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	<title>Noltejournal &#124; Magazin &#187; Stadtleben &#124; Noltejournal | Magazin</title>
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		<title>Gute Kurse, schlechte Kurse</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Apr 2013 04:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsagentur]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>

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		<description><![CDATA[Quer durch alle politischen Lager zieht sich die Aufforderung an Migranten, Deutsch zu lernen. Dumm nur, wenn man sich für den Versuch, seine Integration voranzutreiben, mitunter auch Ärger einhandeln kann.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Quer durch alle politischen Lager zieht sich die Aufforderung an Migranten, Deutsch zu lernen. Dumm nur, wenn man sich für den Versuch, seine Integration voranzutreiben, mitunter auch Ärger einhandeln kann.</span></p>
<div id="attachment_41913" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/04/aa-oldb-600x315.jpg"><img class="size-full wp-image-41913" alt="Hier geht's rein in die Agentur. Und auch wieder raus. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/04/aa-oldb-600x315.jpg" width="600" height="315" /></a><p class="wp-caption-text">Hier geht&#8217;s rein in die Agentur. Und auch wieder raus. FOTO: mno</p></div>
<p>Seit vier Jahren lebt Adnan M. als Flüchtling in Deutschland, die Hälfte der Zeit hat er hier auch gearbeitet – in der oldenburgischen Fleischindustrie, etwas Besseres ist kaum zu kriegen, wenn man nur wenig deutsch spricht und zudem nicht lesen und schreiben kann. Daran wollte der 31-Jährige etwas ändern, nachdem er im vergangenen Jahr arbeitslos wurde, und meldete sich für einen Sprach- und Alphabetisierungskurs bei der Interkulturellen Arbeitsstelle Ibis an. Seine Chancen, Arbeit zu finden, könnten sich dadurch nur verbessern, dachte der irakische Kurde. Behörden denken mitunter anders – die Arbeitsagentur strich ihm zeitweise sämtliche Ansprüche.</p>
<p>Durch den Integrationskurs habe er dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung gestanden, weshalb die Leistungen rückwirkend eingestellt worden seien, hatte ihm die Arbeitsagentur mitgeteilt, nachdem M. sie von seiner Teilnahme in Kenntnis gesetzt hatte. „Ganz arglos“, wie Ibis-Berater Peter von Rüden sagt, schließlich hatte ihm das Jobcenter zuvor zu einem solchen Kurs geraten. M. hat mit beiden Behörden zu tun, da sein Arbeitslosengeld zum Leben nicht reicht und mit Alg II aufgestockt wird.</p>
<p>M. hatte allerdings nicht angegeben, welchen zeitlichen Umfang der Kurs habe, erklärt Vanessa Bartels, Teamleiterin Arbeitsvermittlung in der Oldenburger Agentur, den Vorgang – man sei daher davon ausgegangen, dass er in Vollzeit daran teilnehme, womit die Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosengeld I entfielen. Rund 3.000 Euro sollte der Arbeitslose zurückzahlen. M. wiederum betonte, dass er den Kurs für ein Jobangebot ja jederzeit abgebrochen hätte. Aber auch das half ihm nicht: Zwar gibt es mit dem Paragrafen 139 Abs.3.2 im Sozialgesetzbuch III eine rechtliche Grundlage, die diese Form der Verfügbarkeit auf Abruf regelt – seit Ende November 2012 aber gibt es eine Weisung, nach der dieser Abschnitt explizit nicht mehr bei Integrationskursen zum Tragen komme. „Mir sind da die Hände gebunden“, sagt Bartels.</p>
<p>Stattdessen hätte M. an einem sogenannten EMS-BAMF-Kurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge teilnehmen können, hieß es. Die sind nach vereinheitlichten Standards aufgestellt und in Sachen Leistungsanspruch genau geregelt, teilt ein Sprecher der Bundesagentur mit. Von Rüden hält sie für den vorliegenden Fall indes für wenig sinnvoll: „Die richten sich vor allem an Fortgeschrittene“ – und nicht an Menschen, die im Alphabetisierungsprozess stecken.</p>
<p>Anspruchsberechtigten Migranten bleibt ansonsten noch die Möglichkeit, Kurse in Teilzeit zu besuchen – aber auch da gibt es Stolperfallen, denn die Kurszeiten dürfen sich nicht mit den Verfügbarkeitszeiten überschneiden, die der Erwerbslose bei der Agentur angegeben hat. Im Falle Oldenburgs bedeutet das mitunter, dass sich Arbeitssuchende auf Stellen in Spät- oder Nachtschichten hin umorientieren müssen – denn Abendkurse gibt es hier nicht. „Man müsste dann ja fünf oder sechs Kurse anbieten, um allen Leistungsniveaus gerecht zu werden“, sagt von Rüden: „So viele Leute gibt es hier gar nicht, das ist eher für Berlin oder Hamburg realistisch.“</p>
<p>Es wirkt ein wenig, als wäre M. zwischen die Mühlsteine zweier Behörden geraten – genau jener von ihm gewählte Kurs, der ihm nun Ärger mit der Agentur einhandelte, war noch im Oktober – also vor der zitierten Weisung – vom Jobcenter als Eigenbemühung anerkannt und in einer Eingliederungsvereinbarung dokumentiert worden. Während die eine Behörde Druck ausübt, einen solchen Kurs zu belegen, sieht ihn die andere mitunter als Störfaktor für die Arbeitsvermittlung – nicht nur für Migranten schwer zu durchblicken, und eine nicht beantwortete Frage reicht in diesem Räderwerk aus, um in finanzielle Not zu geraten.</p>
<p>Immerhin gibt es für M. ein Happy End: Seinem zunächst abgewiesenen Widerspruch hat die Agentur nach Klärung seiner Kurszeiten nun doch noch stattgegeben; er muss somit keine Rückzahlung leisten und darf auch seinen Kurs weiter besuchen. Eine gewisse Unsicherheit bleibt: Integrationskurs ist mittlerweile nicht mehr gleich Integrationskurs – und Verfügbarkeit Definitionssache.</p>
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		<title>So wird 2013</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Dec 2012 04:00:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>

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		<description><![CDATA[Niedersächsisches Mediengesetz, § 59: "Medien, die bis zum Neujahrstag keine heitere Jahresvorschau liefern, werden mit Auflageeinbußen nicht unter fünf Prozent bestraft." Na denn: Schöner ins Jahr mit dem Lokalteil.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Niedersächsisches Mediengesetz, § 59: &#8220;Medien, die bis zum Neujahrstag keine heitere Jahresvorschau liefern, werden mit Auflageeinbußen nicht unter fünf Prozent bestraft.&#8221; Na denn: Schöner ins Jahr mit dem Lokalteil.</span></p>
<div id="attachment_42356" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/12/Sonne-über-der-Hunte.jpg"><img class="size-full wp-image-42356" alt="Da dämmert es heran, das neue Jahr. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/12/Sonne-über-der-Hunte.jpg" width="600" height="392" /></a><p class="wp-caption-text">Da dämmert es heran, das neue Jahr. FOTO: mno</p></div>
<p><strong>2. Januar:</strong> Da die Geschäfte in den Schlosshöfen auch im zweiten Jahr unter den Erwartungen geblieben sind, entschließt sich die ECE-Gruppe, ein weiteres Center in der Oldenburger Innenstadt zu eröffnen. Die Wahl fällt auf das dahinsiechende CCO, das zwar erst vor wenigen Jahren saniert worden ist, nun allerdings trotzdem komplett abgerissen wird, damit der Neubau exakt so aussehen kann wie jedes andere ECE-Center dieser Welt.</p>
<p><strong>20. Januar:</strong> Bei der Landtagswahl gehen erneut beide Oldenburger Wahlkreise an die SPD, die Wahl insgesamt aber an die CDU, nachdem Mutti Merkel die Oldenburger drei Tage vorher um den Finger gewickelt hat. Da gleichzeitig die FDP auf 1,3 Prozent abrutscht, kommt es zu einer Großen Koalition, wodurch sich die Redebeiträge der Sozialdemokraten im Oldenburger Rat um die Hälfte verkürzen, da sie nicht mehr über die Politik in Hannover schimpfen dürfen.</p>
<p><strong>28. Januar:</strong> Nachdem der aus dem Maya-Kalender abgeleitete Weltuntergang im Dezember ausgeblieben war, stürzen sich Esoterikverlage, Verschwörungstheoretiker und Partyveranstalter auf den 15. Februar als neuen Apokalypse-Termin: Dann soll der Asteroid „2012 DA14“ alles Leben auf der Erde vernichten. Eigentlich sind sich Wissenschaftler zwar ziemlich sicher, dass er vorbeifliegen wird, aber auf die hört ja auch sonst niemand.</p>
<p><strong>2. Februar:</strong> Die gerade erst wieder eingeführte &#8220;Bettensteuer&#8221; muss bereits wieder ausgesetzt werden, nachdem der Vermieter eines Fremdenzimmers in Wanne-Eickel erfolgreich gegen sie geklagt hat – er konnte dem dortigen Gericht glaubhaft erklären, dass es an der Steuer liege, dass niemand in Wanne-Eickel übernachten wolle. Die Oldenburger Stadtverwaltung kündigt eine Überarbeitung ihrer Steuersatzung an.</p>
<p><strong>16. Februar:</strong> Der Asteroid hat die Erde – wie zuvor prognostiziert – verfehlt, aber Schäden hat es dennoch gegeben: Die Wallstraße liegt nach einer ausgeuferten „Oh-mein-Gott-wir-werden-alle-sterben“-Party in Schutt und Asche, und drei Viertel der Oldenburger Taxi- und Busflotte sind derart vollgekotzt, dass die Fahrzeuge ausgewechselt werden müssen. Die Arbeitslosenquote steigt ebenso wie die Zahl der Singles sprunghaft an, nachdem eine erkleckliche Zahl von Leuten in den vergangenen Tagen ihren Chefs bzw. Partnern ordentlich die Meinung gegeigt hat. Partyveranstalter schwenken sofort auf „Lonely-Hearts“-Events mit Dosenbier um.</p>
<p><strong>25. Februar:</strong> Beim traditionellen „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ in Berlin wird die Stadtkasse mit mehreren Hundert Euro zusätzlich belastet, da gegen 22 Uhr ein paar Dutzend Pizzen nachbestellt werden müssen, weil der neue Kohlkönig Peter Altmaier den Grünkohl- und Pinkelvorrat beinahe im Alleingang vernichtet hat.</p>
<p><strong>4. März:</strong> Die Uni Oldenburg legt die Ergebnisse der <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2012/02/27/wurdigungen-im-wandel/">Straßennamenstudie</a> vor. Überraschenderweise haben die Historiker an Namen wie „August-Hinrichs-Straße“ oder „Ostlandstraße“ wenig auszusetzen; dafür mahnen sie dringend an, die „Nordtangente“ und die „Mittellinie“ umzubenennen – die seien viel zu wenig geisteswissenschaftlich konnotiert. Als Alternativen schlagen sie „Straße der Bielefelder Schule“ und „Fischer-Kontroverse-Weg“ vor.</p>
<p><strong>1. April:</strong> Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, gibt eine Pressemitteilung heraus, nach der die Bahnumgehung um Oldenburg in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werde und die Planfeststellung bereits im kommenden Jahr beginnen könne. Die Oldenburger ziehen tanzend durch die Innenstadt und feiern durch bis morgen früh und singen bumsfallera …</p>
<p><strong>2. April:</strong> … weshalb leider niemand Notiz von Ferlemanns zweitem Fax nahm, das eine Stunde nach der PM eintaf und dessen Inhalt sich auf die Worte „April, April“ beschränkte. Wutentbrannt stürmen verkaterte Angehörige aller mittlerweile acht Bahnlärminitiativen den Bahnhof, wissen allerdings nicht so recht, was dort zu tun ist und verlassen ihn unverrichteter Dinge wieder, zumal sie von Bundespolizisten höflich darum gebeten werden.</p>
<p><strong>15. April:</strong> Die EWE erhöht zum vierten Mal in diesem Jahr die Strompreise. Aus einem internen Vorstandsschreiben des Konzerns, das in die Öffentlichkeit gelangt, geht die dahinter stehende ausgeklügelte Strategie hervor: „Das ist ja kein Gas diesmal, da merkt es dann keiner.“</p>
<p><strong>22. April:</strong> Antifa-Aktivisten wollen die Ratssitzung nutzen, um das Haus von NPD-Ratsherrenmensch UIrich Eigenfeld komplett zu demontieren und in Oberschlesien wieder aufzubauen, finden es aber nicht mehr, da Eigenfeld es nach der letzten Umgestaltung durch die Antifaschisten feldgrau gestrichen und mit Tarnnetzen behängt hat. Mit leichter Verspätung treffen sie im PFL ein und brüllen Eigenfeld nachträglich nieder.</p>
<p><strong>6. Mai:</strong> Filmfest-Chef Torsten Neumann präsentiert einen spektakulären Sponsoring-Coup: Die „Aida“-Reederei erklärt sich bereit, die geladenen Stargäste auf ihre Kosten aus den USA nach Oldenburg zu bringen. Da sie dazu jedoch erst zwei Dutzend karibische Häfen abklappern, eine Donaukreuzfahrt absolvieren und eine Anzahl norwegischer Fjorde hinter sich bringen müssen, bevor sie in Bremen an Land gesetzt werden können, muss das Filmfest auf Dezember verschoben werden.</p>
<p><strong>20. Mai:</strong> Die neue Beherbergungssteuersatzung wird verabschiedet. Beim Einchecken wird nun ein Lügendetektor-Test obligatorisch, der sicherstellen soll, dass die Gäste bei der Angabe, ob die Übernachtung privat oder geschäftlich motiviert ist, nicht flunkern.</p>
<p><strong>21. Mai:</strong> Die CDU-Fraktion beantragt die Abschaffung der am Vortag eingeführten Steuer, da sie rechtliche Verwicklungen befürchtet, wenn bei der Erhebung der Abgabe nicht eindeutig zwischen nach Feng-Shui-Richtlinien eingerichteten und normalen Hotelzimmern unterschieden werde.</p>
<p><strong>30. Mai:</strong> Am ersten „Westfalentag“ des Jahres veranstalten Mitglieder der Grünen-Fraktion eine Sitzblockade auf den <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2012/11/18/das-geschwatz-von-gestern/">Parkplätzen vor dem Schlauen Haus</a>. Wütende Mercedes-190-Fahrer aus Ostwestfalen-Lippe versuchen erfolglos, sie aus dem Weg zu hupen, erreichen aber damit nur, dass sich verschiedene Verkehrslärminitiativen mit den Politikern solidarisieren. Das gemeinsame „Kumbaya my Lord“-Singen endet abrupt, als alle schnell zur Seite springen müssen, weil sich ein Havixbecker Rentner mit seinem Audi Q7 nähert und alle vier Parkplätze auf einmal einnimmt.</p>
<p><strong>5. Juni:</strong> In einer nächtlichen Guerillaaktion platzieren Bürgervereinsmitglieder das Graf-Anton-Günther-Denkmal auf der Friedenssäule, die daraufhin umkippt und Oldenburg somit von gleich <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2011/12/09/krieg-und-frieden/">zwei</a> <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/category/politik/denkmaldebatte/">nervigen</a> Denkmaldebatten befreit.</p>
<p><strong>11. Juni:</strong> Die &#8220;Bettensteuer&#8221; wird wieder ausgesetzt, da die Lügendetektoren zum Explodieren neigen, wenn Firmenchefs mit ihren Sekretärinnen im Hotel einchecken wollen und die Frage nach privater oder beruflicher Übernachtung beantworten müssen.</p>
<p><strong>18. Juni:</strong> Im PFL wird eine neue Technik eingeführt: Der Stuhl des NPD-Ratsherrenmenschen Ulrich Eigenfeld wird mit einem Kontaktschalter ausgestattet, der – sobald sich der Kontakt löst, weil Eigenfeld für einen Redebeitrag aufsteht – ein halbes Dutzend Ghettoblaster auf den Zuschauerrängen in Betrieb setzt, die zuvor aufgezeichnete Protestrufe abspielen. Der Vorteil für die Antifa-Aktivisten: Sie können in Ruhe Eigenfelds Haus umdekorieren und anschließend noch gemütlich ein Feierabendbier trinken gehen, statt sich stundenlang Redebeiträge anhören zu müssen, während sie auf ihre dreiminütigen Einsätze warten. Der Vorteil für die Stadt: Sie spart Kosten bei den Sicherheitsmaßnahmen.</p>
