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	<title>Noltejournal &#124; Magazin &#187; Blattkritik &#124; Noltejournal | Magazin</title>
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		<title>Reporter mit Grenzen</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Feb 2013 04:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die neue Pressefreiheit-Rangliste macht in diesen Tagen die Runde durch den Blätterwald - naja, zumindest Teile daraus. Eine interessante Beobachtung fehlt allerdings in fast allen Artikeln.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Die neue Pressefreiheit-Rangliste macht in diesen Tagen die Runde durch den Blätterwald &#8211; naja, zumindest Teile daraus. Eine interessante Beobachtung fehlt allerdings in fast allen Artikeln.<br />
</span></p>
<div id="attachment_42255" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/02/Zeitungskasten.jpg"><img class="size-full wp-image-42255" alt="Warum eigentlich ZeitungEN? FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/02/Zeitungskasten.jpg" width="600" height="428" /></a><p class="wp-caption-text">Warum eigentlich ZeitungEN? FOTO: mno</p></div>
<p>Deutschland, so ist <a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ranglisten/rangliste-2013/" target="_blank">dem Bericht</a> zu entnehmen, ist in Punkto Pressefreiheit um einen Platz auf Rang 17 von 179 Staaten abgerutscht; im europäischen Vergleich ist das nicht mehr als ein Mittelfeldplatz. Via dpa-Text fassten viele Medien die Hauptkritikpunkte von Reporter ohne Grenzen wie folgt zusammen: &#8220;Problematisch ist hier vor allem die abnehmende Vielfalt der Presse.&#8221; Diese abnehmende Vielfalt wird zum Beispiel in der NWZ, aber auch in vielen anderen Blättern, die sich des Agenturtextes bedient haben, anhand der Ausführungen der NGO so erläutert: &#8220;Aus Geldmangel arbeiteten immer weniger Zeitungen mit eigener Vollredaktion, mehrere Redaktionen seien 2012 komplett geschlossen worden.&#8221;</p>
<p>So weit, so bekannt. Nur: Die &#8211; in vielen Artikeln auch direkt verlinkte &#8211; Rangliste ist für sich genommen wenig aussagekräftig; eine Liste eben, dem offenbar nicht totzukriegenden Rankingwahn geschuldet. <a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/rte/docs/2013/130130_Nahaufnahme-Deutschland_layouted.pdf" target="_blank">Viel spannender sind die begleitenden Infos</a>, auf die jedoch weitaus seltener verlinkt wird. Im Originaltext von Reporter ohne Grenzen geht es nach der oben zitierten Aussage &#8211; an prominenter Stelle gleich zu Beginn des Deutschlandberichts &#8211; mit folgendem nicht ganz unbedeutenden Satz weiter: &#8220;In vielen Regionen gibt es keine konkurrierenden Printmedien mehr.&#8221; Und dieser Satz hat es, Sie ahnen es, &#8220;nicht ins Blatt geschafft&#8221;, wie man so schön sagt. Nicht nur bei der NWZ &#8211; auf Anhieb lässt sich zumindest online kaum ein Artikel einer regulären Tageszeitung finden, in der diese Aussage ihren Platz gefunden hätte. Lediglich <em>Welt online</em>, der Branchendienst <em>Meedia</em> und eine Handvoll Blogs wie etwa die <em>NachDenkSeiten</em> zitieren sie. Dabei kommt ihr, betrachtet man die Medienlandschaft in Deutschland, zentrale Bedeutung zu.</p>
<p>Dem zuletzt 2008 vorgelegten <a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/BKM/2009-01-12-medienbericht-teil2-barrierefrei.pdf?__blob=publicationFile" target="_blank">Medien- und Kommunikationsbericht der Bundesregierung</a> zufolge zählten 2006 etwa 60 Prozent der Landkreise und kreisfreien Städte, in denen insgesamt 42,5 Prozent der Bevölkerung lebten, zu den Einzeitungskreisen; es gab dort also nur eine einzige regionale Tageszeitung mit entsprechender Monopolstellung. In Niedersachsen sind sogar <a href="http://www.taz.de/1/archiv/archiv-start/?ressort=fl&amp;dig=2005%2F06%2F09%2Fa0209&amp;cHash=c7ec1ecb5c" target="_blank">mehr als drei Viertel aller Kreise</a> betroffen, berichtete die <em>taz</em> bereits 2005. Das Ganze ist durchaus kein rein ländliches Phänomen: Von den 80 Großstädten betrifft es nicht weniger als 35, unter anderem bekanntlich Oldenburg &#8211; aber auch weitaus größere wie Leipzig oder Karlsruhe zählen dazu. In einem Dutzend weiterer Großstädte verzeichnete der Bericht zwar zwei Abonnentzeitungen, allerdings beide aus demselben Verlagshaus. Diese Entwicklung dürfte sich seither im negativen Sinne fortgesetzt haben &#8211; zum Jahresende 2012 hat beispielsweise die <em>Münstersche Zeitung</em> mehrere Lokalausgaben eingestellt; und die Eindampfung der <em>Westfälischen Rundschau</em> sorgt gerade in diesen Tagen für Aufsehen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Und dass die Fusion von Presseunternehmen zum 1. Januar 2013 <a href="http://meedia.de/print/regierung-will-pressefusionen-erleichtern/2011/11/09.html" target="_blank">von der Bundesregierung erleichtert worden</a> ist, dürfte weitere Redaktionszusammenlegungen nach sich ziehen: Die nach dem gemeinsamen Umsatz der fusionswilligen Unternehmen berechnete &#8220;Aufgreifschwelle&#8221;, ab der für eine Pressefusion die Genehmigung des Kartellamts nötig ist, wurde von 25 Millionen auf 62,5 Millionen Euro verzweieinhalbfacht.</p>
<p>Der erwähnte Mangel an Vollredaktionen wiederum führt dazu, dass in verschiedenen Blättern zum Teil dieselben Inhalte zu finden sind. Das muss nicht so offensichtlich sein wie beim <em>Hunte Report</em> und der <em>Sonntagszeitung - </em>solche inhaltlichen Kooperationen sind, da sich nur noch wenige kleinere Blätter eigene Mantelredaktionen leisten können, gang und gäbe geworden. So ähneln auch die überregionalen Teile der <em>Wilhelmshavener Zeitung</em> und der <em>Ostfriesen-Zeitung</em> nicht von ungefähr jener der NWZ: Das Oldenburger Blatt beliefert die beiden anderen mit ihren Mantelseiten. Das ist nicht verboten, auch nicht sonderlich verwerflich &#8211; aber eben auch kein wirklicher Beitrag zur Vielseitigkeit.</p>
<div id="attachment_37614" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2013/02/04/reporter-mit-grenzen/nwz-oz-120202/" rel="attachment wp-att-37614"><img class="size-thumbnail wp-image-37614" alt="Welche ist welche? Ausrisse aus den Titelseiten der NWZ und der Ostfriesenzeitung vom 2. Februar. BILD: Screenshot" src="http://www.oldenburger-lokalteil.de/wp-content/uploads/2013/02/NWZ-OZ-120202-600x335.jpg" width="600" height="335" /></a><p class="wp-caption-text">Welche ist welche? Ausrisse aus den Titelseiten der NWZ und der Ostfriesenzeitung vom 2. Februar. BILD: Screenshot</p></div>
<p>Es geht noch weiter im Text von Reporter ohne Grenzen. Zwar findet der Satz &#8220;Gleichzeitig investieren Unternehmen und PR-Agenturen steigende Summen, um ihre Inhalte in den Medien unterzubringen&#8221; via dpa-Text häufiger Erwähnung in den veröffentlichten Zeitungsartikeln, nicht aber die weitergehende Erläuterung: &#8220;Oft werden kommerzielle Inhalte dabei bewusst nicht als Werbung gekennzeichnet, sondern als journalistische Beiträge getarnt oder mit diesen vermischt, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen.&#8221; Beispiele dafür liefert etwa <em>Bildblog</em> regelmäßig &#8211; <a href="http://www.bildblog.de/30587/mixvorlagen/" target="_blank">hier nur ein Beispiel</a> –; es muss aber auch gar nicht immer die offensichtliche Kommerzkeule sein: Auch ohne nennenswerten Geldfluss finden interessengeleitete Inhalte den Weg ins Blatt, in Form von kaum redigierten, teilweise auch 1:1 übernommenen Pressemitteilungen. <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2011/12/12/die-extrawurst-der-woche/">Beispiele dafür finden sich</a> auch in der Oldenburger Medienlandschaft immer wieder. &#8220;In Anbetracht der oben skizzierten Situation ist diese Strategie ausgesprochen erfolgreich, denn Redakteure haben immer weniger Zeit, zu recherchieren und Informationen zu prüfen&#8221;, kritisiert Reporter ohne Grenzen.</p>
<p>Weniger Zeitungen, weniger Auswahl, also weniger Qualität? Dazu gibt es auch andere Stimmen. Der Kommunikationswissenschaftler Frank Marcinkowski ist in einer vergleichenden Studie von mehr als 60 Regionalzeitungen zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die journalistische Qualität von Monopolzeitungen nicht wesentlich von der von Blättern unterscheidet, die in einer Konkurrenzsituation agieren &#8211; und in manchen Fällen sogar höher liegt, etwa bei dem Punkt &#8220;Anti-Provinzialität&#8221;. Eine Steilvorlage für die betreffenden Verlagshäuser, aber selbst diese Studie, die die Problematik der Monopolstellung in Einzeitungskreisen ja zumindest teilweise relativiert, scheint von keinem Blatt aufgegriffen worden zu sein. Es scheint, als wolle man den Leser gar nicht erst auf den Gedanken bringen, über das böse &#8220;M-Wort&#8221; nachzudenken &#8211; wer weiß, auf was für Flausen er dann käme.</p>
<p>Also kein signifikanter Zusammenhang zwischen journalistischer Qualität und Ein- oder Mehrzeitungskreis &#8211; alles demnach halb so wild? Mitnichten &#8211; der Konkurrenzkampf zwischen Regionalzeitungen, sofern es denn einen solchen gibt, werde oft <a href="http://www.uni-muenster.de/Rektorat/exec/upm.php?rubrik=Alle&amp;neu=0&amp;monat=201106&amp;nummer=14390" target="_blank">nicht als Qualitäts-, sondern vielmehr als Kostenwettstreit </a>geführt, so der Wissenschaftler, und das gehe zu Lasten der redaktionellen Güte. &#8220;Das Postulat der neoliberalen Wirtschaftstheorie, Produzenten bemühten sich bei Konkurrenz tatsächlich darum, das bestmögliche Produkt zum bestmöglichen Preis anzubieten, funktioniere nur dann, wenn die Leser tatsächlich Qualität nachfragen&#8221;, so Marcinkowski: &#8220;Das ist nicht unbedingt der Fall. Journalistischen Produkten kann man ihre Qualität nicht direkt ansehen, anders, als es bei Autos der Fall ist. Deswegen richtet sich in Medienmärkten die Nachfrage nicht automatisch auf das qualitativ beste Produkt.&#8221; Letztlich heißt das: Das Vorhandensein zweier Zeitungen in einem Kreis kann eben auch dazu führen, dass es zwei schlechte sind.</p>
