<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Noltejournal &#124; Magazin &#187; Panorama &#124; Noltejournal | Magazin</title>
	<atom:link href="http://www.noltejournal.de/Magazin/?cat=135&#038;feed=rss2" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.noltejournal.de/Magazin</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Thu, 03 Oct 2013 00:08:37 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.5.1</generator>
		<item>
		<title>Hit &amp; Run</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42792</link>
		<comments>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42792#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Sep 2013 18:33:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42792</guid>
		<description><![CDATA[Manchmal spielen Leute, die Baseballcaps tragen, tatsächlich auch Baseball. Etwa die Oldenburg Hornets. Allerdings stechen die Hornissen derzeit nicht allzu oft.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Manchmal spielen Leute, die Baseballcaps tragen, tatsächlich auch Baseball. Etwa die Oldenburg Hornets. Allerdings stechen die Hornissen derzeit nicht allzu oft.</span></p>
<div id="attachment_42796" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-hit.jpg"><img class=" wp-image-42796 " alt="Pock! Der saß. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-hit.jpg" width="672" height="379" /></a><p class="wp-caption-text">Pock! Der saß. FOTO: mno</p></div>
<p>Hat der Runner der Hornets nun die erste Base berührt oder nicht? Der Schiedsrichter glaubt: Nein. Und schickt ihn vom Feld. Ein Zuschauer klärt den Unparteiischen freundlich auf, dass das normalerweise ja anders gehandhabt würde. Später, als erneut eine unklare Situation eintritt, fragt der Umpire, wie der Schiri beim Baseball heißt, gleich jenen Zuschauer um Rat. Es ist eine entspannte Atmosphäre, hier, in der untersten Spielklasse des deutschen Baseballs – der Bezirksliga, Staffel Niedersachsen-West. Die Graswurzelebene eines Sports, dessen hervorstechendes Utensil, der Schläger, höhere Prominenz als Waffe denn als Sportinstrument genießt.</p>
<p>Nur eine Handvoll Fans findet sich an diesem Sonntag zu den beiden Begegnungen der <a href="http://www.baseball-oldenburg.de/" target="_blank">Oldenburg Hornets</a> und der Löningen Tigers ein; das Verhältnis von Spielern zu Zuschauern beträgt etwa vier zu eins und die meisten scheinen ohnehin zum Umfeld der Teams zu gehören. Dass man gleich zweimal am selben Tag gegeneinander antritt, ist nicht unüblich – es erspart Fahrerei und Spritgeld, und Baseball ist ohnehin schon ein recht teures Hobby. Während die Tigers in quietschgelben fußballkreisligatauglichen Standardvereinsleibchen auflaufen, sind die Hornets mit mehr Stil bei der Sache: Sie – oder vielmehr: die meisten von ihnen, auch bei der Kleiderordnung wird es nicht allzu eng gesehen – tragen eigens angefertigte Trikots im klassischen US-Outfit, inklusive verschnörkeltem „Hornets“-Schriftzug. „Wir gelten immerhin als bestangezogenes Team der Staffel“, sagt Matthias Paschke, der mal als Catcher, mal als Pitcher und mal als Baseman auf dem Feld steht und zugleich als Teamsprecher fungiert.</p>
<p>Als bestangezogenes vielleicht, nicht jedoch als erfolgreichstes. Die Hornets kämpfen im Wesentlichen um die Ehre &#8211; bislang haben sie jedes einzelne Spiel der Saison verloren. Nur eines wurde ihnen kampflos zugesprochen, da der Gegner zu kurzfristig abgesagt hatte, „aber das zählt nicht“, sagt Paschke. Seit Jahren belegt das Team verlässlich einen der letzten Plätze der momentan fünf Mannschaften umfassenden Staffel, hinter Mannschaften mit Namen wie den Barrien Greenbears oder den Osnabrück Basebusters. Ob er sich oft Charlie-Brown-Witze anhören muss, in Anlehnung an den bemitleidenswerten Kapitän, dessen Mannschaft nie gewinnt und der dauert vom brettharten Ball aus den Klamotten gehauen wird? Vor kurzem habe er tatsächlich ein paar Peanuts-Bände geschenkt bekommen, sagt Paschke; vorher habe er die kaum gekannt. Er fand’s lustig.</p>
<div id="attachment_42793" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-pitcher.jpg"><img class=" wp-image-42793 " alt="Schwungvoll. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-pitcher.jpg" width="672" height="379" /></a><p class="wp-caption-text">Schwungvoll. FOTO: mno</p></div>
<p>Auch an diesem Tag geht das erste Match gegen die Tigers knapp verloren, 14:15 heißt es am Ende, und das ist immer noch besser als 1:17 oder 2:22, wie in dieser Saison auch schon mal Spiele endeten. „Natürlich ist das frustrierend“, sagt Paschke, zumal es vor ein paar Jahren noch besser ausgesehen hatte – da hatte man ein eingespielteres Team und erfahrenere Spieler, man hätte sogar einmal aufsteigen können, aber irgendwas war bei den Meldefristen schiefgelaufen. Eine hohe Fluktuation innerhalb des Teams tut sein Übriges: Viele versuchen es nur mal spaßeshalber und steigen wieder aus, andere müssen arbeitsbedingt wegziehen oder haben ihr Studium irgendwann abgeschlossen und verschwinden. Dabei brauche man laut Paschke schon mindestens zwei bis drei Jahre, um sich in dieses Spiel hineinzufinden.</p>
<p>Dennoch gibt es die Hornets nun schon seit immerhin 20 Jahren – damals, in den 90ern, hatte es so etwas wie einen kurzzeitigen, aber schnell versandeten Baseball-Boom gegeben, von dem indes schon damals nur Wenige Notiz nahmen. Die an einen hiesigen Sportverein angegliederten Hornets werden als Männerteam geführt, aber zur Mannschaft zählten auch Frauen. Es gebe keine Vorschrift in den Verbandsregeln, die das ausschließe, erklärt Paschke – zwar spielten die meisten Frauen eher Softball, diese etwas schubreduzierte Form des Sports, aber manche haben eben mehr Lust auf richtiges Baseball. Und wo wären gemischte Teams besser denkbar als hier, bei diesem vollkommen zweikampffreien Sport, dessen einziger Körperkontakt darin besteht, dass ein Baseman einen gegnerischen Runner mit dem Ball berührt. Manchmal rasseln beide auch unsanft zusammen, soll nicht so sein, passiert aber. Das liege zumeist an der mangelnden Erfahrung der Spieler, sagt Paschke – etwa wenn man als Baseman falsch steht. Man lernt es mit der Zeit und steigender Erfahrung, aber eben daran hapert es ja gerade.</p>
<div id="attachment_42797" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-safe.jpg"><img class=" wp-image-42797 " alt="Safe ... FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-safe.jpg" width="672" height="379" /></a><p class="wp-caption-text">Safe &#8230; FOTO: mno</p></div>
<p>Dabei gilt Baseball – auch wenn der Sprint zur nächsten Base Kraft, das Schlagen Geschicklichkeit und das Verinnerlichen des überaus komplizierten Regelwerks viel Zeit erfordern – als ein Sport der eher gemächlicheren Gangart, manchmal auch der langatmigen. So sehr, dass er selbst in der wohl amerikanischsten aller TV-Serien, den <em>Simpsons</em>, einmal als so unerträglich langweilig dargestellt wurde, dass die sabbernden Außerirdischen Kang und Kodos ihren Zeitrafferstrahl auf das Spielfeld richten und ihn so weit überdrehen, dass sie damit versehentlich die Existenz an sich auslöschen.</p>
<p>Tatsächlich bekommt die Formulierung „den Sonntag am Sportplatz verbringen“ beim Baseball mitunter eine buchstäbliche Note. Um 11 Uhr haben die Mannschaften auf dem Platz hinter einer Oldenburger Schule begonnen, und sechs Stunden später ist gerade die Hälfte des zweiten Matches herumgebracht, und das, obwohl nur je fünf Innings – Spielrunden – angesetzt waren statt der sonst üblichen sieben. Im Baseball wird solange gespielt, bis ein Sieger feststeht; vor ein paar Wochen wurde ein Spiel in der US-Profiliga erst im 19. Inning entschieden. „Dauert aber auch nicht immer so lange“, sagt Paschke. Manche Zuschauer sind zwischendurch wieder gegangen, andere später gekommen; eine Familie verbindet ihren Besuch mit einem kleinen Picknick.</p>
<p>Eine Imbissbude oder einen Getränkeausschank gibt es nicht, dafür haben die Hornets nicht genug Helfer. Und ohne solche Angebote sei es schwer, Zuschauer zu bekommen, und ohne Zuschauer bleibt die Bekanntheit gering, und ohne hohen Bekanntheitsgrad lassen sich nur schwer Spieler rekrutieren und Sponsoren gewinnen … ein Teufelskreis, der es erschwere, ein Team aufzubauen und zumindest einmal über ein paar Jahre zusammenzuhalten, sagt Paschke; und der ausbleibende Erfolg mache die Sache für Neulinge auch nicht eben attraktiver.</p>
<div id="attachment_42798" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-notsafe.jpg"><img class="size-full wp-image-42798" alt="... or not safe, das sind so die Fragen. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-notsafe.jpg" width="672" height="379" /></a><p class="wp-caption-text">&#8230; or not safe, das sind so die Fragen. FOTO: mno</p></div>
<p>Dennoch blickt er einigermaßen optimistisch in die Zukunft: Immerhin haben es die Hornets geschafft, ein eigenes Jugendteam auf die Beine zu stellen. Die spielen sogar im Winter, in der Halle dann; und vielleicht sorgt der Nachwuchs mittelfristig auch für ein bisschen mehr personelle Kontinuität beim Bezirksligateam. Wo und gegen wen auch immer diese dann wird spielen müssen &#8211; die Liga steht mal wieder vor einer Umstrukturierung, denn nicht nur Spieler, sondern mitunter auch ganze Teams ziehen sich aus dem Spielbetrieb zurück, wenn sie es personell nicht mehr hinbekommen. Vermutlich wird die Liga im kommenden Jahr auf nur zwei Staffeln reduziert. Das bedeutet dann noch mehr Fahrerei.</p>
<p>Irgendwann am späten Sonntagnachmittag ist auch die zweite Partie gegen die Tigers und damit auch die Saison 2012 vorbei – und die endet für die Oldenburger doch noch mit einem Erfolgserlebnis: Die Hornets gewinnen mit 17:12, inklusive zwei Homeruns. Ein Sieg, endlich, auch wenn der Gegner verletzungsbedingt nicht mehr vollzählig war und auch wenn das Ergebnis nichts an der Platzierung am Tabellenende ändert. Ein Nachholspiel gibt es noch, am Wahlsonntagnachmittag gegen die Cornau Buffaloes, allerdings geht das nicht mehr in die Wertung ein.</p>
<div id="attachment_42795" class="wp-caption aligncenter" style="width: 682px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-board.jpg"><img class="size-full wp-image-42795" alt="Auf dem Weg zum ersten - und leider einzigen - Saisonsieg. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/ollo-baseball-board.jpg" width="672" height="379" /></a><p class="wp-caption-text">Auf dem Weg zum ersten &#8211; und leider einzigen &#8211; Saisonsieg. FOTO: mno</p></div>