<p><strong>29. Juni:</strong> Nachdem Journalisten in Internetforen auf die Theorie gestoßen sind, dass die Zeitreisen, die sogenannte <a href="http://www.wahrexakten.at/faszination-2012-wendepunkt-oder-weltuntergang/16780-12-08-2013-weltuntergang.html" target="_blank">Chrononauten des US-amerikanischen „Montauk“-Projektes</a> angeblich experimentell durchführen, nur bis zum 12. August 2013 funktionieren und nicht zu einem späteren Zeitpunkt, wird der Weltuntergang auf den 13. August terminiert. Partyveranstalter, Esoterikverlage und … ach, siehe oben.</p>
<p><strong>30. Juni:</strong> In der NWZ erscheint der erste Leserbrief, der die Wiedererrichtung der Säule am Friedensplatz mit dem „Friedensengel Anton Günther“ an der Spitze fordert.</p>
<p><strong>14. August:</strong> Die Welt hat sich ein weiteres Mal geweigert, unterzugehen. Da die Wiederaufbauarbeiten in der Wallstraße noch nicht abgeschlossen waren, waren dieses Mal die Kneipen am Rathausmarkt dran, in arge Mitleidenschaft gezogen zu werden. Und der Rathausmarkt selbst – ein Großteil der Pflastersteine findet sich anschließend in den geplünderten Schlosshöfen wieder. In dessen Überresten materialisiert sich in den frühen Morgenstunden ein englisch sprechender und leicht verwirrt wirkender Uniformierter und fragt nach dem Datum, wird aber von den letzten Nachtschwärmern sofort verprügelt.</p>
<p><strong>26. August:</strong> Die ganz neue Beherbergungssteuersatzung wird verabschiedet. Der Einsatz technisch anfälliger Lösungen wie Lügendetektoren wird untersagt. Stattdessen dürfen Hoteliers, um die steuerrelevante Frage nach privater oder geschäftlicher Motivation der Übernachtung eines Gastes beantwortet zu bekommen, zu althergebrachten Methoden wie Waterboarding, Fingernägelausreißen und dem Vorlesen vogonischer Gedichte greifen.</p>
<p><strong>26. August, eine halbe Stunde später:</strong> Die in der vorangegangenen Abstimmung unterlegene CDU beantragt die Abschaffung der &#8220;Bettensteuer&#8221;, weil in der Satzung die Frage nach der Steuerrelevanz der Farbe der Bettwäsche nicht eindeutig geklärt sei und deutlich zwischen weichen und harten Matratzen unterschieden werden müsse.</p>
<p><strong>1. September:</strong> Filmfest-Chef Torsten Neumann stellt das Programm des 20. Festivals vor. Da das Engagement von „Aida“ die Finanzierungslücke nicht ganz füllen kann, greift das Team zu ungewöhnlichen Sparmaßnahmen: Die T-Shirts vom 10. Filmfest werden wieder hervorgeholt und mittels Farbstiften aus den Einsen Zweien gemalt. In den Vorführungen soll nur abgelaufenes Popcorn gereicht werden, und die Filmfest-Gala wird in „Wallys Bierstuben“ verlegt.</p>
<p><strong>23. September:</strong> Nachdem die Antifa-Truppe Eigenfelds Haus doch noch gefunden hat, kommen sie allerdings nicht mehr an es heran: Der NPD-Mann hat die Zeit genutzt, um das Haus mit Schützengräben, Stacheldrahtverhauen, MG-Nestern und Minenfeldern zu umgeben. Die muss er aber auf behördliche Anordnung allesamt wieder entfernen, da seine Adresse als Wohngebiet ausgewiesen ist; Eigenfelds Antrag im Rat, die Festung Tannenkampstraße zum Frontgebiet zu erklären, scheitert kläglich.</p>
<p><strong>5. Oktober:</strong> Die EWE wird von 160.000 Oldenburgern wegen des Strompreises verklagt. Um eine außergerichtliche Einigung durch einen neutralen Vermittler auszuhandeln, begeben sich die Juristen &#8211; da Henning Scherf schnell einen Urlaub gebucht hat, nachdem er davon erfahren hat &#8211; auf die Suche nach einem anderen unterbeschäftigten ehemaligen Großstadtbürgermeister. Schnell werden sie mit Klaus Wowereit einig.</p>
<p><strong>19. Oktober:</strong> Die Stadt Oldenburg beendet die Partnerschaft mit Machatschkala, nachdem eine Umfrage im Rathaus ergeben hat, dass ohnehin niemand weiß, wo das liegt und was genau eigentlich ein „Dagestan“ sein soll. Stattdessen bemüht sich OB Gerd Schwandner um eine Partnerschaft mit <a href="http://www.masdarcity.ae/en/" target="_blank">Masdar City</a> in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die als viel übermorgiger angesehen wird, zumal sich ihre Fertigstellung um ein gutes Jahrzehnt verzögert.</p>
<p><strong>28. Oktober:</strong> Oldenburger Bauunternehmer schreiben Geschichte, nachdem es ihnen gelingt, auch ein gutes Jahr nach Fertigstellung des Schlauen Hauses den entsprechenden Kostenvoranschlag „leider nicht einhalten“ zu können, wodurch noch einmal zwei Millionen Euro zusätzlich fällig werden.</p>
<p><strong>10. November:</strong> OB Schwandner stellt das neue Partnerland Oldenburgs für das Jahr 2014 vor. Nachdem im Vorfeld als Kandidaten Taiwan (ist ja irgendwie auch China), Mauritius (wollte Schwandner schon immer mal hin) und <a href="http://de.ibtimes.com/articles/24130/20110518/haben-wir-mit-gliese-581d-den-ersten-lebensfreundlichen-planeten-entdeckt.htm" target="_blank">Gliese 581 d</a> (schließlich ist Oldenburg Übermorgenstadt) gehandelt worden sind, fällt das Ergebnis überraschend aus: Es wird das Emsland. Die Grünen fordern umgehend ein sofortiges Abwahlverfahren des OB, da sie „diese andauernden Reisen in immer exotischere Gegenden der Welt“ nicht mehr finanziert sehen wollen.</p>
<p><strong>3. Dezember:</strong> Das 20. Internationale Filmfest beginnt. Das ursprünglich geplante Special zum frühen 3D-Film der 50er-Jahre wird jedoch kurzfristig aus dem Programm gekippt, als das Team feststellt, dass der Hersteller der benötigten 3D-Brillen im gutgemeinten Bestreben nach größtmöglicher Authentizität rot-grüne Brillen geliefert hat.</p>
<p><strong>5. Dezember:</strong> Die Uni feiert ihren 40. Geburtstag. Zur Feier des Tages – und weil man in diesem Alter die politische Sturm- und Drangzeit bekanntlich hinter sich gelassen hat – benennt sie sich in Dr.-Werner-Brinker-Universität um.</p>
<p><strong>12. Dezember:</strong> Die wiederaufgewärmte Meldung über die Behauptung eines russischen Kosmonauten, nach der der Mayakalender erst am 23. Dezember 2013 ende und <a href="http://www.shortnews.de/id/663045/russischer-kosmonaut-am-23-dezember-2013-werden-au%C3%9Ferirdische-zur-erde-kommen" target="_blank">Außerirdische an diesem Tag die Erde zerstören</a> würden, sorgt nach den diversen Apokalypseszenarien der vergangenen Monate nur noch für Langeweile und genervtes Augenverdrehen. Selbst die Zeitungen verbannen die Geschichte höchtens in ihre „Auch das noch!“-Rubriken. Oldenburger Gastronomen in der Umgebung der weitgehend zerstörten Innenstadt wischen sich in ihrer Erleichterung soviel Schweiß von der Stirn, dass damit der Turm des Staatsarchivs gereinigt werden kann.</p>
<p><strong>23. Dezember:</strong> Außerirdische landen und vernichten die Menschheit.</p>
<p><strong>30. Dezember:</strong> Die Oldenburger bekommen mit, dass die Menschheit vernichtet wurde.</p>
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		<title>Das Geschwätz von gestern</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Nov 2012 16:41:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[NWZ]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie man aus vier Parkplätzen eine politische Grundsatzdebatte strickt und dabei Stimmung macht: Die NWZ nimmt die Grünen aufs Korn - wegen einer Vision, die vor gar nicht langer Zeit mal überparteilicher Konsens war.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Wie man aus vier Parkplätzen eine politische Grundsatzdebatte strickt und dabei Stimmung macht: Die NWZ nimmt die Grünen aufs Korn &#8211; wegen einer Vision, die vor gar nicht langer Zeit mal überparteilicher Konsens war.<br />
</span></p>
<div id="attachment_42471" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/11/streuparkplätze-schlaues-haus.jpg"><img class="size-full wp-image-42471" alt="Die Pflastersteine des Anstoßes: Parkplätze vor dem Schlauen Haus. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/11/streuparkplätze-schlaues-haus.jpg" width="600" height="403" /></a><p class="wp-caption-text">Die Pflastersteine des Anstoßes: Parkplätze vor dem Schlauen Haus. FOTO: mno</p></div>
<p>Die Grünen &#8211; jetzt wollen sie uns auch noch die Parkplätze wegnehmen. Zumindest ist das der Eindruck, der sich in der vergangenen Woche bei der Lektüre der <em>NWZ</em> aufdrängte. Die Lokalredaktion rief einen <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/neuer-streit-um-streuparkplaetze_a_1,0,2410814764.html" target="_blank">„neuen Streit um Streuparkplätze“</a> aus, macht diesen an einem aktuellen Fall fest und diagnostiziert ein „gewaltiges Konfliktpotenzial“: Vier Autostellplätze vor dem jüngst eröffneten Schlauen Haus am Schlossplatz sollen weg. Die Fraktion der Grünen hatte einen Antrag für den Verkehrsausschuss vorgelegt, nach dem diese vier Plätze, die zu den sogenannten &#8220;Streuparkplätzen&#8221; zählen, entwidmet und „entweder als Fahrradabstellzone oder als attraktiver Vorbereich“ genutzt werden sollen. In der <em>NWZ</em>  liest sich das so: Streuparkplätze, so erklären die Autoren, seien</p>
<p><em>„jene Stellflächen, die sich nicht in Parkhäusern befinden, sondern – verstreut – am Schloss, an der Staulinie oder den Wällen. Von den Grünen kommen seit Jahren Vorstöße, diese Parkplätze abzuschaffen. Hintergrund: Auswärtige sollen direkt und ohne Parksuchverkehr die Parkhäuser ansteuern (oder mit dem Bus kommen). Oldenburger sollen gefälligst das Rad nehmen. Unterstützung erhalten die Grünen dabei von der SPD. Neuester Akt: Vor dem Schlauen Haus sollen (zunächst) vier Stellplätze wegfallen. Eine Grünfläche bzw. Fahrradständer könnten dort entstehen, so die Grünen.“</em></p>
<p>„Zunächst“ seien demnach also die vier dran, heißt es unheilvoll, später dann – anders ist das kaum zu deuten – wohl auch die anderen, die „am Schloss, an der Staulinie oder den Wällen“. Ein Aufschrei geht durch die Reihen Oldenburger Autofahrer: Die Grünen! Sie wollen uns alle ins Verkehrschaos stürzen! Oder ins Wirtschaftschaos, denn angereichert wurde der Artikel &#8211; wie auch der Folgeartikel am nächsten Tag &#8211; mit Aussagen von Einzelhandelsvertretern, die bei Abschaffung von Parkraum schwere Auswirkungen für Ihre Geschäfte fürchten.</p>
<p>Nur: In dem von der <em>NWZ</em> als corpus delicti angeführten Antrag der Grünen-Fraktion bezüglich der vier Parkplätze ging es überhaupt nicht darum, einen ersten Schritt zur Begrenzung innerstädtischen Autoverkehrs zu tun, sondern um etwas ganz anderes, viel profaneres: den leichteren Zugang zum Schlauen Haus und dessen optische Erkennungswirkung für Ortsfremde. Das lässt sich in der dem <a href="http://fraktion-diegruenen.kdo.de/29_1653.htm" target="_blank">Antrag beigefügten Begründung</a> ganz leicht nachlesen:</p>
<p><em>„Die parkenden PKWs wirken &#8211; insbesondere vom Schlossplatz kommend als Barriere für die ganze Hauszeile Schlossplatz. Schon die ersten Tage nach dem Umzug der OTM mit der Tourist-Info gibt es Schwierigkeiten, anfragenden Stadtbesuchern den im Vergleich zum bisherigen Standort (Kleine Kirchenstraße) schwer zu erklärenden Weg zum neuen Domizil (Schlossplatz) zu beschreiben. Eine ansprechende und auffällige Vorplatz-Situation, wertet den Standort zudem auf und kann leichter beschrieben bzw. gefunden werden.“</em></p>
<p>Von der Abschaffung weiterer Parkplätze, von direktem Ansteuern der Parkhäuser oder davon, dass Oldenburger „gefälligst das Rad nehmen“ sollen, steht in dem Antrag – rein gar nichts. Es ist auch nicht die Rede von „zunächst“, und weder die Staulinie noch die Wälle finden Erwähnung. Nichts von alledem – nur die vier Plätze vor dem Schlauen Haus, die – wir wiederholen uns gerne – einer besseren Zugänglichkeit und Präsenz der darin befindlichen Touristinfo weichen sollen.</p>
<p>2.648 Parkplätze bieten allein die innerstädtischen Parkhäuser; zählt man die Open-Air-Parkplätze am Pferdemarkt und dem Theaterwall dazu, erhöht sich die Zahl auf 3.174 &#8211; und die Hunderte Streuparkplätze am Schlossplatz, an der Staulinie, am Heiligengeistwall oder anderswo in unmittelbarer Innenstadtnähe sind da noch gar nicht eingerechnet. Für die so oft beschworenen Shoppinggäste von außerhalb stehen zudem 5.384 Park-and-Ride-Plätze zur Verfügung. Dass der Untergang des Auto fahrenden Abendlandes seinen Ausgang nun bei vier Stellplätzen am Schlauen Haus nehmen wird, erscheint da schwer vorstellbar.</p>
<div id="attachment_42470" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/11/verkehrsentwicklungsplan.jpg"><img class="size-full wp-image-42470" alt="Hier ein Kreuz, da ein Kreuz: Auszug aus dem mit breitem Konsens verabschiedeten Verkehrsentwicklungsplan." src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/11/verkehrsentwicklungsplan.jpg" width="290" height="375" /></a><p class="wp-caption-text">Hier ein Kreuz, da ein Kreuz: Auszug aus dem mit breitem Konsens verabschiedeten Verkehrsentwicklungsplan.</p></div>
<p>Aber halt, es geht ja eigentlich um &#8220;Vorstöße&#8221;, die &#8220;seit Jahren&#8221; &#8220;von den Grünen&#8221; kämen. Das ist nicht ganz falsch, allerdings auch nur die halbe Wahrheit. Die Reduzierung der Zahl der Streuparkplätze ist kein grünes Dogma, sondern war noch vor gar nicht allzulanger Zeit Konsensziel der Stadtpolitik. Im Dezember 2000 beschloss der Rat &#8211; bei nur zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung &#8211; den sogenannten Verkehrsentwicklungsplan, in dem sich folgende Passage findet:</p>
<p><em>„Insgesamt zeigt sich die Stellplatzsituation bezogen auf das gesamte Untersuchungsgebiet relativ entspannt; es ergeben sich allerdings räumliche und zeitliche Schwerpunkte hoher Auslastung und fehlender Kapazität. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass in Oldenburg in fußläufiger Entfernung zur Innenstadt jederzeit ausreichend Parkraum zur Verfügung steht […]. Eine räumlich begrenzte, moderate Ausweitung des Parkraumangebotes und eine Verlagerung von Stellplätzen aus dem Straßenraum und von kleineren Parkplätzen hin zu einer zentralen Parkierungsanlage wird als eine den – teilweise einander widerstrebenden – Zielen des Leitbildes am ehesten gerecht werdende Lösung angesehen.“</em></p>
<p>Bei den Grünen würde man schon gerne wissen, was aus diesen Vereinbarungen des Verkehrsentwicklungsplans eigentlich geworden ist, meint Fraktionssprecher Sebastian Beer. Denn die vom Einzelhandel seinerzeit gewünschte Erhöhung der Parkhauskapazitäten wurde mit den Parkhäusern der Schlosshöfe und der Heiligengeisthöfe seitdem tatsächlich vollzogen, die Streuparkplätze blieben trotzdem, moniert Beer: „Die Kaufleute haben bekommen, was sie wollten – der Rest wurde aber nie umgesetzt.“</p>
