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		<title>Ruhe, es gibt Zeugnisse!</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Aug 2015 19:44:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Maik]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesregierung]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Zeit für die Halbzeit-Zeugnisse, zumindest im Berliner Regierungsviertel: Bundesinnenminister Thomas de Maiziére (CDU) hat der Bundesregierung insgesamt die Schulnote 2 minus gegeben. Damit war er bescheidener als SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann, der, obwohl er als Parlamentarier eigentlich gar nicht zum Klassenverband gehört, eher eine glatte 2 bis 2 plus 2 im Auge hat und damit etwas [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zeit für die Halbzeit-Zeugnisse, zumindest im Berliner Regierungsviertel: Bundesinnenminister Thomas de Maiziére (CDU) hat der Bundesregierung insgesamt <a href="http://www.google.de/url?url=http://www.welt.de/regionales/sachsen-anhalt/article145640527/Innenminister-de-Maiziere-gibt-Regierung-Schulnote-2-minus.html&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;sa=U&amp;ved=0CBQQqQIoADAAahUKEwiWoKjS_8THAhXBc3IKHTIABvg&amp;sig2=8Y38H8BZIDAb8BcDHiI_Vg&amp;usg=AFQjCNE1_XBdz2hNUE0m-9uyI7kNusCnVw" target="_blank">die Schulnote 2 minus gegeben</a>. Damit war er bescheidener als SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann, der, obwohl er als Parlamentarier eigentlich gar nicht zum Klassenverband gehört, eher eine glatte 2 bis 2 plus 2 im Auge hat und damit etwas streberhaft wirkt. 2 minus hingegen, das klingt halbwegs bescheiden. In einem Uni-Abschlusszeugnis bedeutet so eine Note nur wenig mehr als &#8220;war körperlich anwesend&#8221;. Motto: Wir sind keine Überflieger, aber es ist doch ganz ordentlich &#8211; und für die Versetzung in die nächste Legislaturperiode reicht es allemal.</p>
<p><span id="more-789"></span>In der Außen- und &#8211; natürlich! &#8211; Innenpolitik habe die Regierung besonders gut gearbeitet, so de Maizières schulterklopfendes Fazit. Das bedeutet natürlich, dass sich das Klassen-Kabinett in anderen Fächern eher mühsam durchgewurschtelt oder hier und da wohl eine satte 5 kassiert haben muss. Nur wo? Sport liegt nahe, da kann Triathlet Heiko Maas schließlich nicht ganz alleine den Notenschnitt der doch eher hüftsteifen Regierungstruppe hochreißen. Aber Sport stand wohl auch nicht auf dem Lehrplan. Also &#8211; wo ist Nachhilfeunterricht geboten? In der Klimapolitik? Bei den Bürgerrechten? Verteidigung? Alles heiße Kandidaten für blaue Briefe, aber de Maizière hält sich dazu lieber bedeckt. Schließlich will er seine Kameraden und -innen nicht verpetzen. Sonst gäbe es nachher auf dem Schulhof Keile von Siggi.</p>
<p>Es wäre spannend, die Klasse mal während einer Unterrichtsstunde zu sehen. Als Lehrer stünde vermutlich Helmut Schmidt am Pult. In der ersten Reihe säße dann die Angela, die im Unterricht nie den Mund aufbekommt, aber bei den Klassenarbeiten immerhin ganz passable Ergebnisse erzielt. Versetzung wohl ungefährdet. Neben ihr Wolfgang, der  Mathe-Crack, der aber Defizite in Sozialkunde hat. Auch Ursula sitzt vorne, ist bemüht und ehrgeizig, könnte aber besser dastehen, würde sie ihre Hausaufgaben regelmäßiger machen, statt ganze Nachmittage ratlos vor ihren kaputten Spielzeugpanzern zu sitzen. Der Alexander versucht andauernd, ein Netz für sein Smartphone zu finden, und Barbara ist neulich durch den Biologietest gerasselt, weil ihr zum Thema Klima statt der richtigen Lösungen nur Allgemeinplätze eingefallen waren.</p>
<p>Peter fiele am ehesten dadurch auf, dass er seinen Klassenkameraden dauernd in die Hefte spickt; Gerd und Frank-Walter damit, dass sie aus dem Fenster blicken und von fernen Ländern träumen. Oder auch albträumen. Johanna hat ihre Nase dauernd in einem Buch, das nicht zum Unterricht gehört. Thomas nimmt zumindest seine Rolle als Pausenaufsicht sehr ernst. Und Klassensprecher Siggi? Im Unterricht so lala, hat aber seine Clique voll im Griff. Erst kürzlich hat er den Heiko für störende Zwischenrufe ordentlich in den Schwitzkasten genommen.</p>
<p>Aber eigentlich ist es ein schiefes Bild. Während normale Schüler, sollten sie berechtigte Sorgen um das Weiterkommen haben, zum Ende des Schuljahres hin nochmal alles geben, um doch noch über die Zielgerade zu kommen, machen Politiker, je näher der Versetzungstermin rückt, bekanntlich kaum noch irgendetwas konstruktives (außer sich gegenseitig mit Spuckekugeln zu beschießen).</p>
<p>Aber trotz aller Unterschiede zwischen Politikern und Schülern: Das Prinzip der Selbstbenotung sollte zum Standard werden. Es entlastet die Lehrer und erspart den Schülern, mühsam das Zeugnis zu fälschen und es dann mit schweißnassen Händen den Eltern zu überreichen, in der Hoffnung, dass sie einem nicht auf die Schliche kommen.</p>
<p>Andererseits wird die Klasse von Angela und Co. genau das in zwei Jahren vermutlich dennoch wieder versuchen.</p>
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		<title>Mutti und das Mädchen</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Jul 2015 20:42:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Maik]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ein Flüchtlingsmädchen sagt Angela Merkel, dass sie Angst davor hat, abgeschoben zu werden, die Kanzlerin sagt ihr unverblümt ins Gesicht, dass das nun mal so ist, das Mädchen bricht in Tränen aus &#8211; eine beschämende Szene, die sich da in einer Rostocker Schule abspielte. Aber nicht nur wegen des unbeholfenen Umgangs Muttis mit der Situation [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Flüchtlingsmädchen sagt Angela Merkel, dass sie Angst davor hat, abgeschoben zu werden, die Kanzlerin sagt ihr unverblümt ins Gesicht, dass das nun mal so ist, das Mädchen bricht in Tränen aus &#8211; eine beschämende Szene, die sich da in einer Rostocker Schule abspielte. Aber nicht nur wegen des unbeholfenen Umgangs Muttis mit der Situation &#8211; sondern weil diese so entlarvend war.</p>