<p>Aber vielleicht, so die stille Hoffnung, läuft es in der kommenden Saison ja besser. Auch wenn schon jetzt klar ist, dass wieder einige das Team verlassen werden. Dass es wieder schwer werden und es wohl auch 2014 keine Würstchen am Spielfeldrand geben wird. Aber den Titel des bestangezogenen Teams, den nimmt den Hornets so schnell niemand.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.noltejournal.de/Magazin/?feed=rss2&#038;p=42792</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Grüne Zeiten, schwarze Zeiten</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42828</link>
		<comments>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42828#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 05 Aug 2013 19:40:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42828</guid>
		<description><![CDATA[Kann man ein Thema wie den drohenden Klimakollaps spielerisch und mit Spaß angehen - und dem Ernst der Sache trotzdem gerecht werden? Man kann: mit dem Brettspiel "Keep Cool".]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Kann man ein Thema wie den drohenden Klimakollaps spielerisch und mit Spaß angehen &#8211; und dem Ernst der Sache trotzdem gerecht werden? Man kann: mit dem Brettspiel &#8220;Keep Cool&#8221;.</span></p>
<div id="attachment_42829" class="wp-caption aligncenter" style="width: 710px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/KeepCool-003.jpg"><img class="size-large wp-image-42829" alt="Einfach mal die Zukunft des Planeten aufs Spiel setzen: &quot;Keep Cool&quot;-Erfinder Klaus Eisenack (l.) und Gerhard Petschel-Held. BILD: privat" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/09/KeepCool-003-1024x768.jpg" width="700" height="525" /></a><p class="wp-caption-text">Einfach mal die Zukunft des Planeten aufs Spiel setzen: &#8220;Keep Cool&#8221;-Erfinder Klaus Eisenack (l.) und Gerhard Petschel-Held. BILD: privat</p></div>
<p>„Wir müssen dringend ein paar schmutzige Fabriken abreißen, sonst können wir den Klimakollaps nicht mehr abwenden!“ Ein Satz, den man – hoffentlich – auf Klimakonferenzen hört, wenn auch vielleicht anders formuliert. Und auch die mögliche Antwort „Gute Idee. Aber nicht bei mir!“ kommt einem aus der Berichterstattung aus Kyoto, Rio oder Bali bekannt vor – in diesem Fall aber geht es um <a href="http://www.spiel-keep-cool.de/" target="_blank">das Brettspiel „Keep Cool“</a>, bei dem es um dasselbe, große, entscheidende Thema geht: die Rettung des Planeten vor der Klimakatastrophe. Ein gewisser Hang zum Sarkasmus mag vielleicht hilfreich sein, wenn man sich an den Tisch setzt, um spielerisch die globale Erwärmung – nun, abwenden lässt sie ohnehin nicht, aber wenigstens kleinhalten.</p>
<p>„Keep cool“ simuliert den Klimawandel und seine Folgen; auf Ereigniskarten drohen Erdrutsche, Dürren oder Hochwasser, mit deren Auswirkungen die Spieler fertig werden müssen. Vor allem aber simuliert es die mal mehr, mal weniger ernsthaften Versuche, die globale Erwärmung zu bändigen; im Vordergrund steht die Klimapolitik, in der die Spieler verschiedene Ländergruppen vertreten – Entwicklungs- und Schwellenländer etwa, die Opec-Staaten, Europa oder die USA. Jede Partei hat eigene Zielsetzungen, eigene Interessen – und eigene Lobbyverbände, die dem Spieler mitunter im Nacken sitzen.</p>
<p>„Es ist kein Spiel, bei dem man automatisch gewinnt, weil man grün ist oder automatisch verliert, wenn man schwarz ist“, sagt Entwickler Klaus Eisenack: „Das wäre ja langweilig.“ Die beiden Farben symbolisieren im Spiel weniger die politische Gesinnung als vielmehr die Wirtschaftsleistung in Form von Klötzchen, die Fabriken darstellen: grüne sind umweltfreundlich und verzögern die Erderwärmung, schwarze sind Dreckschleudern und, zumindest am Anfang, billiger als die grünen. Und manche Spielparteien profitieren von schwarzen mehr als von grünen. Man ahnt bereits, wo das hinführt.</p>
<p>Vor neun Jahren kam „Keep Cool“ erstmals auf den Markt, drei Auflagen sind mittlerweile vergriffen. Zurzeit ist eine vierte in Vorbereitung, finanziert werden soll sie durch Crowd Funding. Denn reich geworden ist Eisenack, Umweltökonom an der Uni Oldenburg, mit dem Spiel nicht gerade, es ist nach wie vor etwas, um das er sich nebenher kümmert. Entwickelt hatte er es mit seinem mittlerweile verstorbenen Doktorvater, dem Physiker Gerhard Petschel-Held – beide wissenschaftlich mit dem Klimawandel beschäftigt, beide Spielefreaks. Als sie sich eines Tages am Rande einer Tagung im Hotel langweilten, entwarfen sie die Grundzüge für „Keep Cool“.</p>
<p>Spaß sollte es machen, sagt Eisenack, das sei ihnen wichtig gewesen – „kein erhobener Zeigefinger und kein didaktisches Lehrerding“. Der naturwissenschaftliche Kontext sollte dennoch nicht zu kurz kommen, die beiden haben Rückmeldungen von Kollegen eingeholt und ein der Schachtel beigefügtes Heftchen erläutert in Grundzügen den Mechanismus des Treibhauseffekts und wie er im Spiel abgebildet wird.</p>
<p>Etwa in Form der „Währung“, in der die Spieler untereinander schachern, ihre Wirtschaft in Schwung bringen oder sich bestechen. Bezahlt wird mit Kohlenstoff in Form von kleinen Ringen, die sich zu Spielbeginn auf einem Holzständer befinden; im übertragenen Sinne noch unter der Erde. Solange sie dort bleiben, ist alles halbwegs gut; sobald aber immer mehr von ihnen ins Spiel – sprich: die Atmosphäre – gelangen, heizt sich der Planet unweigerlich auf; und wenn der letzte Ring vom Ständer genommen wird, ist er da, der Klimakollaps. Und alle haben verloren.</p>
<p>„Passiert unerfahrenen Spielen häufig“, sagt Eisenack: „Nach einigen Partien kann man es dann besser abschätzen, wann es ernst wird.“ Das ist der Vorteil eines Spiels: Ist die erste Chance, die Erde zu retten, vertan, bekommt man beliebig viele neue. Man fängt einfach von vorn an.</p>
<p>Eisenack spielt auch mit seinen Studierenden „Keep Cool“, und es waren auch Studierende, die ihn auf das Crowd Funding gebracht hatten. „Eine spannende Sache“, findet Eisenack, weil damit nicht nur Geld reinkommt, sondern auch ein Austausch mit interessierten Leuten stattfindet. Überhaupt bekommt er bis heute Rückmeldungen von Brettspielfans, die auch immer wieder mit Vorschlägen kommen, welche Elemente man dem Spiel hinzufügen könnte, etwa Formen des Geo-Engineerings oder Kriegführung. Letzteres aber wolle er nicht, sagt Eisenack.</p>
<p>Besser, wenn sich die Spieler untereinander verständigen: Schließlich hat jeder seine eigenen Fabriken und seine eigene Strategie, aber alle ziehen ihre Kohlenstoffscheibchen vom selben Ständer. Um die Erwärmung zu verzögern, müssen sie Wege finden, mit dem Komplex aus Partikularinteressen, Industrieentwicklung und Unwetterkatastrophen umzugehen – das Spiel gibt für Verhandlungen untereinander kaum Regeln vor. Letztlich, sagt Eisenack, sei der Kern des Spiels auch der Kern des Problems in der realen Welt – nämlich „das Dilemma: Wer trägt die Kosten des Klimaschutzes?“</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.noltejournal.de/Magazin/?feed=rss2&#038;p=42828</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Hinter Gittern</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42777</link>
		<comments>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42777#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 25 Jun 2013 10:37:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leute]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42777</guid>
		<description><![CDATA[Die Jugendabteilung der JVA für Frauen in Vechta ist die einzige ihrer Art im Norden. Es gibt dort eine halboffene Wohngruppe - klingt nach WG, bleibt aber dennoch Strafvollzug.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Jugendabteilung der JVA für Frauen in Vechta ist die einzige ihrer Art im Norden. Es gibt dort eine halboffene Wohngruppe &#8211; klingt nach WG, bleibt aber dennoch Strafvollzug.</p>
<div id="attachment_42779" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-außen.jpg"><img class="size-full wp-image-42779" alt="Die ihr hier eintretet ... FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-außen.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Die ihr hier eintretet &#8230; FOTO: mno</p></div>
<p>„Trautes Heim“, sagt Nicole (<em>Name geändert</em>), während sie auf die leuchtend blaue Tür zugeht. Ein wenig Bitterkeit hat sich in ihre Stimme geschlichen, allerdings nur eine Spur, keine zur Schau getragene Wehmut. Denn ein trautes Heim sieht normalerweise anders aus: Die Pforte befindet sich in einer stacheldrahtgekrönten Mauer, dahinter ragt ein trister Backsteinbau mit vergitterten Fenstern auf, eine Kamera beäugt den Eingangsbereich. Hinter der blauen Tür wartet kein Wohnzimmer, kein Balkon, auf den man sich an diesem lauen Tag setzen könnte. Sondern ihre Zelle. Die 20-jährige Nicole sitzt im Knast. Und für heute ist ihre Zeit in der Außenwelt, in der sie und eine Mitgefangene eine Schule im Nachbarort besuchen, abgelaufen.</p>
<p>Es geht durch die schwere Stahltür und einen tristen, von fensterlosen Mauern umfassten Innenhof in die Wachstube, über deren Türsturz jemand ein paar kleinformatige Handschellen genagelt hat. Es wirkt wie eine latente Drohgebärde, vielleicht ist es auch nur eine Art Gag, der sich Außenstehenden nicht erschließt. Mit einem lockeren „Na, ihr Studenten“ begrüßen die Vollzugsbeamten, von denen keiner uniformiert ist, die beiden jungen Frauen und händigen ihnen ihre Zellenschlüssel aus. Ganz recht, Schlüssel: In dieser Abteilung der Justizvollzugsanstalt schließen die Inhaftierten ihre Zellen selbst auf. Manchmal geben Mitgefangene gar ihre Schlüssel vorübergehend in Nicoles Obhut, sie häufen sich dann auf dem kleinen Tisch in ihrer Zelle.</p>