<p>Noch einmal: Dieser Plan wurde von <em>allen</em> Parteien unterstützt, auch von der CDU und der SPD, die die <em>NWZ</em> am Freitag <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/tempo-30nur-inwohnvierteln_a_1,0,2444584108.html" target="_blank">als schnelle Eingreiftruppe gegen die Parkplatzvernichtungsfantasien der Grünen</a> ins Feld führte. Es sei damals allerdings eine andere CDU gewesen, meint der heutige Fraktionschef Olaf Klaukien, das sei jetzt ja immerhin zwölf Jahre her. Seit er die Oldenburger CDU führe, positioniere sie sich &#8220;eindeutig für die Beibehaltung von Parkplätzen&#8221; &#8211; und werde deshalb auch der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans nicht zustimmen. Die firmiert unter dem Namen <a href="http://buergerinfo.oldenburg.de/vo0050.php?__kvonr=10809&amp;search=1" target="_blank">&#8220;Strategieplan Mobilität und Verkehr&#8221;</a> und ist keineswegs alter Tobak: Der Plan wird derzeit im Verkehrsausschuss diskutiert, und in ihm findet sich folgender, an die ursprünglichen Ziele angelehnter Satz:</p>
<p><em>&#8220;Im Innenstadtbereich befinden sich einige wenig funktionale und städtebaulich unerwünschte Streuparkplätze, die nach Möglichkeit und sukzessiv zugunsten anderer Nutzungen aufgegeben und an anderer Stelle kompensiert werden sollen.&#8221;</em></p>
<p>Vorgelegt worden ist aber auch dieser Plan keineswegs von autohassenden Grünen-Fanatikern, sondern von der Stadtverwaltung.</p>
<p>Die Rolle der SPD geht im Übrigen über die der bloßen Unterstützung hinaus. Um so verwunderlicher scheint es, dass SPD-Ratsfrau und Verkehrsausschussvorsitzende Gesine Multhaupt in der Zeitung verlauten ließ, dass sie die <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/tempo-30nur-inwohnvierteln_a_1,0,2444584108.html" target="_blank">Aufhebung der vier Parkplätze vor dem Schlauen Haus ablehne</a>. Was seltsam erscheint, da sie nicht nur den Beschluss von 2000 mitgetragen hatte, sondern noch vor Kurzem Mitunterzeichnerin des von der <em>NWZ</em> erwähnten rot-grünen Positionspapiers zur Verkehrspolitik war, in dem es heißt:</p>
<p><em>&#8220;Streuparkplätze, die immer wieder Anreize bieten, mit dem Pkw direkt in die City zu fahren, müssen aufgehoben werden.&#8221;</em></p>
<p>Warum dieses klar formulierte Ziel allerdings bereits dann über Bord geworfen wird, wenn es um bloße vier &#8211; Sie erinnern sich, dass wir von den vier Plätzen am Schlauen Haus sprechen? &#8211; Stellflächen vor einem Eingangsbereich geht, hätten wir gerne gewusst, konnten Multhaupt allerdings nicht erreichen. Fraktionschef Bernd Bischoff sagte, dass das Thema innerhalb der Fraktion durchaus diskutiert werde und die SPD &#8220;sicher nicht alle Streuparkplätze abschaffen&#8221; wolle. Nicht einmal die vier am Schlauen Haus? Ach was, meint Bischoff, diese Plätze seien &#8220;doch nicht entscheidend&#8221; &#8211; da werde &#8220;eine Metadiskussion geführt&#8221;, mit der letztlich  &#8220;Ängste geschürt werden&#8221;.</p>
<p>Es bleibt der Eindruck, als wollten die Parteien nichts mehr davon wissen, dass sie sich ursprünglich einmal einmütig für die Reduzierung der Streuparkplätze ausgesprochen hatten und nun so begierig sind, sich davon zu distanzieren, dass selbst ein bedeutungsloser Kleckerantrag wie der zum Schlauen Haus als Messlatte für die Stadtentwicklung herhalten muss. Aus den Reihen der Grünen verlautet, dass man die Berichterstattung der vergangenen Tage als „durchsichtige Kampagne“ ansieht, mit der das Blatt antigrüne Stimmung verbreiten und einen Keil zwischen die SPD und die Grünen treiben wolle. Ob das so stimmt – wer weiß. Auffällig ist immerhin, dass die von der <em>NWZ</em> als Aufhänger verwendeten Schriftstücke &#8211; der Grünen-Antrag bezüglich des Schlauen Hauses wie auch das rot-grüne Positionspapier &#8211; bereits seit längerer Zeit vorliegen, nämlich seit sieben beziehungsweise neun Wochen. Thematisiert werden sie aber erst jetzt – zu einem Zeitpunkt, zu dem nicht nur die Landtagswahl, sondern auch das Adventsgeschäft vor der Tür steht; mit mutmaßlich vielen, vielen von der Parkplatzsuche genervten Autofahrern. Und die spätestens bei der zweiten Runde um den Innenstadtring einen Schuldigen brauchen, über den sie fluchen können.</p>
<p>Vielleicht hat man in der NWZ-Stadtredaktion <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/pendler-kaempfen-um-parkplaetze_a_1,0,533120205.html" target="_blank">aber</a> <a href="http://www.nwzonline.de/eltern-fordern-parkplaetze-statt-wiese_a_1,0,1425064649.html" target="_blank">auch</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/parkplatznot-hinterm-bahnhof_a_1,0,542532667.html" target="_blank">einfach</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/neuer-plan-wohnhaeuser-statt-parkhaus_a_1,0,1824883945.html" target="_blank">nur</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/per-handy-zum-freien-parkplatz_a_1,0,542263039.html" target="_blank">ein</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/cdu-fordert-weitere-parkplaetze_a_1,0,542670771.html" target="_blank">besonders</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/oldenburg-gericht-will-parkplatz-plaene-durchkreuzen_a_1,0,579401843.html" target="_blank">ausgeprägtes</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/mit-viel-stress-zum-prozess_a_1,0,504374432.html" target="_blank">Faible</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/cmo-begruesst-erhalt-der-parkplaetze_a_1,0,479803384.html" target="_blank">für</a> <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/stau-parkplaetze-muessen-bald-neubau-weichen_g_1,0,800986267.html" target="_blank">Parkplatzthemen</a>.</p>
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		<title>Die Firma dankt</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Oct 2012 05:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leute]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>

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		<description><![CDATA[Sechs Monate Bewährungsstrafe wegen Untreue: Die Karriere des umtriebigen Vollblutpolitikers Karl-Heinz Funke ist an einem Tiefpunkt angelangt. Die wesentlichere Frage aber müsste lauten: Was ist eigentlich beim OOWV los?]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Sechs Monate Bewährungsstrafe wegen Untreue: Die Karriere des umtriebigen Vollblutpolitikers Karl-Heinz Funke ist an einem Tiefpunkt angelangt. Die wesentlichere Frage aber müsste lauten: Was ist eigentlich beim OOWV los?</span></p>
<div id="attachment_42476" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/funke-prozess.jpg"><img class="size-full wp-image-42476" alt="Seltenes Bild: Ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht von Karl-Heinz Funke (li.). Viele Anlässe zur Freude hatte er im Prozess nicht. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/funke-prozess.jpg" width="600" height="423" /></a><p class="wp-caption-text">Seltenes Bild: Ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht von Karl-Heinz Funke (li.). Viele Anlässe zur Freude hatte er im Prozess nicht. FOTO: mno</p></div>
<p>Ein bisschen erleichtert wirkte Karl-Heinz Funke schon, trotz der soeben erfolgten Verurteilung und trotz des nicht geringen Strafmaßes: Sechs Monate Freiheitsstrafe wegen Untreue, ausgesetzt zur Bewährung, dazu eine Geldbuße von 10.000 Euro. Aber in dem Anklagepunkt, der ihm am wichtigsten war – die Bezuschussung seiner Silberhochzeit durch den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband – wurde der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister freigesprochen. Es war diese Silberhochzeit, die das größere öffentliche Aufsehen erregte und die Person Funke in ein denkbar schlechtes Licht gerückt hatte; viel mehr als der Vorwurf, er habe als Verbandsvorsteher dem mitangeklagten ehemaligen OOWV-Geschäftsführer Hans-Peter Blohm eine unrechtmäßige Gehaltserhöhung zukommen lassen. Es war die Silberhochzeit, die die Frage aufwarf, wie genau es der einstmals hochrangige Politiker aus Varel, der schon mit Vorwürfen wegen fehlenden Baugenehmigungen, Schwarzarbeit und falschen Spesenrechnungen zu kämpfen hatte, mit Recht und Ordnung nehme. „Ich habe einen Fehler begangen“, sagte der frisch verurteilte Ex-Minister in die Kameras, „aber kein Unrecht“. Das lässt tief blicken.</p>
<p>14 Verhandlungstage hatte der sonst so wortgewaltige Friese eisern zu den Vorwürfen geschwiegen, ein ganz und gar ungewohntes Bild: Still, in sich gekehrt, nur gelegentlich den Blick durch den Raum schweifen lassend, während Staatsanwälte und Verteidiger Zeugen befragten, Satzungen durchforsteten und detaillierte Rechnungen verlesen ließen. Am vorletzten Prozesstag aber, als nach den Plädoyers der Anklage und der Verteidigung den Angeklagten das letzte Wort gebührte, schlug die Stunde des Karl-Heinz Funke. Sein „letztes Wort“ dauerte eine halbe Stunde, und er widmete sie fast ausschließlich diesem ersten Anklagepunkt. Der redegewandte Politiker spann dabei den Bogen von der zivilisatorischen Bedeutung der Wasserversorgung über die Brüsseler EU-Politik bis hin zu den Vareler Landfrauen, deklamierte seinen enormen Einsatz für den Verband und berichtete in bewegtem Tonfall von den Belastungen, die die Ermittlungen für seine Familie mit sich brachten. So kennt man Funke: Als charismatischen Redner, als bodenständigen Volkstribun, als einen, der Macht und Einfluss hat und mit dem man trotzdem mal einen Kurzen trinken kann. Er ließ beinahe vergessen, dass er Angeklagter war und nicht Opfer.</p>
<p>Von der Bezahlung des Silberhochzeitsbuffets durch den OOWV habe er erst später erfahren; nie sei ihm in den Sinn gekommen, die Kosten dem Verband aufzubürden, sagte Funke, und es klang auch durchaus glaubhaft. Die Idee dazu kam nach Ansicht des Gerichts allein von Blohm, der wohl auch dafür verantwortlich war, dass die Zahlung in der Buchhaltung verschleiert wurde. Zwar hatte Funke gegenüber dem Verband zunächst ebenfalls die Unwahrheit gesagt, was die ominösen Zahlungen betraf – dass er aber bereits eine Woche später den Vorgang einräumte und das Geld zurückzahlte, hielt ihm das Gericht zugute. Blohm hingegen nicht – er habe genau gewusst, dass sein Handeln rechtswidrig sei, sagte der Vorsitzende Richter Horst Kießler in der Urteilsbegründung: „Was da für ein Zirkus gemacht wurde mit den Rechnungen.“ Blohm hatte die 8.000 Euro für das Buffet gestückelt und als „Dankeschön-Veranstaltungen“ für von Bauarbeiten genervte Anwohner ausgewiesen; der Gastronom, der das Buffet geliefert hatte, stellte entsprechend vier Einzelrechnungen aus – wodurch sich, nebenbei bemerkt, der Gesamtbetrag auf wundersame Weise noch einmal um gut 100 Euro erhöhte.</p>
<p>In der vorangegangenen Beweisaufnahme hatten sich die Verteidiger bemüht zu beweisen, dass die Silberhochzeit weniger als Privatfeier zu sehen sei als vielmehr wie eine PR-Veranstaltung des OOWV, die letztlich der Imagepflege des Verbands diene – schließlich habe Funke öffentlich per Zeitungsannonce zur Sause eingeladen. Es habe einen Vorstandsbeschluss gegeben, der solche Ausgaben für verdiente Mitarbeiter billige. Dass dieser Beschluss allerdings nirgendwo schriftlich festgehalten wurde, war der Argumentation eher nicht zuträglich: Das Gericht zweifelte offen die Existenz einer solchen Absprache an, und überhaupt bleibe eine Familienfeier ein privates Fest, ganz egal, wen man in welcher Form einlade.</p>
<p>„Egal“ war auch das Stichwort bei der Behandlung des zweiten Anklagepunkts. Funke hatte als Vorsteher mit seiner Unterschrift am Vorstand vorbei eine Gehaltserhöhung für Blohm genehmigt – von 117.000 Euro netto, die der Verband ihm zugestanden hatte, auf 270.000 Euro brutto; ein Betrag, den Blohm und seine Personalchefin als „branchenübliches Gehaltsniveau“ einer Führungskräftezeitschrift entnommen hatten. Letztlich blieb Blohm netto mehr übrig als der mit dem Vorstand vereinbarte Betrag – der Schaden für den OOWV, der als Nebenkläger auftrat, wurde auf 103.000 Euro beziffert. Dennoch sprach die Verteidigung stets von einer „Gehaltsumstellung“, nicht von einer Erhöhung, zumal sich Blohms Gehalt durch Zulagen auch in den Jahren zuvor schon in ähnlichen Sphären bewegt hatte. „Egal“, befand das Gericht. Egal sei, was die Angeklagten als „angemessen“ erachteten; egal, was Blohm vorher kassierte – das von Funke zugestandene Gehalt war schlussendlich höher als das vom Vorstand zugebilligte, und das hätten beide auch ganz genau gewusst und bezweckt, hieß es.</p>
<p>Sechs Monate für Funke, elf für Blohm – keine außergewöhnlich sanften Urteile, die das Gericht mit der Eigenschaft des Wasserverbandes als Körperschaft des öffentlichen Rechts begründete. Das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat stehe auf dem Spiel, der Verbraucher müsse sich darauf verlassen können, „dass mit seinen Geldern ordentlich umgegangen wird“, sagte Kießler. Das Image des OOWV dürfte in dieser Hinsicht bereits jetzt angekratzt sein – zu oft war während des Prozesses die Rede von rein mündlichen Absprachen, von ungewöhnlichen Gehaltsstrukturen und fragwürdigen Geldzahlungen. Ob der Wasserverband, der im Prozess als Nebenkläger auftrat, den auf 90.000 Euro heruntergerechneten Schaden auf dem Wege einer Zivilklage einfordern wird, werde geprüft, sagte ein Sprecher. Ob der Verband sein eigenes Geschäftsgebaren ebenfalls auf den Prüfstand stellt, wird sich zeigen.</p>
<p>Ein Nachspiel wird der Prozess wohl so oder so haben: Die Verteidigung kündigte an, mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ in Revision gehen zu wollen.</p>
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		<title>Rumta, rumta, tschingderassabummpängpäng</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Oct 2012 04:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Liveticker]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Kramermarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Das größte Verkehrshindernis der Stadt kehrt jährlich wieder: Der Kramermarktumzug. Wir waren diesmal dabei. Im Publikum.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">17 Jahre in Oldenburg und noch nie dem Kramermarktumzug beigewohnt: Das sollte sich in diesem Jahr ändern, zumal eine Einladung auf die Ehrentribüne sicherstellte, dass dieses Event auf die bequemste Art &#8211; nämlich sitzend &#8211; erlebt werden konnte. Da die Witterungs- und andere Umstände einen Liveticker ausschlossen, erfinden wir einfach ein neues Format: Den After-Show-Ticker, geschrieben am nächsten Tag. Der wesentliche Unterschied: Man liest ihn von oben nach unten.</span></p>