<p><span id="more-782"></span>Vermutlich waren die Tränen der kleinen Reem noch nicht getrocknet, als die Debatte über die Reaktion der Kanzlerin auch schon voll entbrannte. Kaltherzig fanden sie die einen, durchaus angemessen die anderen. Merkel habe, so die Argumentationslinie der letzteren Fraktion, dem palästinensischen Flüchtlingsmädchen schließlich keine Extrawurst braten können, die rechtliche Lage sei nun mal so, wie sie ist. Aber genau da liegt das Problem.</p>
<p>Dass Merkel etwas täppisch wirkte &#8211; geschenkt, vielleicht kann sie nicht so gut mit Kindern, sie wäre ja nicht die einzige. Dass sie dabei nicht vergaß, ihren Trostversuch öffentlichkeitswirksam ins Mikrofon zu sprechen statt etwas persönlicher direkt an Reem zu richten &#8211; hey, sie ist halt Profi. Dass ferner die PR-Abteilung der Initiative &#8220;Gut leben in Deutschland&#8221; in einem Anfall kaum zu fassender Verlogenheit und Dreistigkeit versuchte, Reems Weinen nachträglich zu einem Gefühlsausbruch aus lauter Aufregung umzudeuten, ist widerwärtig &#8211; aber drauf geschissen. Und dass man Merkels Spruch &#8220;Wenn wir jetzt sagen, ihr könnt alle kommen &#8211; das können wir auch nicht schaffen&#8221; ansonsten eher von rechtsaußen zu hören bekommt, ist noch eine Umdrehung ekliger als ich vor dem Frühstück ertragen konnte, aber seien wir großzügig &#8211; vielleicht hat sie&#8217;s ja anders gemeint. Hoffe ich jedenfalls.</p>
<p>Nein, die zentrale Erkenntnis dieser Szene ist aus meiner Sicht eine andere &#8211; und sie ist nicht minder verstörend: Merkel war offensichtlich damit überfordert, mit einem Flüchtlingsschicksal konfrontiert zu werden, das in ihrer Vorstellungswelt so vermutlich gar nicht existiert. Für sie &#8211; und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für den Rest ihres Kabinetts &#8211; gibt es im Wesentlichen zwei Arten von Flüchtlingen: Die, die laut Gesetz ein Recht haben, hier zu sein und jene, die das nicht haben; und sei es nur unter Berufung auf das Dublin-Abkommen, mit dem sich Deutschland seit Jahren praktischerweise ein großes Stück weit aus der Verantwortung für die Flüchtlingshilfe gestohlen hat. Nur wer sich nie wirklich vergegenwärtigt hat, dass jedes Flüchtlingsschicksal ein individuelles ist, nur wer die Flüchtlingsproblematik auf ein nacktes Zahlenwerk reduziert, nur wer keinen Gedanken daran verschwendet, dass ein Flüchtlingskinf nach vier (!) Jahren seinen Lebensmittelpunkt hier in Deutschland gefunden hat und von einer schönen Zukunft träumt &#8211; nur so jemand kann auf den absurden Gedanken kommen, das Mädchen sei deshalb völlig aufgelöst, weil es glaubt, sich blamiert zu haben. Anders läst sich das Getätschel zu dem Satz &#8220;Du hast das doch prima gemacht&#8221; nicht erklären.</p>
<p>Selten zeigt sich der technokratisch durchgestylte deutsche Asylalgorithmus so offen. Der Mechanismus kennt zwei Grundeinstellungen: Entweder kommt ein Flüchtling direkt aus einem als solchen akzeptierten Krisengebiet oder eben aus einem als &#8220;sicher&#8221; deklariertem Drittland. Ein weiterer Schalter wird dann auf &#8220;Verfolgung anerkannt&#8221; oder &#8220;nicht anerkannt&#8221; gedreht, ganz nach Lehrbuch und geltenden Richtlinien. Aber ein 13-jähriges Mädchen, das hier zur Schule geht, fließend deutsch spricht, Freunde gefunden hat, studieren und etwas aus ihrem Leben machen will? Dafür gibt es keine Schalterstellung, keinen Extrapassus, keine zufriedenstellende Richtlinie &#8211; nicht in den Gesetzen, nicht in den internationalen Verträgen und auch nicht in den Eiskammern der Herzen deutscher Regierungsmitglieder.</p>
<p>Dabei wird gerade an diesem Fall überdeutlich, dass sich Schicksale nicht in Schablonen pressen lassen. Wer das doch tut &#8211; und wer will bezweifeln, dass die Flüchtlingspolitik nach diesem kurzen Aufreger haargenau so weitergehen wird wie zuvor? -, zeigt, dass Flüchtlinge für ihn vor allem eines sind: eine bloße Rechengröße, die vorzugsweise kein Gesicht haben sollte. Schon gar nicht das eines traurigen Mädchens.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube.com/embed/2jbqei-bz7M" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
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		<title>La blague pour la blague</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Feb 2015 10:43:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Maik]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die Fans der heute show überschlagen sich im Netz mit Solidaritätsbekundungen angesichts der hochnotpeinlichen Sache mit der jungen Frau, die dort zu Unrecht als NPD-/AfD-Wählerin dargestellt wurde. Die Macher der Sendung sprechen von einem &#8220;Fehler&#8221;, das ZDF in einer offiziellen Stellungnahme von einem &#8220;Recherchefehler&#8221;, und Hunderte Kommentare in den Sozialen Netzwerken haben den Tenor: &#8220;War [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Fans der heute show überschlagen sich im Netz mit Solidaritätsbekundungen angesichts der hochnotpeinlichen Sache mit der jungen Frau, die dort zu Unrecht als NPD-/AfD-Wählerin dargestellt wurde. Die Macher der Sendung sprechen von einem &#8220;Fehler&#8221;, das ZDF in einer offiziellen Stellungnahme von einem &#8220;Recherchefehler&#8221;, und Hunderte Kommentare in den Sozialen Netzwerken haben den Tenor: &#8220;War halt ein Fehler, passiert jedem mal, sie haben sich doch entschuldigt, kommt mal runter.&#8221;  (*) <a href="http://www.presseportal.de/pm/7840/2944832/recherche-fehler-bei-heute-show-oliver-welke-entschuldigt-sich" target="_blank">Entschuldigt haben sich alle</a>, ja. (**) Allein: Ich &#8211; übrigens auch ein Fan des Formats &#8211; glaube nicht, dass es sich tatsächlich bloß um einen Fehler handelte, der einfach so mal eben passieren kann.</p>