<p>Ein ungewöhnlicher Anblick, aber es ist auch kein gewöhnlicher Gefängnistrakt, in dem die junge Frau ihre Strafe absitzt. Er ist Teil der Jugendabteilung der JVA für Frauen im niedersächsischen Vechta, der einzigen im Norden; und hier werden die Akzente anders gesetzt als im Erwachsenenvollzug, angefangen bei den Beamten in Zivilkleidung. „Das macht schon einen großen Unterschied“, sagt Nicole, „die Distanz ist nicht so groß“. Auf dem Weg zu Nicoles Zelle begegnen uns ein paar der anderen Insassinnen, die über den Flur schlendern. Begrüßungen werden ausgetauscht, mal mehr, mal weniger herzlich; je nachdem, wie man miteinander so klarkommt. Vor einer Zellentür liegt eine Fußmatte mit der Aufschrift „Willkommen“. Trautes Heim.</p>
<p>„Halboffene Wohngruppe“ ist die offizielle Bezeichnung für diese Form des Strafvollzugs, und was entfernt nach einer Art WG klingt, wirkt in manchen Details auch beinahe wie eine solche. Auf der Hälfte des Flurs, von dem zu beiden Seiten die Einzelzellen abgehen, liegt die Küche, möbliert mit einer handelsüblichen Einbauzeile, einem Tassenregal, einer Sitzgruppe. Die Küche steht den Häftlingen zur Verfügung; aber bis auf den Umstand, dass jemand einen leeren Joghurtbecher auf dem Tisch stehengelassen hat, wirkt es nicht gerade, als würde sie besonders häufig genutzt werden. Tatsächlich bekommen die Häftlinge ihre üblichen Mahlzeiten per Essenswagen angeliefert. Und im Kühlschrank stelle ohnehin niemand etwas ab, sagt Nicole: „Das verschwindet sowieso.“ Wie in einer WG eben.</p>
<div id="attachment_42778" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Innenhof.jpg"><img class="size-full wp-image-42778" alt="Blick von der Küche in den ... nun, Garten. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Innenhof.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Blick von der Küche in den &#8230; nun, Garten. FOTO: mno</p></div>
<p>Wenn sie ab und zu mit anderen dort kocht, zählt das zu den wenigen Abwechslungen des Knastalltags, und auch die ist durchreglementiert: Zweimal im Monat können die Frauen eine Besorgungsliste ausfüllen, ein paar Tage später bekommen sie die Sachen ausgehändigt, das Geld wird ihnen abgezogen. Selber einkaufen ist nicht drin: Der tägliche Weg zur Schule ist, abgesehen von Urlaubstagen, die einzige Möglichkeit für Nicole, das Gefängnis zu verlassen.</p>
<p>Die zehn Kilometer in den Nachbarort legt sie mit dem Zug zurück, den letzten Kilometer vom Bahnhof zur Volkshochschule, in der sie ihren Realschulabschluss nachholt, geht sie zu Fuß. Immerhin ein kleines Stückchen Freiheit, wenn auch natürlich ein begrenztes. Das Wachpersonal kennt ihren Stundenplan und weiß, wann sie zurückkommen müsste – nach der Schule ein Eis essen zu gehen ist nicht drin. In ihrer Klasse kennt jeder Nicoles Hintergrund, sie macht auch kein Geheimnis daraus. Probleme mit Lehrern oder Mitschülern gebe es keine, sagt sie; das habe sie zuerst gewundert. Es sei nur „schon ein bisschen doof, wenn man montags hört, was die anderen am Wochenende gemacht haben, ins Kino oder auf Partys gegangen sind“, sagt Nicole. Wenigstens werde sie nicht gefragt, ob sie mitkommen wolle – die Mitschüler wüssten ja, was los ist.</p>
<p>Seit eineinhalb Jahren sitzt Nicole in Haft. Sie büßt für jenen Abend, an dem ihr bis dahin ohnehin schon nicht eben geradlinig verlaufenes Leben plötzlich vollends aus der Kurve geflogen ist. Ein Abend, an dem sie mit ihrem Ex-Verlobten und anderen zusammengesessen hat, mit reichlich Alkohol, auch Drogen. An dem es erst zu Streit, dann zu Handgreiflichkeiten, dann zu roher Gewalt kam und an dessen Ende einer der Bekannten des Paares schwer verletzt am Boden lag. Sie könne sich nicht daran erinnern, ob sie auch zugeschlagen hat, aber sie zieht sich auch nicht auf Unschuldsbeteuerungen zurück. „Ich weiß, dass ich falsch gehandelt habe“, sagt sie. „Ich hätte die Polizei rufen können.“ Hat sie aber nicht. Ihre damalige Beziehung sei ohnehin schon „ziemlich schwierig“ gewesen.</p>
<p>An diesem Abend begann für sie ein anderes Leben, eines, an das sie trotz früherer Delikte – hier eine Schwarzfahrt, da ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz – kaum einen Gedanken verschwendet hatte. Nicole erzählt, wie ihre Mutter sie früher ermahnt hatte, dass sie ihr vielleicht mal ein Gefängnis zeigen solle, damit sie sich benehme. „Ich komme nie in den Knast“, habe sie dann immer geantwortet:„Und hier sitze ich nun.“ Drei Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung.</p>
<div id="attachment_42781" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Gefangene.jpg"><img class="size-full wp-image-42781" title="Ein winziges Stückchen Zuhause. FOTO: mno" alt="JVA Vechta Gefangene" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Gefangene.jpg" width="600" height="419" /></a><p class="wp-caption-text">Ein winziges Stückchen Zuhause. FOTO: mno</p></div>
<p>Nicole bittet in ihre winzige Zelle, die mit dem Bett, zwei kleinen Regalen an Kopf- und Fußende sowie dem Tisch, an dem man sich vermutlich ständig das Bein zu stoßen droht, zugestellt ist. Obwohl die Sonne scheint, hat sie die Vorhänge zugezogen – vielleicht möchte sie die Gitterstäbe nicht öfter sehen als unbedingt nötig. Ansonsten sind die paar Quadratmeter so wohnlich wie eben möglich gestaltet – an die Wände hat sie Fotos ihrer Familie, ihres Hundes und, vor allem, ihres Ehemanns gehängt. Der sitzt eine Haftstrafe in einer anderen JVA ab, dort haben sie auch geheiratet. Nicole hatte dafür Sonderurlaub bekommen. „Hatte ich mir auch mal anders vorgestellt, meine Hochzeit.“</p>
<p>Und ihren Knastalltag, hatte sie sich den so vorgestellt? Nicole überlegt. Nein, sagt sie schließlich. Eigentlich eher wie den Polizeigewahrsam nach der Verhaftung, eine Zelle mit einer Matratze, sonst nichts. „Als ich hier reinkam und den Fernseher gesehen habe, habe ich mir erstmal dessen Rückseite angeschaut, ob da überhaupt Kabel rauskommen“, erzählt sie. „Mein erster Gedanke war: Das ist doch eine Attrappe.“ Und nachdem sie in die Wohngruppe verlegt worden war, sei sie mitten in der Nacht aufgestanden und auf den Flur gegangen. Weil sie es nicht richtig fassen konnte, dass das möglich war. Zuvor hatte sie einige Zeit im geschlossenen Vollzug verbracht, in der Etage darüber, wo es feste Schließzeiten gibt. Nur wer nach der Einschätzung der Beamten gemeinschaftsfähig ist, bekommt die Chance, in den halboffenen Vollzug zu wechseln.</p>
<div id="attachment_42780" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Flur.jpg"><img class="size-full wp-image-42780" alt="Den Flur betreten, einfach, weil es geht. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/JVA-Vechta-Flur.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Den Flur betreten, einfach, weil es geht. FOTO: mno</p></div>
<p>Allzu harmonisch fällt diese Zwangsgemeinschaft allerdings auch nicht immer aus. Ein Dutzend Frauen sind zurzeit in der Abteilung inhaftiert, zwölf Menschen, die sich ihr Zusammenleben nicht ausgesucht haben. Es komme „schon mal zu Zickereien“, sagt Nicole, manchmal auch zu Handgreiflichkeiten, aber selten. „Jede von uns hat mal einen Scheißtag“, sagt sie, „und wir sitzen ja auch alle nicht ohne Grund da“. Manchmal reichen Kleinigkeiten, dann geht’s los – aber „zwei Tage später sitzen dieselben auch wieder bei einem Kaffee zusammen“. Natürlich werde zwischendurch auch mal gelacht, und mit zwei Mitgefangenen hat Nicole engeren Kontakt – obwohl es „immer heißt, dass im Knast keine Freundschaften entstehen könnten.“</p>
<p>Und ein Knast ist es nun mal, Wohngruppe hin, Einbauküche her. Die eher spröde Gemütlichkeit der Küche endet beim Blick aus dem Fenster, aus dem man nur schauen kann, wenn man sich auf einen Stuhl stellt: Hinter den Gitterstäben öffnet sich das triste Panorama einer lieblosen Außenanlage, deren Teich leergepumpt ist und sein nacktes Betonbett zeigt. Einmal pro Tag dürfen die Inhaftierten für eine Stunde da hinaus. Es gibt kein Internet, Handys sind verboten, Telefonate dürfen nur mit Personen geführt werden, die die Vollzugsbeamten als unbedenklich einstufen.</p>
<p>Die Hälfte ihrer Haftstrafe hat Nicole hinter sich, und jeden Tag denkt sie über ihr Leben nach, über den Abend, an dem alles schiefgelaufen ist, über das Opfer, falsche Freunde, über sich selbst. Die Vergangenheit will sie hinter sich lassen und die Zukunft anpacken. Sobald sie demnächst ihren Abschluss in der Tasche hat, will sie sich um eine Lehrstelle bemühen – erste Bewerbungen hat sie schon geschrieben. Wenn’s klappt, darf sie sich Hoffnungen auf vorzeitige Entlassung machen.</p>
<p>Zwar hätte sie sich schönere Umstände als eine Haftstrafe gewünscht, um ihr Leben umzukrempeln, sagt sie heute &#8211; aber „vielleicht war das einfach mal nötig.“</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.noltejournal.de/Magazin/?feed=rss2&#038;p=42777</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rote Fahne, braune Soße</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=38735</link>
		<comments>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=38735#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 01 Mar 2013 04:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Wilhelmshaven]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.oldenburger-lokalteil.de/?p=38735</guid>
		<description><![CDATA[Gute Nachricht für Badegäste am Wilhelmshavener Südstrand: Die Stadt pullert demnächst nicht mehr ganz so oft ins Wasser. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Gute Nachricht für Badegäste am Wilhelmshavener Südstrand: Die Stadt pullert demnächst nicht mehr ganz so oft ins Wasser.</span></p>
<div id="attachment_42590" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/03/wilhelmshaven-strandkörbe.jpg"><img class="size-full wp-image-42590" alt="Manchmal ist es besser, im Strandkorb zu bleiben: der Wilhelmshavener Südstrand BILD: Klaus-Peter Wolf / pixelio.de" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/03/wilhelmshaven-strandkörbe.jpg" width="600" height="450" /></a><p class="wp-caption-text">Manchmal ist es besser, im Strandkorb zu bleiben: der Wilhelmshavener Südstrand BILD: Klaus-Peter Wolf / pixelio.de</p></div>
<p>Dass Wilhelmshaven einen nach Süden weisenden Strand habe, sei „einzigartig an der deutschen Nordseeküste“, wirbt die Tourismusgesellschaft der Stadt stolz. Einzigartig dürfte auch der Umstand sein, dass unmittelbar neben der Bademeile, in Sichtweite von Strandkörben und Spielplatz, mehr oder weniger regelmäßig fäkalienhaltiges Abwasser in den Jadebusen abgelassen wird – vor allem dadurch ist der Südstrand in den vergangenen Jahren auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden. Nun will die Verwaltung das Problem beheben, zumindest zum Großteil: Die Abwassereinfuhr soll durch den Bau einer Druckrohrleitung bis Jahresende um 80 Prozent reduziert werden. Mehr, so teilt die Stadt mit, sei aus Geldgründen nicht drin.</p>