<div id="attachment_42395" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Graf-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42395" alt="“Könnten Ihro Gnaden mal einen Zahn zulegen?” FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Graf-www-1024x682.jpg" width="700" height="466" /></a><p class="wp-caption-text">“Könnten Ihro Gnaden mal einen Zahn zulegen?” FOTO: bl</p></div>
<p>14:15 Die &#8220;fünfte Jahreszeit&#8221; beginnt in Oldenburg wie die anderen vier, nämlich mit einem Regenguss; aber die Plätze auf der Ehrentribüne sind trocken, da sie im Vorfeld von einer vorausschauenden Person mit frischen Mülltüten bezogen worden sind. Wir nehmen das offizielle Kramermarktumzugs-Schnapskrüglein entgegen, hängen es uns um den Hals und warten ab, ob sich irgendjemand berufen fühlt, dort auch etwas hineinzugießen.</p>
<p>14:30 Der Umzug ist im Zeitplan, der Graf &#8211; also der aus Fleisch und Blut, muss man in diesen Zeiten wohl dazu sagen &#8211; biegt pünktlich um die Ecke und winkt mit majestätischer Miene dem ungewaschenen Volk zu. Sein Gaul scheint beim Friseur gewesen zu sein. Moderator Horst Hullmann zeigt sich wenig untertänig und bittet den Grafen, jetzt &#8220;mal Fahrt aufzunehmen&#8221;, er hält nämlich den ganzen Verkehr auf. Hinter ihm folgt die Kutsche, aus der neben OB Gerd Schwandner weitere Leute aussteigen, deren Rolle der Moderator so umschreibt: &#8220;Ehrengäste zum Thema Integration &#8211; was das ist, habe ich eben schon erklärt.&#8221; Gut so, kann man wohl nicht oft genug erklären, was das eigentlich ist, diese &#8220;Integration&#8221;, von der jetzt alle sprechen.</p>
<div id="attachment_42393" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Drag-Queen-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42393" alt="Achtung, Kamelle im Anflug! FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Drag-Queen-www-1024x682.jpg" width="700" height="466" /></a><p class="wp-caption-text">Achtung, Kamelle im Anflug! FOTO: bl</p></div>
<p>14:35 Die ersten Festwagen nähern sich, und das Kamelle-Gewerfe geht los. Die Teilnehmer der Parade lassen Jubelrufe los, die Tribünengäste antworten mit &#8220;Aua, aua, aua!&#8221; &#8211; vor allem die Karamellbrocken von Turm Sahne sind geeignet, größere Verletzungen hervorzurufen. Ein paar kostümierte Menschen paradieren vorbei, einer trägt eine wahnsinnig schnieke Uniform &#8211; es müssen die Village People sein. Ein zweiter Blick zeigt aber, dass kein Bauarbeiter, kein Indianer und kein Lederheini dabei sind. Es handelt sich doch eher um Darsteller der August-Hinrichs-Bühne. Naja, das erspart uns einmal &#8220;YMCA&#8221;-Gedröhne.</p>
<div id="attachment_42378" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Klex-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42378" alt="Sollte das Tier des Jahres, ach was, des Jahrzehnts werden. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Klex-www-1024x682.jpg" width="700" height="466" /></a><p class="wp-caption-text">Sollte das Tier des Jahres, ach was, des Jahrzehnts werden. FOTO: bl</p></div>
<p>14:39 Die Kunstschule Klex mit einem hochpolitischen Kommentar zur aktuellen Lage der Weltwirtschaft: Eine Heuschrecke. Hinter ihnen der erste von zahlreichen Spielmannszügen &#8211; wohl eines der deutschesten Wörter überhaupt, wenn man den Autoren dieses Artikels fragt. Noch schöner ist allerdings das tragischerweise vom Aussterben bedrohte &#8220;Bundeskegelbahn&#8221;.</p>
<p>14:46 Eine Gruppe Mädels von der Tanzschule Leonhard, die in Formation und synchron tanzt. Sieht ein bisschen nach Bollywood aus. Allerdings ohne Saris, ohne Shah Rukh Khan und mit anderer Musik; hinter ihnen tuckert ein US-Schulbus heran, aus dem eine Art HipHop-Techno-Dancefloor-Medley dröhnt.</p>
<p>14:48 Es folgen leisere Töne. Der Vereinigung der Freizeitreiter sind die Pferde ausgegangen, weshalb sie einen Holzzossen auf Rädern mit sich führen. Guter Einsatz, man muss auch ohne Gaul am Ball bleiben, denn <a href="http://www.youtube.com/watch?v=33Vxyb5BYrc" target="_blank">Reiter werden ja immer gebraucht</a>. Das Fahrradhaus Munderloh wartet mit ein paar historischen Rädern und einem schlechtgelaunten Clown auf, der wild hupend hin- und herradelt. Die ersten Coulrophobie-Opfer lassen ihre Süßkramsammeltaschen fallen und rennen weinend nach Hause, ihre zurückgelassene Beute wird zwischen den anderen Kindern aufgeteilt.</p>
<p>14:50 Die Oldenburger Apotheker fahren auf einer Art Riesentandemraupe vorbei. Statt Kamelle werfen sie Feelgood-Tabletten, Hallowach-Kapseln und sonstige bunten Pillen ins Publikum. Der Ruf nach &#8220;einmal Paracetamol, bitte&#8221; verhallt allerdings ungehört. Und die Pillen erweisen sich nach näherer Untersuchung doch bloß als stinknormale Bonbons.</p>
<div id="attachment_42392" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Bier-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42392" alt="&quot;... oder ich fall' um!&quot; FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Bier-www-1024x682.jpg" width="700" height="466" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;&#8230; oder ich fall&#8217; um!&#8221; FOTO: bl</p></div>
<p>14:55 Es folgen weitere Spielmannszüge, Schützenvereine und Tanztruppen, bevor der Wagen des Gaststättenverbandes Dehoga anrollt. Dessen Besatzung besinnt sich auf Kernkompetenzen und verteilt Bier an der Tribüne. Endlich, möchte man sagen. Ob das gemeine Volk auch etwas abbekommen hat, wissen wir nicht.</p>
<p>15:00 Die erste Cheerleader-Gruppe läuft auf, die &#8220;Bright Delights&#8221;. Ihnen auf den Fersen der Cheerleader-Nachwuchs namens &#8220;Sweet Delights&#8221;. Während sie cheerleaden, was das Zeug hält, versuchen wir zu ermitteln, wo genau eigentlich Borbeck liegt. Die Mitglieder des dortigen Heimat- und Ortsbürgervereins haben nämlich für eine nette Abwechslung gesorgt, indem sie statt Kamelle mit Blumen um sich warfen. Es folgt eine Folge der Reihe &#8220;Dazulernen mit dem Oldenburger Lokalteil&#8221;: Es gibt nicht weniger als vier Borbecks, von denen wir wissen; aber drei davon liegen in Nordrhein-Westfalen, zählen also eigentlich nicht. Das vierte gehört zu Wiefelstede. Hätten wir das also auch geklärt.</p>
<div id="attachment_42391" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Artisten-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42391" alt="Allez hopp. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Artisten-www-1024x658.jpg" width="700" height="449" /></a><p class="wp-caption-text">Allez hopp. FOTO: bl</p></div>
<p>15:03 Die Artistiktruppe &#8220;New Power Generation&#8221; macht ein paar spektakuläre Einlagen. Trotzdem sehen sie, die Bemerkung sei uns verziehen, durch die Ganzkörperanzüge, die nur Öffnungen für die Augen freilassen, ein wenig aus wie Terroristenzebras, die mit Spiderman gekreuzt wurden. Der Shantychor Benthullen tuckert in einem Boot namens &#8220;Rote Angie&#8221; vorbei, und der Moderator betont, dass das &#8220;keine politische Botschaft&#8221; sein soll. Ach was.</p>
<p>15:06 Die Mitglieder des Kleingärtnervereins Eversten-Bloherfelde werfen Gemüse ins Publikum &#8211; Zucchini, Chinakohl, Rucola, Broccoli.</p>
<p>15:07 Nein, tun sie nicht. Wäre aber schön gewesen, da der Autor es vor dem Umzug nicht mehr zum Markt geschafft hat und ihm der Sinn nach genau den geschilderten Nahrungsmitteln steht. Mitlesende Kleingärtner aufgemerkt: Vielleicht als Vorschlag fürs nächste Jahr im Hinterkopf behalten?</p>
<div id="attachment_42385" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Schütze-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42385" alt="Fotografierst du mich, fotografiere ich dich. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Schütze-www-1024x676.jpg" width="700" height="462" /></a><p class="wp-caption-text">Fotografierst du mich, fotografiere ich dich. FOTO: bl</p></div>
<p>15:10 Noch ein Spielmannszug, den wir ausnahmsweise namentlich hervorheben wollen: Es ist der aus Seefeld, der uns gleich mal sympathisch ist, weil er &#8211; zumindest zu diesem Zeitpunkt, für andere Abschnitte des Umzugs können wir nicht sprechen &#8211; keinen Radetzkymarsch spielt, sondern die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=oYto8hKZpSY" target="_blank">Melodie von Tetris</a>.</p>
<p>15:14 Mehrere Handwerkerwagen fahren vorbei, bemannt mit muskulösen Kerlen, die die Bonbons nicht werfen, sondern geradezu ins Publikum pfeffern. Da die meisten Leute damit beschäftigt sind, sich wegzuducken, erhält der hübsche Wagen der Handwerkskammer &#8211; bestückt mit einem Globus und lauter Windrädern &#8211; eher wenig Aufmerksamkeit. Als wir wieder hochgucken, sehen wir den Wagen der Wirtschaftsjunioren, aus dem Billy Idols &#8220;Rebel Yell&#8221; dröhnt. Nachwuchs-BWLer sind unbezähmbar wilde Abenteuertypen.</p>
<div id="attachment_42394" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Elfen-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42394" alt="An ihren Ohren sollt ihr sie erkennen. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Elfen-www-1024x682.jpg" width="700" height="466" /></a><p class="wp-caption-text">An ihren Ohren sollt ihr sie erkennen. FOTO: bl</p></div>
<p>15:16 Ein paar Elfen ziehen vorbei, aber da es gleichzeitig zu regnen beginnt und alle auf der Tribüne damit beschäftigt sind, die zu Beginn verteilten Plastikcapes auszupacken und überzuziehen, sieht niemand, dass hinter den Elfen Hobbits, Zwerge und Orks herlaufen. Warum wir hier so einen Quatsch reinschreiben? Weil wir unsere Klickzahl mit lauter Kommentaren von Fantasy-Nerds hochschrauben wollen, die uns darüber aufklären, dass es dann &#8220;El<strong>b</strong>en&#8221; heißen müsste, das wisse doch jeder und wer so was Blödes schreibe, solle sich doch einen anderen Beruf suchen und überhaupt.</p>
<p>15:18 Auch die Crew des Weser-Ems-Hallen-Festwagens verteilt Freibier. Vielleicht, damit man sich die nicht unumstrittenen Kosten des Neubaus schöntrinken kann. Die Westernfans der &#8220;City Longhorns&#8221; schießen scharf ins Publikum, aber nach dreiviertelstündigen Dauerbombardement mit Bonschen sind wir mittlerweile geübt im Wegducken, es gibt keine Verwundeten. Obwohl das Ausweichen noch schwieriger geworden ist, da man nun mit einer Hand den Bierbecher schützen muss.</p>
<div id="attachment_42389" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-WEH-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42389" alt="So soll sie aussehen, die neue Weser-Ems-Halle. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-WEH-www-1024x682.jpg" width="700" height="466" /></a><p class="wp-caption-text">So soll sie aussehen, die neue Weser-Ems-Halle. FOTO: bl</p></div>
<p>15:23 Der Oldtimer-Trecker-Club hat seinen Wagen unter das Motto &#8220;70er Jahre&#8221; gestellt. Abgesehen von den Pril-Blumen ist der optische Eindruck aber in etwa genauso 70er-mäßig wie die ziemlich doofe TV-Serie &#8220;Die wilden Siebziger&#8221;, also eigentlich gar nicht. Naja, aber schön bunt. Die Eventagentur Zange feuert ihre Konfettikanone ab. Sieht wirklich schön aus! Leider ist nun Konfetti im Bier.</p>
<p>15:28 Der Heimatverein Hatterwüsting kommt mit vier Wagen &#8211; und Schnaps. Man fragte sich ja schon, wozu das umgehängte Krüglein eigentlich gut ist. Da die Farbe des Schlucks aber quietschorange ist, verzichten wir dankend und halten lieber die Bauernregel von einem der Wagen fest: &#8220;Wenn im Herbst die Sonnenblume lacht, wird die Ernte eingebracht.&#8221; Wir hätten da auch noch einen: &#8220;Kotzt der Bauer über’n Trecker, war die Brotzeit nicht sehr lecker.&#8221;</p>
<div id="attachment_42387" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Tuba-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42387" alt="Er möge stellvertretend für alle anderen Spielmannszugmitglieder abgelichtet sein - und sei es nur wegen der schönen Spiegelung. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Tuba-www-1024x761.jpg" width="700" height="520" /></a><p class="wp-caption-text">Er möge stellvertretend für alle anderen Spielmannszugmitglieder abgelichtet sein &#8211; und sei es nur wegen der schönen Spiegelung. FOTO: bl</p></div>
<p>15:32 Wir sind verwirrt: Ein Spielmannszug aus Greven. Das <a href="http://www.greven.net/" target="_blank">liegt doch im Ausland</a>. Dürfen die das? Also, an einer uroldenburgischen Institution teilhaben? Und wo wir gerade beim Fragestellen sind und die Linedancer von &#8220;Lucky Boots&#8221; vorbei-linedancen und von den &#8220;Jolly Jumpers&#8221; gefolgt werden: Wieviele Westernfans und -vereine <em>gibt</em> es eigentlich in Oldenburg?</p>
<p>15:35 Die nun vorbeifahrenden Jagdhornbläser haben die silberne Hornfesselspange bei der niedersächsischen Bläsermeisterschaft gewonnen, klärt uns der Moderator auf. Das klingt wie reine Poesie, weshalb wir ein bisschen nachrecherchieren. Da wir aber schnell auf Sätze wie &#8220;In der Klasse G für Fürst-Pless-Hörner und Parforcehörner dominierten ebenfalls die Jagdhornbläser aus Hameln-Pyrmont&#8221; stoßen und dem ganzen Jagdgedöns ohnehin eher fernstehen, lassen wir es wieder bleiben. Auch, weil wir schon wieder in Deckung gehen müssen: Der Dartverein &#8220;Red Dragons&#8221; nähert sich.</p>
<p>15:40 Die &#8220;Interessengemeinschaft amerikanischer Fahrzeuge&#8221; fährt vorbei, angeführt von einem klassischen Straßenkreuzer in, wie es sich gehört, türkiser Farbgebung. Etwas enttäuschend ist, dass der Rest der Abteilung aus diesen spritfressenden und immer gleich zwei Parkplätze belegenden SUV-Pickup-Monstrositäten besteht.</p>
<div id="attachment_42380" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Kopf-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42380" alt="Das passierte dem letzten Journalisten, der über diesen Umzugswagen gelästert hat. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Kopf-www-1024x757.jpg" width="700" height="517" /></a><p class="wp-caption-text">Das passierte dem letzten Journalisten, der über diesen Umzugswagen gelästert hat. FOTO: bl</p></div>
<p>15:46 Wieder eine Cheerleadertruppe, und nun fragen wir uns, wieviel es denn <em>davon</em> nun wieder gibt. Ein unvorsichtigerweise probiertes Erdbeerkaubonbon zieht dem Autor mehrere Plomben heraus, es gelingt aber, selbige mit gezieltem Einsatz von Turm-Sahne-Karamell wieder festzukleben. Der Klootschießer- und Boßelerverein Leuchtenburg passiert die Tribüne, verzichtet aber darauf, auf der Straßburger Straße zu boßeln. Schade.</p>