<p><span id="more-765"></span>Denn die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=upLRtfhOjGs" target="_blank">vollständige Aussage der jungen Frau</a> lautete: &#8220;<em>Hier auf dem Dorf gibt es ziemlich viele Leute, die rechter Meinung sind und die einfach sagen,</em> ich möchte nicht mehr die NPD wählen, weil die mir zu rechtsextrem ist, deswegen wähle ich jetzt die AfD. Ich sage immer, das ist die NPD in freundlich.&#8221; Dass der Schnitt genau zwischen &#8220;sagen&#8221; und &#8220;ich&#8221; gesetzt wurde, dreht die Aussage ins komplette Gegenteil, klar &#8211; und dieser Schnitt hat sich ja nicht von selbst gesetzt, irgendjemand hat diese Passage bewusst für die Verwendung in der heute show herausgeschnitten. Und wenn man mitten in einem Satz einen solchen Schnitt setzt, hört man sich auch den ganzen Satz an &#8211; allein schon, um zu checken, ob der Abschnitt, der verwendet werden soll, auch grammatikalisch für sich selbst stehen kann. Wer schon einmal ein Interview oder sonstige O-Töne geschnitten hat, kennt das. Die Vermutung, dass der Mitarbeiter also wusste, was er tat, liegt alles andere als fern. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=BAHEMIt8LR4&amp;feature=youtu.be&amp;t=15m32s" target="_blank">Zumal das nicht zum ersten Mal vorgekommen ist</a>: Eine Äußerung von Joachim Gauck wurde zuvor ebenfalls bilderbuchmäßig aus dem Zusammenhang gerissen und so ins Gegenteil verkehrt.</p>
<p>Letztlich hätte auch die so am Ende stehengebliebene Passage in der Redaktion für Stirnrunzeln sorgen können, denn die Mimik und Körpersprache der Frau wirken so distanziert von ihrer eigenen Aussage, dass das alles auch ohne Hintergrundwissen nicht so recht zusammenzupassen scheint. Mag sein, dass in der alltäglichen Produktionshektik keine Zeit für tiefschürfene Verhaltensstudien anhand des Footage-Materials bleibt. Mir drängt sich aber der Verdacht auf, dass man es vielleicht auch gar nicht sehen wollte. Weil der Gag einfach zu gut war, um ihn einfach auf Verdacht aus der Sendung zu kicken. Ein Gag um des Gags willen, gewissermaßen.</p>
<p>Vielleicht ist es in dieser Hinsicht nicht so verkehrt, dass die Macher der heute show, die mittlerweile viel zu sehr zum humoristischen Selbstläufer geworden ist, auf diese Weise einen Weckruf bekommen. Ärgerlich ist &#8211; neben den Problemen, die sie der jungen Frau damit eingebrockt haben &#8211; vor allem aber, dass der Vorfall Wasser auf die Mühlen der &#8220;Lügenpresse&#8221;-Schreihälse ist. Ein weiterer Stein für das braune Gedankengebäude der Pegida-Verschwörungsheinis. Bislang war der Satz &#8220;Das wurde aus dem Zusammenhang gerissen&#8221; die letzte ebenso durchschaubere wie wackelige Rechtfertigungsbastion von Hetzern, die beim Hetzen erwischt wurden. Nun werden die Waschbrettköpfe für lange Zeit gebetsmühlenartig auf diesen Vorfall verweisen, wann immer es gegen die Medien geht &#8211; und das geht es zurzeit ja ständig. Die heute show hat nicht nur sich selbst einen Bärendienst erwiesen. Zu hoffen bleibt, dass die Macher es hinkriegen, glaubhaft Farbe zu bekennen. Dass sie wissen, wie man mit Schnittkunst Satire machen kann, ohne dass Fragezeichen aufkommen, haben sie ja <a href="http://heuteshow.zdf.de/#" target="_blank">in derselben Sendung bewiesen</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>_____________</p>
<p>(*) Nachtrag: Laut der ausführlichen Stellungnahme von Oliver Welke, die ich nach diesem Blogpost gelesen habe, handelte es sich um einen Dokumentationsfehler &#8211; demnach sei der Ausschnitt nicht als &#8220;aus dem Zusammenhang gerissen&#8221; gekennzeichnet gewesen, was aber in solchen Fällen vorgesehen sei. Das wirft allerdings die Frage auf, warum derartige, aus dem Kontext gerissene Sequenzen dort überhaupt zr eigenständigen Verwendung vorgesehen werden. Und warum, wenn man schon mit derart fehlerträchtigem Material jonglieren zu müssen glaubt, nicht beim Schnitt dem Clip selbst ein Warnscreen vorangestellt wird, damit jeder Mitarbeiter, der damit zu tun hat, unmittelbar auf diesen Umstand hingewiesen wird. Und es erklärt auch nicht die Sache mit Gauck und warum nicht schon dort Konsequenzen gezogen wurden.</p>
<p>(**) Noch ein Nachtrag: In der folgenden Sendung erklärte Oliver Welke, wie es zur Panne kam. Es ist zu hoffen, dass die Redaktion daraus die nötigen Konsequenzen zieht. (Und was mit Gauck damals war, wüsste ich nach wie vor gern.)</p>
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		<title>Verzieh dich, 2014</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Dec 2014 21:30:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Maik]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Privates]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Tja, 2014. War nett, dich kennenzulernen &#8211; aber ich bin auch nicht traurig, dass du dich jetzt langsam mal vom Acker machst. Wurde Zeit, die Party wurde langsam langweilig. Und bizarr.</p> <p>Verabschieden wir also ein höchst seltsames Jahr, in dem &#8230;</p> <p>… ein Krimineller, der schon mal vor der Justiz ins Ausland geflohen ist, Zehntausende [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/12/Paris_Tuileries_Garden_Facepalm_statue.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-755" src="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/12/Paris_Tuileries_Garden_Facepalm_statue-300x200.jpg" alt="Head in Hands" width="300" height="200" /></a>Tja, 2014. War nett, dich kennenzulernen &#8211; aber ich bin auch nicht traurig, dass du dich jetzt langsam mal vom Acker machst. Wurde Zeit, die Party wurde langsam langweilig. Und bizarr.</p>
<p>Verabschieden wir also ein höchst seltsames Jahr, in dem &#8230;</p>
<p><span id="more-754"></span>… ein Krimineller, der schon mal vor der Justiz ins Ausland geflohen ist, Zehntausende auf die Straße brachte, die was gegen Flüchtlinge haben;</p>
<p>… ein anderer Krimineller, der den Rest des Volkes um Millionen betrogen hat, durch ein paar Krokodilstränen zu einer Art Nationalheld und moralischer Instanz hochstiliert wurde;</p>
<p>… die Volksparteien schon wieder vor Rassismus und Rechtsextremismus einzuknicken drohen, wohl weil das in den 90ern schon so super geklappt hat;</p>
<p>… die gute alte Angst vor dem Iwan fröhliche Urständ feierte;</p>
<p>… der erste Versuch der EU, durch gezielte Unterstützung eines Putschs auch mal Großmacht zu spielen, in ein Desaster mündete;</p>
<p>… Syrien endgültig in ein Trümmerfeld verwandelt wurde (aber hey, war ja auch vorher schon kein richtiges Urlaubsland!);</p>
<p>… einer der größten internationalen Skandale, nämlich die Geheimdienstschnüffelei, irgendwie keine Sau interessierte;</p>
<p>… wirre Verschwörungstheorien plötzlich ebenso salonfähig wurden wie eine infantile Streitkultur, nach der alle anderen Meinungen außer der eigenen als Lügen abqualifiziert wurden;</p>