<p>Das Problem ist bekannt, seit langem schon: Die Kapazität der städtischen Kläranlage ist begrenzt, überschüssiges Abwasser wird daher bislang ungeklärt in den Jadebusen geleitet – immer dann, wenn es viel geregnet hat, und es regnet nicht unbedingt selten in Wilhelmshaven. Das geht seit mehr als 30 Jahren so; bis zu 60-mal pro Jahr ergießt sich ein Schwall dieser Brühe aus Regen- und Abwasser an zwei Punkten ins Wasser – in manchen Monaten öfter, in anderen weniger, manchmal auch über Wochen gar nicht. Und manchmal, wie nach einem Starkregen im Sommer 2006, mitten hinein ins Badewasser vor dem Südstrand.</p>
<p>Daraufhin bildete sich nicht nur eine <a href="http://www.buerger-whv.de/vorschau/cms/index.php?e1=659" target="_blank">Bürgerinitiative</a>, die „Kaiserlichen KanalarbeiterInnen“, die seither wütend gegen die Fäkalieneinleitung kämpft – auch die überregionale Presse begann sich für das Thema zu interessieren, zum Leidwesen der Tourismusbehörde der Stadt. <a href="http://www.sueddeutsche.de/reise/faekalien-in-der-nordsee-schoene-gruesse-von-der-kot-dazur-1.996649" target="_blank">„Schöne Grüße von der Kot d’Azur“</a>, lästerte etwa die <em>Süddeutsche Zeitung</em>; ob die „Scheiße“ denn auch vorher „gequirlt“ worden sei, wollte das <em>NDR</em>-Satiremagazin extra3 <a href="http://www.myvideo.de/watch/1973754/extra3_Wilhelmshaven_gequirlte_Scheisse" target="_blank">vom Umweltdezernenten Jens Graul wissen</a>. Die Stadt verwendet lieber den neutraleren Begriff „Mischwasser“. Ist vielleicht auch treffender: Schließlich finden sich darin nicht nur Hinterlassenschaften aus Wilhelmshavener Toiletten – auch Haushalts- und Industrieabwasser, unter anderem aus einem Krankenhaus, seien dem Gemisch beigemengt, schimpfen die Kaiserlichen KanalarbeiterInnen, die dem Fäkaleinlass sogar einen eigenen Song gewidmet haben.</p>
<p>Handlungsbedarf hatte die Stadt bis dahin nicht gesehen, und auch heute teilt sie auf Anfrage knapp mit: „Die Abschläge aus dem Mischwassersystem sind genehmigt und entsprechen den allgemein anerkannten Regeln der Technik.“ 2009 wurde immerhin ein Sieb installiert, das zumindest größere Objekte – „Unästhetische Grobstoffe“ – zurückhielt; irgendwann wurde auch das System der roten Fahne eingeführt: Wenn die über dem Südstrand wehte, signalisierte das keinen neuen Matrosenaufstand, sondern die nächste Mischwassereinleitung &#8211; rote Fahne gegen braune Soße, wenn man so will. Besonders groß sei sie allerdings nicht, sagt Wilhelm Schönborn von der Bürgerinitiative, außerdem „machen die um sechs Uhr Schluss“ – wer im Sommer nach der Arbeit noch eine Runde schwimmen will und um Viertel nach sechs ins Wasser steige, sehe auch keine Fahne mehr. Mit ein bisschen Glück aber vielleicht Möwen: Sobald die über dem Auslassrohr kreisen, ist man ebenfalls gut beraten, das Bad beschleunigt zu beenden.</p>
<p>Durch die „Aktivierung zusätzlicher Speichervolumen“ habe die Einleitung in den vergangenen Jahren bereits um bis zu 50 Prozent reduziert werden können; nun soll diese Quote mit dem Bau der neuen Druckrohrleitung, mit der ein Großteil des Abwassers zum Heppenser Siel im Stadtnorden gepumpt werden soll, auf 80 Prozent gesteigert werden, teilt die Stadt mit. „Eine 100%-Lösung“, etwa durch den Bau eines Trennsystems, sei „wirtschaftlich nicht darstellbar“. Sprich: Die Stadt Wilhelmshaven, die vielleicht reich an Niederschlag, aber arm an Haushaltsmitteln ist, hat dafür kein Geld; schon die Druckrohrleitung ist mit 18 Millionen Euro eine „sehr kostenintensive Maßnahme“. Eigentlich müsse ein zusätzliches Klärbecken her, kritisiert Schönborn &#8211; mit dem jetzigen Vorhaben werde „das Problem im Wesentlichen erstmal nur aus den Augen geschafft“.</p>
<p>Und dass es in Strandnähe künftig seltener zu Einleitungen kommen soll, sei auch nur ein schwacher Trost, meint Schönborn: Gerade erst habe er in einem Vortrag gehört, dass das Wasser im Jadebusen nur viermal im Jahr ausgetauscht wird, das Abwasser „schwappt also in den Prielen auf und ab“. Baden, habe der Referent gesagt, würde er lieber auf Spiekeroog.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.noltejournal.de/Magazin/?feed=rss2&#038;p=38735</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Meuterei gegen Gilde-General</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42291</link>
		<comments>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42291#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 07 Feb 2013 11:55:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42291</guid>
		<description><![CDATA[Die Wildeshauser Schützen kommen nicht damit zurecht, wen ihr Chef da als Festredner geladen hat: Linke-Politiker Gregor Gysi. Nun übt sich die Truppe in Befehlsverweigerung. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Die Wildeshauser Schützen kommen nicht damit zurecht, wen ihr Chef da als Festredner geladen hat: Linke-Politiker Gregor Gysi. Nun übt sich die Truppe in Befehlsverweigerung.<br />
</span></p>
<p>An Tradition mangelt es der Schützengilde im niedersächsischen Wildeshausen nicht. Mehr als 600 Jahre alt will sie sein, und auch ihr Schaffermahl, ein Gelage mit Hering, Schnaps und mittlerweile rauchfreiem „Tabakskollegium“, sei erstmals 1492 erwähnt worden und damit „älter als das Bremer Schaffermahl“, wie stolz verlautbart wird. Und nicht jeder Schützenverein verfügt über ein Offizierskorps, einen Oberst und sogar einen General. Gegen letzteren meutert die Truppe jetzt allerdings, ganz untraditionell.</p>
<p>Der Wildeshauser Bürgermeister Kian Shahidi, Kraft seines Amtes zugleich Oberbefehlshaber der Gilde, hat den Zorn der Schützen auf sich gezogen: Zum diesjährigen Schaffermahl am 13. März hatte er als Ehrengast und Festredner Gregor Gysi eingeladen. Das Offizierskorps lud den Linke-Politiker sogleich wieder aus. Begründung: Es gebe eine „geltende Regelung“, nach der „vor Landtags- und Bundestagswahlen keine politischen Gäste als Ehrengäste/Festredner einzuladen sind“, heißt es in einer Pressemitteilung.</p>
<p>Nur hieß der Festredner im Bundestagswahljahr 2009 Philipp Rösler. Gegen den FDP-Politiker schien seinerzeit niemand protestiert zu haben. Ebensowenig gegen SPD-Urgestein Karl-Heinz Funke, der beim letzten Schaffermahl vor der Landtagswahl 2008 Ehrengast war. Wenige Wochen nach der Wahl wiederum war es der CDU-Landesvater David McAllister.</p>
<div id="attachment_42292" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/schützenverein-1910.jpg"><img class="size-full wp-image-42292" alt="Das waren noch Zeiten, als man es als Schütze  in Sachen Politik im Wesentlichen mit dem Kaiser zu tun hatte. BILD: pd" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/schützenverein-1910.jpg" width="600" height="333" /></a><p class="wp-caption-text">Das waren noch Zeiten, als man es als Schütze in Sachen Politik im Wesentlichen mit dem Kaiser zu tun hatte. BILD: pd</p></div>
<p>Auf Anfrage mag sich der Oberst des Offizierskorps nicht weiter äußern; Gilde-Sprecher Manfred Krug verweist kühl auf die herausgegebene Pressemitteilung – „weitere Statements“ seinerseits seien „daher nicht mehr nötig“. Die Frage, wie sich der Auftritt Röslers mit der erwähnten „geltenden Regelung“ in Bezug auf Wahljahre und Politgäste vertrage, bleibt unbeantwortet. Ebenso die Frage, wie das Vorgehen zur Aussage Shahidis gegenüber der örtlichen Kreiszeitung passt, dass im Vorfeld die Einladung eines „prominenten und rhetorisch begabten Bundestagsmitglieds“ vereinbart worden sei – es dürfte schließlich schwierig werden, unter den Parlamentariern nichtpolitische Redner zu finden. Einladungen waren auch an Angela Merkel, Peer Steinbrück und Jürgen Trittin gegangen, die allerdings alle abgesagt hatten. Gysi sagte zu, wovon er, der General, seinen Stab auch in Kenntnis gesetzt habe, wie Shahidi sagte.</p>
<p>Dennoch verwehren sich die Offiziere gegen den Auftritt des Fraktionschefs der Linken. Gysi, so heißt es in der Gilde-Mitteilung, dürfe gerne in einem anderen Jahr kommen. Allerdings habe das Offizierskorps auf seiner jüngsten Sitzung neben Gysis – „nahezu einstimmig“ beschlossener &#8211; Ausladung auch gleich Weichen für die Zukunft gestellt, wie die Nordwest-Zeitung erfahren haben will: Demnach sollen „künftig Oberst und General die Gästeliste gemeinsam erarbeiten und die Einladungen auch zusammen unterschreiben“. Immerhin: Die Reden sollen, so sah es ein weiterer Antrag vor, nun doch nicht vorher dem Korps vorgelegt werden müssen.</p>
<p>Der ins Trommelfeuer seiner eigenen Truppen geratene General Shahidi, selbst parteilos, hält sich bedeckt; er werde jedenfalls keinen Ehrengast wieder ausladen, sagte er. Muss er auch nicht, das hat der Oberst schon erledigt. Vielleicht aber bekommt Gysi doch noch die Chance, in der Kreisstadt aufzutreten: Die Wildeshauser Linke-Politikerin Kreszentia Flauger überlegt, eine Alternativ-Veranstaltung mit ihm als Gast zu organisieren. Und an der, so Flauger, dürften dann auch Frauen teilnehmen. Das dürfen sie beim Schaffermahl der rein männlichen Gilde nur dann, wenn sie als Ehrengäste geladen sind. Oder den Hering servieren. Tradition halt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.noltejournal.de/Magazin/?feed=rss2&#038;p=42291</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Dubioser Geruch um Hähnchenstall</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42310</link>
		<comments>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42310#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 06 Feb 2013 12:56:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42310</guid>
		<description><![CDATA[Eine neue Mastanlage in Südoldenburg? Klingt wie Eulen nach Athen. Allerdings nehmen Anwohner geplante Stall-Neubauten nicht mehr klaglos hin. Dass sich im südoldenburgischen Raum mittlerweile auch mal lokaler Widerstand regt, sobald ein neuer Maststall gebaut werden soll, ist nicht mehr ungewöhnlich. In Großenkneten im Landkreis Oldenburg bahnt sich nun allerdings &#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Eine neue Mastanlage in Südoldenburg? Klingt wie Eulen nach Athen. Allerdings nehmen Anwohner geplante Stall-Neubauten nicht mehr klaglos hin.<br />