<p>15:48 Es gibt zwei Kategorien von Kamellewerfern: Die, die ihre Bonbons in einer sanften, von unten kommenden Bewegung in die Luft werfen und jene, die sie nach Art eines Baseball-Pitchers in die Menge braten. Unsere Theorie, dass es sich bei letzteren um Leute handelt, die schlecht gelaunt sind, weil sie zum Dienst auf dem Umzugswagen verdonnert wurden, lässt sich aber nicht halten &#8211; es sind zu viele, und sie lächeln. Vielleicht freuen sie sich auch nur über besonders gelungene Treffer. Wir haben ein paar Stimmen von der Tribüne gesammelt, die wir wörtlich zitieren: &#8220;Autsch!&#8221; &#8220;Aua!&#8221; &#8220;Uff!&#8221; &#8220;Scheiße!&#8221; So, und jetzt haben wir auch dieses Wort einmal in einem Artikel verwendet. Wollten wir schon immer machen.</p>
<div id="attachment_42383" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Rassismus-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42383" alt="Ein bisschen Alltagsrassismus muss erlaubt sein, dachten sich diese Teilnehmer offenbar. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Rassismus-www-1024x682.jpg" width="700" height="466" /></a><p class="wp-caption-text">Ein bisschen Alltagsrassismus muss erlaubt sein, dachten sich diese Teilnehmer offenbar. FOTO: bl</p></div>
<p>15:52 Die Leutchen vom VfB verteilen Eis, die Footballer von den &#8220;Fighting Knights&#8221; haben noch mehr Cheerleader dabei und die Gospelsänger von &#8220;Sound &amp; Joy&#8221; singen in einem größtenteils geschlossenen Waggon, weshalb nur hier und da ein gedämpftes &#8220;Halleluja&#8221; zu hören ist.</p>
<p>15:58 Der Umzug dauert nun schon ziemlich lang, beinahe eineinhalb Stunden, und die Stimmung kippt langsam. Sogar auf der Straße, mitten unter den Teilnehmern, brechen in diesem Moment offene Prügeleien&#8230; ach nein, es sind bloß die &#8220;Mitglieder des Vereins für traditionellen Budosport&#8221;.</p>
<div id="attachment_42379" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Konfetti-www.jpg"><img class="size-large wp-image-42379" alt="Schööööön. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/Kramermarkt-Umzug-Konfetti-www-1024x682.jpg" width="700" height="466" /></a><p class="wp-caption-text">Schööööön. FOTO: bl</p></div>
<p>16:00 Kurz darauf kommen die Mitglieder des 1. Oldenburger Gothicvereins vorbei. Nein, doch nicht &#8211; es sind Musicaldarsteller von der &#8220;Stage Academy&#8221; in ihren Kostümen aus der Dracula-Aufführung. Hätte man auch gleich merken können, dass es keine richtigen Gothics sind &#8211; sie stinken nicht meilenweit nach Patchouli.</p>
<p>16:05 Obwohl hier Gruppen dabei sind, die sich auf Schildern selbst als &#8220;Spaßmacher&#8221; oder &#8220;lustig&#8221; bezeichnen, attestieren wir den Mitgliedern des Gehörlosenvereins mehr Humor als allen anderen zusammen: Sie treten als Pantomimen auf.</p>
<div id="attachment_32871" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2012/10/01/rumta-rumta-tschingderassabummpangpang/kramermarkt-umzug-70er-www/" rel="attachment wp-att-32871"><img class="size-thumbnail wp-image-32871" title="Kramermarkt Umzug 70er www" alt="Alles so schön bunt. FOTO: bl" src="http://www.oldenburger-lokalteil.de/wp-content/uploads/2012/09/Kramermarkt-Umzug-70er-www-600x400.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Alles so schön bunt. FOTO: bl</p></div>
<p>16:10 Die Johanniter werben mit ihrem 60. Geburtstag. Hm, warum nicht mit ihrem 913.? Naja, ist wohl zu lange her. Überhaupt sind dieses Jahr offensichtlich, wenn&#8217;s schon Geschichte sein muss, eher die 70er in, denn auch die Handballerinnen des SVO haben ihren Wagen und ihre Kostüme der Hippieära angepasst. Apropos &#8220;angepasst&#8221;, kleiner Hinweis: Bunte Sonnenbrillen, Stirnbänder und psychedelische Muster sind ein guter Ansatz, aber wenn alle exakt dieselben Klamotten anhaben, ist es doch wieder mehr Uniform- als Hippiegeist.</p>
<p>16:12 Spielmannszüge, Sportvereine, Tanztruppen. Man möge uns nachsehen, dass wir nicht alle einzeln aufführen können. &#8220;Wer zählt die Gruppen, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen&#8221;, fragte schließlich schon der bekannte Oldenburger Heimatdichter Friedrich Schiller.</p>
<p>16:20 Wir nähern uns der Zwei-Stunden-Marke, und längst hat sich das Gefühl breitgemacht, dass der Umzug jetzt bald auch gerne mal sein Ende finden darf. Ein Trupp Manga-Figuren schlendert vorbei. Die Schwulen und Lesben dahinter hauen ihre Kamelle mit vollen Händen raus. Ein Weihnachtsmann mit Rentieren fährt an der Tribüne entlang, ist ja auch schon Ende September. Und dann kommt der Turm-Sahne-Bus, alle Zuschauer bringen sich, so gut es geht, hinter ihren Vorderleuten in Sicherheit &#8211; die Teilnehmer lassen aber Gnade walten und verteilen ihre Karamellmunition, statt mit gezielten Würfen den überlebenden Zuschauern den Rest zu geben.</p>
<div id="attachment_32862" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2012/10/01/rumta-rumta-tschingderassabummpangpang/kramermarkt-umzug-mcallister-www/" rel="attachment wp-att-32862"><img class="size-thumbnail wp-image-32862" title="Kramermarkt Umzug McAllister www" alt="Obligatorisch: Ohne Foto des Ministerpräsidenten darf so ein Artikel ja gar nicht veröffentlicht werden. FOTO: bl" src="http://www.oldenburger-lokalteil.de/wp-content/uploads/2012/09/Kramermarkt-Umzug-McAllister-www-600x433.jpg" width="600" height="433" /></a><p class="wp-caption-text">Obligatorisch: Ohne Foto des Ministerpräsidenten darf so ein Artikel ja gar nicht veröffentlicht werden. FOTO: bl</p></div>
<p>16:25 Kurz vor Ende trifft Ministerpräsident David McAllister ein und wird begrüßt wie ein König. Da er aber keiner ist, sondern gewählt werden muss, um <del>die Krone</del> das Amt zu behalten, und weil wir Tag 112 vor der Landtagswahl schreiben, richtet er eine ungewöhnlich anbiedernde Ansprache an das Volk: Oldenburg, so der CDU-Politiker, sei in den nächsten Tagen &#8220;die heimliche Landeshauptstadt&#8221;. Na, das hört man hier gerne. Ist man doch ohnehin auch den Rest des Jahres davon überzeugt.</p>
<p>16:28 Der Umzug ist vorbei, bald beginnt das Eisbein-Gelage in der Weser-Ems-Halle. Das ist eine andere Geschichte, von der wir an dieser Stelle nur berichten wollen, dass Schwander die anwesenden Fußballjunkies vom Zwischenstand beim Bundesliga-Spieltag in Kenntnis setzte (&#8220;Wiesenhof Bremen gegen Bayern München 0:0&#8243;) und der Vertreter aus der Partnerstadt Kingston-upon-Thames, Derek Osbourne, in einer brillianten Rede McAllister zu einem Bootsrennen in England herausforderte &#8211; er hatte die Presseberichte über den <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2012/05/15/mcallister-geht-baden/">nass geendeten Ausflug des Ministerpräsidenten auf dem Zwischenahner Meer</a> gelesen. Über den Rest des Abends hüllen wir uns in vornehmes Schweigen.</p>
<div id="attachment_32857" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2012/10/01/rumta-rumta-tschingderassabummpangpang/kramermarkt-umzug-tod-www/" rel="attachment wp-att-32857"><img class="size-thumbnail wp-image-32857" title="Kramermarkt Umzug Tod www" alt="Der Tod und der Fotograf. FOTO: bl" src="http://www.oldenburger-lokalteil.de/wp-content/uploads/2012/09/Kramermarkt-Umzug-Tod-www-600x440.jpg" width="600" height="440" /></a><p class="wp-caption-text">Der Tod und der Fotograf. FOTO: bl</p></div>
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		<title>Das Eckige, das Runde und das Orange</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jun 2012 21:36:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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		<description><![CDATA[Der gesellschaftliche Druck war zu groß: Ein Teil der mäßig EM-begeisterten Lokalteilredaktion hat sich, allen reizvoller erscheinenden Möglichkeiten der Abendgestaltung eine Absage erteilend, aufgemacht zum öffentlichen Fußballgucken; nicht beim Public Viewing, sondern in der Kneipe. Ein Selbstversuch mit konsequent-boulevardesker Anwendung der ersten Person Plural.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Der gesellschaftliche Druck war zu groß: Ein Teil der mäßig EM-begeisterten Lokalteilredaktion hat sich, allen reizvoller erscheinenden Möglichkeiten der Abendgestaltung eine Absage erteilend, aufgemacht zum öffentlichen Fußballgucken; nicht beim Public Viewing, sondern in der Kneipe. Ein Selbstversuch mit konsequent-boulevardesker Anwendung der ersten Person Plural.</span></p>
<div id="attachment_42372" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland.jpg"><img class="size-full wp-image-42372" alt="Kriegsbemalung. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Kriegsbemalung. FOTO: bl</p></div>
<p><strong>22:55</strong> Ein rot angelaufener Mann aus einem am Korso teilnehmenden und überbordend beflaggten Streitwagen bölkt einen Radfahrer mit längeren als streichholzlangen Haaren an, er solle &#8220;schön aufpassen&#8221;, der &#8220;Bombenleger&#8221;. Derart rückversichert, was die ach so tolle Leichtigkeit und Unschuld des neuen deutschen Fuba-Patriotismus angeht, beenden wir diesen Abend mit der gesummten Weise: &#8220;Wir können nach Hause fahren.&#8221;</p>
<p><strong>22:50</strong> Außerhalb der Kneipe: Ein für Oldenburger Verhältnisse erklecklicher Autokorso hat sich gebildet, und wir fragen uns nicht zum ersten Mal, worin genau eigentlich der Reiz besteht, sich unmittelbar nach dem Abpfiff in ein Kraftfahrzeug zu begeben, um anschließend Rohstoffe für nichts zu verplempern und einem nicht unerheblichen Teil der Mitbürgerschaft auf die Nerven zu gehen. Vielleicht arbeitet ein Wissenschaftlerteam daran, das wäre dann unter Umständen ig-nobeltauglich.</p>
<p><strong>22:45</strong> KMH begrüßt die Zuschauer auf ihrer merkwürdigen Seebühne, aber darauf gehen wir jetzt nicht weiter ein, da wir versprochen haben, keine weiteren KMH-Witze zu machen. Und weil wir keine Lust haben, auch nur zwei Minuten lang den Ausführungen eines Oliver Kahn zu lauschen.</p>
<p><strong>22:38</strong> Aus, aus, das Spiel ist aus. &#8220;Wir&#8221; gegen &#8220;sie&#8221;: Zwei zu eins, ein beliebtes Ergebnis in den bisherigen deutsch-niederländischen Duellen. So wie Anno &#8217;74, um mal ein Pfund Salz in die Wunden eventuell mitlesender niederländischer Nachbarn zu streuen. Man möge uns diesen Anflug von Gehässigkeit verzeihen, das liegt an den herumfliegenden Fußballpatriotismuserregern, gegen die wir nicht genug Abwehrzellen gebildet haben.</p>
<p><strong>22:35</strong> In den letzten Sekunden nochmal sowas wie Stimmung in der Bude, während sich die Spieler müde den Ball zuschieben. Stimmung heißt: Rhythmisches Klatschen, begleitet von der einzigen Ratsche im Haus.</p>
<p><strong>22:29</strong> „Jogi Löw ist erschöpft“, sagt der Kommentator, „von den vielen Anweisungen“. Dafür haben die Spieler, die ja bloß ein paar Kilometer gelaufen sind, sicher Verständnis. „Sie sitzen da wie eine geschlagene Armee“, sagt er zu einer Aufnahme der ausgewechselten Robben und van Bommel, und das ist nicht nur aufgrund des Mangels an Blut ein untaugliches Bild, sondern auch so historisch betrachtet vielleicht ein kleines bisschen unglücklich. Es reicht doch, dass wir ihnen die Fahrräder geklaut haben.</p>
<p><strong>22:26</strong> Es ist ruhig im nach wie vor knüppelvollen Havanna. Es ist indes keine atemberaubende Spannung, die sich über das Publikum gelegt hat, eher ein bisschen Langeweile und „Wann isses endlich vorbei“-Gefühl. Dabei ist in diesem Spiel das letzte Wort noch nicht gesprochen (10,- €).<br />
<strong><br />
22:22</strong> Gelb für de Jong. Kann man geben (Phrasenschwein: 8,- €). Özil geht. Robben auch. Glücklich sieht er nicht aus. Wir lernen, dass auch die Unterhemden der Holländer orange sind.</p>
<p><strong>22:20</strong> Die Klapperpappe eignet sich auch als Fächer. Obwohl hier, im Gegensatz zur Ukraine, keine 30 Grad herrschen.</p>
<p><strong>22:18</strong> Özil erleidet einen akuten Schwächeanfall in der Nähe des Elfmeterpunktes. Kein Pfiff – der bewaffnete Aufstand bleibt trotzdem aus.</p>
<p><strong>22:15</strong> Anschlusstreffer für die Niederlande durch van Persie. Mitbekommen hat man es nicht: Kein Geschrei, kein Haareraufen, kein Zähneklappern. „Wieder &#8216;n bisschen Spannung“, kommentiert ein Zuschauer trocken, und wir finden, dass man im Norden ganz gut Fußball gucken kann.</p>
<p><strong>22:13</strong> Boateng wirft sich todesmutig in einen Schuss. Hat sicher wehgetan. Er verzichtet aber dankenswerterweise auf das übliche theatralische Gehabe. Gomez wird ausgewechselt und vom Havanna-Publikum mit Jubel verabschiedet.</p>
<p><strong>22:12</strong> Der Kommentator erwähnt zum gefühlt zwölften Mal, dass am Spielort 30 Grad herrschen. Und wir dachten, dass da ewiger Winter herrscht. Ist doch alles Osten da.</p>
<div id="attachment_42371" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Public.jpg"><img class="size-full wp-image-42371" alt="Zeit für einen kleinen Ausflug auf den Pferdemarkt. FOTO: bl" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Public.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Zeit für einen kleinen Ausflug auf den Pferdemarkt. FOTO: bl</p></div>
<p><strong>22:07</strong> Trockene Feststellung eines Zuschauers: „Die Spannung ist weg. Eigentlich könnten wir auch ins Bett gehen.“ Recht hat der Mann, auffem Platz passiert nicht viel. Zeit für eine kurze Lektion in politischer Rhetorik, die er gleich nachliefert: Es gibt nun nicht mehr nur „sich etwas wulffen“, sondern auch „sich etwas niebeln“. Recht gesprochen, aber derartige Themen sprechen nicht für die Qualität des Spiels.</p>
<p><strong>22:04</strong> Ein Mann namens van Persie schießt knapp am Tor vorbei. Nur damit es nicht heißt, wir würden <del>niederl</del> holländische Chancen verschweigen. Darüber, ob das Orange der Trikots wirklich hübsch ist, kann man ja streiten &#8211; aber die Nummern sehen aus, als wären sie mit Gaffertape angeklebt.</p>
<p><strong>22:02</strong> Nach der ermüdenden Überbetonung der angeblichen deutsch-niederländischen Todfeindschaft, mit der uns alle möglichen Medien in den vergangenen Tagen zugedonnert haben, müssten in den Niederlanden mittlerweile die ersten Plünderungen begonnen haben. Mit einem stabileren Internetzugang würden wir ja online nachschauen, aber vermutlich würden die meisten Medien es vor lauter Fußballgetickere eh nicht mitbekommen. Eine Pest, dieses Getickere.</p>
<p><strong>21:56</strong> Nun ja, „sie wollen die Holländer jetzt nicht gleich deklassieren“, kommentiert ein Zuschauer das Gebolze. Irgendwo klappert eine, Sie ahnen es, Klapperpappe. Direkt neben uns ratscht eine Ratsche. Und am Tresen säuft ein&#8230; lassen wir das.</p>