<p>&#8230; sogar zwei Menschen, die unter höchst tragischen Umständen gewaltsam ums Leben kamen, gegeneinander ausgespielt werden, um als Beweis für die Richtigkeit der eigenen Wahnvorstellungen herzuhalten;</p>
<p>&#8230; eine an sich nette Benefiz-Idee innerhalb von gefühlten 1,3 Sekunden in einen Overkill an hemmungsloser Selbstverliebtheit mündete.</p>
<p>Habe ich was vergessen? Ach ja: 7:1. Und es ist schon komisch, wenn so ein Ergebnis rückblickend nicht einmal annähernd das schrägste Ereignis des Jahres war.</p>
<p>Frohes 2015!</p>
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		<title>Wo warst du &#8230;</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Dec 2014 11:54:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Maik]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Privates]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&#8230; als &#8220;Wetten, dass ..?&#8221; vom Äther ging?</p> <p>Nun, aus einem im Nachhinein nicht mehr so recht nachvollziehbaren Gefühl heraus, Zeit- und Augenzeuge eines untergehenden Zeitalters zu sein und die Eingangsfrage später mal adäquat beantworten können zu wollen, habe ich am Samstag tatsächlich kurz reingeschaltet. Und das lief so:</p> <p>1. ZDF eingeschaltet.</p> <p>2. Neben Lanz [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; als &#8220;Wetten, dass ..?&#8221; vom Äther ging?</p>
<p>Nun, aus einem im Nachhinein nicht mehr so recht nachvollziehbaren Gefühl heraus, Zeit- und Augenzeuge eines untergehenden Zeitalters zu sein und die Eingangsfrage später mal adäquat beantworten können zu wollen, habe ich am Samstag tatsächlich kurz reingeschaltet. Und das lief so:</p>
<p>1. ZDF eingeschaltet.</p>
<p>2. Neben Lanz Otto, Bully und Elton gesehen. (War irgendwie Welttag der abgehalfterten Entertainer?)</p>
<p>3. Gleich wieder ausgeschaltet.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>T.C. Boyle: The Inner Circle</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Nov 2014 15:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Maik]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Zum ersten Mal einen Boyle auf englisch gelesen. Lag auch ein bisschen am deutschen Titel von &#8220;The Inner Circle&#8221;: Hier heißt der Roman &#8220;Dr. Sex&#8221;. Und wer möchte schon gerne in ein solcherart betiteltes Werk vertieft in der Regionalbahn gesehen werden?</p> <p>Dabei geht es gar nicht um Schmuddelkram. Das heißt: doch, schon, aber eben um [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/11/the_inner_circle.large_.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-738" alt="the_inner_circle.large" src="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/11/the_inner_circle.large_-195x300.jpg" width="195" height="300" /></a>Zum ersten Mal einen Boyle auf englisch gelesen. Lag auch ein bisschen am deutschen Titel von &#8220;The Inner Circle&#8221;: Hier heißt der Roman &#8220;Dr. Sex&#8221;. Und wer möchte schon gerne in ein solcherart betiteltes Werk vertieft in der Regionalbahn gesehen werden?</p>
<p>Dabei geht es gar nicht um Schmuddelkram. Das heißt: doch, schon, aber eben um die wissenschaftliche Seite. Genauer gesagt: Um den Biologen Alfred Kinsey, der mit Forschungen zum Sexualverhalten der Menschen Ende der 40er-, Anfang der 50er-Jahre die Grundlagen für das gelegt hat, was später als Sexuelle Revolution bezeichnet wurde. Die Tabubrüche, die er mit seinem Team in diesen stockreaktionären Zeiten beging, lassen sich kaum zählen. Das verspricht eine spannende Lektüre &#8211; aber dieses Versprechen wird, was mich betrifft, nur in begrenztem Maße eingelöst. Im Vordergrund stehen weniger die gesellschaftlichen Spannungsfelder, Konflikte und Brüche, sondern weit mehr die zwischenmenschlichen, festgemacht an einem fiktiven Mitarbeiter aus Kinseys Team. Letztlich ist &#8220;The Inner Circle&#8221; im Wesentlichen, neben der Erzählung einer wenig glücklichen Ehe und eines merkwürdigen Jobs, eine Charakterstudie des forschungsbesessenen Kontrollfreaks Kinsey, der auch überaus starken Einfluss auf das Privatleben seiner Kollegen nimmt.</p>
<p>Das ist, wie man es von Boyle erwarten darf, handwerklich auch durchaus gelungen &#8211; aber gefesselt hat es mich nicht unbedingt. Mir fehlten die Ideen, die Verwicklungen und die Absurditäten, die Romane wie &#8220;World&#8217;s End&#8221; oder &#8220;Drop City&#8221; zu jenen einzigartigen Leseerfahrungen machten, die sie nun einmal sind. Aber vielleicht muss man Boyle auch mal zugestehen, statt eines weiteren Meisterwerks einfach nur ein normales Buch mit einer normalen Handlung vorzulegen.</p>
<p>++++</p>
<p>&#8211;&gt; Weitere Buchbesprechungen gefällig? <a href="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/?cat=78">Hier entlang</a>!</p>
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		<item>
		<title>Medienschelte leicht gemacht</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/?p=728</link>
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		<pubDate>Sun, 30 Nov 2014 14:29:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Maik]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="wp-caption-text">Nicht vergessen: Kommentieren nur mit Aluhut! Foto: PD/Wikipedia</p> <p>Und &#8211; an diesem kalten, grauen Nachmittag in der Verlegenheit, nichts zu tun zu haben? Das Auto fertig gewaschen, den Nachbarn wegen irgendwas angezeigt und die Kleidung für den Rest des Jahres schon zurechtgelegt? Dann ist es Zeit, sich in einer reizvollen neuen Freizeitbeschäftigung zu versuchen: [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_734" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/11/ManWearingTinFoilHat.jpg"><img class="size-medium wp-image-734" src="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/11/ManWearingTinFoilHat-300x225.jpg" alt="Nicht vergessen: Kommentieren nur mit Aluhut! Foto: PD/Wikipedia" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Nicht vergessen: Kommentieren nur mit Aluhut! Foto: PD/Wikipedia</p></div>
<p>Und &#8211; an diesem kalten, grauen Nachmittag in der Verlegenheit, nichts zu tun zu haben? Das Auto fertig gewaschen, den Nachbarn wegen irgendwas angezeigt und die Kleidung für den Rest des Jahres schon zurechtgelegt? Dann ist es Zeit, sich in einer reizvollen neuen Freizeitbeschäftigung zu versuchen: der Medienschelte! Zigtausende gehen diesem aufregenden und hochangesagten Breitensport bereits nach, Tendenz steigend.</p>