</span></p>
<p>Dass sich im südoldenburgischen Raum mittlerweile auch mal lokaler Widerstand regt, sobald ein neuer Maststall gebaut werden soll, ist nicht mehr ungewöhnlich. In Großenkneten im Landkreis Oldenburg bahnt sich nun allerdings eine viel grundsätzlichere Auseinandersetzung an: Eine örtliche Initiative bezeichnet die Genehmigung einer neuen Mastanlage für 84.000 Hähnchen als rechtswidrig – und wirft den Behörden vor, die Einwände „vorsätzlich zu ignorieren“ und generell zu lasch mit den erforderlichen Gutachten umzugehen.</p>
<p>Im Dezember hatte das Bauordnungsamt des Landkreises den Bau der Anlage unweit der A 29 genehmigt. Das agrarindustriekritische Bündnis Mensch-Umwelt-Tier (MUT) legte Widerspruch dagegen ein: Im zugrunde liegenden Gutachten der Landwirtschaftskammer seien die zu erwartenden Geruchsemissionswerte des Betriebes in unzulässiger Weise heruntergerechnet und die Geruchsbelastung durch vor Ort bereits bestehende Ställe ausgeklammert worden. Außerdem sollen grundlegende Brandschutzbelange wie etwa Möglichkeiten zur Rettung der Tiere im Brandfall unberücksichtigt geblieben sein. Eine „Rettung aller Tiere“ sei, entgegen entsprechender Vorschriften, „nicht einmal theoretisch möglich“, schreibt das Bündnis.</p>
<div id="attachment_42316" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/hendl2.jpg"><img class="size-medium wp-image-42316" alt="Mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit hat eines dieser Hähnchen sein Leben im Südoldenburgischen ausgehaucht. BILD: Maren Beßler  / pixelio.de" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/hendl2-300x166.jpg" width="300" height="166" /></a><p class="wp-caption-text">Mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit hat eines dieser Hähnchen sein Leben im Südoldenburgischen ausgehaucht. BILD: Maren Beßler / <a href="http://www.pixelio.de/" target="_blank">pixelio.de</a></p></div>
<p>Von „dubiosen Praktiken“ beim Genehmigungsverfahren spricht der MUT-Vorsitzende Wilfried Papenhusen, und das auch nicht zum ersten Mal: Auch in zurückliegenden Gutachten will das Bündnis handwerkliche Fehler ausgemacht haben. „Da wird nicht seriös gearbeitet“, vermutet Papenhusen. Der Leiter des Bauordnungsamtes des Landkreises, Peter Nieslony, weist dies zurück: Man sei dort „ja fachkundig und selbstverständlich in der Lage, Gutachten zu lesen“. Aufgrund des Widerspruchs des Bündnisses werde man das vorliegende Material nun noch einmal zeitnah prüfen.</p>
<p>Es handele sich um das erste örtliche Bauvorhaben dieser Größenordnung, das seit 2010 genehmigt worden sei, sagt Papenhusen. Seinerzeit hätten das Bündnis und andere Initiativen damit begonnen, verstärkt „für Unruhe zu sorgen“ und in Veranstaltungen im Rahmen der Bürgerbeteiligungen, die für Anlagen ab 40.000 Tiere vorgeschrieben sind, aufzutreten. Auch im Fall der Mastanlage in Großenkneten habe man die Bedenken vorgetragen und in öffentlichen Gesprächsrunden auf die ihrer Ansicht nach eklatanten Mängel in den Gutachten hingewiesen – die Argumente seien aber vom Tisch gewischt worden: „Man hat uns nach Hause geschickt wie dumme Jungs.“</p>
<p>Auf einer solchen Veranstaltung soll sich laut Papenhusen ein Mitarbeiter des Bauordnungsamtes dahingehend geäußert haben, dass man dort ja „keine andere Chance habe, als den Gutachten der Kammer zu glauben“. Diese Aussage mag Nieslony „weder bestätigen noch bezweifeln“, stellt aber fest, dass man bislang keinen Anlass gehabt habe, diese Gutachten anzuzweifeln – die Landwirtschaftskammer gelte durchaus als sachverständig. Sollten aufgrund der neuerlichen Prüfung „schwere Bedenken aufkommen“, könnte das Amt einen Obergutachter einschalten, sagt Nieslony. Der würde vom Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim gestellt, das niedersachsenweit dafür zuständig ist. In letzter Konsequent hätte das Bündnis auch die Möglichkeit, rechtlich gegen die Baugenehmigung vorzugehen.</p>
<p>Die Auseinandersetzung um den geplanten Stall in Großenkneten könnte somit richtungsweisend sein. Denn für MUT geht es nicht nur um diese eine Anlage, sondern um das grundlegende Prozedere der Genehmigungsverfahren und die Frage, „wie unabhängig und neutral diese Gutachten sind“, sagt Papenhusen. Schließlich ist die Lobby der Intensivtierhalter in dieser Region sehr stark – im Landkreis Oldenburg werden bereits jetzt mehr als sieben Millionen Hähnchen und Legehennen, eine Million Puten und hunderttausende Schweine und Rinder gehalten – bei nicht einmal 130.000 Einwohnern. Wenn aber „Gefälligkeitsgutachten die rechtliche Basis für neue Anlagen“ darstellen, dann graue ihm, sagt Papenhusen. Immerhin, einen Erfolg können die Widerständler schon jetzt verbuchen: Die Zeit, in der „die Entscheidungsträger mehr oder weniger unter sich waren und Baugenehmigungen durchgewunken“ hätten, sei nun vorbei.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.noltejournal.de/Magazin/?feed=rss2&#038;p=42310</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Akute Exklusivitis</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=34042</link>
		<comments>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=34042#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 23 Oct 2012 04:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.oldenburger-lokalteil.de/?p=34042</guid>
		<description><![CDATA[Ein Bankraub und seine medialen Nachwehen: Die NWZ attackiert die Staats&#173;anwalt&#173;schaft, die herausfinden möchte, woher die Zeitung sensible Informationen über eine Fahndung bekommen hat.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Ein Bankraub und seine medialen Nachwehen: Die NWZ attackiert die Staatsanwaltschaft, die herausfinden möchte, woher die Zeitung sensible Informationen über eine Fahndung bekommen hat.<br />
</span></p>
<div id="attachment_42249" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/staatsanwaltschaft.jpg"><img class="size-medium wp-image-42249" alt="Idyllisch neben dem Kittchen gelegen: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/10/staatsanwaltschaft-300x187.jpg" width="300" height="187" /></a><p class="wp-caption-text">Idyllisch neben dem Kittchen gelegen: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg. FOTO: mno</p></div>
<p>Es gibt Streit zwischen der Nordwest-Zeitung und der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Die Zeitung <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/staatsanwalt-ermittelt-gegen-650-polizisten_a_1,0,1662434215.html" target="_blank">berichtete am Wochenende mit kaum verhohlener Empörung</a>, dass die Justiz Ermittlungen gegen die Oldenburger Polizei wegen Geheimnisverrats eingeleitet hat. Anlass dafür sei ein NWZ-Artikel aus dem Vorjahr, der auf nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Informationen basierte. Soweit sind sich Blatt und Behörde auch einig – allerdings hat die Staatsanwaltschaft einen ganz anderen Artikel im Blick als den relativ harmlosen, an dem die NWZ ihre massive Kritik festmacht.</p>
<p>Hintergrund: Am 31. August 2011 hatte ein Mann die Filiale der OLB in der Alexanderstraße überfallen; zweieinhalb Wochen später konnte er in Ulm festgenommen werden. Am 18. September, einem Sonntag, <a href="http://www.nwzonline.de/blaulicht/oldenburg-polizei-fasst-mutmasslichen-bankraeuber_a_1,0,582137789.html" target="_blank">vermeldete die NWZ die Festnahme auf ihren Internetseiten</a> &#8211; noch bevor die Staatsanwaltschaft die Geschichte offiziell bekanntgab. Dass die nun mit Nachdruck versucht, das Leck zu finden, bringt zumindest den Chefredakteur Rolf Seelheim einigermaßen in Harnisch &#8211; in einem Kommentar bezeichnet er es als &#8220;unglaublich&#8221;, dass die Staatsanwaltschaft &#8220;eine ganze Polizei-Inspektion unter Generalverdacht [stellt], um eine angeblich undichte Stelle zu finden&#8221; und hat auch einen Grund für diese Vorgehensweise parat: &#8220;Unsere Redaktion berichtete über die bereits erfolgte Festnahme des öffentlich gesuchten Bankräubers, obwohl die Staatsanwaltschaft damit gern noch gewartet hätte. Schließlich war Sonntag, die Ankläger wollten sich erst Montag äußern.&#8221;</p>
<p>Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Es geht nämlich nicht um die tatsächlich folgenlose vorzeitige Vermeldung der Festnahme, sondern um einen Artikel, der eine gute Woche davor veröffentlicht wurde. Und der durchaus schwerwiegende Folgen hätte haben können.</p>
<p>Die Staatsanwaltschaft erklärte am Montag, sie habe die Ermittlungen aufgenommen, weil die NWZ während des Zeitraums, in dem noch nach dem Flüchtigen gefahndet wurde, &#8220;über Informationen verfügte, die zu diesem Zeitpunkt aus ermittlungstaktischen Gründen noch geheim zu halten waren&#8221;. So habe das Blatt &#8220;über eine Durchsuchung am Wohnort des damals Verdächtigen in einem anderen Bundesland, bei der er nicht angetroffen wurde&#8221;, berichtet: &#8220;Hierdurch bestand die Gefahr, dass der flüchtige Verdächtige aus der Zeitung von dem konkreten Verdacht gegen ihn erfahren und sich endgültig der Festnahme entziehen würde.&#8221;</p>
<p>Tatsächlich hieß es am 10. September 2011 unter der Überschrift <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/blaulicht/oldenburg-polizei-hat-erste-spur-von-bankraeuber_a_1,0,581273021.html" target="_blank">&#8220;Oldenburg: Polizei hat erste Spur von Bankräuber&#8221;</a>: &#8220;Unter Tatverdacht soll nach Informationen der NWZ  ein Mann stehen, der außerhalb von Niedersachsen seinen Wohnsitz hat. Dort suchten die Beamten aber bislang vergebens nach ihm.&#8221; Die Argumentation der Ermittler: Hätte der Flüchtige durch den auch online verfügbaren Artikel Kenntnis davon erlangt, dass die Polizei eine Person aus einem anderen Bundesland im Visier habe, hätte er das unschwer auf sich beziehen und sich absetzen können. Diese &#8220;Informationen der NWZ&#8221; konnten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft aber nur aus dem Kreis der Beamten kommen &#8211; weshalb sie nun Ermittlungen wegen des &#8220;Verdachts auf Verletzung des Dienstgeheimnisses&#8221; aufgenommen hat.</p>