<p>Nur dürfte es, andersherum betrachtet, ebensowenig ein Automatismus sein, dass Zeitungen ohne Konkurrenzdruck  auch zwangsläufig mehr Ressourcen in die Qualitätssicherung stecken &#8211; auch Monopolzeitungen arbeiten oft mit dünner Personaldecke, die kaum Kapazitäten für Tiefenrecherche oder aufwendigere Geschichten frei lässt. Und auch wenn sich die Qualität nach Macinkowskis Studie nicht unbedingt am Wettbewerb festmachen lässt &#8211; bei der Meinungsvielfalt sieht das schon wieder anders aus. &#8220;Wie soll in dieser Monopolsituation der auch aus der Verfassung zwingend abzuleitende Außenpluralismus zu Stande kommen?&#8221;, kommentierte etwa Kai Voigtländer, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (djv) Mecklenburg-Vorpommern, 2008 die Presselandschaft in seinem Bundesland: &#8220;Der kann sich ja eben nur im Streit, also in der Konkurrenz der Kommentare und recherchierten Geschichten, entfalten.&#8221;</p>
<p>Dafür, dass die explizite Erwähnung der Einzeitungskreise im Bericht von Reporter ohne Grenzen in nahezu allen Artikeln unberücksichtigt geblieben ist, sind im Wesentlichen zwei Gründe vorstellbar: Entweder hatte schon der zumeist zugrundeliegende dpa-Text diese Passage nicht berücksichtigt und die Redaktionen keine eigenen Recherchen angestellt &#8211; oder die Aussage wurde bewusst ignoriert. Beide Erklärungen würden die deutsche Presselandschaft nicht wirklich schmücken; und man ahnt, dass Deutschland nicht umsonst vergleichsweise schlecht abgeschnitten hat.</p>
<p>Aber was bedeuten schon Betrachtungen über Meinungsvielfalt oder monotone Presselandschaften, wenn man stattdessen einfach ein neues Ranking ins Blatt setzen und die Leserschaft darüber informieren kann, dass Deutschland in Sachen Pressefreiheit immer noch vor dem Sudan rangiert.</p>
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		<title>Das Geschwätz von gestern</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Nov 2012 16:41:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[NWZ]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie man aus vier Parkplätzen eine politische Grundsatzdebatte strickt und dabei Stimmung macht: Die NWZ nimmt die Grünen aufs Korn - wegen einer Vision, die vor gar nicht langer Zeit mal überparteilicher Konsens war.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Wie man aus vier Parkplätzen eine politische Grundsatzdebatte strickt und dabei Stimmung macht: Die NWZ nimmt die Grünen aufs Korn &#8211; wegen einer Vision, die vor gar nicht langer Zeit mal überparteilicher Konsens war.<br />
</span></p>
<div id="attachment_42471" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/11/streuparkplätze-schlaues-haus.jpg"><img class="size-full wp-image-42471" alt="Die Pflastersteine des Anstoßes: Parkplätze vor dem Schlauen Haus. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/11/streuparkplätze-schlaues-haus.jpg" width="600" height="403" /></a><p class="wp-caption-text">Die Pflastersteine des Anstoßes: Parkplätze vor dem Schlauen Haus. FOTO: mno</p></div>
<p>Die Grünen &#8211; jetzt wollen sie uns auch noch die Parkplätze wegnehmen. Zumindest ist das der Eindruck, der sich in der vergangenen Woche bei der Lektüre der <em>NWZ</em> aufdrängte. Die Lokalredaktion rief einen <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/neuer-streit-um-streuparkplaetze_a_1,0,2410814764.html" target="_blank">„neuen Streit um Streuparkplätze“</a> aus, macht diesen an einem aktuellen Fall fest und diagnostiziert ein „gewaltiges Konfliktpotenzial“: Vier Autostellplätze vor dem jüngst eröffneten Schlauen Haus am Schlossplatz sollen weg. Die Fraktion der Grünen hatte einen Antrag für den Verkehrsausschuss vorgelegt, nach dem diese vier Plätze, die zu den sogenannten &#8220;Streuparkplätzen&#8221; zählen, entwidmet und „entweder als Fahrradabstellzone oder als attraktiver Vorbereich“ genutzt werden sollen. In der <em>NWZ</em>  liest sich das so: Streuparkplätze, so erklären die Autoren, seien</p>
<p><em>„jene Stellflächen, die sich nicht in Parkhäusern befinden, sondern – verstreut – am Schloss, an der Staulinie oder den Wällen. Von den Grünen kommen seit Jahren Vorstöße, diese Parkplätze abzuschaffen. Hintergrund: Auswärtige sollen direkt und ohne Parksuchverkehr die Parkhäuser ansteuern (oder mit dem Bus kommen). Oldenburger sollen gefälligst das Rad nehmen. Unterstützung erhalten die Grünen dabei von der SPD. Neuester Akt: Vor dem Schlauen Haus sollen (zunächst) vier Stellplätze wegfallen. Eine Grünfläche bzw. Fahrradständer könnten dort entstehen, so die Grünen.“</em></p>
<p>„Zunächst“ seien demnach also die vier dran, heißt es unheilvoll, später dann – anders ist das kaum zu deuten – wohl auch die anderen, die „am Schloss, an der Staulinie oder den Wällen“. Ein Aufschrei geht durch die Reihen Oldenburger Autofahrer: Die Grünen! Sie wollen uns alle ins Verkehrschaos stürzen! Oder ins Wirtschaftschaos, denn angereichert wurde der Artikel &#8211; wie auch der Folgeartikel am nächsten Tag &#8211; mit Aussagen von Einzelhandelsvertretern, die bei Abschaffung von Parkraum schwere Auswirkungen für Ihre Geschäfte fürchten.</p>
<p>Nur: In dem von der <em>NWZ</em> als corpus delicti angeführten Antrag der Grünen-Fraktion bezüglich der vier Parkplätze ging es überhaupt nicht darum, einen ersten Schritt zur Begrenzung innerstädtischen Autoverkehrs zu tun, sondern um etwas ganz anderes, viel profaneres: den leichteren Zugang zum Schlauen Haus und dessen optische Erkennungswirkung für Ortsfremde. Das lässt sich in der dem <a href="http://fraktion-diegruenen.kdo.de/29_1653.htm" target="_blank">Antrag beigefügten Begründung</a> ganz leicht nachlesen:</p>
<p><em>„Die parkenden PKWs wirken &#8211; insbesondere vom Schlossplatz kommend als Barriere für die ganze Hauszeile Schlossplatz. Schon die ersten Tage nach dem Umzug der OTM mit der Tourist-Info gibt es Schwierigkeiten, anfragenden Stadtbesuchern den im Vergleich zum bisherigen Standort (Kleine Kirchenstraße) schwer zu erklärenden Weg zum neuen Domizil (Schlossplatz) zu beschreiben. Eine ansprechende und auffällige Vorplatz-Situation, wertet den Standort zudem auf und kann leichter beschrieben bzw. gefunden werden.“</em></p>
<p>Von der Abschaffung weiterer Parkplätze, von direktem Ansteuern der Parkhäuser oder davon, dass Oldenburger „gefälligst das Rad nehmen“ sollen, steht in dem Antrag – rein gar nichts. Es ist auch nicht die Rede von „zunächst“, und weder die Staulinie noch die Wälle finden Erwähnung. Nichts von alledem – nur die vier Plätze vor dem Schlauen Haus, die – wir wiederholen uns gerne – einer besseren Zugänglichkeit und Präsenz der darin befindlichen Touristinfo weichen sollen.</p>
<p>2.648 Parkplätze bieten allein die innerstädtischen Parkhäuser; zählt man die Open-Air-Parkplätze am Pferdemarkt und dem Theaterwall dazu, erhöht sich die Zahl auf 3.174 &#8211; und die Hunderte Streuparkplätze am Schlossplatz, an der Staulinie, am Heiligengeistwall oder anderswo in unmittelbarer Innenstadtnähe sind da noch gar nicht eingerechnet. Für die so oft beschworenen Shoppinggäste von außerhalb stehen zudem 5.384 Park-and-Ride-Plätze zur Verfügung. Dass der Untergang des Auto fahrenden Abendlandes seinen Ausgang nun bei vier Stellplätzen am Schlauen Haus nehmen wird, erscheint da schwer vorstellbar.</p>
<div id="attachment_42470" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/11/verkehrsentwicklungsplan.jpg"><img class="size-full wp-image-42470" alt="Hier ein Kreuz, da ein Kreuz: Auszug aus dem mit breitem Konsens verabschiedeten Verkehrsentwicklungsplan." src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/11/verkehrsentwicklungsplan.jpg" width="290" height="375" /></a><p class="wp-caption-text">Hier ein Kreuz, da ein Kreuz: Auszug aus dem mit breitem Konsens verabschiedeten Verkehrsentwicklungsplan.</p></div>
<p>Aber halt, es geht ja eigentlich um &#8220;Vorstöße&#8221;, die &#8220;seit Jahren&#8221; &#8220;von den Grünen&#8221; kämen. Das ist nicht ganz falsch, allerdings auch nur die halbe Wahrheit. Die Reduzierung der Zahl der Streuparkplätze ist kein grünes Dogma, sondern war noch vor gar nicht allzulanger Zeit Konsensziel der Stadtpolitik. Im Dezember 2000 beschloss der Rat &#8211; bei nur zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung &#8211; den sogenannten Verkehrsentwicklungsplan, in dem sich folgende Passage findet:</p>
<p><em>„Insgesamt zeigt sich die Stellplatzsituation bezogen auf das gesamte Untersuchungsgebiet relativ entspannt; es ergeben sich allerdings räumliche und zeitliche Schwerpunkte hoher Auslastung und fehlender Kapazität. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass in Oldenburg in fußläufiger Entfernung zur Innenstadt jederzeit ausreichend Parkraum zur Verfügung steht […]. Eine räumlich begrenzte, moderate Ausweitung des Parkraumangebotes und eine Verlagerung von Stellplätzen aus dem Straßenraum und von kleineren Parkplätzen hin zu einer zentralen Parkierungsanlage wird als eine den – teilweise einander widerstrebenden – Zielen des Leitbildes am ehesten gerecht werdende Lösung angesehen.“</em></p>