<p>Keine Sorge, die ersten Schritte sind ganz leicht, Sie brauchen dafür weder Erfahrung noch besondere Kenntnisse in irgendetwas, nicht einmal in Rechtschreibung oder Grammatik. Sie müssen, wenn Sie ein mobiles Gerät benutzen, dazu auch nicht einmal das Sofa verlassen. Ein Leitfaden in fünf einfachen Schritten.</p>
<p><span id="more-728"></span><strong>Lesson one: Wayne?</strong></p>
<p>Der Einstieg in die Medienschelte ist ganz einfach. Suchen Sie sich ein Medium aus, ganz egal welches, und klicken Sie sich durch das dortige Angebot an Beiträgen. Suchen sie sich einen Artikel, der Sie nicht die Bohne interessiert &#8211; irgendeinen findet man immer &#8211; und setzen in die Kommentarspalte darunter einen Klassiker wie: &#8220;Haben wir denn keine anderen Probleme? Armes Deutschland!!!&#8221; Beachten Sie: Niemals nur ein einzelnes Ausrufezeichen setzen, das schwächt nur Ihre Argumentation. Es müssen mindestens drei sein, aber grundsätzlich gilt: Je mehr, desto rechter haben Sie. GLEICHES GILT FÜR DIE VERWENDUNG VON VERSALIEN. Hinweise auf das Sommerloch sind auch immer gut &#8211; ganz egal, welche Jahreszeit gerade herrscht. Modifizieren Sie Ihren Kommentar einfach: &#8220;Das Sommerloch dauert dieses Jahr aber lange / bricht dieses Jahr aber früh aus / ist dieses Jahr wohl nahtlos in ein Winterloch übergegangen.&#8221;</p>
<p>Im Fortgeschrittenenmodus erfordert dieser Part etwas mehr Aufwand: Suchen Sie sich zugleich ein Thema, das im gewählten Medium aktuell gerade nicht stattfindet und kombinieren Sie beide Punkte: &#8220;Über sowas wird berichtet, aber xyz wird totgeschwiegen!!! Typisch!!!&#8221; Es ist egal, was Sie anstelle von xyz einsetzen, es sollte nur als Aufreger taugen. Hilfreich ist es, ein Thema zu nehmen, das zwar brennt, bei dem es aktuell aber nichts Neues zu berichten gibt. Fukushima eignet sich fast immer: Mit hoher Wahrscheinlichkeit finden Sie an jenem Tag keinen Artikel à la &#8220;Ostjapan immer noch verstrahlt&#8221;.</p>
<p>Im Expertenmodus schließlich bezichtigen Sie die Redaktion, solch abseitige Themen nur deshalb zu bringen, weil sie sich &#8220;an die harten Geschichten nicht herantrauen / mit den Mächtigen unter einer Decke stecken / sowieso alle gekauft sind&#8221;. Ganz wichtig: Bringen Sie in Ihrem Kommentar unbedingt das Wort &#8220;Mainstreammedien&#8221; unter! Ansonsten gilt er nicht. Keine Sorge: Niemand verlangt Ihnen eine Definition ab, was &#8220;Mainstreammedien&#8221; eigentlich sind und wer dazugehört. Wenn Sie sich für revolutionär halten, darf es auch gerne das Wort &#8220;Systempresse&#8221; sein, dann sollten Sie aber auch daran denken, die Zahl der Ausrufezeichen entsprechend zu erhöhen.</p>
<p><strong>Lesson two: WTF?</strong></p>
<p>Nun suchen Sie sich einen Bericht zu einem Thema, das Sie zwar durchaus interessiert, in dem aber jemand zu Wort kommt, den Sie nicht ausstehen können. Sie müssen diesen Menschen nicht kennen, es reicht, wenn er nicht Ihrer Meinung ist &#8211; und das erkennen Sie ja schon an der Überschrift, Sie müssen sich gar nicht lange mit dem lästigen Lesen des Artikels abgeben. Beklagen Sie in möglichst betroffenem Tonfall, ach was, prangern Sie in möglichst harschen Worten an, dass &#8220;hier so jemandem hier ein Forum geboten wird&#8221; (diese Formulierung muss in ihrem Post enthalten sein, das ist nicht fakultativ). Bedenken Sie stets: Medien sind <em>nicht</em> dazu da, Sie mit verschiedenen Sichtweisen zu konfrontieren, auf dass Sie sich auf einer möglichst breiten Informationsbasis eine eigene Meinung bilden können &#8211; dieses Argument haben sich <del>die Medienmacher</del> <del>die Regierenden</del> die Bilderberger bloß ausgedacht, weil es so schön nach mündigem Bürger klingt. (Ist Ihnen die phonetische Ähnlichkeit zwischen &#8220;Meinung bilden&#8221; und &#8220;Bilderberger&#8221; aufgefallen? Na, also.) Nein: Medien sind <em>ausschließlich</em> dazu da, Sie in Ihrer vorgefassten Meinung zu bestätigen! (Tschuldigung, ich meinte: !!!!!) Alles andere ist Verrat am Leser, der schließlich nicht dafür bezahlt oder sich zumindest mühsam bis zu dem entsprechenden Artikel durchgeklickt und dabei seinen Zeigefinger abgenutzt hat, um Regierungs-/US-/Mossadpropaganda zu lesen.</p>
<p><strong>Lesson three: &#8230; THAT is the question.</strong></p>
<p>Nun wird es etwas aufwendiger, denn in dieser Lektion geht es um eine Form der Medienschelte, die ein gewisses Hintergrundwissen sowie ein bisschen mehr Zeitinvestition erfordert. Suchen Sie sich ein politisches Interview heraus und &#8230; lesen Sie es zunächst. Ich weiß, das ist normalerweise nicht nötig, um seinen Senf dazuzugeben, aber es lohnt sich, wenn Sie sich vom Pulk der 08/15-Kommentartrolle abheben wollen. Sind Sie also mit dem Interview durch, formulieren Sie ein, zwei Fragen, die darin nicht gestellt wurden, und leiten Sie daraus die bereits oben erwähnten Unterstellungen ab (Systempresse und so). Beispiel: Nehmen Sie ein aktuelles Interview mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (alle paar Wochen gibt es mal eins) und wettern Sie in der Kommentarspalte dagegen, dass der Interviewer nicht nach den <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-spendenaffaere-schaeuble-war-mittaeter-a-59401.html">100.000 Euro aus der CDU-Spendenaffäre</a> gefragt hat. Oder nehmen Sie ein Interview mit einem x-beliebigen Grünen zu irgendwelchen Koalitionsüberlegungen und beklagen Sie ebenso geist- wie wortreich, dass &#8220;mal wieder nicht über den Kosovokrieg gesprochen wurde&#8221;. Seien Sie kreativ! Und nutzen Sie Synergieeffekte: Schelten Sie nicht nur den Schäuble-Interviewer, sondern kommentieren Sie, wie in Lektion eins gelernt, parallel unter einen bunten Panoramaartikel, dass &#8220;lieber über sowas berichtet wird als über <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/waffenlobbyist-sechseinhalb-jahre-haft-fuer-karlheinz-schreiber-12663939.html">Karlheinz Schreiber</a>&#8220;. Sollten Sie nichts finden, das den Tatbestand der Totschweigerei erfüllt, suchen Sie sich aus dem Interview einen Aspekt heraus, der Ihnen am Allerwertesten vorbeigeht, und brandmarken sie ihn als &#8220;durchsichtiges Ablenkungsmanöver&#8221;.</p>