<p>&#8220;Wegen dieser Bagatelle setzt nun eine Staatsanwältin Himmel und Hölle in Bewegung, lässt Polizisten gegen Polizisten ermitteln, riskiert die Motivation einer ganzen Behörde&#8221;, <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/staatsanwalt-ermittelt-gegen-650-polizisten_a_1,0,1662434215.html" target="_blank">schimpft der Chefredakteur</a>, nennt es &#8220;ein Stück aus dem Tollhaus&#8221; und fragt, ob die Staatsanwaltschaft „nicht Wichtigeres zu tun&#8221; habe. Geheimnisverrat &#8211; eine &#8220;Bagatelle&#8221;? Der leitende Oberstaatsanwalt Roland Herrmann ist da ganz anderer Meinung: Es sei &#8220;entscheidend, dass Informationen in einem Ermittlungsverfahren so lange geheim bleiben, bis deren Preisgabe die Ermittlungen nicht mehr gefährden&#8221; könne, wird er in der Erklärung der Behörde zitiert. Wie gesagt: Es geht um die Preisgabe von Informationen während der laufenden Fahndung, nicht um die frühzeitige Meldung der Festnahme. Obwohl auch die, konsequent weitergedacht, als problematisch angesehen werden könnte &#8211; es wäre ja immerhin denkbar gewesen, dass der frisch Verhaftete noch Helfer und Komplizen hatte, die dadurch hätten gewarnt werden können.</p>
<p>Und was ist mit dem &#8220;Generalverdacht&#8221;? &#8220;Die Staatsanwaltschaft hat dabei nicht einen konkreten Beamten im Visier&#8221;, heißt es in dem Artikel von Samstag, &#8220;sondern alle 650 Angehörigen der Polizeiinspektion Oldenburg-Ammerland gelten als potenzielle Geheimnis-Verräter.&#8221; Natürlich, sagte Staatsanwältin Frauke Wilken am Montag auf Nachfrage, ermittele man &#8220;nicht gegen 650 Beamte der Polizeiinspektion&#8221;; auch nicht gegen die Polizeiinspektion selbst. &#8220;Wir ermitteln schlicht gegen Unbekannt&#8221; &#8211; genauer: &#8220;gegen einen noch unbekannten Beamten der Polizei in Oldenburg&#8221;. Es laufe wie in jedem anderen Fall auch, in dem der Täter nicht namentlich bekannt sei. Aus der Tatsache, dass der Kreis der in Frage kommenden Personen begrenzt ist, die Aussage abzuleiten, dass die Staatsanwaltschaft Polizisten &#8220;unter Generalverdacht&#8221; stelle, sei ungefähr so, als würde man behaupten, dass nach jedem Wohnungseinbruch, bei dem der Täter seinen Namen nicht hinterlassen habe und bei dem daher gegen Unbekannt ermittelt werde, die Behörden die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht stellten – schließlich kann ja theoretisch jeder einen Einbruch begehen.</p>
<p>Im Übrigen sei die Staatsanwaltschaft &#8220;verpflichtet, bei einem Anfangsverdacht einer Straftat Ermittlungen einzuleiten&#8221;, und die entsprechende Genehmigung dafür sei auch vom Innenministerium erteilt worden. Die &#8220;Verletzung des Dienstgeheimnisses&#8221; kann laut <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__353b.html" target="_blank">§353b StGB</a> mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.</p>
<p>Während die NWZ <a href="http://www.nwzonline.de/oldenburg/heftige-kritik-von-polizei-gewerkschaft-heftige-kritik-von-polizei-gewerkschaft-heftige-kritik-von-der-gewerkschaft-der-polizei_a_1,0,1728893522.html" target="_blank">an diesem Montag nachlegte</a> und einen Sprecher der Polizeigewerkschaft ins Feld führte, der die Vorgehensweise der Ermittler als „Unding“ bezeichnete &#8211; offensichtlich im Glauben, dass es sich nur um den Festnahmeartikel handelte, denn er nimmt explizit Bezug auf Ulm –, bewahrte der NDR einen kühleren Kopf. Der Sender hatte die Geschichte am Wochenende unter der Überschrift &#8220;Behörde ermittelt gegen 650 Polizisten&#8221; zwar ebenfalls auf ihrer Internetseite vermeldet, sie aber nach einer entsprechenden Erklärung der Staatsanwaltschaft auch schnell wieder heruntergenommen: &#8220;Nicht mehr relevant&#8221;, heißt es von Seiten der Onlineredaktion. Heißt wohl: Taugt nicht als Aufreger.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.noltejournal.de/Magazin/?feed=rss2&#038;p=34042</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Nicht Klickern, sondern Dotzen</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=32056</link>
		<comments>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=32056#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 11 Sep 2012 04:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.oldenburger-lokalteil.de/?p=32056</guid>
		<description><![CDATA[Kein Hobby ist zu abwegig, als dass man nicht Meister- schaften darin abhalten könnte. Warum also nicht im Murmelspielen?]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Kein Hobby ist zu abwegig, als dass man nicht Meisterschaften darin abhalten könnte. Warum also nicht im Murmelspielen?</span></p>
<div id="attachment_42445" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln.jpg"><img class="size-full wp-image-42445" alt="Das Runde muss ins Runde. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln.jpg" width="610" height="389" /></a><p class="wp-caption-text">Das Runde muss ins Runde. FOTO: mno</p></div>
<p>Leicht ist sie nicht zu finden, die Murmel-Hochburg des Nordens. Zwischen Emden und Greetsiel, mitten im tiefsten Ostfriesland und nicht ausgeschildert, liegt das 500-Seelen-Dorf Uttum; und sobald man – mehr zufällig – an der Stelle vorbeikommt, an der die vielen Autos parken, hat man sie gefunden, die Uttumer Murmelarena. „Die einzige ihrer Art weltweit“, sagt Willy Schunke, Vorsitzender des SV Jennelt-Uttum 58, kurz „Ju 58“. Der Verein richtete am Wochenende die diesjährige Deutsche Meisterschaft im Murmeln aus – genauer gesagt im „Deutschen Lochspiel“, aber das klingt nicht so schön. Es ist bereits die 17. Meisterschaft, die Ostfriesen sind Titelverteidiger, ihre Gegner kommen aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen. Und aus Hatten.</p>
<p>Auf der Bahn steht ein stämmiger, schnauzbärtiger Mann um die 50 und konzentriert sich auf seinen nächsten Wurf. Der eingestickte Name auf seinem Shirt weist ihn als „Thomas“ aus, die Nachnamen interessieren hier niemanden, es geht familiär zu in der Murmelszene. Thomas geht in die Hocke, steht wieder auf, fixiert die Position der Kugeln, geht wieder in die Knie, verlagert das Gewicht, sammelt sich und – stupst die letzte Murmel souverän ins Loch. Punkt für den Klickerverein Södel, seine Teamkameraden jubeln – es geht immerhin um das Erreichen des Halbfinales, und die Partie gegen die Newcomerinnen vom „SV Murmel 011“ aus dem Oldenburger Vorort Hatten ist hart umkämpft. Zwar nehme man „das alles nicht so todernst“, sagt Bernd Schmidt, Chef der Murmeltruppe aus Friesenhagen im Westerwald – aber auch wiederum nicht so locker, dass man nicht doch gerne die Meisterschale mitnehmen möchte. „Silencium!“ herrscht ein Trainer die Umstehenden an, als sich einer seiner Schützlinge an einen besonders schwierigen Wurf auf dem Ascheplatz macht.</p>
<p>Er selbst sehe das Klickern vor allem als Hobby mit Spaßfaktor, sagt Schmidt, für andere ist es genauso sehr Sport wie Billard oder Dart. Manchmal klingt es auch wie Sport und sieht so aus. Wenn etwa Jennifer, wohl so etwas wie die Kapitänin ihrer Hattener Murmeltruppe, sagt, dass sie sich wahnsinnig darüber freue, das Viertelfinale erreicht zu haben, obwohl sie bestenfalls auf das Überstehen der Vorrunde gehofft hatte. Oder wenn eine kleine La-Ola-Welle durch das Stadiönchen schwappt. Es wird übrigens tatsächlich trainiert, wenn auch bei den meisten Vereinen nur einmal im Monat. Und auch optisch kommt das Murmelspiel sportlich daher: Die meisten Teams tragen einheitliche Leibchen, bedruckte T- oder Poloshirts, die Damen aus dem Oldenburgischen sogar richtige Trikots mit Nummern. Die Teamkameraden feuern sich gegenseitig an und haben eigene Schlachtrufe; sie jubeln, wenn ein entscheidender Wurf gelingt und ächzen, wenn ein einfacher danebengeht. Und fast alle tragen Turnschuhe, obwohl man diesen Sport problemlos auch mit Gummistiefeln ausüben könnte.</p>
<div id="attachment_42446" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln2.jpg"><img class="size-full wp-image-42446" alt="Fi-na-le! O-ho! Nun gut: Viertelfinale. Trotzdem Grund zur Freude bei den Oldenburgerinnen. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln2.jpg" width="610" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Fi-na-le! O-ho! Nun gut: Viertelfinale. Trotzdem Grund zur Freude bei den Oldenburgerinnen. FOTO: mno</p></div>
<p>Es werden, kaum verwunderlich, offizielle Wettkampfmurmeln mit genau bezifferten Maßen und Gewichten verwendet – so etwas hat hierzulande schließlich seine Ordnung, und festgelegt ist diese im Regelwerk des Deutschen Murmelrats. Das Spiel selbst ist eigentlich recht einfach: Zwei Spieler versuchen, sechs Murmeln durch Einlochen oder Aneinanderklickern – Fachbegriff: „Dotzen“ – aus dem Spiel zu nehmen; wer die letzte versenkt, bekommt den Punkt. Die Viererteams treffen nach dem Prinzip „Jeder gegen jeden“ aufeinander, das macht pro Partie bis zu 16 Einzelbegegnungen mit ebenso vielen zu vergebenen Punkten. Klingt zeitraubend, aber viele Matches dauern nicht allzu lange; mitunter wartet man länger auf sein Bier als auf den Ausgang eines Duells. Erst in der K.O.-Runde nehmen sich die Kontrahenten mehr Zeit, blicken stirnrunzelnd auf die Verteilung der Glaskügelchen, trampeln den Sand in der Schusslinie fest und sinnieren über die klügste taktische Vorgehensweise: Welche Murmel als nächste? Und: Einlochen oder Dotzen?</p>
<p>Eigentlich war Uttum, das bereits 2009 Gastgeber der Deutschen Meisterschaft war, noch gar nicht wieder an der Reihe mit deren Ausrichtung – der Verein sei aber von den Mitmurmlern darum gebeten worden, weil es sich so schön mit einem Urlaub an der Nordseeküste verbinden ließe, sagt Schunke. Tatsächlich weist die Teilnehmerschaft eine ähnliche Zusammensetzung auf wie die durchschnittliche Belegschaft eines ostfriesischen Dauercampingplatzes; trotz einiger jugendlicher Teilnehmer ist das Durchschnittsalter eher bei Mitte 40 anzusetzen. Alters- oder Geschlechterabgrenzungen gibt es nicht, sie wären beim Murmeln wohl auch ein bisschen albern. Ab sieben Jahren kann mitgespielt werden, Uttums älteste Aktive ist gerade 80 geworden, sagt Schunke.</p>