<p>Bei den Grünen würde man schon gerne wissen, was aus diesen Vereinbarungen des Verkehrsentwicklungsplans eigentlich geworden ist, meint Fraktionssprecher Sebastian Beer. Denn die vom Einzelhandel seinerzeit gewünschte Erhöhung der Parkhauskapazitäten wurde mit den Parkhäusern der Schlosshöfe und der Heiligengeisthöfe seitdem tatsächlich vollzogen, die Streuparkplätze blieben trotzdem, moniert Beer: „Die Kaufleute haben bekommen, was sie wollten – der Rest wurde aber nie umgesetzt.“</p>
<p>Noch einmal: Dieser Plan wurde von <em>allen</em> Parteien unterstützt, auch von der CDU und der SPD, die die <em>NWZ</em> am Freitag <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/tempo-30nur-inwohnvierteln_a_1,0,2444584108.html" target="_blank">als schnelle Eingreiftruppe gegen die Parkplatzvernichtungsfantasien der Grünen</a> ins Feld führte. Es sei damals allerdings eine andere CDU gewesen, meint der heutige Fraktionschef Olaf Klaukien, das sei jetzt ja immerhin zwölf Jahre her. Seit er die Oldenburger CDU führe, positioniere sie sich &#8220;eindeutig für die Beibehaltung von Parkplätzen&#8221; &#8211; und werde deshalb auch der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans nicht zustimmen. Die firmiert unter dem Namen <a href="http://buergerinfo.oldenburg.de/vo0050.php?__kvonr=10809&amp;search=1" target="_blank">&#8220;Strategieplan Mobilität und Verkehr&#8221;</a> und ist keineswegs alter Tobak: Der Plan wird derzeit im Verkehrsausschuss diskutiert, und in ihm findet sich folgender, an die ursprünglichen Ziele angelehnter Satz:</p>
<p><em>&#8220;Im Innenstadtbereich befinden sich einige wenig funktionale und städtebaulich unerwünschte Streuparkplätze, die nach Möglichkeit und sukzessiv zugunsten anderer Nutzungen aufgegeben und an anderer Stelle kompensiert werden sollen.&#8221;</em></p>
<p>Vorgelegt worden ist aber auch dieser Plan keineswegs von autohassenden Grünen-Fanatikern, sondern von der Stadtverwaltung.</p>
<p>Die Rolle der SPD geht im Übrigen über die der bloßen Unterstützung hinaus. Um so verwunderlicher scheint es, dass SPD-Ratsfrau und Verkehrsausschussvorsitzende Gesine Multhaupt in der Zeitung verlauten ließ, dass sie die <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/tempo-30nur-inwohnvierteln_a_1,0,2444584108.html" target="_blank">Aufhebung der vier Parkplätze vor dem Schlauen Haus ablehne</a>. Was seltsam erscheint, da sie nicht nur den Beschluss von 2000 mitgetragen hatte, sondern noch vor Kurzem Mitunterzeichnerin des von der <em>NWZ</em> erwähnten rot-grünen Positionspapiers zur Verkehrspolitik war, in dem es heißt:</p>
<p><em>&#8220;Streuparkplätze, die immer wieder Anreize bieten, mit dem Pkw direkt in die City zu fahren, müssen aufgehoben werden.&#8221;</em></p>
<p>Warum dieses klar formulierte Ziel allerdings bereits dann über Bord geworfen wird, wenn es um bloße vier &#8211; Sie erinnern sich, dass wir von den vier Plätzen am Schlauen Haus sprechen? &#8211; Stellflächen vor einem Eingangsbereich geht, hätten wir gerne gewusst, konnten Multhaupt allerdings nicht erreichen. Fraktionschef Bernd Bischoff sagte, dass das Thema innerhalb der Fraktion durchaus diskutiert werde und die SPD &#8220;sicher nicht alle Streuparkplätze abschaffen&#8221; wolle. Nicht einmal die vier am Schlauen Haus? Ach was, meint Bischoff, diese Plätze seien &#8220;doch nicht entscheidend&#8221; &#8211; da werde &#8220;eine Metadiskussion geführt&#8221;, mit der letztlich  &#8220;Ängste geschürt werden&#8221;.</p>
<p>Es bleibt der Eindruck, als wollten die Parteien nichts mehr davon wissen, dass sie sich ursprünglich einmal einmütig für die Reduzierung der Streuparkplätze ausgesprochen hatten und nun so begierig sind, sich davon zu distanzieren, dass selbst ein bedeutungsloser Kleckerantrag wie der zum Schlauen Haus als Messlatte für die Stadtentwicklung herhalten muss. Aus den Reihen der Grünen verlautet, dass man die Berichterstattung der vergangenen Tage als „durchsichtige Kampagne“ ansieht, mit der das Blatt antigrüne Stimmung verbreiten und einen Keil zwischen die SPD und die Grünen treiben wolle. Ob das so stimmt – wer weiß. Auffällig ist immerhin, dass die von der <em>NWZ</em> als Aufhänger verwendeten Schriftstücke &#8211; der Grünen-Antrag bezüglich des Schlauen Hauses wie auch das rot-grüne Positionspapier &#8211; bereits seit längerer Zeit vorliegen, nämlich seit sieben beziehungsweise neun Wochen. Thematisiert werden sie aber erst jetzt – zu einem Zeitpunkt, zu dem nicht nur die Landtagswahl, sondern auch das Adventsgeschäft vor der Tür steht; mit mutmaßlich vielen, vielen von der Parkplatzsuche genervten Autofahrern. Und die spätestens bei der zweiten Runde um den Innenstadtring einen Schuldigen brauchen, über den sie fluchen können.</p>
<p>Vielleicht hat man in der NWZ-Stadtredaktion <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/pendler-kaempfen-um-parkplaetze_a_1,0,533120205.html" target="_blank">aber</a> <a href="http://www.nwzonline.de/eltern-fordern-parkplaetze-statt-wiese_a_1,0,1425064649.html" target="_blank">auch</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/parkplatznot-hinterm-bahnhof_a_1,0,542532667.html" target="_blank">einfach</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/neuer-plan-wohnhaeuser-statt-parkhaus_a_1,0,1824883945.html" target="_blank">nur</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/per-handy-zum-freien-parkplatz_a_1,0,542263039.html" target="_blank">ein</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/cdu-fordert-weitere-parkplaetze_a_1,0,542670771.html" target="_blank">besonders</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/oldenburg-gericht-will-parkplatz-plaene-durchkreuzen_a_1,0,579401843.html" target="_blank">ausgeprägtes</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/mit-viel-stress-zum-prozess_a_1,0,504374432.html" target="_blank">Faible</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/cmo-begruesst-erhalt-der-parkplaetze_a_1,0,479803384.html" target="_blank">für</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/stau-parkplaetze-muessen-bald-neubau-weichen_g_1,0,800986267.html" target="_blank">Parkplatzthemen</a>.</p>
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		<title>Akute Exklusivitis</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Oct 2012 04:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Bankraub und seine medialen Nachwehen: Die NWZ attackiert die Staats&#173;anwalt&#173;schaft, die herausfinden möchte, woher die Zeitung sensible Informationen über eine Fahndung bekommen hat.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Ein Bankraub und seine medialen Nachwehen: Die NWZ attackiert die Staatsanwaltschaft, die herausfinden möchte, woher die Zeitung sensible Informationen über eine Fahndung bekommen hat.<br />
</span></p>
<div id="attachment_42249" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/staatsanwaltschaft.jpg"><img class="size-medium wp-image-42249" alt="Idyllisch neben dem Kittchen gelegen: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/staatsanwaltschaft-300x187.jpg" width="300" height="187" /></a><p class="wp-caption-text">Idyllisch neben dem Kittchen gelegen: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg. FOTO: mno</p></div>
<p>Es gibt Streit zwischen der Nordwest-Zeitung und der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Die Zeitung <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/staatsanwalt-ermittelt-gegen-650-polizisten_a_1,0,1662434215.html" target="_blank">berichtete am Wochenende mit kaum verhohlener Empörung</a>, dass die Justiz Ermittlungen gegen die Oldenburger Polizei wegen Geheimnisverrats eingeleitet hat. Anlass dafür sei ein NWZ-Artikel aus dem Vorjahr, der auf nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Informationen basierte. Soweit sind sich Blatt und Behörde auch einig – allerdings hat die Staatsanwaltschaft einen ganz anderen Artikel im Blick als den relativ harmlosen, an dem die NWZ ihre massive Kritik festmacht.</p>
<p>Hintergrund: Am 31. August 2011 hatte ein Mann die Filiale der OLB in der Alexanderstraße überfallen; zweieinhalb Wochen später konnte er in Ulm festgenommen werden. Am 18. September, einem Sonntag, <a href="http://www.nwzonline.de/blaulicht/oldenburg-polizei-fasst-mutmasslichen-bankraeuber_a_1,0,582137789.html" target="_blank">vermeldete die NWZ die Festnahme auf ihren Internetseiten</a> &#8211; noch bevor die Staatsanwaltschaft die Geschichte offiziell bekanntgab. Dass die nun mit Nachdruck versucht, das Leck zu finden, bringt zumindest den Chefredakteur Rolf Seelheim einigermaßen in Harnisch &#8211; in einem Kommentar bezeichnet er es als &#8220;unglaublich&#8221;, dass die Staatsanwaltschaft &#8220;eine ganze Polizei-Inspektion unter Generalverdacht [stellt], um eine angeblich undichte Stelle zu finden&#8221; und hat auch einen Grund für diese Vorgehensweise parat: &#8220;Unsere Redaktion berichtete über die bereits erfolgte Festnahme des öffentlich gesuchten Bankräubers, obwohl die Staatsanwaltschaft damit gern noch gewartet hätte. Schließlich war Sonntag, die Ankläger wollten sich erst Montag äußern.&#8221;</p>
<p>Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Es geht nämlich nicht um die tatsächlich folgenlose vorzeitige Vermeldung der Festnahme, sondern um einen Artikel, der eine gute Woche davor veröffentlicht wurde. Und der durchaus schwerwiegende Folgen hätte haben können.</p>
<p>Die Staatsanwaltschaft erklärte am Montag, sie habe die Ermittlungen aufgenommen, weil die NWZ während des Zeitraums, in dem noch nach dem Flüchtigen gefahndet wurde, &#8220;über Informationen verfügte, die zu diesem Zeitpunkt aus ermittlungstaktischen Gründen noch geheim zu halten waren&#8221;. So habe das Blatt &#8220;über eine Durchsuchung am Wohnort des damals Verdächtigen in einem anderen Bundesland, bei der er nicht angetroffen wurde&#8221;, berichtet: &#8220;Hierdurch bestand die Gefahr, dass der flüchtige Verdächtige aus der Zeitung von dem konkreten Verdacht gegen ihn erfahren und sich endgültig der Festnahme entziehen würde.&#8221;</p>
