Schauen Sie sich zur Nachbereitung dieses denkwürdigen Spiels die Bildergeschichte <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2011/07/30/fusballholle-hinterausgang/">&#8220;Fußballhölle – Hinterausgang&#8221;</a> von Beate Lama an und als historische Einordnung der legendären VfB-Spielstätte in Donnerschwee die <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2011/07/30/gute-alte-fusballholle/">&#8220;Gute alte Fußballhölle&#8221;</a>.</em></p>
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