<p><strong>Lesson four: Get lost, sucker!</strong></p>
<p>Klären Sie mit einem Blick in den Spiegel (also das Glasding, nicht das Magazin), ob Sie bereit für die zweithöchste Stufe der Medienschelte sind. Haben Sie einen knallroten Kopf, ist das die beste Voraussetzung, sich nunmehr die Kommentare vorzunehmen &#8211; gemeint sind an dieser Stelle die redaktionellen Kommentare, nicht die Onlinekommentare anderer Leser. Wir haben bereits gelernt, dass Redakteure, die es wagen, nicht Ihre Meinung wiedergeben, sondern ihre eigene wirre Weltsicht, mit allen Mitteln niederzumachen sind. Das Schöne an redaktionellen Kommentaren ist ja, dass der Autor so gut wie immer namentlich genannt ist &#8211; nur in so unseriösen Klatschprodukten wie dem Spiegel (also diesmal das Magazin, nicht das Glasdings) kommt der Leitartikel auch mal ohne Namen aus. Nutzen Sie die Offenheit und gehen Sie den Verfasser ganz persönlich an. Nennen Sie ihn mehrfach bei Vor- und Zunamen, bezweifeln Sie seine journalistische Kompetenz, lassen Sie ihn wissen, dass man &#8220;auch mal richtig reschaschieren&#8221; müsse und geben ihm gute Ratschläge für seinen weiteren beruflichen Werdegang. Auch dann, wenn Sie selbst anonym unter Nicknames wie superchecker2000 oder mr30cm unterwegs sind. Werfen Sie dem Autor vor, dass sein &#8220;Artikel&#8221; tendenziös sei und persönliche Meinungen im Journalismus nichts verloren hätten. Stellen Sie offen Mutmaßungen darüber an, wer den Schreiberling für sein Geschmiere bezahlt hat. Greifen Sie auf die Methoden aus den ersten Lektionen zurück und hauen diesem Propagandisten um die Ohren, was er in seinem Kommentar alles <em>nicht</em> erwähnt hat (Fukushima).</p>
<p><strong>Lesson five: The Truth is out there.</strong></p>
<p>Nun sind Sie bereit für die Königsdisziplin: die Wahrheit. Nämlich die, die von den Mainstreammedien stets verschwiegen wird. Klären Sie die Menschen auf, wenn die Systemschreiber es schon nicht tun!(!!!!!!) Die Wahrheit herauszufinden, wenn Sie Ihnen nicht ohnehin schon von vornherein klar ist, ist gar nicht so schwer &#8211; sie lässt sich zahlreichen Blogs entnehmen, die das Wort &#8220;truth&#8221; im Titel führen. Oder &#8220;Propaganda&#8221; &#8211; stets ein verlässlicher Hinweis darauf, dass lediglich die anderen (gebräuchliche Kurzform für die anderen: SIE) selbige betreiben. Mit ein bisschen Übung schaffen Sie es auch leicht selbst, aus jedem beliebigen Denkansatz die Wahrheit zu destillieren und unters Volk zu bringen: Fragen Sie sich einfach bei jedem Ereignis auf der Welt, wer im Westen daraus Vorteile ziehen kann &#8211; der Rest ergibt sich quasi von selbst. In höchstens drei gedanklichen Schritten kommen Sie immer zum CIA, den Bilderbergern oder zur zionistischen Weltverschwörung. (Als ob es da einen Unterschied gäbe, wie? Zwinker.)</p>
<p>Auch hier schadet der wiederholte Einsatz des Begriffs &#8220;Mainstreammedien&#8221; nicht, im Gegenteil. Ätzen Sie bei dieser Gelegenheit auch gegen die &#8220;sogenannten Qualitätsmedien&#8221; &#8211; Obacht: diese beiden Wörter gehören zwingend zusammen; wenn sie ganz sicher gehen wollen, setzen Sie &#8220;Qualitätsmedien&#8221; zusätzlich in An- und Abführungszeichen. Stellen Sie klar, dass, wer die Wahrheit kennen will, sich von den Mainstreammedien freimachen müsse. Wichtig: Verlinken Sie dennoch keinen der Blogs, die Ihnen bei der Wahrheitsfindung geholfen haben. Deren Autoren haben es oftmals nicht so mit der Orthografie, das wäre dann irgendwie peinlich.</p>
<p>Was andere Leser dazu kommentieren, muss Sie übrigens nicht weiter beeindrucken: Das sind alles nur systempressenhörige Schafe oder getarnte Lohnschreiber. Wenn Sie Lust darauf haben, lassen Sie sich dazu herab, sie das auch in aller Deutlichkeit wissen zu lassen. Aber lassen Sie sich auf keine Diskussion mit diesen armen, nichtsahnenden Naivlingen bzw. feigen Systemsoldaten ein; dazu ist Ihre Zeit viel zu kostbar. Falls es doch soweit kommen sollte, nutzen Sie <a href="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/?p=595">dieses hilfreiche Handout</a>.</p>
<p><strong>Glückwunsch!</strong></p>
<p>Sie haben nun das nötige Rüstzeug, beim großen Medienbashing mitzumachen. Damit punkten Sie auch an Ihrem Stammtisch! Vorausgesetzt, Sie haben noch einen &#8211; denn wenn Sie Medienschelte mit ein wenig Engagement betreiben, brauchen Sie keinen mehr. Falls Sie aber daran denken, dennoch von Zeit zu Zeit andere Menschen von Angesicht zu Angesicht an ihrer inteleckt&#8230; innterl&#8230; interlleg&#8230; ihrer geistigen Überlegenheit teilhaben zu lassen, etwa am Kneipentresen, achten Sie unbedingt darauf, in ihrer Wortwahl ein paar Gänge gegenüber Ihrer Online-Ausdrucksweise zurückzuschalten. Ansonsten könnten Sie eine nonverbale und unter Umständen nicht nur emotional schmerzhafte Entgegnung seinerseits herausfordern. Sie ist schon verrückt, diese Analogwelt. Halten Sie sich lieber von ihr fern.</p>
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		<title>&#8220;Godzilla&#8221; oder: der zweite Versuch einer Hollywoodisierung</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Jul 2014 22:02:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Maik]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="wp-caption-text">Ja, alter Kumpel aus Kindheitstagen &#8211; ich habe mir auch des öfteren an den Kopf gefasst &#8230;</p> <p>Machen wir es kurz, ist ja schon spät: Zur Abwechslung gibt es mal eine Filmkritik. In Stichpunkten, passend zur Stringenz der Handlung.</p> <p>Was der Film hat:</p> <p>- Den unumgänglichen Vater-Sohn-Konflikt;</p> <p>&#8211; Die ebenso unumgängliche Bereitschaft US-amerikanischer Soldaten [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_700" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/07/godzilla-facepalm.jpg"><img class="size-medium wp-image-700 " alt="Ja, alter Kumpel aus Kindheitstagen - ich habe mir auch des öfteren an den Kopf gefasst ..." src="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/07/godzilla-facepalm-300x200.jpg" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Ja, alter Kumpel aus Kindheitstagen &#8211; ich habe mir auch des öfteren an den Kopf gefasst &#8230;</p></div>