<p>Tatsächlich hieß es am 10. September 2011 unter der Überschrift <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/blaulicht/oldenburg-polizei-hat-erste-spur-von-bankraeuber_a_1,0,581273021.html" target="_blank">&#8220;Oldenburg: Polizei hat erste Spur von Bankräuber&#8221;</a>: &#8220;Unter Tatverdacht soll nach Informationen der NWZ  ein Mann stehen, der außerhalb von Niedersachsen seinen Wohnsitz hat. Dort suchten die Beamten aber bislang vergebens nach ihm.&#8221; Die Argumentation der Ermittler: Hätte der Flüchtige durch den auch online verfügbaren Artikel Kenntnis davon erlangt, dass die Polizei eine Person aus einem anderen Bundesland im Visier habe, hätte er das unschwer auf sich beziehen und sich absetzen können. Diese &#8220;Informationen der NWZ&#8221; konnten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft aber nur aus dem Kreis der Beamten kommen &#8211; weshalb sie nun Ermittlungen wegen des &#8220;Verdachts auf Verletzung des Dienstgeheimnisses&#8221; aufgenommen hat.</p>
<p>&#8220;Wegen dieser Bagatelle setzt nun eine Staatsanwältin Himmel und Hölle in Bewegung, lässt Polizisten gegen Polizisten ermitteln, riskiert die Motivation einer ganzen Behörde&#8221;, <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/staatsanwalt-ermittelt-gegen-650-polizisten_a_1,0,1662434215.html" target="_blank">schimpft der Chefredakteur</a>, nennt es &#8220;ein Stück aus dem Tollhaus&#8221; und fragt, ob die Staatsanwaltschaft „nicht Wichtigeres zu tun&#8221; habe. Geheimnisverrat &#8211; eine &#8220;Bagatelle&#8221;? Der leitende Oberstaatsanwalt Roland Herrmann ist da ganz anderer Meinung: Es sei &#8220;entscheidend, dass Informationen in einem Ermittlungsverfahren so lange geheim bleiben, bis deren Preisgabe die Ermittlungen nicht mehr gefährden&#8221; könne, wird er in der Erklärung der Behörde zitiert. Wie gesagt: Es geht um die Preisgabe von Informationen während der laufenden Fahndung, nicht um die frühzeitige Meldung der Festnahme. Obwohl auch die, konsequent weitergedacht, als problematisch angesehen werden könnte &#8211; es wäre ja immerhin denkbar gewesen, dass der frisch Verhaftete noch Helfer und Komplizen hatte, die dadurch hätten gewarnt werden können.</p>
<p>Und was ist mit dem &#8220;Generalverdacht&#8221;? &#8220;Die Staatsanwaltschaft hat dabei nicht einen konkreten Beamten im Visier&#8221;, heißt es in dem Artikel von Samstag, &#8220;sondern alle 650 Angehörigen der Polizeiinspektion Oldenburg-Ammerland gelten als potenzielle Geheimnis-Verräter.&#8221; Natürlich, sagte Staatsanwältin Frauke Wilken am Montag auf Nachfrage, ermittele man &#8220;nicht gegen 650 Beamte der Polizeiinspektion&#8221;; auch nicht gegen die Polizeiinspektion selbst. &#8220;Wir ermitteln schlicht gegen Unbekannt&#8221; &#8211; genauer: &#8220;gegen einen noch unbekannten Beamten der Polizei in Oldenburg&#8221;. Es laufe wie in jedem anderen Fall auch, in dem der Täter nicht namentlich bekannt sei. Aus der Tatsache, dass der Kreis der in Frage kommenden Personen begrenzt ist, die Aussage abzuleiten, dass die Staatsanwaltschaft Polizisten &#8220;unter Generalverdacht&#8221; stelle, sei ungefähr so, als würde man behaupten, dass nach jedem Wohnungseinbruch, bei dem der Täter seinen Namen nicht hinterlassen habe und bei dem daher gegen Unbekannt ermittelt werde, die Behörden die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht stellten – schließlich kann ja theoretisch jeder einen Einbruch begehen.</p>
<p>Im Übrigen sei die Staatsanwaltschaft &#8220;verpflichtet, bei einem Anfangsverdacht einer Straftat Ermittlungen einzuleiten&#8221;, und die entsprechende Genehmigung dafür sei auch vom Innenministerium erteilt worden. Die &#8220;Verletzung des Dienstgeheimnisses&#8221; kann laut <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__353b.html" target="_blank">§353b StGB</a> mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.</p>
<p>Während die NWZ <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/heftige-kritik-von-polizei-gewerkschaft-heftige-kritik-von-polizei-gewerkschaft-heftige-kritik-von-der-gewerkschaft-der-polizei_a_1,0,1728893522.html" target="_blank">an diesem Montag nachlegte</a> und einen Sprecher der Polizeigewerkschaft ins Feld führte, der die Vorgehensweise der Ermittler als „Unding“ bezeichnete &#8211; offensichtlich im Glauben, dass es sich nur um den Festnahmeartikel handelte, denn er nimmt explizit Bezug auf Ulm –, bewahrte der NDR einen kühleren Kopf. Der Sender hatte die Geschichte am Wochenende unter der Überschrift &#8220;Behörde ermittelt gegen 650 Polizisten&#8221; zwar ebenfalls auf ihrer Internetseite vermeldet, sie aber nach einer entsprechenden Erklärung der Staatsanwaltschaft auch schnell wieder heruntergenommen: &#8220;Nicht mehr relevant&#8221;, heißt es von Seiten der Onlineredaktion. Heißt wohl: Taugt nicht als Aufreger.</p>
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		<title>Schutzreservat für bedrohte Copyandpaster</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 12:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die ungarische Philosophin Àgnes Heller wird mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg geehrt. Das konnte man am Donnerstag in der NWZ lesen. Die entsprechende Pressemitteilung der Stadt wurde allerdings erst am Donnerstagvormittag versandt. Ist die NWZ so sehr auf Zack? Hat sie tiefgründige Recherchearbeit geleistet, Leute bestochen und sich nachts &#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die ungarische Philosophin Àgnes Heller wird mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg geehrt. Das konnte man am Donnerstag in der NWZ lesen. Die entsprechende Pressemitteilung der Stadt wurde allerdings erst am Donnerstagvormittag versandt. Ist die NWZ so sehr auf Zack? Hat sie tiefgründige Recherchearbeit geleistet, Leute bestochen und sich nachts um drei auf nebelverhangenen Brücken mit Jurymitgliedern getroffen, um an diese Info zu kommen? Oder handelt es sich um einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum? Achwo, die Antwort ist viel banaler.</p>
<p><span id="more-18680"></span></p>
<div id="attachment_42245" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/12/tastatur.jpg"><img class="size-medium wp-image-42245" alt="Super Merchandising-Idee: Die offizielle Pressehaus-Tastatur mit den wichtigsten Tasten fürs Tagesgeschäft. BILD: Lokalteil" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/12/tastatur-300x192.jpg" width="300" height="192" /></a><p class="wp-caption-text">Super Merchandising-Idee: Die offizielle Pressehaus-Tastatur mit den wichtigsten Tasten fürs Tagesgeschäft. BILD: Lokalteil</p></div>
<p>Woher wir wissen wollen, dass die NWZ die Info vom Pressebüro der Stadt bekommen hat und nicht von einem Jurymitglied? Ganz einfach. Zeit, eine neue Runde  &#8220;Finde die Unterschiede&#8221; zu spielen &#8211; bei diesem Paradebeispiel können wir gar nicht anders. Auf der einen Seite finden Sie die offizielle, am Donnerstag herumgeschickte Pressemitteilung der Stadt, auf der anderen Seite den Artikel in der NWZ desselben Tages (dass dieser mit einem Redakteurskürzel versehen wurde, sei nur am Rande bemerkt).</p>
<table style="width: 600px;" border="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width: 300px; background-color: #000000;" valign="top"><span style="color: #000000;"><strong>Text A</strong></span></td>
<td style="width: 300px; background-color: #000000;" valign="top"><span style="color: #000000;"><strong>Text B</strong></span></td>
</tr>
<tr>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Der Carl­von­Ossietzky­Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg des Jahres 2012 wird nach einstimmigem Votum der unabhängigen Jury der ungarischen Philosophin Prof. Dr. Ágnes Heller zuerkannt. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird am 4. Mai 2012 im Rahmen eines Festaktes verliehen. Am 3. Mai wird die Preisträgerin in einer öffentlichen Abendveranstaltung mit prominenten Gästen über Demokratie, Freiheitsrechte und europäische Identität diskutieren.</td>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Der Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg 2012 wird nach einstimmigem Votum der Jury der ungarischen Philosophin Prof. Dr. Agnes Heller zuerkannt. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert und wird am 4. Mai 2012 im Rahmen eines Festaktes verliehen. Am 3. Mai 2012 wird die Preisträgerin in einer Abendveranstaltung über Demokratie, Freiheitsrechte und europäische Identität sprechen.</td>
</tr>
<tr>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Die Jury schreibt in ihrer Begründung: „Die 1929 in Budapest geborene Philosophin Ágnes Heller erhält den Preis aufgrund ihrer Furchtlosigkeit, mit der sie zeitlebens unter wechselnden Regimen ihren eigenen Überzeugungen gefolgt ist. Als europäisch und kosmopolitisch denkende Intellektuelle gibt sie einem verängstigten Europa ein eindrucksvolles Beispiel.“</td>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Die Jury schreibt in ihrer Begründung: „Die Philosophin erhält den Preis aufgrund ihrer Furchtlosigkeit, mit der sie zeitlebens unter wechselnden Regimen ihren eigenen Überzeugungen gefolgt ist. Als europäisch und kosmopolitisch denkende Intellektuelle gibt sie einem verängstigten Europa ein eindrucksvolles Beispiel.“</td>
</tr>