<p>Zum Murmeln kamen die Spieler auf eher zufälligen Wegen – die einen fühlten sich allmählich zu alt für Fußball, wollten aber trotzdem etwas zusammen machen. Das Oldenburger Frauenteam, nach Uttum und dessen Lokalrivalen Hinte mittlerweile der dritte norddeutsche Verein, hatte sich aus einem Scherz heraus während eines Türkeiurlaubs gebildet. Die Frauentruppe sei von Miturlaubern immer für einen Sportverein gehalten worden, irgendwann habe jemand gefragt, ob sie der &#8220;SV Murmel&#8221; seien, berichtet Jennifer. Noch während dieses Urlaubs wurden sie es. Und Schunke hatte einen Fernsehbericht übers Wettkampfmurmeln gesehen und dies im „Ju 58“ vorgeschlagen: „Da bin ich erst ausgelacht worden“, sagt der Vorsitzende, der auch das Uttumer Badewannenrennen eingeführt hat, „aber trotzdem wurde im Ort darüber gesprochen“. Erst an den Stamm- und Abendbrottischen, dann auch wieder im Verein.</p>
<div id="attachment_42444" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln3.jpg"><img class="size-full wp-image-42444" title="Blick aus der Südkurve ins weite Stadionrund. FOTO: mno" alt="murmeln3" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/09/murmeln3.jpg" width="610" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Blick aus der Südkurve ins weite Stadionrund. FOTO: mno</p></div>
<p style="text-align: center;">Am Anfang seien es fünf, sechs Murmelspieler gewesen, sagt Schunke, dann irgendwann 20, eine zweite Bahn wurde gebaut, dann eine dritte, später ein paar Holzkästen, damit die zahlreicher werdenden Zuschauer auch aus der zweiten Reihe etwas sehen können. Heute hat die Murmelabteilung 55 Mitglieder, ein eigenes kleines Stadion und wurde 2011, fünf Jahre nach ihrer Gründung, erstmals Deutscher Meister – was macht es da, dass sie sich am Samstag im Finale den Södelern mit 7:9 geschlagen geben musste. Der Klickersport verbinde die Dörfler, meint Schunke; und auch die Gemeinde Krummhörn freut’s, nicht zuletzt wegen des touristischen Effekts. Die Murmelarena ist so etwas wie eine regionale Berühmtheit; Firmen und sogar Abschlussklassen buchen sich die drei Bahnen Wochen im Voraus. Klickern statt Kegeln.</p>
<p>Rund 120 Freunde des runden Glaskörpers tummeln sich am Tag der Meisterschaft an der Arena, die sogar über eigenes Flutlicht verfügt. Die meisten sind Spieler der 18 angetretenen Mannschaften aus sieben Vereinen, aber auch ein paar Zuschauer aus dem Dorf und Familienangehörige sind dabei. Es gibt Bratwurst und Bier, aus der Musikanlage tönt in Dauerschleife ein Partysampler, am Vereinsheim hängen Deutschlandfahnen, farblich passend zum Logo des „Ju 58“. Im Pavillonzelt verstreut sitzen einige Murmelspieler, die bereits dabei sind, zum eher lässigeren Teil des Turniers überzugehen. Die Friesenhagener aus dem Westerwald zum Beispiel, auch schon zweimal Meister, das ist aber schon zehn Jahre her. Diesmal kam für das Team das Aus im Achtelfinale – „War geplant“, sagt Teamchef Bernd: „Dann können wir uns früher an die Vorbereitung des nächsten Turniers machen.“ Friesenhagen richtet die Meisterschaft im kommenden Jahr aus.</p>
<p>Die Uttumer denken bereits weiter: Schunke möchte gerne eine EM auf die Beine stellen, eine richtige, nicht so etwas wie vor ein paar Jahren in Ludwigshafen, als dort lebende Migranten für ihr Heimatland antraten und das Ganze „WM“ genannt wurde. „Wir werden oft belächelt, aber damit macht man sich dann endgültig zum Horst“, sagt Schunke. Statt dessen wollen sie Kontakt zu anderen Murmeltruppen in Skandinavien, England, den Niederlanden aufnehmen: „Da wird überall geklickert.“ Natürlich fielen dann weitaus üppigere Reisekosten an, räumt er ein – aber Urlaub lässt sich ja schließlich auch in Dänemark machen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.noltejournal.de/Magazin/?feed=rss2&#038;p=32056</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kunst, die wehtun muss</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42665</link>
		<comments>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42665#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 30 Aug 2012 13:55:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=42665</guid>
		<description><![CDATA[Wie bekommt man junge Besucher ins Museum? Die Kunsthalle Emden meint: Mit Tattoos. Und zwar nicht irgendwelchen, sondern mit Motiven aus der Sammlung.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wie bekommt man junge Besucher ins Museum? Die Kunsthalle Emden meint: Mit Tattoos. Und zwar nicht irgendwelchen, sondern mit Motiven aus der Sammlung.</p>
<div id="attachment_42666" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/tattoos4www.jpg"><img class="size-full wp-image-42666" alt="Gute Miene: Wilfried hält still. FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/tattoos4www.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Gute Miene: Wilfried hält still. FOTO: mno</p></div>
<p>„Tut fast gar nicht weh“, sagt Birgit und lächelt auch nur leicht gequält. Es klingt ein wenig, als würde der Stuhl, auf dem sie sitzt, in einer Zahnarztpraxis stehen und nicht – nun, in einer Kunstgalerie; und was der 44-Jährigen da wehtun könnte, ist die Nadel, mit der die Tätowiererin Zoe Thorne Birgits Oberarm bearbeitet. Die Kunsthalle Emden lud am Wochenende zum öffentlichen Tattoo-Event unter dem Motto „Kunst, die unter die Haut geht“.</p>
<p>Eine mit viel Plastik ausgekleidete Ecke mit Liege und Rollwägelchen dient Thorne als eine Art mobiles Studio. Zwischendurch schauen immer mal Interessenten herein, einige wollen offenbar nur mal gucken, andere kommen unangemeldet vorbei und hoffen, vielleicht noch dranzukommen. Eine Frau habe gefragt, ob sie die Initialen ihrer Kinder tätowiert haben könnte, erzählt Thorne. Konnte sie nicht: Es sollte ja um Kunst gehen, um die Sammlung des Emder Museums. Die Auswahl der Motive war festgelegt, und so etwas wie Initialen sticht die Berlinerin ohnehin nicht.</p>
<p>Dass Kunden Motive aus der Kunstwelt gestochen haben möchten, komme gar nicht so selten vor, erzählt Thorne; sie schätzt den Anteil in ihrem Studio in Berlin auf zehn bis zwanzig Prozent. Tuschezeichnungen von Schiele seien etwa dabei, die berühmte Hokusai-Welle, sogar Dürers „Betende Hände“. In Emden stehen, in einem eigenen kleinen Ausstellungsraum präsentiert, Kohlezeichnungen der Schweizer Künstlerin Miriam Cahn zur Wahl, ein paar Werke von Alfred Kremer, Franz Marcs „Blaue Fohlen“ und sogar eine Skulptur, das „Trojanische Pferd“ von Lothar Fischer. „Da kommt jemand eigens angereist, um sich das stechen zu lassen“, sagt die Initiatorin der Aktion, Claudia Ohmert: „Bin gespannt, wie das umgesetzt wird.“</p>
<p>Einige Interessenten sind unverrichteter Dinge wieder weggefahren, für sie war kein Motiv dabei. Eine größere Auswahl wäre wohl schön gewesen, räumt die Museumspädagogin ein, aber kaum zu leisten – schließlich musste sich die Tätowiererin entsprechend vorbereiten, Entwürfe erstellen, Skizzen anfertigen. Die hängen jetzt neben den Originalen.</p>
<div id="attachment_42667" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/tattoos1www.jpg"><img class="size-full wp-image-42667" alt="Was darf's denn sein? Ein Pferdchen? Oder doch lieber ein Vogel? FOTO: mno" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2013/06/tattoos1www.jpg" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Was darf&#8217;s denn sein? Ein Pferdchen? Oder doch lieber ein Vogel? FOTO: mno</p></div>
<p>Auf Birgits Oberarm, der gerade mit Folie und Pflaster versehen wird, prangt nun ein Baum aus einem Werk von Cahn – im Gegensatz zum Original ein farbiger, damit er zur bereits dort gestochenen Rose passt. Ihr Bekannter Wilfried hat sich ebenfalls für das Baum-Motiv entschieden, die Ausführung haben sie schon im Vorfeld mit Thorne besprochen. Eine wichtige Basis, findet der 43-Jährige – es gehe nicht zuletzt auch um Sympathie und Vertrauen: „Man trägt das für immer, da will man sich ja nicht von irgendjemandem stechen lassen.“</p>
<p>Dafür, dass sich die Aktion vornehmlich an eine junge Klientel richtet, liegt der Altersschnitt derjenigen, die sich an diesem Wochenende tatsächlich tätowieren lassen, erstaunlich hoch. In der Eingangshalle warten nur zwei Vertreter der ursprünglichen Zielgruppe darauf, eventuell noch an die Reihe zu kommen: Die 21-Jährige Ann-Marie möchte einen Vogel auf den Unterarm; der fünf Jahre ältere Björn würde sich auch überreden lassen, „wenn sie es macht“. Er klingt ein wenig nervös – es wäre sein erstes Tattoo.</p>
<p>Sie warten allerdings vergeblich: Der Terminplan von Zoe Thorne ist voll, die zehn Sitzungen, die sie bis Sonntagnachmittag schafft, sind fast alle nach Voranmeldung terminiert worden. Sie hat gut zu tun, ein Marcsches Fohlen hier, ein Cahn-Vogel dort. Die Kunsthalle darf die Aktion wohl als Erfolg verbuchen – auch wenn es vielleicht nicht unbedingt die jüngeren und tendenziell museumsfernen Leute waren, die gekommen sind. Ann-Marie hat ohnehin ihre Zweifel, ob man ihre Generation damit ins Museum locken kann: „Entweder man interessiert sich für so etwas“, sagt sie, „oder eben nicht“.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.noltejournal.de/Magazin/?feed=rss2&#038;p=42665</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Massentauglichkeit essen Elternschreck auf</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=30798</link>
		<comments>http://www.noltejournal.de/Magazin/?p=30798#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Jul 2012 04:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maik Nolte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.oldenburger-lokalteil.de/?p=30798</guid>
		<description><![CDATA[Das weltgrößte Metalfestival steht vor der Tür: Anfang August werden wieder zigtausende Fans der härteren Gangart das kleine Dörfchen Wacken überrennen. Und im Gegensatz zu früher wird die Szene heute mit steigendem Wohlwollen in den Medien thematisiert. Was ist da passiert?]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Das weltgrößte Metalfestival steht vor der Tür: Anfang August werden wieder zigtausende Fans der härteren Gangart das kleine Dörfchen Wacken überrennen. Und im Gegensatz zu früher wird die Szene heute mit steigendem Wohlwollen in den Medien thematisiert. Was ist da passiert?</span></p>