<p><strong>21:54</strong> „Arrgh!“ „Ouuhh!“ „Neiiiin!“ Der Sechser hat soeben eine Torchance verpasst. Wir überlegen kurz, ob wir mit unserem Wissen über das Vorhandensein einer &#8220;Doppel-Sechs&#8221; prahlen sollen, das uns vor zwei Jahren unfreiwillig eingebläut worden ist, lassen es aber bleiben.</p>
<p><strong>21:50</strong> So, zweite Halbzeit, und Gomez liegt am Boden. Er hält sich die Hände vor das Gesicht, aber das will nichts heißen: Fußballer halten sich <em>immer</em> die Hände vors Gesicht, auch nach einem satten Tritt an den Knöchel (und dem kurzen, hektischen Blick Richtung Schiedsrichter, ob er die folgende schauspielerische Einlage auch mitbekommt).</p>
<p><strong>21:45</strong> Eingedenk unseres Wunschergebnisses muss Holland – wir bleiben in unserem Zustand der Fußballbesoffenheit einfach mal bei dieser boulevardesken Vereinfachung des Staatssystems des Königreichs der Niederlande – jetzt mal abliefern (Phrasenschwein: 6,- €). Drei Tore müssen her, dann verzichten wir auch auf die weitere Verwendung des Wortes „Eingedenk“.<br />
<strong><br />
21:30</strong> Auch der unerfahrene Fußballgucker weiß, dass der beste Moment, aufs Klo zu gehen, die Minute vor dem Halbzeitpfiff ist. <em>Vor</em> der Spontanbildung der ewig langen Schlange. Gelegenheit für ein kurzes Trikotzählen: Zwei Müllers, ein Götze, ein Klose und zahlreiche namenlose. In den kommenden Tagen wird der Absatz an Gomez-Leibchen wohl zulegen.</p>
<p><strong>21:27</strong> Und jetzt alle: „Ohne Holland komm&#8217; wir durch die W&#8230; äh, EM!“ Nein, war doch nur einer, der diese Weise intonierte. Wir sitzen übrigens im Epizentrum der Stimmungskanonen: An unserem Tisch befindet sich die Ratsche, offenbar die einzige im ganzen Lokal.</p>
<div id="attachment_42375" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Kölner.jpg"><img class="size-full wp-image-42375" alt="Hatten wir schon den einsamen Kölner Fan erwähnt? FOTO: Beate Lama" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Kölner.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Hatten wir schon den einsamen Kölner Fan erwähnt? FOTO: Beate Lama</p></div>
<p><strong>21:23</strong> Gerade salbedert der Kommentator, dass Holland „viel öfter den Ball“ habe, und wir fragten uns, ob die das eigentlich dürfen, da drischt Gomez, der Wundgelegene, den Ball mal eben ins Tor. Diesmal springen mehr Leute auf. Die Klapperpappen klappern pappig.</p>
<p><strong>21:21</strong> Das Zufallkommen eines schwarz-weiß uniformierten Spielers führt zu sofortigem &#8220;EY!!!&#8221;-Gerufe. Oder, bei unpatriotischeren Zuschauern, zum gemurmelten &#8220;Eine Schwalbe sondergleichen&#8221;.</p>
<p><strong>21:17</strong> ZDF-Kommentator: „Abseits mit Gomez“. Klingt wie ein komischer B-Movie. Gomez habe sich ja wundgelegen, werden wir von unserem Nachbarn informiert, aber Jogi habe ihn öfters mal umgebettet.</p>
<p><strong>21:13</strong>Nach 28 Minuten fühlt sich der Kommentator zu der Analyse berufen: „Holland ist noch nicht hundertprozentig ausgeschieden&#8230;“ Äh, nein.</p>
<div id="attachment_42374" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Jubel.jpg"><img class="size-full wp-image-42374" alt="EM Holland Jubel" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Jubel.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Beweisfoto: Es gab auch Torjubel. FOTO: Beate Lama</p></div>
<p style="text-align: center;"><strong>21:08</strong> Die norddeutsche Stimmung wird etwas süddeutscher, als Gomez nach einem tödlichen Pass von Schweini (Phrasenschwein: 4,- €) zum 1:0 trifft. Nach zwanzig Sekunden tritt aber auch schon wieder eine weitestgehende Beruhigung ein.</p>
<p><strong>21:05</strong> Badstuber und Robben knallen zusammen. „Bei den Haaren ist das bei Robben ja eher eine Glatzwunde“, sagt ein Tischkamerad. Hihihi. Es macht doch mehr Spaß als befürchtet.</p>
<p><strong>21:03</strong> Jungejunge, das geht ja rund da auf dem Platz. Tschuldigung: Es heißt „Auffem Platz“. Es geht hin und her, aber vielleicht täuscht das auch; so richtig schön ist das Spiel nicht.</p>
<p><strong>21:00</strong> Robben, der Egozentriker, wirft ein. Zumindest sind sich alle Medien heute einig, dass der Bayern-Spieler so einer ist, der immer nur an sich denkt. Immerhin: Den Einwurf wirft er zu einem Mitspieler.</p>
<p><strong>20:57</strong> Eigentlich dachten wir, dass man irgendwann beim Namen „Lahm“ für einen Fußballspieler nicht mehr giggeln müsste. Müssen wir trotzdem. Bier ist schuld.</p>
<p><strong>20:53</strong> Özil sieht für einen Moment aus wie eine Tipp-Kick-Figur, als er einen verirrten Ball aufs Tor drischt.</p>
<p><strong>20:51</strong> Erster Blick auf die Leinwand, und gleich sowas wie eine Chance. Aber nicht für uns. Bei den Niederländern spielt ein Jetro Willems mit, der allein von seinem Namen her auch eine Karriere als Musiker anpeilen könnte, wenn&#8217;s mit dem Fußball nichts wird.</p>
<p><strong>20:50</strong> Unsere Tischkameraden kommen aus Tschechien. Wir werden uns also auf keinen Trinkwettbewerb einlassen. Sie sind aber schwarz-rot-gold bemalt und behutet.</p>
<p><strong>20:48</strong> Drei Minuten gespielt, immer noch kein Tor. Dabei würde ein solches dem Spiel gut tun. (Inhalt des Phrasenschweins: 2,&#8211;€).</p>
<p><strong>20:42</strong> Die Aufstellungen wabern über die Leinwand. Irgendjemand hat es offenbar für ein duftes Stilmittel gehalten, wenn die Oberkörper der Spieler, testosterongeschwängert die muskulösen Oberarme verschränkend, ins Bild geschoben werden. Und irgendwer muss sich dann darum gekümmert haben, dass alle rund 350 Spieler da filmtechnisch mitmachen. Was für ein Job.</p>
<p><strong>20:40</strong> Kein Netz, nirgends: Die UMTS-Sticks fliegen in die Rabatten. Nein, fliegen sie nicht, waren teuer genug. Aber sie wandern wieder in die Tasche. Wir nehmen Abstand vom „Live“ im Wort „Liveticker“ und erfinden zwischen Tür und Angel den Hinterherticker. Grimme-Preis, wir kommen.</p>
<p><strong>20:32</strong> Zum Beispiel hier: Klapperpappe.</p>
<p><strong>20:31</strong> Wir finden das Wort „Klapperpappe“ so schön, das wir es sicher noch ein paarmal bringen werden.</p>
<p><strong>20:30</strong> Die NWZ macht sich um einen ordentlichen Nationalstolz verdient und hat zusammenfaltbare Klapperpappen verteilt, auf denen die dritte Strophe der Nationalhymne aufgedruckt ist. Doof: Wenn man die Klapperpappe zusammengeklappert, äh, -gefaltet hat, kann man die Hymne nicht mehr lesen. Man müsste sie auswendig lernen. Aber hier singt eh niemand mit.</p>
<p><strong>20:22</strong> Ein Fußballfan aus Köln sitzt traurig in der norddeutsch geprägten Meute. Er ist frustriert, sagt er, dass die Stimmung hier so mau ist. Wir nehmen ihn aber nicht so ganz ernst, denn wir wissen, dass Kölner Fußballfans ja sowieso <em>immer</em> gefrustet sein müssen.</p>
<div id="attachment_42373" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Baum.jpg"><img class="size-full wp-image-42373" alt="EM Holland Baum" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/06/EM-Holland-Baum.jpg" width="610" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Ein Baum, ein Baum, es ist ein Baum. FOTO: bl</p></div>
<p style="text-align: center;"><strong>20:15</strong> Wir befinden uns mittlerweile im rappelvollen Havanna und haben den letzten freien Tisch belegt. Der Baum im Hof verdeckt dankenswerterweise auch nur die halbe Leinwand. Die mit dem niederländischen Tor, in der ersten Halbzeit. Da passiert eh nicht viel.</p>
<p><strong>20:05</strong> Tüdeldüt, der Verkehrsfunk: Nicht-Fußballfans werden gebeten &#8211; oder besser: ihnen wird geraten -, den Bereich Wallstraße / Lappan / Heiligengeiststraße / Pferdemarkt weiträumig zu meiden. Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.</p>
<p><strong>19:52</strong> Abpfiff: Portugal schlägt Dänemark 3:2. Damit steht auch unser Wunschergebnis für das Deutschlandspiel fest: 3:2 für die Niederlande, oder, wie viele gerne abkürzend sagen, &#8220;Holland&#8221;. Weil: Irgendwann kommen bei so einem Turnier unausweichlich die Teilnehmer des Hauptseminars &#8220;Angewandte Statistik&#8221; aufgelaufen und rechnen einem ungefragt sämtliche Eventualitäten für den letzten Vorrundenspieltag vor. Und wir möchten, dass die es diesmal so schwer wie möglich haben. Oder es gleich ganz bleiben lassen, danke im Voraus.</p>
<p><strong>19:40</strong> Dänemark gleicht zum 2:2 gegen Portugal aus. Jubel im Swutsch, ein Unentschieden wäre gut für uns. Auf der anderen Straßenseite jubelt man satte sechs Sekunden früher &#8211; der Fluch des Internet-Datenübertragungs-contra-TV-Unterschiedsdings. Wenige Minuten später erzielt Portugal das 3:2, und der ZDF-Kommentator ruft &#8220;Toooooooooooor!&#8221; mit zwölf &#8220;o&#8221;s, wir haben mitgezählt. Das müsste er bei einem etwaigen Tor von uns gegen die Niederlande erstmal toppen.</p>
<p><strong>19:33</strong> Es lohnt sich, an dieser Stelle nochmal Leon de Winter zu zitieren, der dem Spiegel-Interviewer folgende unsterbliche  Worte in den Block diktierte: &#8220;Fußball ist angewandter Wahnsinn. [...] Du identifizierst dich mit elf Top-Athleten wie mit Kriegern. Wir wollen alle Krieger sein und das andere Team töten. Den Ball ins Tor zu schießen ist ritualisierte Vergewaltigung, da kommen unsere archaischen Triebe durch.&#8221;</p>
<p><strong>19:30</strong> Ein Blick in die Presse scheint die &#8220;Spiel der Spiele&#8221;-These indes zu untermauern. Eine ganze Reihe von Blättern macht die Titelseite mit dem heutigen Spiel auf; die taz präsentiert sich gar mit Titelbalken in oranje. Der ehemalige niederländische Nationaltorwart Hans van Breukelen wird durchgereicht, nachdem er sowas gesagt hat wie &#8220;Ich bin in Deutschland verliebt.&#8221; Oder zumindest in den deutschen Fußball. Die Süddeutsche bringt ein großformatiges Foto aus dem Jahr 1988, auf dem van Breukelen seine Liebe Rudi Völler in die Löckchen brüllt.</p>
<div id="attachment_29344" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="Alles bereit. FOTO: Beate Lama"><img class="size-full wp-image-29344" title="Alles bereit. FOTO: Beate Lama" alt="Alles bereit. FOTO: Beate Lama" src="http://www.oldenburger-lokalteil.de/wp-content/uploads/2012/06/Alles-bereit.-FOTO-Beate-Lama.jpg" width="610" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Alles bereit. FOTO: Beate Lama</p></div>
<p><strong>19:02</strong> Und noch einmal KMH, wie sie in der Sportwelt aufgrund des hohen Tippfehlerpotenzials gerne genannt wird: Als sie einen Satz mit &#8220;Um zwanzig Uhr fünfunvierzig&#8230;&#8221; begann und anschließend ein paar Sekunden lang der Ton weg war, haben mehrere Personen unabhängig voneinander den Satz mit &#8220;&#8230; wird zurückgeschossen&#8221; beendet, hehehe. So, und hiermit erklären wir die Ära der Müller-Hohenstein-Naziwitze nunmehr offiziell für beendet. Es war uns <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=2&amp;ved=0CF8QFjAB&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fkultur%2Ftv%2Finnerer-reichsparteitag-fuer-klose-spruch-von-zdf-moderatorin-loest-protest-aus-a-700458.html&amp;ei=DMvYT6u9BYnJsgbQ77yqDw&amp;usg=AFQjCNFubiTJOoWCDadt4-hSKbJ0Wufpbw&amp;sig2=RKcPYKSowOGQJLyF2RUYcQ" target="_blank">ein innerer Reichsparteitag</a>.</p>
<p><strong>19:01</strong> Gibt man bei Google &#8220;katr&#8221; ein, liegt Müller-Hohenstein trotzdem nur auf den zweiten Platz der Auto-Vervollständigungsfunktion. Vor ihr liegt Katrin Bauerfeind. Gibt es einen handfesteren Beweis der allgemein eher durchwachsenen Fußballbegeisterung im Land? Wir meinen: Nein.</p>
<p><strong>19:00</strong> Das Vorglühen läuft auf vollen Touren. In der Halbzeitpause des anderen Gruppenspiels zeigt das ZDF eine Luftaufnahme des deutschen Mannschaftsbusses, auf dem Weg zum &#8220;Spiel der Spiele&#8221;, wie Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein in kaum gezügelter Vorfreude losschnattert. &#8220;Spiel der Spiele&#8221;? Haben wir zwei Wochen im Koma verbracht und es ist schon Finale? Ein kurzer Blick auf den Kalender zeigt uns, dass das nicht der Fall ist; es handelt sich nach wie vor bloß um das zweite Vorrundenspiel, das bestenfalls vor-, aber nichts endgültig entscheidet. Vielleicht handelt es sich um eine Absicherung für den Fall des Falles: Wenn wir schon nicht Europameister werden, haben wir wenigstens das Spiel der Spiele gewonnen. Oder verloren.</p>
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		<title>„Alle brav“</title>
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		<pubDate>Tue, 29 May 2012 04:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Land]]></category>
		<category><![CDATA[Polizei]]></category>

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		<description><![CDATA[Busfahren muss in Oldenburg ein gefährliches Unterfangen sein: Die VWG hat knapp 400 Überwachungskameras in ihren Bussen installiert. Und zur Einweihung des Systems kam hoher Besuch aus Hannover.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Busfahren muss in Oldenburg ein gefährliches Unterfangen sein: Die VWG hat knapp 400 Überwachungskameras in ihren Bussen installiert. Und zur Einweihung des Systems kam hoher Besuch aus Hannover.</span></p>
<div id="attachment_42514" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/05/schünemann-vwg.jpg"><img class="size-full wp-image-42514" alt="Hat die Sache im Griff: Innenminister Uwe Schünemann. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/05/schünemann-vwg.jpg" width="610" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Hat die Sache im Griff: Innenminister Uwe Schünemann. FOTO: mno</p></div>
<p>Mit nur fünf Minuten Verspätung, was für hohe Regierungsbeamte auf auswärtigen Presseterminen immer noch als überpünktlich zählen darf, rauscht Uwe Schünemann in die Kantine der Verkehr und Wasser GmbH, kurz VWG. Der Innenminister, diesmal ohne Dreitagebart, ist eigens aus Hannover angereist, um deren nagelneues „Videoschutzsystem“ offiziell in Betrieb zu nehmen. Hinter diesem bemühten Euphemismus verbirgt sich die Tatsache, dass von nun an alle 88 Linienbusse der Stadt mit je vier bis fünf Videoüberwachungskameras ausgestattet sind, deren Bilder live in die Leitstelle der VWG übertragen werden können.</p>
<p>Schünemann hält eine zehnminütige Ansprache, routiniert und flüssig, ohne Notizen. Er lobt die Stadt für ihre Präventionsarbeit im Allgemeinen und den Gastgeber für sein Sicherheitssystem im Besonderen. Es sei nicht nur eine Innovation, sondern geradezu eine „neue Innovation“, sagt der Minister, mit Betonung auf „neu“. Auch die Akzente, die man jetzt im Bereich der Prävention setze, seien neu. Und die betreffende Technik ja ohnehin, von der „derjenige profitieren soll, der in Not ist“. Der Name Dominik Brunner – der Mann, der an einer Münchner S-Bahn-Station totgeprügelt wurde – fällt geradezu unausweichlich. „Jugendkriminalität“, das sei ein zentrales Thema.</p>