<tr>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Der Jury gehören an die Literaturwissenschaftlerin und Jury­Sprecherin Prof. Dr. Sabine Doering (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), der Historiker Prof. Dr. Norbert Frei (Friedrich­Schiller­Universität Jena), der Soziologe und Konfliktforscher Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer (Universität Bielefeld), der Journalist Dr. Gunter Hofmann (Die ZEIT, Berlin) sowie der Direktor des NDR­Landesfunkhauses Schleswig­Holstein, Friedrich­Wilhelm Kramer (Kiel).</td>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Der Jury gehören an die Literaturwissenschaftlerin und Jury-Sprecherin Sabine Doering (Uni Oldenburg), der Historiker Norbert Frei (Uni Jena), der Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer (Uni Bielefeld), der Journalist Gunter Hofmann (Berlin) sowie der Direktor des NDR-Landesfunkhauses Schleswig-Holstein, Friedrich-Wilhelm Kramer (Kiel).</td>
</tr>
<tr>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Ágnes Heller wurde 1929 als Tochter jüdischer Eltern in Budapest geboren. Während ihr Vater und viele ihrer Verwandten und Freunde in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden, konnten sie und ihre Mutter der Judenverfolgung knapp entgehen. 1947 legte sie am Jüdischen Gymnasium in Budapest ihr Abitur ab. Danach schrieb sie sich an der Universität Budapest für Physik ein, wechselte jedoch nach einer Vorlesung des Philosophen Georg Lukács das Fach und studierte Philosophie.</td>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Agnes Heller wurde 1929 als Tochter jüdischer Eltern in Budapest geboren. Während ihr Vater und viele ihrer Verwandten in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden, konnten sie und ihre Mutter der Judenverfolgung knapp entgehen. 1947 legte sie in Budapest ihr Abitur ab. Danach schrieb sie sich an der Uni Budapest für Physik ein, wechselte jedoch nach einer Vorlesung des Philosophen Georg Lukács das Fach und studierte Philosophie.</td>
</tr>
<tr>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Sie wurde Schülerin des marxistischen Philosophen, promovierte und arbeitete als Lukácz­Assistentin an der Universität. Heller publizierte sehr viel, kam aber bald als Mitglied der kommunistischen Partei mit der Parteiführung in Konflikt, die ihr mangelnde Linientreue vorwarf. 1958 wurde sie wegen „konterrevolutionärer Tätigkeiten“ und Ideen aus der Partei ausgeschlossen und mit Berufs­und Publikationsverbot belegt.</td>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Sie wurde Schülerin des marxistischen Philosophen, promovierte und arbeitete als Lukácz-Assistentin. Heller publizierte sehr viel, kam aber bald als Mitglied der kommunistischen Partei mit der Parteiführung in Konflikt. 1958 wurde sie wegen „konterrevolutionärer Tätigkeiten“ aus der Partei ausgeschlossen und mit Berufs- und Publikationsverbot belegt.</td>
</tr>
<tr>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Zu Anfang der liberaleren 1960er Jahre durfte sie wieder in ungarischen Zeitschriften insbesondere ihre Ethik­Studien über Kant, Kierkegaard, Rousseau und Feuerbach veröffentlichen. 1968 erhielt sie wegen ihres Protestes gegen die Besetzung der Tschechoslowakei durch den Warschauer Pakt erneut ein Publikations­und Reiseverbot. In den folgenden Jahren wurden gegen sie und andere Mitglieder der „Budapester Schule“, eines philosophischen Freundeskreises aus dem geistigen Umfeld von Georg Lukács, Disziplinarverfahren eingeleitet. Es folgten Suspendierungen sowie systematische Bespitzelungen und Überwachungen.</td>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">Zu Anfang der liberaleren 1960er Jahre durfte sie wieder veröffentlichen. 1968 erhielt sie wegen ihres Protestes gegen die Besetzung der Tschechoslowakei durch den Warschauer Pakt erneut ein Publikations- und Reiseverbot.</td>
</tr>
<tr>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">1977 emigrierte Heller mit ihrem Mann, dem Philosophen Ferenc Fehér, und ihrem Sohn nach Australien. Dort lehrte sie als Soziologieprofessorin an der La Trobe Universität in Melbourne. Anschließend übernahm sie als Nachfolgerin von Hannah Arendt den Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York.</td>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">1977 emigrierte Heller mit ihrem Mann, dem Philosophen Ferenc Fehér, und ihrem Sohn nach Australien. Dort lehrte sie als Soziologieprofessorin an der La Trobe Uni in Melbourne. Anschließend übernahm sie als Nachfolgerin von Hannah Arendt den Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York.</td>
</tr>
<tr>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">In den 1990er Jahren kehrte sie nach dem politischen Systemwechsel wieder regelmäßig nach Ungarn zurück. 2001/ 2002 wurde sie Fellow des Kollegs Friedrich Nietzsche der Klassik Stiftung Weimar. Inzwischen lebt Ágnes Heller wieder in Budapest.</td>
<td style="width: 300px; text-align: left;" valign="top">In den 1990er Jahren kehrte sie nach dem politischen Systemwechsel wieder regelmäßig nach Ungarn zurück. 2001/2002 wurde sie Fellow des Kollegs Friedrich Nietzsche der Klassik Stiftung Weimar. Inzwischen lebt Agnes Heller wieder in Budapest.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>(Wir geben zu: Dieses Mal ist es besonders knifflig. Daher geben wir ausnahmsweise einen Tipp: Nur in einem der beiden Texte ist angegeben, für welche Zeitung das Jurymitglied Gunter Hofmann arbeitet, der andere verschweigt dies. Die Lösung schreiben Sie auf eine Postkarte und hängen diese hinter Ihren Schrank.)</p>
<p>Auf Nachfrage bestätigte das Pressebüro, dass die NWZ vorab informiert worden ist, damit ihr gegenüber den Rundfunk- und elektronischen Medien &#8220;kein Nachteil erwächst&#8221;. Ein Schutzreservat für den bedrohten Printsektor also. Oder doch eine Extrawurst? Zumindest auswärtige Printmedien hatten das Nachsehen: Auch die Deutsche Presseagentur dpa, die die meisten deutschen Zeitungen beliefert, erklärte auf Anfrage, erst am Donnerstagvormittag die Pressemitteilung erhalten zu haben. Begeisterung über das Vorgehen der Stadt klang ohnehin bei keinem der von uns gefragten Kollegen durch. Zu häufig hatte es in den vergangenen Jahren, vor allem unter dem vorigen Leiter des Pressebüros, ähnliche Fälle gegeben.</p>
<p>Zugegeben: Es muss ein hartes Schicksal sein, das man als einziges tagesaktuelles Printmedium der Stadt zu ertragen hat. Andererseits hat auch die NWZ ein Onlineportal, mit dem sie bei Bedarf genauso schnell berichten kann wie die Medien, vor denen sie geschützt werden soll. Und durch den Umstand, dass die gedruckte NWZ schon frühmorgens in den Briefkästen und an den Kiosken lag, die offizielle Pressemitteilung aber erst vormittags an die anderen, eigentlich als schnell geltenden Medien verschickt wurde, wandelt sich der vermeintliche Nach- in einen handfesten Vorteil für die Zeitung: Alle anderen Redaktionen stehen blöd da, weil es so aussieht, als würden sie bloß der NWZ hinterherhecheln. Es geht dabei nicht um Gefeilsche um ein paar Stunden, sondern um die öffentliche Wahrnehmung der Berichterstattungskompetenz eines Mediums &#8211; und die ist in dieser Branche bare Münze wert.</p>
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		<item>
		<title>Schaffen wir zwei, drei, viele Mekkas!</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Sep 2011 05:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[NWZ]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt journalistische Floskeln, die sind so totgeritten, dass man nicht mal mehr Leim aus ihnen kochen könnte - zugleich aber auch so... unverzichtbar? Unverwüstlich? Unsterblich? Eine mediale Pilgerreise ins Oldenburgische. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Es gibt journalistische Floskeln, die sind so totgeritten, dass man nicht mal mehr Leim aus ihnen kochen könnte &#8211; zugleich aber auch so&#8230; unverzichtbar? Unverwüstlich? Unsterblich? Eine mediale Pilgerreise ins Oldenburgische. </span></p>
<div id="attachment_42239" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/09/mekka_karte.jpg"><img class="size-full wp-image-42239" alt="Die NWZ hat &quot;Mekka&quot; gesagt. Montage: mno / OL" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/09/mekka_karte.jpg" width="600" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Die NWZ hat &#8220;Mekka&#8221; gesagt. Montage: mno / OL</p></div>
<p>Mekka, die heiligste Stadt des Islam. Im heutigen Saudi-Arabien gelegen, wurde hier der Prophet Mohammed geboren und im Jahr 622 aus ihr verjagt, später wurde die Stadt von ihm unterworfen und zum Mittelpunkt einer Weltreligion; eine Stadt, in die sich jährlich rund zwei Millionen Pilger aufmachen, um ihre vornehmste religiöse Pflicht – die Haddsch, auf die jeder gläubige Muslim einmal in seinem Leben gehen soll – zu erfüllen. Schulwissen, klar soweit. Eine einzigartiger Ort, der seinesgleichen gar nicht erst zu suchen braucht, sollte man meinen – außer natürlich, Zeitungsredakteure wollen mit wenigen Buchstaben klarmachen, dass eine Veranstaltung in ihrem jeweiligen Ort so überaus bedeutsam ist, dass normale Superlative nicht mehr ausreichen. Dann ist Mekka offenbar überall: Nämlich immer dort, wo idealerweise mehr als ein paar Leute zusammenkommen, weil sie ein gemeinsames Interesse an Irgendetwas, und sei es auch noch so abseitig, verbindet.</p>