<div id="attachment_42494" class="wp-caption aligncenter" style="width: 620px"><a href="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/07/Wacken.jpg"><img class="size-full wp-image-42494" alt="Romantisches Wacken. BILD: cgo2/flickr (cc-by-2.0)" src="http://www.noltejournal.de/Magazin/wp-content/uploads/2012/07/Wacken.jpg" width="610" height="458" /></a><p class="wp-caption-text">Romantisches Wacken. BILD: cgo2/flickr (cc-by-2.0)</p></div>
<p>Ort: Eine Oldenburger Kneipe. Zeit: Späte 90er-Jahre, kurz vor Feierabend. Der Wirt versucht, rechtzeitig zur Sperrstunde eine größere Gruppe mutmaßlicher Sparkassen-Azubis mittels voll aufgedrehter Metalmusik aus der Kneipe hinauszukomplimentieren. Seine Wahl fällt auf eine Scheibe der brasilianischen Schlechtelauneknüppler von „Sepultura“, aber die angestrebte Wirkung bleibt aus: Die Jungbanker springen auf die Tische und schütteln ihre akkurat frisierten Kurzhaarschnitte – die Party geht für sie erst los.</p>
<p>Ein kleines, unbedeutendes Erlebnis, gewiss – aber dennoch eines, das zeigte, dass sich etwas geändert hatte im Verhältnis zwischen Sub- und Popkultur, zwischen eingängigem Radiogedudel und schweren Gitarrenriffs, zwischen braven Jungs und bösen Buben. Heavy Metal war salonfähig geworden, irgendwie und irgendwann. Aus der Schmuddelecke, in der er seine komplette Jugend verbrachte, ist der Metal längst heraus, er ist mit erklecklichen Teilen seiner Fangemeinde älter geworden, reifer, erwachsener – und, im Gegensatz zum Punk, quicklebendig. Ausdruck von jugendlicher Rebellion ist er heute zwar eher woanders, in Bagdad oder Jakarta; im satten Westen füllt er dafür Fußballstadien und sorgt dafür, dass 70.000 Schwermetaller Jahr für Jahr in ein kleines Dorf in Schleswig-Holstein einfallen; und mit ihnen Kamerateams, Zeitungsreporter und Dokumentarfilmer. Jedes überregionale Blatt, jede Nachrichtensendung wird Anfang August zumindest einmal über das Wacken Open Air berichten.</p>
<p>Das hat, wie in den kommenden Wochen noch öfter zu lesen sein wird, vor 22 Jahren mit gerade 800 Besuchern angefangen, die sich sechs Bands für zwölf Mark angeschaut haben. Dass das Festival seither immer größer wurde – heute sind es rund 120 Bands für 140 Euro –, mag als Spiegelbild einer Szene gelten, in der es enorm viel Bewegung gibt und in der zugleich vieles beim Alten zu bleiben scheint. Sie wächst geradezu biologisch: Es gibt kaum Nachwuchssorgen, weder bei den Fans noch bei den Bands, und auch die Altvorderen bleiben der Szene treu. „Es ist eine gewisse Bodenständigkeit“, die die Metalgemeinde ausmache und für ihre Stabilität sorge, meint Michael Rensen vom Musikmagazin „Rock Hard“: Während andere Szenen sich irgendwann aufgelöst hätten, seien „Metalfans mehr mit ihren eigenen Wurzeln verhaftet, sie interessieren sich wenig für Trends und Hypes und bleiben gerne bei ihren Lieblingsbands“.</p>
<p>Gruppen, die sich jahrzehntelang vom Studio auf die Bühnen und zurück schleppen, scheinen im Metal häufiger anzutreffen zu sein als anderswo. Iron Maiden etwa – die Briten haben in dreißig Jahren fünfzehn Studioalben vorgelegt, sind zwischendurch dauernd auf Welttournee und wirken dabei lebendiger als ihr Maskottchen „Eddie“. Auch die deutschen Speedmetaller von Helloween, die ihre große Zeit in den 80ern hatten, weigern sich standhaft, in die ewigen Powerchordgründe einzugehen. Und an einer Band wie Kiss, die immer noch in jenem heute ein klein wenig albern wirkenden Outfit auftritt, in dem sie in den 70ern Eltern erschreckt hat, können sich die damaligen Kids heute mit ihrer eigenen Nachkommenschaft freuen, denn Metal funktioniere sogar generationenübergreifend, sagt Rensen: Im Gegensatz zu anderen Subkulturen sei es hier „nicht peinlich, mit seinen Eltern auf ein Konzert zu gehen.“</p>
<p>Aber dennoch gibt es auch Wandel. Die aufnäherübersäten Jeansjacken der 80er sind größtenteils verschwunden, die schwer entzifferbaren Bandlogos geblieben; ebenso die Vorliebe für schwarze Kleidung – dafür sind lange Haare nicht mehr zwingend nötig. Sogar das klassische Line-up einer Metalband – zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug – gilt nur noch bedingt. Beinharte Gruppen wie Ministry oder Tiamat bedienen sich an Synthesizern und Computerklängen, und um das früher oft verpönte Keyboard haben sich mittlerweile eigene Subgenres gebildet. Deren Zahl hat in den vier Jahrzehnten seit Aufkommen des Heavy Metal, damals noch ein undifferenzierter Sammelbegriff, ohnehin ein kaum mehr überschaubares Niveau erreicht. Man unterscheidet nicht bloß zwischen Death-, Black-, Speed- oder Thrash Metal, sondern auch zwischen Glam-, Melodic- und Symphonic Metal, zwischen Nu Metal und Post-Metal, irgendwann kamen Metal- oder Mathcore oder Folk Metal mit den Sub-Subgenres Pagan-, Celtic- oder Viking Metal dazu. Und so weiter.</p>
<p>Zugleich liest sich die Liste der am häufigsten in Fanpublikationen genannten Bands, die der Musikwissenschaftler Dietmar Elflein für seine 2010 erschienene Untersuchung „Schwermetallanalysen“ zusammengetragen hat, genauso wie vor einem Vierteljahrhundert: Megadeth. Judas Priest. Slayer. Black Sabbath. Und natürlich Metallica, zweifellos eine der prägenden Formationen des Genres und vielleicht auch die Band, an der sich dessen Entwicklung am besten festmachen lässt: Zu Beginn ihrer Karriere eine Thrash-Combo mit nicht zu überhörenen Anklängen an den seinen Höhepunkt überschritten habenden Punk; dann schrittweise Perfektionierung zu einer der einflussreichsten Bands, an der man als Fan nicht vorbeikam; irgendwann musikalisch zwei Gänge runtergeschaltet, die Haare abgeschnitten und mit juristischen Schritten gegen die Musiktauschbörse Napster einen Teil der Fans verprellt. Schließlich Rückbesinnung auf den alten Sound und heute erfolgreicher als je zuvor.</p>
<p>Metal stellt mittlerweile einen „wichtigen Teil des Mainstreams der multinationalen Musikindustrie“ dar, schreibt Elflein. In diesem Kosmos ist es nichts Ungewöhnliches mehr, wenn sogar, wie 2011, ein Album der schwedischen Todesmetaller In Flames vorübergehend an der Spitze der Charts auftaucht, einfach so – über Erstplatzierungen von Rammstein, AC/DC oder eben Metallica wundert sich ohnehin niemand mehr; zu Rammstein-Konzerten pilgern in den USA Zigtausende Fans und grölen die Lieder mit, mutmaßlich ohne ein Wort zu verstehen und AC/DC ist mittlerweile offiziell verteidigungsministertauglich. Sogar die „Bild“ übertitelt einen Artikel mit der Zeile „So heavy wird der Metal-Sommer!“ und stellt „die zehn härtesten Festivals vor“. Vielleicht auch deshalb, weil das reichweitenstärkste Szenemagazin, die „Metal Hammer“, zum Springer-Verlag gehört.</p>
<p>Bis vor gar nicht langer Zeit hatte sich die mediale Präsenz des Metal im Wesentlichen in alarmierenden Berichten über das angeblich zerstörerische Potential der Musik erschöpft, über blutrünstige Satanisten unter den Black- und lebensmüde Teenies unter den Death-Metal-Fans. Solche Zusammenhänge zwischen Gewalt und Gitarren konnte die Wiener Musikwissenschaftlerin Sarah Chaker längst widerlegen und räumte auch mit dem Vorurteil auf, es handele sich um den Sound der Unterprivilegierten – tatsächlich wies sie einen überdurchschnittlichen Bildungsstand unter den Headbangern nach. Allerdings trifft es nach wie vor zu, dass Metal eine Domäne der Männer ist, genauer gesagt weißer Männer – Frauen sind in der Fanszene in der Minderheit, unter den Musikern muss man sie mit der Lupe suchen.</p>
<p>Von allen Subkulturen, die einmal aus Wut entstanden sind, ist Metal die langlebigste und vielfältigste geworden. Es ist die musikalische Sprache und die nach wie vor gepflegte Selbstwahrnehmung des Außenseitertums, die die Szene weltweit verbindet; ein „glokalisierter Musikstil“, wie Elflein schreibt. Wenn eine Band wie Amon Amarth ihre romantisch-glorifizierenden Vorstellungen von Wikingerraubzügen und Kriegerethos ins Mikrofon brüllt, funktioniert das nicht nur in Schweden, sondern auch in Mexiko. Und natürlich in Wacken, wo die Death-Metal-Band zu den Top-Acts zählt und die Veranstalter solche Berührungspunkte zur Rollenspielerszene nutzen, gleich ein paar Mittelalterbands mehr einzuladen und ein Mittelalterdorf („Wackinger Village“) aufzubauen. Man probiere beim Drumherum öfter mal etwas Neues aus, sagt Veranstalter Thomas Jensen: „Wir wollen ja nicht langweilig werden.“ Es gebe zwar auch hin und wieder Kritik an der fortschreitenden Kommerzialisierung, aber das ficht die Wacken-Organisatoren nicht an: „Wir sind in engem Dialog mit den Fans, die gestalten die Entwicklung mit.“ Außerdem werde an Erfolgsgeschichten in Deutschland sowieso gerne &#8220;herumgemäkelt“, sagt Jensen.</p>
<p>Wie und wann es allerdings nun dazu gekommen ist, dass Metal massentauglich genug wurde, dass ein Dokumentarfilm über ein Szenefestival derart erfolgreich sein konnte wie „Full Metal Village“ der Koreanerin Cho Sung-hyung im Jahr 2006 – dazu kann auch Jensen nur Vermutungen anstellen. Irgendwann seien die Medien „am Thema wohl einfach nicht mehr vorbeigekommen“. Den Film findet er gut, allerdings habe der eigentlich nicht allzu viel mit Metal zu tun, sagt er. Mit Wacken eigentlich auch nicht, fügt er nach kurzer Überlegung hinzu. Eine einfache Erklärung für die mediale Präsenz des Metals hat der stellvertretende Chefredakteur der „Rock Hard“: Die Leute, die vor 20, 30 Jahren Metal gehört haben, „sitzen heute in Positionen, in denen sie etwas zu melden haben, zum Beispiel in Pressehäusern“, sagt Michael Rensen. „Metal ist jetzt kein reiner Underground mehr.“</p>
<p>Vielleicht sehen einige der Wacken-Besucher das anders. Aber es spielt eigentlich auch keine große Rolle, sagt Rensen – was die Feuilletons zu sagen haben oder die Nachrichtenmagazine über Wacken schreiben, interessiere die Metalheads erfahrungsgemäß nicht besonders. Wichtig ist, wie immer, allein die Musik, ihre Musik; vier Tage lang, gespielt von weithin unbekannten Formationen bis hin zu Urgesteinen wie Saxon; Testament oder den Scorpions… Moment, die Scorpions? Jawohl. Die Ledertruppe aus Hannover, die von der bundesdeutschen Medienwelt in den Achtzigern hochoffiziell zur ersten gesellschaftlich anerkannten Hardrock-Band auserwählt wurde. Und über deren weichgespülte Balladen sich wahre Headbanger damals bestenfalls lustig gemacht haben.</p>
<p>Es hat sich eben doch etwas geändert.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.noltejournal.de/Magazin/?feed=rss2&#038;p=30798</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