<div id="attachment_42513" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/05/schünemann-vwg-zeige.jpg"><img class="size-full wp-image-42513" alt="Sonderservice für die Leser: Eines der guten alten Zeige-Fotos. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/05/schünemann-vwg-zeige.jpg" width="610" height="431" /></a><p class="wp-caption-text">Sonderservice für die Leser: Eines der guten alten Zeige-Fotos. FOTO: mno</p></div>
<p>Auf den Einwand eines Journalisten, dass die vielen Kameras auf Bahnhöfen diese Vorfälle ja auch nicht verhindert hätten, gerät der Duktus des Ministers ein wenig ins Stocken, als er widerspricht: „Wenn man weiß, dass Aufnahmen gemacht werden, hat das präventiven Charakter.“ Ob man das an Zahlen festmachen könne? Nun ja, sagt VWG-Chef Michael Emschermann: Seit sie 2011 mit der Installation der Kameras begonnen hätten, habe es „keine nennenswerten Vorkommnisse gegeben.“ Kurz darauf: „Ist vielleicht ein bisschen früh für repräsentative Ergebnisse.“ Schünemann springt ihm zur Seite: „Wo es Videoüberwachung gibt, sind die Zahlen rückläufig.“</p>
<p>Die einzige konkrete Zahl, die für Oldenburg genannt wird, lautet 53: So viele „Straftaten jeder Couleur“ habe es 2011 gegeben, sagt der ebenfalls anwesende Polizeipräsident Hans-Jürgen Thurau, und bevor jemand anmerken kann, dass diese Zahl nicht so furchtbar hoch zu sein scheint, herrscht er vorsorglich den Journalisten an, er solle sich mal die Frage stellen, ob er „das eigene Kind lieber in einen Bus mit oder einen ohne Videoüberwachung einsteigen“ lassen wolle. Schünemann und Emschermann nicken ernst, sie wirken wie ein eingespieltes Team, scheinen sogar denselben asphaltgrauen Anzug zu tragen.</p>
<p>Es geht in den bereitgestellten Bus. Emschermann erklärt die Funktionsweise des Systems; Schünemann, der sich vielleicht fragt, wann er zuletzt Bus gefahren ist, schaut ihm mit ministerialer Miene dabei zu. In der verbauten Enge des Busses quetschen sich Kamerateams und Fotografen zwischen die Sitzbänke, um gute Aufnahmen zu bekommen; einer äußert den Wunsch, Emschermann, Schünemann und Thurau mögen doch bitte auf eine der dezent an der Decke installierten Kameras zeigen. Sie tun es tatsächlich. Kameras klicken. Datenschutzrechtlich sei alles abgeklärt, sagt Emschermann, die Aufnahmen würden nach 72 Stunden gelöscht, und ein Aufkleber an der Bustür weise auf die Kameras hin.</p>
<div id="attachment_42515" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/05/schünemann-vwg-2.jpg"><img class="size-full wp-image-42515" alt="Draußen vor der Bustür. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/05/schünemann-vwg-2.jpg" width="610" height="404" /></a><p class="wp-caption-text">Draußen vor der Bustür. FOTO: mno</p></div>
<p>Letzte Station: Die Leitstelle, die ziemlich genau so aussieht, wie man sie sich vorstellt; mit einer Batterie Monitore auf einem bogenförmigen Schreibtisch, an den sich Schünemann setzt. Der Bus, in dem sich die Gruppe gerade die Kameras angeschaut hat, ist mittlerweile losgefahren, die Leitstelle schaltet sich live hinein. „Das ist sonst natürlich streng verboten“, erklärt Emschermann eilig, nur in Notfällen dürfe das geschehen. Etwa wenn sich der Bus untypisch bewege, auch das wird auf einem Bildschirm gezeigt, ein roter Punkt auf einem virtuellen Stadtplan. „Wir hatten ja mal vor ein paar Jahren den Fall mit der Busentführung“, und erneut nicken alle ernst. Busentführungen, das ist vielleicht ein weniger zentrales, aber wohl auch irgendwie wichtiges Thema.</p>
<p>„Und hier kann man dann zwischen den Kameras herumschalten?“, fragt Schünemann und greift zur Maus. Er hat die Funktionsweise sofort begriffen. Die Bilder aus dem Bus mit den VWG-Mitarbeitern zeigen indes nichts Besonderes. „Alle brav“, sagt der Minister. Doch plötzlich erklingt ein Alarmton. „Was ist das? Berichten Sie“, weist Emschermann einen Mitarbeiter an. „Ein Unfallsensor“, sagt der: „Die müssen noch ein wenig feinjustiert werden.“ Der Alarm, den der Fahrer im Notfall auslösen kann, klinge aber auch so.</p>
<p>99 Prozent der Fahrer hätten die Videoüberwachung begrüßt, sagt Emschermann, nur ganz wenige hätten sich kritisch geäußert, mit der Philosophie einer „schöneren Welt – aber so ist es leider nicht.“ Gekichere, nicht nur bei den Protagonisten, sondern auch bei den Journalisten. Die bitten Schünemann zum Abschluss, für ein Foto eine unmontierte Überwachungskamera in die Hand zu nehmen. Es ist alles drauf auf dem Bild: Der Minister, die Kamera, der Überwachungsbildschirm, das gequälte Presselächeln. Noch zwei Interviews für oeins und das RTL-Team, dann macht sich Schünemann auf den Rückweg, wie geplant nach einer Stunde. „Pünktlich wie die Busse“, scherzt er noch, aber die Oldenburger Pressevertreter sind bereits außer Hörweite. Sie hätten darüber lauthals gelacht.</p>
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		<title>Der Weltraum, endliche Weiten</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 04:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Regelmäßig beobachten die Hobbyastronomen des Vereins "Oldenburger Sternfreunde" den Nachthimmel. Wenn die Oldenburger Witterung es erlaubt, heißt das. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Regelmäßig beobachten die &#8220;Oldenburger Sternfreunde&#8221; den Nachthimmel. Wenn die norddeutsche Witterung es erlaubt, heißt das.</span></p>
<div id="attachment_42520" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/04/sternengucker.jpg"><img class="size-full wp-image-42520" alt="Wo denn nur? FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/04/sternengucker.jpg" width="610" height="304" /></a><p class="wp-caption-text">Wo denn nur? FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>&#8220;Abnehmende Venus&#8221;, sagt Bernward Große: &#8220;Das heißt, sie entfernt sich.&#8221; Im Teleskop-Okular ist eine helle Sichel zu erkennen, für einen Laien sieht sie auf den ersten Blick aus wie der Mond. Der zweite Blick &#8211; der mit bloßem Auge &#8211; bestätigt: Es handelt sich tatsächlich um den Nachbarplaneten, der tief über dem westlichen Horizont hängt, der Mond ist noch gar nicht aufgegangen. An diesem Aprilabend, an dem die <a href="http://www.avos.org/index.php" target="_blank">Oldenburger Sternfreunde</a> zur öffentlichen Beobachtung laden, ist die Venus ohnehin der einzige Himmelskörper, der zu sehen ist; der Rest des Nachthimmels verschwindet unter einer durchgehenden Wolkendecke. Passiert oft in Oldenburg, sagt Große. Mit guten Teleskopen könne man zwar trotz Wolkenschleier manchmal noch etwas sehen, aber wenn es sich richtig zuzieht, ist nichts mehr zu machen.</p>
<p>Die Vereinsmitglieder fahren zum Sterngucken daher gerne raus aus der Stadt, nicht nur in der Hoffnung auf einen klareren Himmel, sondern vor allem, um der Beleuchtung durch Straßenlaternen zu entgehen. In Friesoythe bauen sie gerade ihr eigenes Observatorium. Früher hätten sie ihre öffentlichen Beobachtungsabende am Bornhorster See gemacht, sagt Große. Bessere Bedingungen, aber &#8220;zu weit draußen &#8211; da kamen immer weniger Leute&#8221;. Daher packen sie ihre Teleskope seit einiger Zeit auf den Dobbenwiesen aus, viel dunkler und unverbauter geht es im Innenstadtbereich nicht. Wenigstens hat die EWE die Leuchtreklame an ihrem Gebäude in der angrenzenden Tirpitzstraße mittlerweile abgeschaltet &#8211; wohl nicht der Sterngucker zuliebe, aber die freuen sich trotzdem, denn das blaue Licht &#8220;hat sehr gestört&#8221;.</p>
<p>Trotz Wolken und Kälte kommen einige Interessenten vorbei. Drei Personen haben ein eigenes Teleskop mitgebracht, ein handelsübliches Gerät. &#8220;Ein Erbstück&#8221;, sagen sie. Die Sternfreunde beraten Besucher gerne, was den Umgang und die richtige Bedienung angeht, in diesem Fall aber können sie nicht helfen: Das kleine Suchfernrohr ist nicht parallel zum eigentlichen Teleskop ausgerichtet, und das lässt sich nur tagsüber machen &#8211; und ohne Suchfernrohr ist es nahezu aussichtslos, etwas am Himmel finden zu wollen. Stattdessen gucken die Leute durch die Geräte der Sternfreunde. Die Venus, immerhin.</p>
<p>Das für den Nichtfachmann erstaunlich kurze Teleskop von Große ist mit einem kleinen Steuerungscomputer verbunden; wenn es sich eigenständig mit hörbarem Surren auf einen bestimmten Punkt einstellt, sieht es ein kleines bisschen gruselig aus. Die Elektronik mit eingebauter Nachführung sei praktisch, um Objekte zu finden und im Blick zu behalten, erklärt er. Für so ein Gerät muss man um die 800 Euro anlegen, es geht auch darunter, aber dann muss sich der Hobbyastronom &#8220;in Geduld üben&#8221; &#8211; die Suche nach dem zu beobachtenden Himmelskörper kann, wenn man sie per Hand durchführen muss, recht knifflig sein. Er selbst besitzt auch noch ein größeres, das er sonst auch auf die Dobbenwiese mitbringt und mit dem sich auch schwächer leuchtende Galaxien und Nebel sehen lassen. An diesem Tag hat er es zu Hause gelassen &#8211; der Aufbau dauert eine halbe Stunde, und nach einem Blick aus dem Fenster war ihm klar, das sich das bei dieser Witterung kaum lohnen würde.</p>
<p>Das Gerät, das Sternfreund Martin Tanfal daneben aufgebaut hat, ist deutlich größer und weist Ähnlichkeit mit einer langgezogenen Trommel auf; es hat einen Durchmesser von acht Zoll und thront auf einer Art Pivot, das Okular sitzt am vorderen Ende. &#8220;Ein Dobson-System&#8221;, sagt Große. Es gibt eine ganze Palette an verschiedenen Bauarten, er erklärt detailliert die technischen Unterschiede und resümiert, dass letztlich &#8220;jedes Teleskop seinen eigenen Himmel&#8221; habe. So ein Dobson-Gerät sei heute schon fast ein Einsteigermodell, mit etwas Geduld lasse es sich auch selbst bauen, sagt Tanfal: &#8220;Das ist dann natürlich schon ein besonderes Gefühl.&#8221; Eine computerunterstützte Steuerung ist an das Gerät nicht angeschlossen, er richtet sich nach Sternkarten. &#8220;Das ist wie beim Straßenatlas&#8221;, sagt er, man navigiert von einem zentralen Orientierungspunkt zum nächstkleineren, bis man am Ziel ist; besser gesagt, es im Blick hat.</p>
<p>Bei all den Galaxienhaufen, farbenfrohen Nebeln und manchmal auch Kometen, die an klaren Tagen zu sehen sind, klingt Großes prägnantestes Beobachtungserlebnis ganz unspektakulär: Er habe gemeinsam mit einem Kollegen eine Abweichung eines Asteroiden bemerkt, &#8220;um zehn Bogensekunden&#8221; &#8211; das hätte gereicht, dass er &#8220;beim nächsten Umlauf nicht mehr wiedergefunden worden wäre&#8221;. Eine Ungenauigkeit aus der Zeit, als die Aufnahmen der Beobachtungsobjekte noch analog gemacht wurden: &#8220;Damals sind uns fünf Kleinplaneten verlorengegangen&#8221;, die aber inzwischen wiederaufgefunden worden sind. Heute lassen sich Digitalkameras einfach an das Teleskop anschließen &#8211; das Hubble für den Hausgebrauch.</p>
<p>Vor 20 Jahren wurde der Verein gegründet, knapp 50 Mitglieder hat er derzeit. &#8220;Es waren auch schon mal 75&#8243;, sagt Große &#8211; wie die meisten Vereine haben die Sternfreunde Nachwuchssorgen. Das Internet bietet wohl einen einfacheren Zugang zur Astronomie &#8211; und außerdem: &#8220;Wer friert schon gerne?&#8221; Denn die öffentlichen Beobachtungstermine finden ausschließlich im Winterhalbjahr statt, im Sommer wird es zu spät und zu wenig dunkel, erklärt Große. Erst im Oktober ist der nächste öffentliche Sterngucken angesetzt. Hoffentlich bei besserem Wetter, denn nun, eine gute halbe Stunde nach Beginn der Beobachtung, hat sich auch die Venus endgültig hinter die Wolken verzogen. Die Sternfreunde packen ein, bis zur nächsten Saison. Kleines Trostpflaster: In der <a href="http://www.oldenburger-lokalteil.de/2012/04/03/ein-paar-stucke-himmel-auf-erden/">Ausstellung &#8220;Meteoriten&#8221;</a> im Landesmuseum Natur und Mensch geben Vereinsmitglieder Einblicke in die Hobbyastronomie &#8211; und in den kommenden eineinhalb Wochen sorgt der <a href="http://www.noz.de/deutschland-und-welt/gut-zu-wissen/63132976/lyriden-sternschnuppen-funkeln-am-himmel" target="_blank">Lyriden-Strom für ein vermehrtes Aufkommen von Sternschnuppen</a>. Und die sieht man auch ohne Teleskop.</p>
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		<title>Untote Datenkästen</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 04:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Digitale Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Technik]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein klassisches Motiv der Kriminal- und Spionageliteratur, neu entdeckt: der tote Briefkasten. Im 21. Jahrhundert sieht der anders aus und hat – natürlich – auch einen cooleren Namen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Ein klassisches Motiv der Kriminal- und Spionageliteratur, neu entdeckt: der tote Briefkasten. Im 21. Jahrhundert sieht der anders aus und hat – natürlich – auch einen cooleren Namen.</span></p>
<div id="attachment_42524" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/03/deaddrop.jpg"><img class="size-full wp-image-42524" alt="Niemand hat die Absicht, einen Stick einzumauern. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/03/deaddrop.jpg" width="610" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Niemand hat die Absicht, einen Stick einzumauern. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Sie sind unscheinbar und zugleich offen sichtbar, wenn man weiß, wo man nach ihnen schauen muss. Sie stecken in Hauswänden, Begrenzungsmauern und Bordsteinen; und sie haben ebenso hipp wie geekig klingende Namen wie „Rockalot“, „MSHooker“ oder „Mr.Brown-Mlle.Beige-Drop“. Nicht, dass diese Namen irgendwie wichtig wären. Wichtig ist, was auf ihnen gespeichert ist, auf den USB-Sticks, die von Filesharern an öffentlich zugänglichen Stellen eingemauert wurden – „DeadDrops“ sind die modernen Nachfolger der klassischen „toten Briefkästen“ aus Agentengeschichten. Ihr Daseinszweck ist heute allerdings weitaus weniger klandestin, statt Mikrofilmen mit geheimen Raketenplänen findet man dort eher Musik, Fotos oder Filme.</p>
<p>Zwei DeadDrops soll es in Oldenburg geben, einen im Uni-Umfeld, einen weiteren im Bahnhofsviertel. Drei weitere in Bremen, ein knappes Dutzend in Hamburg; die Hochburg in Deutschland ist Berlin, die Hauptwirkungsstätte ihres Erfinders, des Medienkünstlers <a href="http://datenform.de/indexeng.html" target="_blank">Aram Bartholl</a>. Im Jahr 2010, während eines Aufenthalts in New York, hatte er <a href="http://deaddrops.com/" target="_blank">das Projekt gestartet</a> und die ersten fünf Deaddrops installiert. Er beschreibt seine Idee als „anonymous, offline, peer to peer file-sharing network in public space“, eine Austauschmöglichkeit für Daten, ganz ohne Internet und somit auch ohne verfolgbare digitale Spuren, was sie von onlinebasierten Strukturen wie Dropbox unterscheidet. Beinahe wie damals, als man Computerspiele auf Disketten unter seinen Freunden verteilte. Und, wenn man das Angebot entsprechend nutzt, genauso wenig legal.</p>