<p>So verortet die <em>Nordwest-Zeitung</em> Mekka unter anderem in <strong>Kopenhagen</strong> (&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Video/Kopenhagen-neues-Mekka-fuer-Gourmets_677467865001.html" target="_blank">Mekka für Gourmets</a>&#8220;), <strong>Monza</strong> (&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Video/GP-von-Italien-151-die-Strecke_38002375001.html" target="_blank">Highspeed-Mekka</a>&#8220;), <strong>Oberammergau </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Friesland/Jever/Artikel/983203/983203.html" target="_blank">Mekka der deutschen Herrgottsschnitzer</a>&#8220;) oder auch im lauschigen &#8220;Full Metal Village&#8221; <strong>Wacken </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Kultur/Nachrichten/NWZ/Artikel/2402940/%DCber+Felder+dr%F6hnen+120+Dezibel.html" target="_blank">Heavy-Metal-Mekka</a>&#8220;). Mitunter kann sogar ein ganzes Land Mekka sein, wie etwa die ehemalige <strong>Tschechoslowakei</strong>, ein &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Hintergrund/NWZ/Artikel/1749816/Nachbarland+galt+als+das+Mekka+der+DDR-Jugend.html" target="_blank">Mekka der DDR-Jugend</a>&#8221; nämlich (dass hier kommunistische Regimes mit einer religiösen Floskel umschrieben werden, sei nur am Rande erwähnt). Das Blatt befindet sich mit der Mekkaisierung übrigens in bester Gesellschaft: Die  Presseagentur <em>sid</em> – und mit ihr renommierte Blätter wie die <em>Zeit</em> oder die <em>Süddeutsche</em>, die den Artikel in ihre Onlineauftritte copyandpasteten – verortet Mekka zum Beispiel im finnischen <strong>Lahti </strong>(&#8220;<a href="http://www.zeit.de/news/2011-09/wintersport-lahti-bewirbt-sich-um-nordische-ski-wm-2017-02191805" target="_blank">Wintersportmekka</a>&#8220;). Die <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung</em> verlegt die heilige Stadt für eine Woche ins oberbayrische <strong>Lindau </strong>(&#8220;<a href="http://www.faz.net/artikel/C31364/nobelpreistraegertreffen-lindau-wird-zum-mekka-der-oekonomen-30489519.html" target="_blank">Mekka der wichtigsten Ökonomen der Welt</a>&#8220;), <em>Spiegel Online</em> lokalisiert sie in <strong>Sindelfingen </strong>(&#8220;<a href="http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,207733,00.html" target="_blank">Maybach-Mekka für Millionäre</a>&#8220;) und die <em>tageszeitung</em> in <strong>Wunsiedel </strong>(&#8220;<a href="http://www.taz.de/!74888/" target="_blank">Mekka für Nationalsozialisten</a>&#8220;). Allein: In diesen Medien muss man die Mekkas mit der Lupe suchen, und völlig an den Haaren herbeigezogen erscheint die Redewendung dort auch nicht immer.</p>
<p>Die Stärke der <em>NWZ</em> indes liegt bekanntlich ohnehin im Regionalen, und was den großen Zeitungen recht ist, ist ihr augenscheinlich nur billig, weshalb sie auch noch vielen, vielen, viiieeelen Orten im Oldenburgischen religiöse Weihen verleiht. So gibt es für die Zeitung auch je ein Mekka in <strong>Emstek </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Video/Kopenhagen-neues-Mekka-fuer-Gourmets_677467865001.html" target="_blank">Archäologisches Mekka</a>&#8220;), <strong>Lemwerder </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Hintergrund/NWZ/Artikel/1749816/Nachbarland+galt+als+das+Mekka+der+DDR-Jugend.html" target="_blank">Mekka für Kunstfreunde</a>&#8220;), <strong>Thüle </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Cloppenburg/Friesoythe/Artikel/2657685/Mekka-der-Radfahrer-in-Th%FCle.html" target="_blank">Mekka für Radfahrer</a>&#8220;), <strong>Berne </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Wesermarsch/Berne/Artikel/958067/958067.html" target="_blank">Mekka für orientalischen Tanz</a>&#8220;), <strong>Wangerooge </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Friesland/Wangerooge/Artikel/1809926/Insel+wird+zum+Mekka+der+Cornwall-Fans.html" target="_blank">Mekka der Cornwall-Fans</a>&#8220;), <strong>Hollen </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Ammerland/Wiefelstede/Artikel/1423887/1423887.html" target="_blank">Mekka für Trecker-Fans</a>&#8220;), <strong>Neuenlande </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/index_aktuelles_regionalsport_kreis_cloppenburg_artikel.php?id=1302442" target="_blank">Mekka der Tractor-Pulling-Szene</a>&#8220;), <strong>Molbergen</strong> (&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/index_aktuelles_regionalsport_kreis_cloppenburg_artikel.php?id=2062158" target="_blank">Billard-Mekka</a>&#8220;), <strong>Rostrup </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Friesland/Wangerooge/Artikel/1809926/Insel+wird+zum+Mekka+der+Cornwall-Fans.html" target="_blank">Mekka für Familien</a>&#8220;), <strong>Löningen </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/index_aktuelles_regionalsport_kreis_cloppenburg_artikel.php?id=671838" target="_blank">Läufer-Mekka</a>&#8220;) – nicht zu verwechseln mit <strong>Oldenburg</strong> (&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Stadt/Oldenburg/Artikel/1733469/Liebe+zum+Laufen+entdeckt.html" target="_blank">Mekka für Läufer</a>&#8220;) oder <strong>Bremen </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Sport/Nachrichten/NWZ/Artikel/1791662/4500+Teilnehmer+starten+beim+Bremer+Marathon.html" target="_blank">Lauf-Mekka</a>&#8220;) –, <strong>Wilhelmshaven </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Hintergrund/NWZ/Artikel/2612835/Wilhelmshaven-maritimes-Mekka.html" target="_blank">Maritimes Mekka</a>&#8220;), <strong>Ganderkesee </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Oldenburg/Ganderkesee/Artikel/2385506/Ganderkesee+wird+wieder+zu+Mekka+der+Modellflieger.html" target="_blank">Mekka der Modellflieger</a>&#8220;) oder <strong>Scharrel </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Cloppenburg/Barssel/Artikel/2457280/Bahnhof+wird+Mekka+der+Saterfriesen.html" target="_blank">Mekka der Saterfriesen</a>&#8220;), das übrigens auch &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Friesland/Wangerooge/Artikel/1809926/Insel+wird+zum+Mekka+der+Cornwall-Fans.html" target="_blank">Mekka der Rettungskräfte</a>&#8221; ist.</p>
<p>Nicht in die Überschrift geschafft haben es die mekkahaften Qualitäten von <strong>Zetel </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Regionalsport/Kreis/Friesland/NWZ/Artikel/2651847/High-Light-Cup-lockt-wieder-nach-Zetel.html" target="_blank">Mekka der Boßelsportler</a>&#8220;), <strong>Jever</strong> (&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Friesland/Jever/Artikel/1414989/1414989.html" target="_blank">Mekka der Jazzfreunde</a>&#8220;), <strong>Nordenham </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Wesermarsch/Nordenham/Artikel/852170/852170.html" target="_blank">Vokalisten-Mekka</a>&#8220;), <strong>Bockhorn </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Video/Oldtimermarkt-in-Bockhorn_26189237001.html" target="_blank">Mekka für Händler und Feilscher</a>&#8220;), <strong>Bösel</strong> (&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/index_regionalausgaben_kreis_oldenburg_ganderkesee_artikel.php?id=1776417" target="_blank">Mekka der Gartenfreunde</a>&#8220;), <strong>Carolinensiel </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Friesland/Wangerland/Artikel/2526212/Traumhochzeit-wird-auch-im-Nordseebad-gefeiert.html" target="_blank">Mekka der Fans des britischen Königshauses</a>&#8220;), <strong>Obenstrohe </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/fotos/Suche/1/91223834643" target="_blank">Party-Mekka</a>&#8220;), <strong>Neusüdende </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Stadt/Oldenburg/Artikel/1110825/1110825.html" target="_blank">Mekka der deutschen Countrymusikszene</a>&#8220;), <strong>Querenstede </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Ammerland/Bad_Zwischenahn/Artikel/2470612/Modellbau+reizt+Papa+und+Sohn.html" target="_blank">Mekka des Modellbaus</a>&#8220;, das sich den Titel aber wohl <a href="http://www.nwzonline.de/index_regionalausgaben_kreis_oldenburg_ganderkesee_artikel.php?id=1776417" target="_blank">mit <strong>Hamburg</strong> teilen</a> muss, sowie &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Ammerland/Bad_Zwischenahn/Artikel/1226119/1226119.html" target="_blank">Mekka für Modelleisenbahner</a>&#8220;); erneut <strong>Molbergen</strong>, das auch ein &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Cloppenburg/Molbergen/Artikel/1432186/1432186.html" target="_blank">Mekka der Leichtathletik</a>&#8221; ist und schon wieder <strong>Löningen</strong>, diesmal als &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/index_aktuelles_regionalsport_kreis_cloppenburg_artikel.php?id=1302442" target="_blank">Mekka des Vielseitigkeitssports</a>&#8220;. Ob <strong>Wildeshausen </strong>stolz darauf sein kann, als &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/index_regionalausgaben_kreis_oldenburg_ganderkesee_artikel.php?id=1776417" target="_blank">Mekka der Sonderangebote</a>&#8221; zu gelten, darf bezweifelt werden.</p>
<p>Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Schwierig wird die Orientierung für Zweiradpilger: Neben dem &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/bikernews/Artikel/186/2291739/Motorrad-Mekka%20zeigt%20%20%20%20%20%20%20%20%20%20%20Neuheiten.html" target="_blank">Motorrad-Mekka</a>&#8221; in <strong>Dortmund </strong>finden sie auch offenbar jedes Jahr eines in <strong>Augustfehn </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Ammerland/Apen/Artikel/1632971/1632971.html" target="_blank">Biker-Mekka</a>&#8220;, &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Ammerland/Apen/Artikel/2693784/Atemberaubend-Salto-mit-Krad.html" target="_blank">Mekka der Biker</a>&#8221; oder &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Ammerland/Apen/Artikel/2686374/Hei%DFe-Stunts-mit-schwerer-Maschine.html" target="_blank">Mekka aller Motorradfahrer</a>&#8220;). Und <strong>Bremen</strong>, das zwar nicht zum Oldenburger Land gehört, aber immer mal wieder im Regionalteil Erwähnung findet, ist zugleich &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Stadt/Bremen/Artikel/744699/744699.html" target="_blank">HipHop-Mekka</a>&#8221; und &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/fotos/Neu/1/91267373042" target="_blank">Mekka für die besten Newcomer-Bands aus dem Bereich Indie und Rock</a>&#8220;. Wenn das mal nicht ins Auge geht, die Anhänger dieser beiden Musikstile haben ja nicht so furchtbar viel gemeinsam.</p>