<p>Machen wir es kurz, ist ja schon spät: Zur Abwechslung gibt es mal eine Filmkritik. In Stichpunkten, passend zur Stringenz der Handlung.</p>
<p><strong>Was der Film hat:</strong></p>
<p><span id="more-699"></span>- Den unumgänglichen Vater-Sohn-Konflikt;</p>
<p>&#8211; Die ebenso unumgängliche Bereitschaft US-amerikanischer Soldaten im Allgemeinen, alles zu geben und nicht zu weichen, egal wie aussichtslos der Kampf erscheint;</p>
<p>&#8211; Die &#8211; aller guten Klischees sind drei(hundert) &#8211; vollkommen unumgängliche Bereitschaft des Helden im Besonderen, ein Himmelfahrtskommando für Volk<del datetime="2014-07-26T21:24:44+00:00">Führer</del>PräsidentVaterland und die Selbstopferung für ihm vollkommen wildfremde Menschen der Sorge um seine eigene Familie vorzuziehen;</p>
<p>&#8211; Ein Ausmaß an Zerstörungspornografie, das &#8220;2012&#8221; weit hinter sich lässt &#8211; und da ging immerhin die ganze Welt unter;</p>
<p>&#8211; Einen Gottesbezug, der zwar rein visuell daherkommt, aber so dick aufgetragen ist, dass es schon wieder künstlerischen Wert hat;</p>
<p>&#8211; Einen insofern brauchbaren Godzilla, als dass er dem Original der 50er-Jahre zumindest ähnelt &#8211; anders als der beknackte Dinosaurier aus der Emmerich-Verfilmung;</p>
<p>&#8211; Dafür zwei unglaublich hässliche Antimonster, die aussehen, als wären sie auf dem Cloverfield-Set übrig geblieben;</p>
<p>&#8211; Einen Bryan Cranston, der erneut zeigt, dass er kein ganz schlechter Schauspieler ist &#8211; was uns umso meht zur Frage führt, was um Himmelswillen zwischen der letzten Klappe von &#8220;Breaking Bad&#8221; und dem ersten Drehtag von &#8220;Godzilla&#8221; mit seiner Karriere schiefgelaufen ist;</p>
<p>&#8211; Eine starke, ach was, eine unzweifelhaft absolut mega-entscheidende Rolle der glorreichen US-Streitkräfte, die ganz selbstverständlich die Leitung des ganzen Dingens übernehmen, obwohl das Monster anfangs nicht auf US-Hoheitsgebiet, sondern in Japan gewütet hat &#8211; im Übrigen frage ich mich, wieviel die US-Navy zum Film hinzugeschossen hat und ob sie es sich es ein kleines Extra hat kosten lassen, dass die Air Force im Film so völlig ineffizient wirkt;</p>
<p>&#8211; Groben physikalischen Unfug;</p>
<p>&#8211; Standardmäßig heldenhaft inszenierte Feuerwehrleute;</p>
<p>&#8211; Den klassischen intensiven, wissenden Augenkontakt zwischen dem Helden und dem gefühlt 30.000mal größeren Monster. Und das gleich zweimal.</p>
<p>&#8211; Eine Messerspitze WG-Küchen-Philosophie, vorgebracht &#8211; natürlich &#8211; vom Quotenasiaten des Films, der sich aus nicht näher ersichtlichen Gründen die ganze Zeit im Zentrum der Kommandostruktur der US-Streitkräfte aufhalten darf (dargestellt von Ken Watanabe, dem ich zum wiederholten Mal wünsche, jemand würde ihm mal wieder eine anständige Rolle auf den Leib schreiben). Wortlaut: &#8220;Wir Menschen denken, dass wir die Natur unter Kontrolle hätten &#8211; und nicht umgekehrt&#8221;;</p>
<p>&#8211; Ein paar starke Bilder.</p>
<p><strong>Was der Film nicht hat:</strong></p>
<p>&#8211; Alles andere.</p>
<p><strong>Und was vom Film übrig bleibt:</strong></p>
<p>&#8211; Die Erkenntnis, dass im Jahr 13 nach 9/11 in Hollywoodfilmen wieder Flugzeuge in Wolkenkratzer rasen dürfen.</p>
<p>&#8211; &#8230; sowie die Erfahrung, dass es nicht viel bringt, wochenlang zu warten, bevor ich mir einen bereits angelaufenen Kinofilm &#8211; in der Hoffnung auf einen möglichst leeren Saal &#8211; anschaue, wenn die beiden einzigen anderen Anwesenden so viel quatschen wie 20 normale Kinobesucher.</p>
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		<title>Gauchogate oder: Kommt klar, allesamt</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jul 2014 13:12:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Maik]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="wp-caption-text">&#8230; und so reiten die Gauchos. So what? Bild: Wikipedia/pd</p> <p>Es ist schon wirklich lustig. Kaum hat aber auch jedes Medium darüber berichtet, wie angenehm bescheiden und vorbildlich die Deutsche Nationalelf in Brasilien aufgetreten ist, da veranstalten die kurzbehosten Einkommensmillionäre den doofen Gaucho-Tanz. Und sowohl die offene Kritik an diesem Gebaren als auch die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_693" style="width: 231px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/07/BacleTyC8331-Gaucho.jpg"><img class="size-medium wp-image-693" alt="... und so reiten die Gauchos. So what? Bild: Wikipedia/pd" src="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/07/BacleTyC8331-Gaucho-221x300.jpg" width="221" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">&#8230; und so reiten die Gauchos. So what? Bild: Wikipedia/pd</p></div>
<p>Es ist schon wirklich lustig. Kaum hat aber auch jedes Medium darüber berichtet, wie angenehm bescheiden und vorbildlich die Deutsche Nationalelf in Brasilien aufgetreten ist, da veranstalten die kurzbehosten Einkommensmillionäre den doofen Gaucho-Tanz. Und sowohl die offene Kritik an diesem Gebaren als auch die ungleich heftigere Kritik an den Kritikern war absolut vorhersehbar &#8211; so sehr, dass man sich fragt, ob die Gründung einer Agentur für herbeikonstruierte Aufreger nicht ein lohnendes Geschäftsmodell darstellen könnte.</p>
<p><span id="more-692"></span>Dabei waren sie während des Turniers doch so artig und wohlerzogen, die Bundeskicker. Nie haben sie sich über Gegner lustig gemacht, zumindest nicht öffentlich. Immer haben sie brav &#8220;Bitte&#8221; und &#8220;Danke&#8221; gesagt, weil sie sich &#8220;por favor&#8221; und &#8220;obrigado&#8221; ohnehin nicht merken konnten. Und stets sind sie mit sauberen Fingernägeln und gewaschenen Hälsen vor die Tür gegangen.</p>
<p>Und dann <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lfhCnYAVz8M">das</a>! Buckliges Schlurfen zur Textzeile &#8220;So gehen die Gauchos&#8221;, stolzes und mannhaftes Daherschreiten zu &#8220;So gehen die Deutschen&#8221;; es hätte nur wenig gefehlt, und sie hätten sich auf die Brust getrommelt. Das waren wahrlich keine schönen Bilder. Das war &#8230; äh &#8230; das war &#8230; hmm &#8230; ja, was war das eigentlich? Ich meine: außer natürlich vollkommen daneben?</p>