<p>Denn natürlich gibt es „wie bei allen Technologien eine Missbrauchsquote“, sagt Alex, der den Stick im Bahnhofsviertel montiert hat. Schließlich sind die Sticks in technischer Hinsicht bestens geeignet, um geschützte Medieninhalte wie Kinofilme oder Musikalben zu verbreiten. Gedacht sind sie indes eigentlich für etwas ganz anderes: Als Möglichkeit des „Datentransfers zwischen Leuten, die sich nicht kennen“, sagt Alex, als „Computerinterface, das vom privaten in den öffentlichen Raum verlagert ist“, als Medienkanal für die subkulturelle Szene. Bands können Demos darauf platzieren, Künstler ihre Werke vorstellen, andere ihre Urlaubsfotos, wenn sie wollen. Naja, und theoretisch kann Nutzer A dort auch eine heruntergeladene Kopie des neuesten oscargekrönten Hollywoodepos’ für Nutzer B hinterlegen – aber solche Leute dürften sich eher selten die Mühe machen, mit dem Notebook unterm Arm zum nächsten DeadDrop zu radeln, der Klick auf die Download-Schaltfläche auf einschlägigen Internetseiten ist da wesentlich weniger umständlich.</p>
<p><strong>Geschrumpfte DeadDrop-Dichte</strong></p>
<p>Der Stick an der Uni ist mittlerweile nicht mehr existent, ein längliches Loch zwischen zwei Umfassungssteinen und ein Häufchen Zementstaub zeugen entweder vom Mangel an handwerklichem Geschick des Platzierers oder von der Habgier eines Nutzers – vier Gigabyte Speicherkapazität hatte „DeadDrop of the Tentacle“, so hieß er; für so einen Stick zahlt man im Laden immerhin einen Fünfer. Der DeadDrop im Bahnhofsviertel ist noch da, und ich möchte wissen, was darauf zu finden ist. Mit einem leicht unguten Gefühl in der Magengegend schließe ich mein Notebook an – was, wenn ich mir etwas einfange, etwa eine virenverseuchte Datei öffne? Vor dieser Gefahr schrecken auch gestandene User zurück, in Kommentaren auf Bartholls Website findet sich viel Zustimmung zu seiner Idee, viele äußern aber auch Sicherheitsbedenken.</p>
<p>Die Sorge ist allerdings unbegründet, es scheint keine Malware auf dem Stick zu sein. Dafür Festivalfotos, hübsche Zeitrafferaufnahmen eines Gebäudeabrisses, der großartige Konzertfilm „The Year Punk Broke“ über die Europatournee von Sonic Youth 1991 sowie genug elektronische Mucke, um eine Party mittlerer Länge angemessen zu beschallen. Eine typische Zusammensetzung: „Meistens finden sich Videos oder Sets von lokalen DJs auf den DeadDrops“, oft kommen Fotos hinzu, „manchmal auch unschöne“, sagt Alex, aber das sei eher die Ausnahme. Im Gegensatz zu den Urheberrechtsverletzungen, die sich mutmaßlich auf jedem DeadDrop finden lassen – der Sonic-Youth-Film und das Album des Berliner Dubstep-Duos „Modeselektor“ sind aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf legalem Wege auf den Stick gelangt.</p>
<p><strong>Digitales Ü-Ei</strong></p>
<p>Für all das gäbe es auch andere und effizientere – wenn man auf eine möglichst breite Streuung aus wäre – Möglichkeiten der Verbreitung: Flickr, MySpace, YouTube. Aber genau diese ebenso hochkommerziellen wie kaum mehr überschaubaren Kanäle sollen mit den DeadDrops umgangen werden. Jenseits von Suchfunktionen und „Meistgeklickte Beiträge“-Listen hat der Nutzer hier das Gefühl, sich vorübergehend zu einer kleinen, auserlesenen Szene zu gesellen und ein elektronisches Überraschungsei zu öffnen. Man weiß nicht, was sich auf dem Stick befindet, bevor man seinen Computer anschließt. Und lernt auf diese Weise vielleicht Musik oder die Arbeit eines Künstlers kennen, von dem man zuvor noch nie etwas gehört hat.</p>
<p>Noch ist die Verbreitung der untoten Briefkästen nicht besonders weit gediehen, er würde sich wünschen, dass „ein paar Leute mehr auf den Zug aufspringen“ würden, sagt Alex. Sonst könnte Oldenburg bald wieder von der <a href="http://deaddrops.com/dead-drops/db-map/" target="_blank">DeadDrop-Karte</a> verschwinden, denn auch der letzte aktiv genutzte Stick wird wohl nicht ewig bleiben. Zwar ist er vielleicht stabiler angebracht als sein Uni-Pendant, aber die Tage der abbruchreifen Mauer, in der er steckt, dürften gezählt sein, wenn die Stadt ihre Umbaupläne für das Bahnhofsviertel umsetzt. Oder Wind und Wetter ihm den Garaus machen. Im Grunde würde er dem Begriff DeadDrop erst dann gerecht: Denn eigentlich sind diese Datendeponien gar nicht tot, sondern im Gegenteil mit höchst lebendigen Inhalten gefüllt.</p>
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		<title>Im Dutzend närrischer</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Feb 2012 04:00:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt Dinge, die sollte man als Oldenburger mal mitgemacht haben. Eine Kohlfahrt etwa. Das Stadtfest natürlich. Den Kultursommer – und den Rosenmontag. Ein Selbstversuch.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Es gibt Dinge, die sollte man als Oldenburger mal mitgemacht haben. Eine Kohlfahrt etwa. Das Stadtfest natürlich. Den Kultursommer – und den Rosenmontag. Ein Selbstversuch.</span></p>
<div id="attachment_42531" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval1.jpg"><img class="size-full wp-image-42531" alt="Tätäää. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval1.jpg" width="610" height="396" /></a><p class="wp-caption-text">Tätäää. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Es gibt so ein ganz bestimmtes Lächeln, das die Oldenburger draufhaben. Ein spezielles, das man nur an einem einzigen Tag im Jahr zu sehen bekommt, eine Mischung aus mitleidiger Amüsiertheit, verblüfftem Unverständnis und einer Prise Fremdschämerei. Als ich an diesem Montag mein Fahrrad abschließe und zum Rathaus hechte, kommt mir ein Pärchen mit genau diesem Lächeln entgegen, der Mann sagt gerade so etwas wie „… und das in Oldenburg!“ – und ich weiß in diesem Moment, dass ich zu spät gekommen bin: Die beiden haben ganz offensichtlich den Karnevalsumzug passiert, den vermutlich kleinsten und sonderbarsten im ganzen Land. Die Narren müssen bereits im Rathaus eingetroffen sein, Verzeihung: es gestürmt haben. Lautes Rumtata, das aus der schweren Eingangstür quillt, bestätigt diese Vermutung, ansonsten deutet wie üblich nichts in der Fußgängerzone darauf hin, dass Rosenmontag ist. Rosenmontag in Oldenburg.</p>
<p>Der Umzug wird ähnlich spektakulär gewesen sein wie stets. Verkehrsumleitungen sind hier nicht nötig &#8211; die Handvoll Oldenburger Karnevalisten kann auch an der Ampel warten, es sind selten mehr als ein Dutzend, von geschmückten Festwagen können sie nur träumen – und tun es vermutlich auch. Oben im Rathaus – ich hetze an zwei schwer gelangweilt aussehenden Polizisten vorbei – ist der Großteil der Rede, einer jener Art, die traditionell mit dem Attribut „launig“ bedacht wird, bereits vorbei. Ich bekomme nur noch einen müden Witz über die Wohnungsnot in Oldenburg mit: Das Schwesternwohnheim in Kreyenbrück, sagt jemand, den ich aufgrund der Größe seiner Narrenkappe als Oberkarnevalist identifiziere, könne doch von Studenten bezogen werden: „Wer da nicht wohnen will, soll auch nicht in Oldenburg studieren!“ Kein Tusch, niemand lacht, vielleicht war es auch gar kein Witz.</p>
<div id="attachment_42532" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval2.jpg"><img class="size-full wp-image-42532" alt="Puschelige Hüte. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval2.jpg" width="610" height="342" /></a><p class="wp-caption-text">Puschelige Hüte. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Grüne und SPD hatten die Karnevalisten des Blau-Rot Oldenburg eingeladen, nachdem Oberbürgermeister Gerd Schwandner, ebenfalls schon traditionell, nicht in Jeckenstimmung war und sich verdünnisiert, vielleicht auch in seinem Büro verbarrikadiert hatte. Bereits in den letzten Jahren hatten seine politischen Gegner diese Gelegenheit genutzt, um bei dem Häuflein Hardcorenarren Bürgernähe zu demonstrieren und vielleicht eine oder zwei Wählerstimmen zu gewinnen, kann in Oldenburg ja entscheidend sein. Die Fraktionschefs Bernd Bischoff und Sebastian Beer schütteln Hände, lächeln – es sah anders aus als das oben beschriebene Lächeln der Passanten – und nehmen den Narren den am 11.11. überreichten Schlüssel wieder ab. Kurzes Aufhorchen, als Beer gesteht, dass er doch etwas mit Schwandner gemein habe – nämlich die karnevalistische Vorschädigung –, dann wird schnell zum gleichsam traditionellen gemeinsamen Schwandnerbashing ausgeholt. „Noch zwei Jahre, dann sind wir ihn los und dann begrüßt Sie ein grüner Bürgermeister“, sagt Beer, „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, meint einer der aufgrund der oberbürgermeisterlichen Verweigerungshaltung dauereingeschnappten Karnevalisten; und damit ist dieser Teil auch erledigt.</p>
<p>Es sind sieben, acht, vielleicht auch zehn Jecken an der Zahl, die normale Kopfstärke, die der Verein hier in der Stadt jedes Jahr an diesem Höhepunkt der Session erreicht und die zahlenmäßig von der aus Brake eingeflogenen Marchingband locker in die Tasche gesteckt wird. Unterstützt werden sie, zumindest im Rathaus, von einem Tross von vielleicht noch einmal zwei Dutzend Leuten, allesamt unkostümiert, vielleicht waren sie wie ich auch bloß neugierig. Es ist das Schicksal dieses allgemein als einer der wohl unbedeutendsten Karnevalsvereine überhaupt eingeschätzten Trupps, eher als Kuriosum denn als folkloristisch angesehen zu werden und in einer Stadt beheimatet zu sein, die mit der Narretei so ganz und gar überhaupt nichts am Hut hat. Und dann auch noch wehmütig ins keine 30 Kilometer entfernte Ganderkesee blicken zu müssen, in dem tagelang der Bär steppt und die Zahl der Teilnehmer das 3.000fache beträgt.</p>
<div id="attachment_42533" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval3.jpg"><img class="size-full wp-image-42533" alt="Aufwärmübungen. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval3.jpg" width="610" height="346" /></a><p class="wp-caption-text">Aufwärmübungen. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Auch die Tanzmariechen Sabrina und Regina sind bei mehreren Vereinen aktiv; wären sie allein auf das Oldenburger Publikum angewiesen, würde das Hobby an Masochismus grenzen. Es reicht ja schon, dass sie zu einem Medley aus Marianne Rosenberg, irischen Steptanzweisen und einer verpoppten Version des Schlümpfelieds tanzen und hüpfen müssen. Immerhin gibt’s dafür Applaus, sogar einen noch größeren für die Mitteilung, dass sie Schwestern sind, als ob das die beeindruckendere Leistung wäre – und ein dreifaches „Oldenburg – Helau!“ Der fällige Tusch kommt aus dem Ghettoblaster.</p>
<p>Neben dem halben Dutzend Narrenkappen und den puscheligen Hüten der Band fällt in der größtenteils zivil gewandeten Gesellschaft ansonsten nur noch ein quietschroter Kunstfaser-Cowboyhut auf; darunter befindet sich SPD-Ratsherr Christoph Sahm. Der wirft nicht nur zwei Handvoll Kamelle, sondern auch ein paar Worte in die Runde, in rheinischer Mundart und – als das niemand versteht – noch einmal auf Hochdeutsch. Er eröffnet die grün-rote Getränkebar – die Grünen erwähne er deshalb zuerst, weil sie das Ganze bezahlt hätten, sagt er – und verweist darauf, dass die Getränkebatterie streng alkoholfrei ist. Auch das muss, wie der trostlose Tusch aus der Konserve, typisch für den hiesigen Karneval sein: Der mutmaßlich einzige Rosenmontagsumzug, der ohne Alkohol auskommt. Oldenburg bleibt Oldenburg, egal ob jemand singt und lacht.</p>
<div id="attachment_42534" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval4.jpg"><img class="size-full wp-image-42534" alt="Rangabzeichen. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval4.jpg" width="610" height="232" /></a><p class="wp-caption-text">Rangabzeichen. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Mir ist ohnehin eher nach Kaffee zumute, daher verlasse ich vorübergehend die Gesellschaft im trüb beleuchteten Ratssaal – finde sie aber eine halbe Stunde später problemlos wieder: Das Trüppchen marschiert, geduldig winkend, „Helau“ rufend und Bonbons schleudernd, durch die Stadt und wird vom Volk bestenfalls zur Kenntnis genommen. Wieder begegnet man dem Oldenburger Rosenmontagslächeln, zumeist unter einer gerunzelten Stirn oder in schneller Bewegung, wenn der dazugehörige Kopf gerade leicht ungläubig geschüttelt wird. Eine Abteilung außerirdischer Invasoren könnte nicht fremdartiger wirken, würde aber mehr Beachtung finden. Trommelnd und trompetend geht es zurück Richtung Pferdemarkt, über den Fußgängerüberweg am Heiligengeistdamm, an dessen Ampel just in diesem Moment lustigerweise das Schwandnermobil hält, die schwarze Limousine mit dem Kennzeichen OL-OB 1. Ob er selbst drinsitzt, ist schwer zu sagen, sehen kann ich ihn nicht, aber vielleicht hat er sich hinter den Rückenlehnen der Vordersitze versteckt.</p>
<p>Die Narren bemerken es nicht, sie bewegen sich durch die beinahe menschenleere Heiligengeiststraße und freuen sich über jeden, der zumindest für ein paar Sekunden stehen bleibt – viele sind’s nicht, und von denen, die es tun, sind die meisten jünger als acht Jahre. Das Publikum aus dem Rathaus ist nicht mehr dabei, begleitet wird der Trupp lediglich noch von den beiden hierfür abkommandierten Polizisten, in etwa zweihundert Metern Abstand. Und dann ist der Spuk für dieses Jahr auch schon wieder vorbei, die Oldenburger Narren widmen sich wieder dem, was sie die restlichen etwa 360 Tage des Jahres machen. Wieder haben sie tapfer Flagge gezeigt, ihr hier so deplatziert wirkendes Ding durchgezogen und dem Durchschnittsoldenburger etwas gegeben, womit er seine Freunde in anderen Städten erheitern kann.</p>
<div id="attachment_42530" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval5.jpg"><img class="size-full wp-image-42530" alt="Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung durchquert der Umzug die Stadt. FOTO: M. Nolte" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/02/karneval5.jpg" width="610" height="373" /></a><p class="wp-caption-text">Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung durchquert der Umzug die Stadt. FOTO: M. Nolte</p></div>
<p>Denn trotz ihrer geringen Zahl und ihres höchst sporadischen Auftauchens kennt sie jeder in der Stadt, und ohne sie – seien wir ehrlich – würde hier etwas fehlen. Man muss sie eigentlich gern haben, die Oldenburger Jecken.</p>
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