<p>Für den Oldenburger Lokalteil von besonderem Interesse sind natürlich unsere unpaarhufigen Freunde aus der Familie der Equidae. Und hier hat der Pilger in spe gleich die Wahl zwischen <strong>Rastede </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/fotos/Neu/1/3257496" target="_blank">Mekka für Pferdefreunde</a>&#8220;), <strong>Altenoythe </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/index_aktuelles_spezial_artikel.php?id=2357210" target="_blank">Mekka des Reitsports</a>&#8220;) und <strong>Bettingbühren </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Wesermarsch/Berne/Artikel/1045348/1045348.html" target="_blank">Mekka des Pferdereitsports</a>&#8220;) oder auch – Vorsicht, Verwechslungsgefahr – <strong>Cloppenburg </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/index_aktuelles_regionalsport_kreis_cloppenburg_artikel.php?id=1342694" target="_blank">Mekka des Pferdesports</a>&#8220;) oder <strong>Hooksiel </strong>(&#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Friesland/Wangerland/Artikel/1266890/1266890.html" target="_blank">Mekka für Freunde des geselligen und spannenden Pferdesports</a>&#8220;).</p>
<p>So viele Mekkas – ob das gutgeht? Und vor allem: Heißt das, dass ein, sagen wir, neuseeländischer Rettungssanitäter einmal im Leben nach Scharrel reisen oder ein Leichtathletikstar wie Usain Bolt wenigstens einmal in Molbergen antreten muss? Man weiß es nicht, aber zumindest eines dürfte sicher sein: In Mekka, also dem Original auf der Arabischen Halbinsel, gibt es vermutlich deutlich weniger <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/?s=bratwurst">Bratwürste</a>.</p>
<p><em>Edit September 2012: Durch den kürzlich vollzogenen Relaunch der Internetpräsenz der NWZ sind sämtliche vorher gesetzten Links auf nwzonline.de leider nicht mehr funktionstüchtig. </em></p>
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		<title>Sex sells. Blood and tears too.</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Jun 2011 08:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Erfolgsrezept des Onlineauftritts einer Regionalzeitung besteht darin, den Schwerpunkt ihrer Berichterstattung auf ihr jeweiliges Verbreitungsgebiet zu legen; für die große Weltpolitik gibt es die großen Onlineredaktionen, gegen die regionale oder gar lokale Medien nicht anstinken können. Die Fokussierung auf das eigene Kerngebiet findet man bei vielen regionalen Medien, auch bei der NWZ. In ihrem Onlineauftritt sind die Aufmachermeldungen auf der Homepage regionalen Nachrichten vorbehalten, zumindest sind sie im Ressort „Region“ eingeordnet.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Erfolgsrezept des Onlineauftritts einer Regionalzeitung besteht wohl darin, den Schwerpunkt ihrer Berichterstattung auf ihr jeweiliges Verbreitungsgebiet zu legen; für die große Weltpolitik gibt es schließlich die großen Onlineredaktionen, gegen die regionale oder gar lokale Medien ohnehin nicht anstinken können. Die Fokussierung auf das eigene Kerngebiet findet man bei vielen regionalen Medien, auch bei der NWZ. In ihrem Onlineauftritt sind die Aufmachermeldungen oben auf der Homepage regionalen Nachrichten vorbehalten, zumindest sind sie stets im Ressort „Region“ eingeordnet.</p>
<p>Aber wie weit reicht eigentlich diese „Region“? Ist das Verbreitungsgebiet der gedruckten NWZ gemeint? Das wäre dann im Wesentlichen das Oldenburger Land. Oder zählen auch Ostfriesland und Bremen dazu? Klickt man auf der Homepage auf den Reiter &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/" target="_blank">Aus der Region</a>&#8220;, wird eine Karte angezeigt, die genau diesen Raum abgrenzt. Andererseits tauchen in diesem Ressort ab und zu auch Meldungen aus dem Emsland oder dem Osnabrücker Land auf; manchmal sogar aus dem Gebiet der Unterelbe. Gegenden, in denen die Zeitung mutmaßlich eher weniger Leser hat. Wo also verlaufen denn nun die Grenzen der NWZ-Region?</p>
<div id="attachment_42265" class="wp-caption alignright" style="width: 330px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/06/453688_web_R_K_by_Oliver-Moosdorf_pixelio.de_.jpg"><img class=" wp-image-42265 " alt="Immer gut: Blut. Lebensmittelfarbe geht aber notfalls auch. BILD: Oliver Moosdorf / pixelio.de" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/06/453688_web_R_K_by_Oliver-Moosdorf_pixelio.de_.jpg" width="320" height="214" /></a><p class="wp-caption-text">Immer gut: Blut. Lebensmittelfarbe geht aber notfalls auch. BILD: Oliver Moosdorf / <a href="http://www.pixelio.de/" target="_blank">pixelio.de</a></p></div>
<p>Ganz einfach: Sie verlaufen vermutlich nicht geografisch, sondern thematisch und ganz offensichtlich nach Bedarf dort, wo es über Blut, Sex und Verbrechen zu berichten gilt. Oder auch über Herzschmerzthemen, wie <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2011/05/02/presseschau-2-mai-schwandner-aprilscherz-kopierte-vwg-meldung-hochzeit-der-region/" target="_blank">unlängst bei der Kate&amp;Willie-Hochzeit</a> – Hauptsache, es ist klickträchtig, und das sind Gewalt und Unglücksfälle in weitaus größerem Umfang als, sagen wir, Kulturevents. Und sie kommen praktischerweise auch weitaus öfter vor.</p>
<p>Eine kleine Auswahl an Nachrichten aus der vergangenen Woche, die es der NWZ wert waren, den Ort des Geschehens &#8211; nun ja, einzugemeinden:</p>
<p>„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2617656/Kreis-Bentheim-Jugendbande-soll-74-Taten-begangen-haben.html" target="_blank">Kreis Bentheim: Jugendbande soll 74 Taten begangen haben</a>“ – 1. Juni 2011</p>
<p>„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2616724/D%F6rpen-17-J%E4hriger-wegen-Vergewaltigung-vor-Gericht.html" target="_blank">Dörpen: 17-Jähriger wegen Vergewaltigung vor Gericht</a>“ – 1. Juni 2011</p>
<p>„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2616696/ARD-holt-Kachelmann-nach-Freispruch-vorerst-nicht-zur%FCck.html" target="_blank">ARD holt Kachelmann nach Freispruch vorerst nicht zurück</a>“ (Mannheim) – 31. Mai 2011, inklusive <a href="http://www.nwzonline.de/fotos/Mannheim-Wettermoderator-Kachelmann-freigesprochen/1/303553347743/" target="_blank">Bilderstrecke</a> und <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2616696/Fall-Kachelmann-Staatsanwaltschaft-will-Revision-pr%FCfen.html" target="_blank">Folgeartikel</a></p>
<p>„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2615842/52-J%E4hriger-stirbt-bei-Streit-im-Kreis-Cuxhaven-Festnahme.html" target="_blank">52-Jähriger stirbt bei Streit im Kreis Cuxhaven – Festnahme</a>“ – 30. Mai 2011</p>
<p>„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2615111/Kreis-Osnabr%FCck-Junge-bei-Unfall-schwer-verletzt.html" target="_blank">Kreis Osnabrück: Junge bei Unfall schwer verletzt</a>“ – 29. Mai 2011</p>
<p>„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2615114/F%FCnf-Tote-bei-zwei-Unf%E4llen-im-Kreis-Stade.html" target="_blank">Fünf Tote bei zwei Unfällen im Kreis Stade</a>“ – 29. Mai 2011<br />
<em> </em></p>
<p><em>… und ein gutes Pferd, äh, ein tragisches Unglück zieht auch zweimal:</em><br />
„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2615090/Drei-Unfalltote-in-zw%F6lf-Stunden-im-Kreis-Stade.html" target="_blank">Drei Unfalltote in zwölf Stunden im Kreis Stade</a>“ – 28. Mai 2011</p>
<p>(Überhaupt, Stade: Gut, dass es dort ein Landgericht gibt, <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2617654/Stade-Opfer-erschie%DFt-T%E4ter-Keine-Aussage-im-Prozess.html" target="_blank">da</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2591576/Toedliche-Schuesse-auf-Raeuber-Komplizen-in-Stade-vor-Gericht.html" target="_blank">fällt</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2602616/Stade-24-Jaehriger-wegen-Toetung-der-Ehefrau-vor-Gericht.html" target="_blank">immer</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2590775/Stade-Mann-zerstueckelt-Urteil-verzoegert-sich.html" target="_blank">mal</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Ticker/Artikel/2615114/F%FCnf-Tote-bei-zwei-Unf%E4llen-im-Kreis-Stade.html" target="_blank">wieder</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2606285/Stade-Frau-erwuergt-Prozess-gegen-Schwager-beginnt.html" target="_blank">eine</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2611497/Stade-T%F6dliche-Sch%FCsse-auf-R%E4uber-Komplizen-vor-Gericht.html" target="_blank">blutige</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2612322/Angeklagter-in-Stade-Bande-war-unbewaffnet.html" target="_blank">Meldung</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2584940/Stade-Lebenslange-Haftstrafe-fuer-Mord-mit-Hammer.html" target="_blank">für</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2217889/67-Jaehriger-in-Stade-gesteht-Kindesmissbrauch.html" target="_blank">die</a>, nun ja, Regionalnachrichten der NWZ ab. Und <a href="http://www.nwzonline.de/fotos/Campingplatzmord-Prozessauftakt-in-Stade/185/4985411/stade/" target="_blank">auch</a> <a href="http://www.nwzonline.de/fotos/Stade-Prozessauftakt-nach-toedlichem-Raubueberfall/185/303508909682/stade/" target="_blank">lustige</a> <a href="http://www.nwzonline.de/fotos/Frau-erschlaegt-und-zerstueckelt-Ehemann-in-Stade/185/202899401647/stade/" target="_blank">Bilderstrecken</a>. Ansonsten kann sich die Redaktion darauf verlassen, dass <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2417568/Stade-Zweites-Kind-nach-Autounfall-gestorben.html" target="_blank">dort</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2573716/Kreis-Stade-15-Jaehriger-geraet-unter-Traktor-tot.html" target="_blank">öfter</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2573716/Kreis-Stade-15-Jaehriger-geraet-unter-Traktor-tot.html" target="_blank">mal</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2584925/23-Jaehriger-stirbt-nach-Motorradunfall-in-Stade.html" target="_blank">ein</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2606286/Schueler-nach-Werkstatt-Brand-in-Stade-gestorben.html" target="_blank">Unglück</a> <a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2587384/Stade-Junge-mit-heissem-Wasser-schwer-verbrueht.html" target="_blank">geschieht</a>.)</p>