<p>Ganz einfach: es war ein ganz großer Irrtum auf Grundlage einer von vornherein fehlgeleiteten Denke. Nämlich einer, die besagt: Fußballer sind Vorbilder, Fußballer sind Aushängeschilder ihrer Nation, Fußballer sind irgendwie übermenschlich oder sollten das alles zumindest sein. Das ist, mit Verlaub gesagt, Bullshit. Fußballer sind keine Diplomaten. Und Vorbilder sind sie bestenfalls für neunjährige Nachwuchskicker. Die meisten Fußballer &#8211; daran sollte an dieser Stelle mal wieder erinnert werden &#8211; sind vor allem eines: Ziemlich junge Männer, die trotz aller Reichtümer auf ihren Konten noch nicht allzu viel vom Leben mitbekommen haben dürften und die wohl auch noch nicht allzuviel Erfahrung darin haben, die Folgen ihres Handelns abzuschätzen, zumal dann, wenn kein PR-Berater in der Nähe ist, der Schlimmeres verhindert. Was in solchen Fällen alles passieren kann, <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/grosskreutz-debatte-beim-dfb-ausser-tresen-nix-gewesen-1.1975199">hat Kevin Großkreutz eindrucksvoll gezeigt</a>.</p>
<p>Und dann wundern sich manche darüber, dass sich die siegesbesoffenen teutonischen Nationalkicker in Berlin nun doch noch in Häme gesuhlt haben? Dass sie sich an einer Feierstunde erfreuen konnten, die vor Flachheit und Proletentum nur so strotzte? Dass sie gezeigt haben, dass sie ein typisch maskulin-aggressives Humorverständnis haben? Ach, bitte. Die Jungs haben es sich in den zwei Tagen zuvor einfach nur nach außen hin verkniffen &#8211; sicher hatte der DFB-Stab bis zuletzt mit Argusaugen über die Öffentlichkeitswirksamkeit jedes einzelnen Schritts gewacht.</p>
<p>Das &#8220;Gauchogate&#8221; ist kein Riesenskandal; es ist allerdings durchaus ziemlich peinlich, was die Spieler da in Berlin zu einem umgetexteten Kinderlied veranstaltet haben (<a href="http://www.welt.de/sport/fussball/wm-2014/article130215880/Die-Wahrheit-ueber-den-Gaucho-Gesang.html">übrigens keineswegs zum ersten Mal</a>). Wer jetzt aber allen Ernstes nicht von Fremdscham-, sondern von Enttäuschungsgefühlen getrieben wird &#8211; &#8220;Oh mein Gott, wie konnten sie nur?&#8221; -, sollte vielleicht mal den Weihrauch von seinem Nationalelf-Altar wegwedeln und einen nüchternen Blick auf die Typen werfen, die da so auf der Bühne herumhampelten. Und wer dagegen lauthals herumkrakeelt, dass das doch alles bloß lustig gewesen sei und sich &#8220;die Schreiberlinge&#8221; von &#8220;der Presse&#8221; mal nicht so aufregen sollen &#8211; die, nun ja, sollten einfach weiter RTL II gucken und auch weiterhin über nichts nachdenken.</p>
<p>Ich für meinen Teil denke über den eigentlichen Skandal nach: Wie kommt der DFB eigentlich dazu, ausgerechnet diesem unsäglichen und indiskutablen Oliver Pocher eine Bühne zu bieten?</p>
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		<title>Joe Haldeman: Der ewige Krieg</title>
		<link>http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/?p=680</link>
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		<pubDate>Fri, 23 May 2014 15:06:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Maik]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Da habe ich seit langem mal wieder ein Buch einfach mal so gekauft, ohne vorher vom Autor oder Titel je etwas gehört zu haben. Ließ mich blenden vom Sticker &#8220;50 Jahre Science-Fiction bei Heyne&#8221;. Dachte, wenn die schon so eine Jubiläumsreihe rausbringen, dann werden sie schon eine Auswahl getroffen haben, welche Bücher darin aufgenommen werden [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Da habe ich seit langem mal wieder ein Buch einfach mal so gekauft, ohne vorher vom Autor oder Titel je etwas gehört zu haben. Ließ mich blenden vom Sticker &#8220;50 Jahre Science-Fiction bei Heyne&#8221;. Dachte, wenn die schon so eine Jubiläumsreihe rausbringen, dann werden sie schon eine Auswahl getroffen haben, welche Bücher darin aufgenommen werden &#8211; mit etwas Glück vielleicht sogar die besten des Genres, die der Verlag zu bieten hat.</p>
<p><a href="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/05/buch-haldeman.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-682" alt="buch haldeman" src="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/wp-content/uploads/2014/05/buch-haldeman-189x300.jpg" width="189" height="300" /></a>Nun ja. Entweder habe ich mich getäuscht oder Heyne hat nicht wirklich viele Aktien im SF-Bereich. Die Story hinter &#8220;Der ewige Krieg&#8221; ist schnell erzählt, da sie wie das Szenario in gefühlten 90 Prozent aller SF-Schwarten daherkommt: Mensch erobert Weltraum, Mensch trifft auf Alienrasse, peng, rumms, Raumschiff putt, interstellarer Krieg von epischem Ausmaß ist da. Immerhin hatte Joe Haldeman eine ganz interessante Idee: Aufgrund der irren Entfernungen zwischen den Schlachtfeldern brauchen die Truppen Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte, um dort hinzugelangen und ebenso lange, um zurückzukehren &#8211; während sie selbst nur minimal altern. Nach jedem Einsatz finden sie mithin eine vollkommen veränderte Gesellschaft vor, in der sie sich schwer zurechtfinden; und hier &#8211; wie auch in den Kampfbeschreibungen &#8211; hält sich der 1974 erschienene Roman auch gar nicht lange mit spielerischen Andeutungen oder geschickt in die Handlung gebetteten Parallelen auf, sondern brät dem Leser die Vietnam-Parabel geradezu mit einem Knüppel über.</p>
<p>Eine zweite ungewöhnliche Idee Haldemans hängt mit sich ändernden sexuellen Orientierungen zusammen und ist mehr als nur ein bisschen merkwürdig, man möchte sagen: blöd. Ob den Autor eine latent homophobe Ader oder einfach nur das Verrennen in die Vorstellung einer möglichst bizarren Zukunftsentwicklung diesen Aspekt der Story entwickeln ließ, sei dahingestellt &#8211; sonderlich viel Sinn ergibt das alles jedenfalls nicht.</p>
<p>Was bleibt, ist ein handwerklich solider SF-Roman, den man lesen kann, aber auch nicht muss. Ja, ich weiß mittlerweile: &#8220;Der ewige Krieg&#8221; ist preisgekrönt. Und dennoch werde ich ihn schnell wieder vergessen haben.</p>
<p>++++</p>
<p>&#8211;&gt; Weitere Buchbesprechungen gefällig? <a href="http://www.noltejournal.de/Blog/wordpress/?cat=78">Hier entlang</a>!</p>
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