<p>„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2615100/Weitere-EHEC-Tote-in-Norddeutschland.html" target="_blank">Weitere EHEC-Tote in Norddeutschland</a>“ (Hannover/Berlin) – 28. Mai 2011</p>
<p>„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2615069/Itterbeck-Sext%E4ter-lockt-Zw%F6lfj%E4hrige-per-Chat-in-Wald.html" target="_blank">Itterbeck: Sextäter lockt Zwölfjährige per Chat in Wald</a>“ (Grafschaft Bentheim) – 28. Mai 2011<br />
<em>Klar, dass auch das an zwei aufeinanderfolgenden Tage verwertbar ist:</em><br />
„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2614141/Itterbeck-Polizei-verhaftet-Triebt%E4ter.html" target="_blank">Itterbeck: Polizei verhaftet Triebtäter</a>“ – 27. Mai 2011</p>
<p>„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2614044/Untreueverdacht-Prozess-gegen-CDU-Politiker.html" target="_blank">Untreueverdacht: Prozess gegen CDU-Politiker</a>“ (Osnabrück) – 27. Mai 2011</p>
<p>„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2614131/Unfall-in-Campemoor-Fahrer-von-Sonne-geblendet.html" target="_blank">Unfall in Campemoor: Fahrer von Sonne geblendet</a>“ (Neuenkirchen-Vörden) – 27. Mai 2011</p>
<p>„<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2613241/Lingen-Einbrecherbande-werden-166-Straftaten-vorgeworfen.html" target="_blank">Lingen: Einbrecherbande werden 166 Straftaten vorgeworfen</a>“ – 26. Mai 2011</p>
<p>Es ist ja nicht so, dass NWZonline über kein passendes Ressort für &#8220;bunte&#8221; Meldungen von anderswo verfügen würde, die aus der gedruckten Zeitung bekannten &#8220;Panorama&#8221; oder &#8220;Niedersachsen&#8221; böten sich an. Aber die sind halt so weit unten auf der Homepage oder verstecken sich in Untermenüs, da verirren sich auch die klickwütigsten Voyeure wohl nur selten hin.</p>
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		<title>Strohfeuer um fiktiven Brandanschlag</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Mar 2011 02:00:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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		<category><![CDATA[Tierschutz]]></category>

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		<description><![CDATA[Ihre politische Karriere war kürzer als die musikalische mancher Superstar-Kandidaten: Es ist still geworden um die CDU-Politikerin und Putenmästerin Astrid Grotelüschen, die nach ihrem Intermezzo im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium wieder in die Landwirtschaftsindustrie zurückgekehrt ist. Vielleicht ein wenig zu still - denn: War da nicht was? Zum Beispiel ein Riesenbohei um einen angeblichen Brandanschlag?]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Ihre politische Karriere war kürzer als die musikalische mancher DSDS-Kandidaten, und auch sonst mangelt es der CDU-Politikerin an Starqualitäten: Es ist still geworden um Putenbrüterin Astrid Grotelüschen, die nach ihrem Intermezzo im niedersächsischen Landwirtschafts­ministerium wieder in die Landwirtschaftsindustrie zurückgekehrt ist. Vielleicht ein wenig zu still – denn: War da nicht was? Zum Beispiel ein Riesenbohei um einen angeblichen Brandanschlag?</span></p>
<div id="attachment_42242" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/03/PETA_Grotel_Stall_gross.jpg"><img class="size-full wp-image-42242" alt="Geeignetes Anschlagsziel für Tierschützer? Puten im Stall. FOTO: Peta" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2011/03/PETA_Grotel_Stall_gross.jpg" width="600" height="398" /></a><p class="wp-caption-text">Geeignetes Anschlagsziel für Tierschützer? Puten im Stall. FOTO: Peta</p></div>
<p>Wo Rauch ist, ist auch Feuer, heißt es. Und wo Feuer ist, sind die Medien nicht weit. Und als in der Nacht vom 20. auf den 21. August 2010 eine Papiertonne auf dem Gelände der der Familie Grotelüschen gehörenden Mastputen-Brüterei Ahlhorn kokelte, stand für einige Redaktionen sehr schnell fest: Dieses Feuer konnte nur – ja, es <em>musste </em>gelegt worden sein; das Wort &#8220;Anschlag&#8221; wurde aus der Schublade der politische Gewalt oder Terrorakte beschreibenden Begriffe hervorgeholt und machte sogleich die Runde. &#8220;Ministerin Grotelüschen geschockt! Brandanschlag auf Familienbetrieb&#8221; überschrieb die Bild-Zeitung ihren Artikel, illustrierte ihn mit einem Foto, auf dem sie verheult aussieht (vielleicht aber auch nur müde) und lieferte gleich eine anschauliche Schilderung des von der Redaktion postulierten Geschehens mit: &#8220;Der Attentäter schlich auf den Hof, steckte Altpapier in einer grünen Tonne an, schob den schwelenden Container direkt neben eine Hauswand&#8221;, hieß es da, als ob ein Bild-Reporter dabei gewesen wäre.</p>
<p><strong>Wessen Kampagne?</strong></p>
<p>In das gleiche Horn stieß auch die Nordwest-Zeitung: &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Region/Ticker/Artikel/2413331/Ahlhorn%20%20Anschlag%20auf%20Grotel%C3%83%C6%92%C3%86%E2%80%99%C3%83%E2%80%9A%C3%82%C2%BCschen-Br%C3%83%C6%92%C3%86%E2%80%99%C3%83%E2%80%9A%C3%82%C2%BCterei.html" target="_blank">Anschlag auf Grotelüschen-Stall</a>&#8221; titelte sie und legte gleich mit einem menschelnden Folgeartikel nach: &#8220;<a href="http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Niedersachsen/NWZ/Artikel/2413207/Grotel%FCschen+ersch%FCttert+nach+Feuer.html" target="_blank">Grotelüschen erschüttert nach Feuer</a>&#8220;. Beide Zeitungen präsentierten auch gleich die – ihrer Ansicht nach – Hauptverdächtigen: Radikale Tierschützer. Schließlich hatte die Tierrechtsorganisation Peta nur wenige Wochen zuvor <a href="http://www.peta.de/grotelueschen" target="_blank">Videos veröffentlicht</a>, die grausige Haltungsbedingungen von Puten in einem mit der Firmengruppe der Grotelüschens zusammenhängenden Stall dokumentierten und damit eine öffentliche Diskussion um die Ministerin, in deren Ressort immerhin auch der Tierschutz fiel, entfachten. Beweise oder Indizien für einen Anschlag gab es keine – was die Redaktion von NWZtv allerdings nicht davon abhielt, Ahlhorner Anwohner vor der Kamera <a href="http://www.nwzonline.de/Video/Anschlag-auf-Mastputen-Brueterei_593182823001.html" target="_blank">zu ihrer Meinung zum &#8220;Anschlag&#8221; zu befragen</a>, die sich sogleich abfällig über derartige &#8220;Methoden der Tierschützer&#8221; äußerten. Grotelüschens Ehemann Garlich sprach von einer &#8220;politischen Kampagne&#8221;. Er meinte die Tierschützer, nicht die Berichterstattung.</p>
<p>Und nun, ein gutes halbes Jahr später? Was ist eigentlich daraus geworden?  &#8220;Die Ermittlungen wurden eingestellt&#8221;, sagt Staatsanwaltschaftssprecher Rainer du Mesnil de Rochemont auf Anfrage: &#8220;Schon vor Wochen.&#8221; Das genaue Datum müsse er nachschlagen – es klingt nicht eben so, als hätte der Fall die Gemüter in der Oldenburger Staatsanwaltschaft über Monate hinweg in Wallung gehalten. Es hätten sich, so du Mesnil de Rochemont, &#8220;keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, dass Tierschützer, dritte Personen, die Familie Grotelüschen selbst oder der Wachmann den Papierkorb angesteckt haben&#8221;.</p>
<p><strong>Kein Anschlag, kein Artikel</strong></p>
<p>Dass Tierschützer einen Stall mit Zigtausend Tieren in Brand setzen würden, war wohl ohnehin eine bizarre Theorie &#8211; was Grotelüschens Parteifreund und CDU-Fraktionsvorsitzenden Björn Thümler allerdings nicht davon abhielt, im niedersächsischen Landtag sogar den Entwurf einer &#8220;Resolution gegen Gewalt unter dem Deckmantel des Tierschutzes&#8221; zu verteilen. Dabei waren schon kurz nach dem Brand die Zweifel der Polizei – die anfangs, wie üblich in solchen Fällen, in alle Richtungen ermittelte – an der Anschlagstheorie gewachsen. Das vermeldete schließlich auch die NWZ am 1. September, eineinhalb Wochen später. Über die definitive Einstellung der Ermittlungen und vor allem über das Nichtvorhandensein jeglicher Indizien für die groß aufgemachte Brandstiftungsgeschichte findet sich allerdings in den Onlineauftritten beider Zeitungen &#8211; nichts.</p>
<p>Genaugenommen könne man in diesem Fall, so du Mesnil de Rochemont weiter, eigentlich nicht einmal von einer Brandstiftung sprechen, denn die liege nur vor, wenn gezielt versucht werde, ein Gebäude anzuzünden. Ob es denn nicht denkbar sei, dass jemand den Papierkorb angezündet habe, um genau das zu erreichen? &#8220;Denkbar ist vieles&#8221;, antwortet der Sprecher der Staatsanwaltschaft in leicht gequältem Tonfall. &#8220;Zum Beispiel auch, dass es einfach eine Zigarettenkippe war.&#8221;</p>
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